Dienstag, 12. Mai 2015

"War made easy" - Propaganda, gestern wie heute

ZDF-Dokumentation "War Made Easy"

Das Thema dieses Blogs lautet eigentlich "Warum sind wir hier...wozu leben wir...was ist der Zweck unseres Daseins? Bisweilen schärft jedoch die Umkehrung der Fragestellung  den Blick für solche Sinnfragen: Wozu sind wir definitiv nicht hier? Was kann (und darf) auf keinen Fall die Bestimmung unseres Daseins sein ...und auch nicht mittels perfider Propaganda dazu erhoben werden?

Uns gegenseitig abzuschlachten, zu foltern und die militärisch Schwächeren auszubeuten ist nach meiner Überzeugung exakt das Gegenteil dessen, worin intelligente, mit Bewusstsein ausgestattete Lebensformen ihre Bestimmung sehen sollten.

Nun wird aber kein Mensch mit Hass und Mordabsichten im Herzen geboren - folglich werden sie durch systematische Manipulation in Angst versetzt: vor einem (nach der jeweiligen geopolitischen Interessenlage wechselnden) bedrohlichen Aggressor, welcher stets mit einer eindeutigen Terminologie ("axis of evil") und möglichst noch mit Hitler-Vergleichen überzogen wird.

Ob diese von 'liberalen' und 'unabhängigen' Medien verbreitete und forcierte Greuelpropaganda zum Erfolg führt? Naja, man blicke nach Russland und in die USA und beobachte die Motivation junger Rekruten, die sich begeistert als Freiwillige zum Militär melden. In diesen und vielen anderen Ländern sind solche Jungen und Mädchen (gerade mal 17 oder 18 Jahre alt) überzeugt, einen Beitrag zur Verteidigung ihres Vaterlandes zu leisten.

Ich gebe unumwunden zu: jahrzehntelang habe ich mich selbst täuschen lassen: die Rollenverteilung von Gut und Böse im Kalten Krieg war für mich "sowas von klar"...

Erst Kosovo (1999) und natürlich der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA gegen den Irak (den Amerika zuvor militärisch unterstützt und aufgerüstet hatte) änderte meine eingefahrene Sichtweise. Zugleich verstand ich, dass die nach 9/11 schockierte und traumatisierte US-Bevölkerung ebenfalls Opfer einer Handvoll Kriegstreiber war. Sie wurde tagtäglich bombardiert mit Medienberichten und Analysen sogenannter Experten, wonach ein direkter Zusammenhang zwischen den Terrorakten vom 11.September 2001 und der Notwendigkeit bestehe, den Irak anzugreifen.

Schließlich, so wurde suggeriert, arbeite Saddam Hussein mit Al Qaida zusammen und produziere am laufenden Band Massenvernichtungswaffen. Zwei unwahre Aussagen, für die meines Wissens bis heute niemand zur Rechenschaft gezogen wurde.

Mit derart manipulativer Kriegspropaganda sowie der daraus erwachsenden Gefühlskälte gegenüber den Opfern befasst sich die nachfolgende Dokumentation.


Stimmen hingerissener Reporter direkt aus dem "Fog Of War":

"Just a tremendous lightshow!"
"ich bin verliebt in die Super Hornet F-18!" 
"Jetzt weiß ich, was Astronauten durchmachen."
"So macht der Krieg doch Spaß."
'Kameradschaftsgeist' als Triebfeder der Kriegsberichterstattung: Begeisterung, gepaart mit Zynismus (oder Dummheit). Metaphern aus in den USA beliebten Sportarten wie Football und Baseball werden bemüht. Die eingebetteten Reporter fühlen sich eng verbunden mit den Soldaten ihres Landes und geben patriotische Töne von sich - ob sie dies nach Vorgabe tun oder aus eigenem Antrieb, macht im Ergebnis keinen Unterschied. Denn sie "befanden sich immer auf der Seite der Angreifer - aber nie dort, wo die Bomben und Raketen einschlugen." Dass im Zuge dieser "Show" zahllose Menschen getötet oder verstümmelt werden, wird ignoriert oder verdrängt.

