Dienstag, 17. Dezember 2013

Boden-Ressourcen werden knapp: Droht ein Rückfall in vorindustrielle Zeiten?

Bericht an den Club of Rome: Die allmähliche Erschöpfung kostengünstiger mineralischer Bodenressourcen bedroht "die Zukunft des Wohlstands und des Wirtschaftssystems"...

Der Club of Rome ist eine "nichtkommerzielle Organisation, die einen globalen Gedankenaustausch zu verschiedenen internationalen politischen Fragen betreibt". Mit dem 1972 veröffentlichten Bericht 'Die Grenzen des Wachstums' erlangte er große weltweite Beachtung. Seine Mitglieder sind ausgesuchte Ökonomen, Industrielle, Wissenschaftler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens - wobei der Club multinational und multikulturell sein und alle Kulturen, Ideologien, Berufe und Wissenschaftszweige vertreten sein sollen.

Auch modernste Technologien können keine neuen Lagerstätten schaffen

In dem Bericht “Der geplünderte Planet – Die Zukunft des Menschen im Zeitalter
schwindender Ressourcen” thematisiert der Autor Ugo Bardi den Raubbau der Bodenschätze. Ungeachtet der großen Bedeutung von mineralischen Rohstoffe für "unseren Wohlstand" stoße deren Gewinnung an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit.
Bardi wurde im Juni 2013 in der ZEIT interviewt, sein Fazit: 
"Alle sollten wissen, dass Energie schon bald viel teurer wird."
Ein Blick auf meine Gas- und Strom-Rechnung der vergangenen drei Jahre scheint dies in vollem Umfang zu bestätigen (wenngleich die Ursachen dafür differenziert zu betrachten sind). Global betrachtet gehen die Bodenschätze zur Neige, die Bevölkerung wächst unkontrolliert und für die zunehmend kostenintensive Ausbeutung von Rohstoffen verschmutzen wir immer stärker die Umwelt. 
Bardi mahnt nicht von ungefähr einen tiefgreifenden Wandel der Gesellschaft an, um eine 'düstere Zukunft' zu vermeiden - und meldet sogleich eigene Zweifel an, ob und wie solch ein Wandel zu schaffen sei. Der vorgelegte Bericht enthalte die Analyse eines internationalen Expertenteams zur Rohstoffsituation der Erde und zeige auf, wie sich die Art zu wirtschaften ändern muss, wenn wir den Lebensstandard halten wollen.

Derzeit bewege die Menschheit sich in einem Teufelskreis: Weltweit benötigte Bodenr
essourcen werden nicht von jetzt auf gleich aufgebraucht sein, aber sie werden immer knapper - und teurer. Insgesamt steht immer weniger Energie zur Verfügung - zugleich benötigen wir immer mehr davon, um die mineralischen Bodenschätze abzubauen."
Eines leuchtet ein: wenn der Energiebedarf zudehends steigt, ist es nicht gut von schwindenden Rohstoff abhängig zu sein. Die Verlagerung auf riskante Fördertechniken (z.B. Fracking) kann diese Problematik nur kurzfristig entschärfen, aber nicht lösen. 
Bardi: "Eine Wirtschaft darauf aufzubauen, ist auf Dauer kein tragfähiges Modell."
Denn neue Technologien sind stets aufwendig, deshalb können sie einen weltweit knappen Rohstoff kaum billiger machen.


Zu begrüßen sei eher die Energiewende in Deutschland, zumal die Rohstoffe für Windräder oder Solarzellen sind noch reichlich vorhanden - und damit nicht teuer - sind. 

Unser Energiesystem ist für fossile Energiequellen gemacht. Es lässt sich nur schwer an die Bedürfnisse der Erneuerbaren anzupassen. Derzeit ist Energie zu einem relativ günstigen Preis verfügbar, rund um die Uhr. Das wird nicht so bleiben.
Die Konsequenz: Die Menschheit werde akzeptieren müssen, dass Energie zu manchen Zeiten viel kostet und ihren Verbrauch daran anpassen.
"Es kann nicht alles zu jeder Zeit verfügbar sein."
Eben daran hat sich der mitteleuropäische Durchschnittskonsument aber gewöhnt, was durch die globalisierten Wirtschaftsstrukturen noch begünstigt wurde.  
Augenscheinlich wehrt sich unsere Gesellschaft gegen unangenehm spürbare Veränderungen; statt dessen akzeptiert sie die bislang noch als erträglich empfundene Kostensteigerungen, wenn auch murrend.
Bardi äußert die Befürchtung, das Ressourcenproblem könne weitaus schneller akut werden als erwartet - "vielleicht so schnell, dass der Wandel zum Schock wird":

