Samstag, 1. Oktober 2011

Filmreihe 'Zeitgeist' – ein Rundumschlag

Sollten bestimmten Filme und Bücher eine Packungsbeilage beigefügt werden, mit der auf mögliche Nebenwirkungen und Risiken verwiesen wird? Jedenfalls sind die nachfolgend verlinkten Filme mit einem gewissen Risiko für die Menschen verbunden, die etwas von dem bewahren möchten, was die einen als gesunden Optimismus und andere als Illusion bezeichnen. Streng gläubige Personen werden aller Wahrscheinlichkeit nach eh’ nach spätestens 12 Minuten abschalten – oder sich die Mühe machen, die mutmaßlichen Widersprüche ihrer Buchreligion zu widerlegen.
Zeitgeist, der Film ist ein von Peter Joseph produzierter Film aus dem Jahr 2007, der mit den Mitteln eines Dokumentarfilms u.a. eine Reihe von Verschwörungstheorien rund um das Christentum, die Anschläge vom 11. September 2001 thematisiert sowie die Verbindung zwischen Hochfinanz und Kriegswirtschaft aufgreift.
Zeitgeist: Addendum ist das von P. Joseph bereits 2008 produzierte Nachfolgewerk ähnlicher Machart, mit dem dieselben Betrachtungen und Auffassungen vertieft und ergänzt werden. Der Film behandelt das amerikanische Federal Reserve System, die CIA, Regierungsformen, wiederum die Religionen und die Unternehmens- und Wirtschaftssituation der Welt an Beispielen der USA. Er schlussfolgert eine diesen Institutionen innewohnende Korruption, die der Menschheit insgesamt nur schädlich sein kann und abgelöst werden sollte. Der Film beschreibt das „Venus Project“ als nicht perfekte, aber heutzutage mögliche Lösung.

Dem Regisseur Peter Joseph zufolge versucht der Film die Ursachen der überall vorhandenen, gesellschaftlichen Korruption aufzudecken und gleichzeitig eine Lösung anzubieten. In dieser Schlussfolgerung betont der Film, dass jegliche Glaubenssysteme immer ein Bedürfnis von Abhängigkeit erzeugten. Es werden konkrete Möglichkeiten dargestellt, wie das derzeitige Geldsystem geschwächt werden kann. Der Film schlägt verschiedene Ansätze vor, die zu einer „sozialen Transformation“ führen sollen; unter anderem Boykott der großen Banken, die das Federal Reserve System ausmachen, Ausblenden der Mainstream-Massenmedien, Boykott des Militärs und Ausstieg aus der Energieabhängigkeit den großen Energiekonzernen gegenüber.

Beide Filme weisen gewisse Parallelen zu dem Buch Bekenntnisse eines Economic Hit Man (Confessions of an Economic Hit Man) auf, einem 2004 von von John Perkins verfassten Werk. Laut Perkins habe dieser sich sein schlechtes Gewissen von der Seele schreiben wollen, nachdem er dabei mitgewirkt habe, unterentwickelte Staaten dazu zu bringen, enorme Entwicklungshilfekredite von Institutionen wie der Weltbank und aufzunehmen. Sobald diese Länder sich dann mit ihrer Überschuldung konfrontiert sahen, habe man sie zum Verkauf ihrer Ressourcen und Infrastruktur an Privatfirmen gezwungen und sie genötigt, sich bei den verschiedensten Gelegenheiten dem politischen Druck der USA zu beugen. Perkins beschreibt eine langfristige Strategie, um Entwicklungsländer politisch zu neutralisieren und zu lasten ihrer Bevölkerung in wachsende Abhängigkeit von der US-dominierten Weltbank zu treiben. Bestechung und Wahlbetrug werden als probate Werkzeuge genannt.
Peter Joseph’s Filme richtet sich mehr auf die großen Zusammenhänge als solche zwar Details, lassen aber gleichfalls keinen Zweifel an der ‘moralischen Verderbtheit des Systems’ und seiner Erfüllungsgehilfen.
Wenn man sich von der recht geschickten Argumentation nicht vereinnahmen lässt, kann Joseph’s Werk durchaus einen Nutzen erfüllen: Globale Themen, Fragestellungen und Fakten(?) wurden Millionen Menschen nahegebracht, die ansonsten über ‘so etwas’ kaum je nachgedacht haben würden. Leider kommt jede Lösungsorientierung viel zu kurz.


Religion  / religiöse Organisationen
Religion wird von Joseph allgemein als 'Rekordhalter in falschen Versprechungen' bezeichnet und ziemlich derb ins Lächerliche gezogen. Wer also tiefgläubig ist und seinen Glauben nicht in Frage stellen (lassen) möchte, sollte vielleicht auf diesen Film verzichten. Im ersten Teil wird die Entstehung der heutigen abrahamitischen (auf Abraham zurückgehenden) Religionen dargestellt - beginnend mit den monotheistischen Anfängen im frühen Ägypten. Folgt man der Auffassung des Filmautors, dann weisen sehr viele Religionen gemeinsame Merkmale auf, die allesamt astrologischen Ursprung sind:

Der Religionsstifter
  • wurde am 25. Dezember geboren
  • ist von einer Jungfrau geboren
  • seine Geburt wurde von einem Stern begleitet
  • häufig von 12 Jüngern begleitet
  • mit dreißig Jahren getauft
  • erlitt einen gewaltsamen Tod und ist nach 3 Tagen wieder auferstanden.
    Diese Übereinstimmung astrologisch begründeter Metaphern treffe unter anderem zu auf: Horus (Ägypten), Dionysos (Griechenland), Mithras (Persien, später im Römischen Reich), Christentum. Auch stamme das Kreuz nicht aus den Anfängen des Christentums, sondern sei ein ursprünglich heidnisches, astrologisches Symbol. Auch das eschatologische Endzeit-Konzept, dem wir in vielen Religionen begegnen, sei eine missverstandene religiöse Allegorie für den Übergang von einem Zeitalter (Äon) in das nächste.
     
    Horus
    Der biblischen Geschichte der Sintflut aber begegnet man schon im sumerischen Gilgamesch-Epos (→Mesopotamien), das etwa 2600 v. Chr. schriftlich fixiert wurde. Viele andere Motive gründeten sich auf ägyptische Religionsschriften - selbst die 10 Gebote seien im Totenbuch der Ägypter anzutreffen. Damit ist der erste Teil des Films abgeschlossen, nun folgt eine Aufzählung vermeintlicher Lügen in Bezug auf die Terroranschläge vom 11.9.2001 - ein Thema, zu dem ich nicht viel beitragen kann. Ja, das Zusammenfallen der 2 Türme und insbesondere des Hauses No. 7 erinnert wohl an eine kontrollierte Sprengung - das wird deutlich, wenn man entsprechende Filmaufnahmen (am besten in Zeitlupe) vergleicht. Aber die im Film nahegelegten Schlussfolgerungen in Richtung Verschwörung elitärer Kreise sind m.E. kaum mehr als unbewiesene Vermutungen. Vielleicht kommt die Wahrheit irgendwann später ans Licht.

    Solchen Spekulationen blinden Glauben zu schenken, impliziert die Gefahr der Manipulation und Instrumentalisierung...was ebenso auf offizielle Untersuchungsberichte der Bush-Administration zutreffen könnte... Der dritte Teil stellt ein weiteres Instrument vor, Menschen in wirtschaftliche Abhängigkeit zu führen und darin zu belassen - das System von Zentralbanken, Finanzinstrumenten,..., und Kriegen als Profitquelle. Auch hier agiert angeblich wieder eine kleine Elite...Parallelen an die Feindbilder der NS-Diktatur ("weltweites Finanzjudentum") drängen sich hier leider auf - auch wenn ich nicht bestreite, dass heute der Eindruck besteht, das Weltgeschehen werde immer mehr von wenigen, global agierenden Konzernen beherrscht.Fatalerweise hatte die damalige Bevölkerung Deutschlands kaum eine Möglichkeit, der einseitigen Propagandastrategie der Nazis objektivierbares, neutrales und vor allem sachliches Wissen entgegen zu setzen - dies trifft heute auf jene Teile der Gesellschaft zu, die auf Bildung verzichten und statt dessen Konsum & Bedürfnisbefriedigung zum einzigen Mittelpunkt ihres Daseins werden lassen.