"Wir hätten misstrauischer sein sollen."
Hinterher ist man immer schlauer. Im Rückblick wurden auch innerhalb der Vereinigten Staaten kritische Stimmen laut. Doch davon wird keines der unschuldigen Opfer unter den Zivilisten im Irak wieder lebendig. Höchstens könnte man fragen: Hatte die amerikanische Öffentlichkeit etwas aus dem 2 Billionen US $ teuren Irak-Desaster gelernt? Oder würde sie sich getreu dem Motto "Nie wieder Krieg ...jedenfalls nicht gleich!" in zukünftige Kriegsverbrechen mit derselben Leichtfertigkeit hineinziehen lassen?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten, weder mit einem klaren Ja noch mit Nein. Etliche Persönlichkeiten in den USA distanzieren sich laut und deutlich von der geostrategischen Agenda ihrer Regierenden. Auf der anderen Seite kam es 2004 zur Wiederwahl des schlechtesten US-Präsidenten aller Zeiten, George W. Bush jun. für eine zweite Amtszeit

(Bekanntlich kostete der vorhergehende Wahlkampf bis zu 3,9 Milliarden US-Dollar und war damit der teuerste US-Wahlkampf aller Zeiten. Bush erlangte sowohl die absolute Mehrheit der Wahlmänner- als auch der Wählerstimmen. Das britische Boulevardblatt „Daily Mirror“ fragte sich in einer Polemik mit dem Titel ihrer am Ausgabe vom 4.11.04: „Wie können 59.054.087 Menschen nur so blöd sein?“ Mit Blödheit hatte dieses Wahlergebnis m.E. weniger zu tun als mit der medial geschürten Angst und dem Wunsch nach einem 'starken' Landesführer.)

Und auch unter seinem Nachfolger, dem zeitweilig als Messias gehandeltem Barack Obama, wird jene hegemoniale Politik fortgesetzt - zwar 'smarter', mit weniger säbelrasselnden Posen... Doch die US-Drohnen töten auch heute noch Verdächtige und Unschuldige - getrieben von dem Wahn, dadurch ließe sich ein 9/11 verhindern.

"Warum müssen sich Freiheit und Demokratie sich gerade auf diese Weise verbreiten lassen?"
Manchmal dreht sich der Wind: Wir beobachteten, wie sich ein weiteres strategisches Muster wiederholte: wird der Krieg unpopulär, ziehen die US-Strategen ihre Truppen zurück und überlassen das angerichtete Chaos ihren lokalen Verbündeten bzw. den Überlebenden vorort. Einstweilen. Dieser Krieg ist schlecht - also nicht der Krieg an sich, sondern dieser eine, "weil wir ihn nicht gewinnen können". Die Aggression als solche wird nicht infrage gestellt, aber ihre Begleitumstände im Einzelfall.: die hohen Kosten, die Opfer unter den eigenen Militärangehörigen... vor allem aber die wachsende Kriegsmüdigkeit im eigenen Wahlvolk.




Unlängst fand ich mich in einer ziemlich harschen Kontroverse mit einem alten Schulfreund wieder. Er, nennen wir in Will, hat mehrere Jahre seiner Jugend in Amerika verbracht, gelangte bei den Boy Scouts zu Rang und hohen Ehren und ist bis heute transatlantisch bestens vernetzt. 

Will nahm meine Kritik an der US-amerikanischen Außenpolitik mit sichtbarem Widerwillen zur Kenntnis - und warf mir vor, undankbar zu sein: Waren es nicht die Amerikaner, die Deutschland befreit und mit nahezu unbegrenzten Mitteln gefördert hatten...die mir (Will meinte mich, ganz persönlich) dadurch ein sicheres Zuhause und eine gute Ausbildung ermöglicht hatten?


"Ja, und??" Meine Antwort überraschte ihn sichtlich.
"Wenn mein großer Bruder mit persönlich viel Gutes tut und anschließend einen Nachbarn ausraubt und totschlägt, muss ich ihm dies 'nachsehen'?" (Der Vergleich hinkte...wie jeder Vergleich. Dennoch erreichte ich den beabsichtigten Zweck: Will verstand, worauf ich hinaus wollte und sah ein, dass 'Dankbarkeit' für mich durchaus an ihre Grenzen stößt, wo grundlegende Prinzipien mit Absicht verletzt werden.)
Klar, momentan stehen für viele Putin und dessen Gelüste im Vordergrund, 'sein' Russland im alten Glanz neu entstehen zu lassen. Auch der "lupenreine Demokrat" geht dabei über Leichen, Oppositionelle im eigenen Land werden kaltgestellt und die besonders Widerspenstigen mit Polonium oder Dioxin vergiftet. Dennoch lasse ich mir keine Entweder-Oder-Logik aufzwingen: Persönlich mag ich weder das hegemoniale Gebaren Russlands mit Hinweis auf Vergehen USA relativieren - noch umgekehrt. Es sollten nur die gleichen Maßstäbe angelegt werden bei der Beurteilung.

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