"Dann bleibt den Leuten nichts anderes mehr übrig, als aufs Fahrrad umzusteigen oder zu Fuß zu gehen. Mit unserer Studie versuchen wir, die Leute jetzt schon zu warnen."
Das wäre vergleichsweise harmlos. Wenn ich in Betracht ziehe, wie viele unterschiedliche essenzielle Ressourcen in absehbarer Zeit zuende gehen (beispielsweise auch der landwirtschaftlich zwingend benötigte Phosphor), dann scheint selbst ein 'Durchblicker' wie Bardi davor zurück zu schrecken, den Menschen eine realistische Zukunkftsperspektive vor Augen zu führen. Noch beruhigt man sich damit, dass 'in den nächsten Jahren' die Ressourcenprobleme lösbar blieben. Aber was dann? 
Zuerst werden die hochwertigen Erzvorkommen zur Neige gehen, die den Bergbau erschwinglich und tragbar gemacht haben. Einige mineralische Rohstoffe sind aufgrund ihrer industriellen Verwendung besonders kritisch: "Es gibt keinen Ersatz für Platinmetalle in Fahrzeugkatalysatoren, Seltene Erden werden für Magnete benötigt und Gallium, Germanium und Indium sind unerlässlich für die Elektroindustrie." Die Vorräte dieser Rohstoffe könnten in naher Zukunft knapp werden. 
Ähnlich dürfte die Entwicklung beim Erdöl aussehen: Binnen 15 Jahren (oder früher, wie manche 'Experten' zu wissen glauben) wird das Maximum der konventionellen Ölförderung überschritten sein und das der anderen Öl- und Gaskategorien wird kurz darauf folgen.
Somit kann ich mir im Alter von knapp 50 Jahren ausrechnen, dass es noch zu meinen Lebzeiten hässlich wird. Doch steht zu erwarten (oder wenigstens zu hoffen), dass auch in 50 oder 100 Jahren noch mehrere Milliarden Menschen auf der Erde leben. Bis dahin wird nahezu alles knapp, sogar selbstverständliches wie Trinkwasser oder der Sand (Sand wird von der Allerwelts-Ware zum gesuchten Rohstoff...die Vorräte sollen aus heutiger Sicht noch 100 Jahre reichen, aber die Gewinnung wird schon jetzt immer aufwendiger!)
Nach einen Zusammenhang zwischen z.B. der Euro-Krise und der Ressourcenknappheit gefragt, bestätigt U. Bardi eine gegenwärtige Rohstoffkrise, die vom Finanzsystem noch verstärkt werde: Probleme haben Industrienationen, die auf Rohstoffimporte angewiesen sind. 


Sparsamkeit statt Wegwerfgesellschaft


Auch von Rohstoff-Recycling und -substitution verspricht sich Bardi nicht allzu viel: Es ist unausweichlich, dass die Menschheit an ökonomischen Fördergrenzen mancher nicht-erneuerbarer Ressourcen gelangt  und die Möglichkeiten von Recycling und Substitution sind begrenzt. 
"Wir haben keine Wahl, als uns auf die Knappheit der Ressourcen einzulassen. Entscheidend wird sein, wie schnell uns das gelingt."
Also ist der Fortbestand der Zivilisation gefährdet? Natürlich. Aber das ist nun keine neue Erkenntnis - sondern eine, die wir seit vielen Jahren verdrängen. 
"Durch den sparsamen Umgang mit dem, was übrig geblieben ist und mithilfe erneuerbarer Energien, kann die Zivilisation fortbestehen, sofern wir alle bereit sind, unsere verschwenderischen Gewohnheiten aufzugeben.“
Einzige denkbare Alternative wäre die beschleunigte Erschließung mineralischer Ressourcen außerhalb der Erde, etwa durch die Ausbeutung eines geeigneten Asteroiden. Doch lassen die technologischen Möglichkeiten wie auch breite Investitionen in die Erforschung des Weltraums noch auf sich warten...und billig werden solche Projekte sicher auch nicht sein.
Vor allem aber sieht es nicht so aus, als würden die Führer der 'großen Nationen' von ihrem militärischen (z.T. auch religiösen) Penisvergleich absehen, um endliche Ressourcen statt dessen darauf zu wenden, der Menschheit eine bessere Zukunftsperspektive zu eröffnen.-

Der SciFi-Film Interstellar (2014, Regie Christopher Nolan) liefert ein überraschend realistisches Bild der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts:
Die irdische Biosphäre ist dermaßen ausgedünnt und kaputt, ein Überleben der gesamten Menschheit über mehr als 1-2 Generationen fraglich. Die industrielle Zivilisation befindet sich im Niedergang; die stark dezimierte Menschheit konzentriert sich auf die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel. Deren Anbau wird durch Pflanzenkrankheiten, erosionsbedingte Staubstürme und generell sich verschlechternde Umweltbedingungen zusehends erschwert, bis schließlich nur noch eine einzige Getreidesorte (Mais) angebaut werden kann.

Gesamteindruck: Keine bildgewaltige Katastrophe, sondern Ödnis, Trägheit und langsames Dahinsterben. Damit endet der Film natürlich nicht, doch ich frage mich: sieht so die Realität für unsere Nachkommen aus?

Siehe auch:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen