Freitag, 16. September 2016

9/11 und die Rolle Saudi-Arabiens

15 Jahre nach den abscheulichen Anschlägen auf das World Trade Center in New York schießen noch immer kontroverse Spekulationen ins Kraut - lauter Halbwahrheiten, wenn überhaupt?
Schwer zu sagen - es ist von hier aus kaum möglich, objektive Schlüsse zu ziehen.


Anderseits ist 9/11 nicht ausschließlich eine Angelegenheit der Amis, denn sowohl der Terroranschlag als auch die anschließende kriegerische Reaktion der Bush-Administration (vor allem der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen den Irak als Ausgangspunkt der Entstehung des pseudo -"Islamischen Staates") haben die gesamte Welt verändert und in Mitleidenschaft gezogen.


Dennoch bleibt uns als interessierten Ausländern kaum mehr übrig, als die US-interne Aufarbeitung der tragischen Ereignisse vom 11.September 2001 aufmerksam und kritisch zu beobachten.


Die „28 pages“ 

28 Seiten aus einem Untersuchungsbericht zu den Terroranschlägen wurden als geheim eingestuft. Bis heute sind sie unter Verschluss – mit Verweis auf die „Nationale Sicherheit“. Der ehemalige US-Senator und Geheimdienstkontrolleur Bob Graham hat sie als einer von wenigen gelesen;  im u.e. MONITOR-Interview stellte er fest:
Die Dokumente zeigen mit dem Finger eindeutig nach Saudi-Arabien.
Aussagen wie "Die Geschichte von 9/11 muss neu geschrieben werden" stimmen gleichwohl skeptisch: Schließlich gab es schon früh Hinweise auf eine saudische Beteiligung - 14 der 19 Attentäter waren laut Untersuchungsbericht saudische Staatsbürger. Die sogenannte „9/11 Kommission“ von Senat und Repräsentantenhaus hielt in ihrem Abschlussbericht allerdings fest, man habe keinerlei Beweise dafür gefunden habe, dass die saudische Regierung als Institution oder einzelne, hochrangige saudische Beamte al-Qaida finanziert hätte. Die saudische Regierung ihrerseits wies jegliche Mitverantwortung für die Al-Kaida-Anschläge entschieden zurück. Eine hieb- und stichfeste Entlastung klingt freilich anders und die lange Geheimhaltung der "28 Seiten" gab umfänglichen Mutmaßungen jede Menge Nahrung.

Im Juli 2016 hat der US-Kongress bisher geheim gehaltene Dokumente nun veröffentlicht. Konkret handelt sich dabei um große Teile jener 28 (tatsächlich sind es 29) Seiten. "Die Untersuchung befasste sich auch mit der Frage, ob saudische Staatsbürger, die mit den Attentätern Kontakt hatten, über die Anschlagspläne informiert waren". (Vgl. "Kongress gibt Geheimdokumente zu 9/11 frei", ZEIT online v. 15.7.2016)


Und was steht drin??


Die Lektüre sei "ernüchternd, auf doppelte Weise", heißt es dazu im Tagesspiegel vom 15.9.2016Den gemutmaßten (und erhofften?) Beweis für eine Verwicklung hochrangiger Saudis aus dem Staatsapparat enthalten sie jedenfalls nicht. Aber:


"Sie zeigen jedoch eine beunruhigende Grauzone, in der es keine klare Trennung zwischen staatlichem Handeln und der Förderung des wahhabitischen Islam im Ausland, die oft radikalen Imamen und ihren Moscheen zugutekommt, gibt."
Offenbar existiere in Saudi-Arabien keinerlei staatliche Kontrolle, für welche Zwecke monetäre und personelle Ressourcen von privater Seite verwendet werden. Also intensives Wegschauen?
Erhärtet wird insoweit der keineswegs neue Verdacht, Saudi-Arabien betreibe ein Doppelspiel: Offiziell inszeniert sich das Königshaus als Geschäftspartner und Verbündeter des Westens auf, doch zugleich duldet oder 
unterstützt sie Moscheen und Imame im Ausland, die eine Radikalisierung islamistischer Kräfte in westlichen Ländern aktiv betreiben. Die Grenze zur Unterstützung potenziell terroristischer Vereinigungen wird dadurch mindestens unscharf.


Westliche Regierungen hätten nun abzuwägen,wie sie den saudischen Staat am effektivsten beeinflusst: "durch scharfe Kritik oder durch diplomatische Ermunterung zu Reformen?"


Falsch! Die Zeit für freundliche Gespräche ist allerspätestens seit den Anschlägen in Paris, Brüssel und Berlin endgültig abgelaufen: Nun gilt es, islamistische Sümpfe in Europa konsequent auszutrocknen. Das erreicht man am wirksamsten, indem man deren Finanzierungsquellen kappt - etwa durch ein striktes Verbot der Auslandsfinanzierung politisch-religiöser Institutionen.





In Bezug auf 9/11 sind weiterhin wesentliche Fragen unbeantwortet: 
„Weder die CIA noch das FBI waren zu einer abschließenden Bewertung in der Lage, in welchem Ausmaß es eine Unterstützung terroristischer Aktivitäten (durch saudische Regierungsstellen) global oder in den USA gegeben hat, und falls es eine solche Unterstützung gab, ob diese beabsichtigt oder unschuldiger Natur war“, heißt es im Bericht des US-Kongresses.

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