Freitag, 4. Dezember 2015

7 Tage ...unter Muslimen

NDR-Reportage (2013)

Ein paar Vorurteile stelle ich bei mir selbst schon fest. Beispielsweise, wenn eine muslimische Frau in einer TV-Diskussion mit Schleier auftritt, fühle ich mich provoziert - im ersten Moment. Vom Verstand her weiß ich, wie unsinnig meine Reaktion ist. Denn von der Person, die da auf dem Bildschirm erscheint, weiß ich absolut nichts - wie kann sie mich da provozieren?
Doch da ist ein weiterer Aspekt: diese Frau verschleiert sich, weil sie auf keinen Fall die Begehrlichkeiten fremder Männer wecken will. Das nehme ich persönlich: bin ich etwa ein triebgesteuerter Lüstling, der jede attraktive Frau anglotzt, sie mit Blicken förmlich auszieht? Nein, so in ich nicht! Es hat etwas Verletzendes, wenn offenbar alle Männer über einen Kamm geschoren werden.

Aus dieser Empfindung entsteht zugleich eine Ermahnung, nicht denselben Fehler zu begehen - indem ich etwa alle Muslime in eine Kategorie zu stecken, mit der wenig Gutes assoziiert wird. Es gibt nicht nur Wahhabiten, Salafisten und Islamisten. Das weiß eigentlich jeder; und doch wächst mit jedem von Islamisten begangenen Terroranschlag das pauschale Misstrauen gegenüber "dem" Islam. Hinzu kommt ein erbärmliches Halbwissen, also das bisschen Information, welches man aus den Medien aufgeschnappt und vielleicht noch durch 2-3 Wikipedia-Artikel angereichert hat.
Von der Lebenswirklichkeit muslimischer Menschen in Deutschland erfährt man dadurch so gut wie nichts.
Die u.a. Reportage "7 Tage ...unter Muslimen" zeigt das Leben schiitischer Muslime "zwischen strengen Ritualen, dem Ertragen von Vorurteilen und dem beruhigenden Glauben daran, dass Gott sowieso größer ist als alles und dass der Koran die Anleitung für ein glückseliges Leben bereithält. Was ist das für eine Religion, die wie keine andere die Nachrichten der letzten zwölf Jahre beherrscht hat? Was macht sie mit den Menschen?"

Die 7-Tage-Reportagen sollen nicht nur informieren, sondern auch dazu dienen, Vorurteile abzubauen. In Bezug auf Muslime gelingt dieses Vorhaben recht gut, wenn auch nicht so ganz:
Ein früherer Schulfreund von mir hat mit seiner Ehefrau vor einigen Jahren den Iran besucht. Nach seiner Rückkehr berichtete er von strikten Verhaltensregeln, welche insbesondere auch von Besuchern aus dem Ausland eingefordert werden. (Zum Beispiel ist während des Fastenmonats Ramadan tagsüber das Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit auch für Nichtmuslime verboten. Frauen müssen grundsätzlich die islamischen Bekleidungsvorschriften einhalten: "Es müssen Arme und Beine bis zu Knöcheln bzw. Handgelenken bedeckt sein. Ein Mantel muss mindestens knielang sein und soll die weiblichen Körperformen verhüllen. Haare und Nacken müssen durch ein Kopftuch bedeckt sein...Homosexuelle Beziehungen sind strafbar. Das gleiche gilt für sonstige sexuelle Handlungen, sofern sie außerhalb der Ehe ausgeübt werden." vgl. Ausw. Amt)

Die hierzulande vieldiskutierte Toleranz gegenüber 'Multikulti' gibt es in vielen islamisch geprägten Ländern nicht. Dabei wird nicht immer klar, welche Konvention religiös motiviert sind und wo eher Kultur und Tradition im Vordergrund stehen.
Da darf man von muslimischen Frauen und Männern wohl erwarten, dass sie sich hierzulande ebenfalls anpassen. Darf man? Ja, soweit es die deutschen Gesetze betrifft. Doch in Bezug auf die Kleidung gilt bei uns: Leben und leben lassen. 




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