Freitag, 20. Juni 2014

"Verschwundene Jahrhunderte"?

Vortrag von Prof. Dr. Dieter B. Herrmann


Natürlich können in einer linearen Zeitfolge keine Jahrhunderte (oder auch nur ein paar Minuten) verloren gehen (sofern man auf der Erde bleibt und sich nicht mit rasender Geschwindigkeit durchs All bewegt;). Theoretisch denkbar ist aber, dass unsere Chronologie (im Sinne v. 'Jahreszählung') fehlerhaft sein könnte.


Chronologie (=' die Lehre von der Zeit') unterscheidet verschiedene Aspekte:

  • Zeit als physikalisches Phänomen: Zeit (physikalische Größe), Zeitmessung (Chronometrie)
  • allgemeine Chronologie: Jahreszählung (z. B. v. Chr.), Kalendersysteme
  • Datierung: der von Historikern rekonstruierte Geschichtsverlauf, genauer 'Wissenschaft des Lokalisierens von historischen Ereignissen in der Zeit in Archäologie und Geschichte'
  • als Begriff der Alltagssprache: Beschreibung einer Abfolge von Ereignissen in einem speziellen Kontext, Chronologie bestimmter Ereignisse
Der u.a. Vortrag befasst sich zunächst ausführlich mit einer historischen Betrachtung verschiedener Kalendersysteme samt deren Korrektur- und Schaltregeln. Der Zuschauer erfährt einiges über die astronomische Grundlage dieser Systeme, z.B. Lunarkalender, Solarkalender und die Mischform der Lunisolarkalender unterschieden.

Der Vortrag bezieht sich auf eine These des Chronologiekritikers Heribert Illig, laut der 297 Jahre der Geschichtsschreibung im Zeitraum September 614 bis August 911 überhaupt nicht stattgefunden hätten. Illig bezeichnet diese Zeit als "Erfundenes Mittelalter".

Als Element seiner These erklärte Illig, die Persönlichkeit Karl der Große sei eine reine Erfindung, zu Propagandazwecken. Hans-Ulrich Niemitz schloss sich dieser Vorstellung an und benannte den Zeitraum als  Phantomzeit, weil das Fränkische Reich nach Chlodwig I. ein Produkt der Fantasie oder der Täuschung gewesen sei.

Von Geschichtswissenschaftlern und Mediävisten wird diese These als völlig fehlerhaft betrachtet und zurückgewiesen.

"Illigs Thesen zur Chronologiekritik erhielten vornehmlich in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie der Tagespresse mediale Aufmerksamkeit. Von Geschichtswissenschaftlern wurden sie u.a. mit dem Verweis auf methodische Fehler als unwissenschaftlich abgelehnt und als wissenschaftlich widerlegt bezeichnet." (Quelle: Wikipedia)
Prof. Herrmann schließt sich dieser Betrachtungsweise im wesentlichen an und erklärt in seinem Vortrag, weshalb die Jahrhunderte nicht verschwunden seien. Seine Begründung fußt auf astronomischen Ereignissen (Sonnenfinsternisse u.ä.), welche in historischen Quellen datiert und heute verlässlich nachvollziehbar sind.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen