Samstag, 21. Januar 2017

Ein fieser Möpp regiert in Washington - und jetzt?

Panik und Trotz und helfen jedenfalls nicht.

Liebe Kontinental-Europäer,


Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen Präsidenten und deren mit über 700 Stützpunkten weltweit präsente Streitkräfte somit einen neuen Chef. Mit dieser Personalentscheidung muss man nicht glücklich sein - sei es nur, weil eine Konzentrationsspanne von weniger als 120 Sekunden für die Bewältigung komplexer Sachverhalte kaum ausreicht. Dennoch, wir werden mindestens vier Jahre mit ihm leben müssen.

Und jetzt hört bitte mal auf, wildeste Spekulationen 
ohne substanzielle Grundlage über sein künftiges Regierungshandeln anzustellen.

Launenhafte Randbemerkungen (oder Tweets zur Nachtzeit) des offensichtlich noch unzureichend gebrieften Polit-Erstklässlers stellen jedenfalls keine geeignete Basis dar, um die noch im Werden befindliche Programmatik des gewählten und vereidigten POTUS zu erschließen.

Man denke doch acht Jahre zurück: Welche umfänglichen Wahlversprechen gab (der als Person von mir sehr geschätzte) Barack Obama ab - von wegen Transparenz, Datenschutz, Wiederherstellung der unter dem wiedergeborenen Kreuzritter Bush jun. nahezu pulverisierten Bürgerrechte! Bald nach seinem Amtsantritt wurden nicht alle, aber doch etliche der Vorsätze Obamas von der Realität eingeholt - in Form von Expertisen und eindringlichen Ermahnungen der zuständigen Fachleute. Obama hörte zu und korrigierte seinen Kurs, soweit aus seiner nun erweiterten Perspektive unausweichlich.


Ob dieses kumulierte Aha-Erlebnis auch den Herrn Trump ereilen wird und wie er damit umzugehen imstande sein mag, kann ich nicht beurteilen - von seinem Naturell her scheint er sich doch sehr von seinem sympathischen Vorgänger zu unterscheiden. 


Protektionismus fairen Handelskommen vorzuziehen ist in der Vergangenheit oft genug gescheitert - wer glaubt ernsthaft, China (das US-Amerikanische Staatsanleihen im Wert von gut 2 Billionen US$ besitzt) werde einfach stillhalten und auf empfindliche Gegenmaßnahmen verzichten, sobald Donald einseitig Strafzölle verhängt? Wurde dieses Szenario mal bis an sein absehbares Ende durchkalkuliert? 


Trotzdem, so schwer es auch fallen mag: jetzt gilt es in größtmöglicher Besonnenheit die 100 Tage abzuwarten, die jedem nach Einnahme einer neuen Position zugestanden werden (sollten). Dass dies nicht leicht  fällt, verstehe ich - aber was bringt es, mit voreiligen 'Prognosen' und Mutmaßungen zusätzlich Unruhe und Verunsicherung zu verbreiten?


Gerade im Angesicht wachsender Unsicherheit sollte uns bewusst sein, wie schädlich Emotionalisierung sich auswirkt, sobald sie den Verstand dominiert. Die wenigsten Medien werden ihrer gegenwärtigen Verantwortung gerecht, solange sie weiterhin Emotionen bedienen und sich um ungelegte Eier kümmern. Die Dominanz von Konjunktiven ist für objektive Berichterstattung ungeeignet. Wenn man bis auf weiteres keine neuen Fakten über Trump und sein Ministerkabinett zu berichten weiß, dann st das eben so ...sehr lange wird dieser Zustand ohnehin nicht andauern.
Dass sich die blau-braune Klientel nun gleich an Donald Trump ranschleimt, erfüllt mich vor allem mit Schadenfreude. Doch diese Entwicklung gilt es künftig zu beobachten - es darf nicht sein, dass die Bundestagswahl 2017 wesentlich von Putin- und/oder Trump-Schergen (bzw. von irgendwelchen anderen Kräften im Ausland) beeinflusst wird!


"Wenigstens war er ehrlich."


Die meisten Kommentare zu Trumps düsterer, doch wenig konkreter Antrittsrede gipfeln in Aussagen wie: "Wer auf einen neuen, gemäßigten Trump gehofft hat, ist mal wieder bitter enttäuscht worden." Hoffnung auf eine spontane Persönlichkeitsveränderung, wirklich? Was hätte es schon gebracht, wenn der Wolf sich einen Schafspelz hüllte - um damit ein paar europäische Jornalisten milde zu stimmen? Jene Hälfte seiner Landsleute, die Clinton oder Sanders gewollt hat, wäre damit kaum zu beeindrucken gewesen - dafür wurde im Wahlkampf zu viel Porzellan zerschlagen.


Ist es für Europa womöglich sinnvoller, die eigenen Hausaufgaben zu erledigen (bestehende Verträge endlich zu erfüllen, um weniger Angriffsfläche zu bieten), sich als national wie auch in transnationalen Verbünden wie der EU auf bevorstehende Aufgaben vorzubereiten und für eine mögliche Phase von "Einschüchterung und Eskalation" in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten gewappnet zu sein?

Dies kann auch bedeuten, sich in der stets ungleich gewesenen transatlantischen Partnerschaft zu emanzipieren und eine europäische Armee aufzubauen. Ich bin beileibe kein Freund des Militarismus, aber eine Abhängigkeit von fremden Streitkräften unter einer unwägbaren Trump-Administration wäre ein potenziell größeres Übel. Doch Vorsicht: für solch einen radikalen Schwenk ist es noch zu früh.

Im Berufsleben durfte/musste ich mich mit Alphatieren vom Typ 'situativer Entscheider mit mangelnder Impulskontrolle' auseinandersetzen. Man begegnet ihnen bestmöglich, indem man sie erst mal kommen lässt - und dann im Rahmen einer soliden Konzeption reagiert. Apropos Konzept - hat Europa schon eines in Bezug auf die anstehenden Herausforderungen...?


Oder erweisen wir uns weiterhin als wild blökende Herde von (medialen) Wiederkäuern, die in ihrer Angst beim ersten Donnern wuschig umherrennt, anstatt sich einen Unterstand zu suchen - für den Fall, dass wirklich ein 4 Jahre anhaltendes Gewitter von Westen her aufzieht?


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"Der beste Weg aus der Ohnmacht ist Akzeptanz." Oder Humor: 

Twitter-User überlegten vor der Amtsübergabe, was Obama und sein Vize Boden wohl anstellen könnten, um dem neuen Bewohner eins auszuwischen:

Biden schlägt vor, eine aggressive Katze in einer Schublade zu verstecken und diese mit einer Notiz zu versehen, dass Trump doch mal versuchen solle, nach dieser Pussy zu grapschen. Im Wahlkampf war ein Video aufgetaucht, in dem sich Trump selbst als Pussygrapscher brüstet. Obama sagt: "No, we can't."


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