    So wird mit 'Zeitgeist' auch aufgezeigt, wie leicht Massenmedien als Instrumente zur einseitigen Information und Ruhigstellung einer kaum gebildeten Bevölkerung genutzt werden...naja, hierzulande dient das Fernsehen eher der Massenverblödung*, was im Ergebnis aber dem gleichen Ziel dient. Als Beispiel für die mediale Manipulation hierzulande mag das 'Sommermärchen'-Theater während der Fußball-WM 2006 dienen - während dieser Zeit verabschiedete unsere Regierung fast unbemerkt eine Reihe folgenschwerer Gesetze (mehrere Rüstungsaufträge - Eurofighter , u.a.). Dass der Filmautor nicht viel von Religion hält, war schnell absehbar - er sieht religiöse Mythen (zu denen er auch das Christentum zählt) als eine der unheilvollsten Kräfte der letzten 6000 Jahre an.

    Geld- und Machtgier – Kennzeichen der Globalisierung

    Welchen Zusammenhang aber zeigt der Film auf zwischen der vorgetragenen Sichtweise von Religionen und den vermuteten Ursachen für die Zerstörungen und Morde vom 9.11. auf? Soll das Fundament eines modernen Atheismus gelegt werden? Nein, eher nicht. Wenn ich dies richtig sehe, werden vielmehr Gemeinsamkeiten der von langer Hand angelegten Manipulations- und Propaganda-Strategie insinuiert.
    Danach wird die Masse der Menschheit desinformiert und für die Ziele einer kleinen, verschworenen Elite eingespannt, ohne dies zu bemerken. Wer diese Elite sei? Die Antwort variiert je nach Sichtweise - aber fast immer werden Geheimgesellschaften (Freimaurer, 'Illuminaten' u.a.) genannt, manchmal aber auch Außerirdische, welche die Machtzentren menschlicher Gesellschaften schon lange infiltriert haben sollen...

  • Endziel dieser Elite sei, dass sich die beiden Machblöcke im Nahen Osten (also einerseits Israel und Teile der inzwischen ebenfalls radikalisierten islamische Staaten, Iran u.a.) gegenseitig zerstören. Das alles ist ein schlüpfriges Parkett, denn der normale Zuschauer hat kaum je die Chance, derartige Aussagen (in Bezug auf Religionen und Geheimbünde zu überprüfen.
    Kann ich aus dem Film dennoch eine vorsichtige Lehre und oder Konsequenz ziehen? Ich denke schon... der kritisch-prüfende Vergleich von Informationen aus verschiedenen Quellen ist sicher angebracht, ohne gleich in düsteren Pessimismus zu verfallen.
    Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber.

    Siehe auch:
  • Zeitgeist Addendum: Teilweise richtige Diagnose – völlig falsche Therapie
  • Zusammenfassung und kritische Rezension des Films 'Zeitgeist' auf Wikipedia

    Filme "Zeitgeist" und "Zeitgeist: Addendum"



    *)      Wieso Massenverblödung?
    Dies ist meine persönliche Einschätzung über das allermeiste von dem, was im TV angeboten wird - sie entstand 2010, als ich aus gesundheitlichen Gründen längere Zeit außer Fernsehen kaum etwas anderes tun konnte. So lange auf Phönix eine halbwegs interessante Dokumentation lief, war alles gut, sogar wenn es sich um die 2.-5.Wiederholung handelte. Andernfalls wurde es schwierig: Insbesondere auf Privatsendern war das Niveau (eine Creme?) über lange Strecken kaum noch zu unterbieten. Einen traurigen Höhepunkt bildete eine widerwärtige Sendung, in der ein Strafprozess gegen pädophile Straftäter offenbar durch eine massenmediale Vorverurteilung ersetzt, zumindest aber antizipiert werden soll. Inzwischen kann ich mir dazu kein Urteil mehr bilden, denn der Fernseher flimmert nur noch selten.


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