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Freitag, 22. November 2013

UFOs und staatlicher Kontrollwahn - ein konstruierter Zusammenhang?

Seit dem ‘Bekanntwerden’ der für unsere Politelite scheinbar überraschenden Fakten über die Bespitzelung und Kontrolle durch ausländische Geheimdienste stelle ich mir des öfteren die Frage: Wozu der ganze Aufwand?
Die Zielgruppen der Ausspähung machen deutlich: um Terrorbekämpfung geht es dabei kaum, jedenfalls nicht in erster Linie. Oder geht Angie heimlich destruktiven Bastelfreuden nach? ...bestimmt nicht.

Was kann es sonst für einen Anlass geben, um mit beträchtlichem Aufwand und um den Preis weltweiten Sympathieverlustes alles und jeden zu kontrollieren – in einem Ausmaß, das wir Normalbürger niemals ganz erahnen?
Verschleierung, Geheimniskrämerei, Manipulation und Kontrolle wachsen auf einem Holz; und es muss wohl ein außerordentlich brisantes Thema sein, mit einer ungeheuren Sprengkraft für den Bestand der gegenwärtigen Macht- und Kapitalstrukturen, um den gewaltigen Einsatz von AI, Ressourcen und Humankapital aus der Sicht derer zu rechtfertigen, die dafür verantwortlich sind. Was könnte das sein? 

In jedem Fall wird es um ein auch zukünftig sehr bedeutsames Thema gehen müssen – das die Menschheit nichtsdestoweniger schon seit vielen Jahrzehnten umtreibt. Hier tehen zugegebenermaßen mehrere zur Auswahl: verborgene militärische Potenziale, politische und soziale Transformationen usw. Meines Erachtens geht es um die Gestaltung des Weltbildes, also des alles umfassenden Paradigmas mit Konsequenzen für alle genannten und weitere Bereiche.
Den Ausgangspunkt könnte eine gefundene Antwort auf die Frage bilden: Sind wir allein im Universum? Sollte diese Antwort jemals gefunden (und der unvorbereiteten Öffentlichkeit bekannt werden), hätte dies gravierendste Auswirkungen für die gesamte Menschheit.
Richard Dolan hielt am 2. Mai 2013 folgende Rede globalen UFO-Phänomen auf dem diesbezüglichen ‘Citizen Hearing’:



Einige Statements daraus möchte ich nachfolgend aufgreifen:
"In meinen Augen stellen die Enthüllungen zu den Themen UFOs und ETs ein Paradoxon dar. Sie sind unmöglich – und doch unvermeidlich. … Etwas wird den Präsidenten zum Handeln zwingen. Er oder sie wird schließlich die lang erwartete Pressekonferenz abhalten und die Bombe platzen lassen, indem er etwas sagt wie: 
“Ich wurde vom Nationalen Sicherheitsrat und der Führung unseres Geheimdiensts darüber unterrichtet, dass etwas Wahres an den UFO-Phänomenen ist – dass manche UFOs tatsächlich physische Flugzeuge sind, die von keiner auf Erden bekannten Zivilisation hergestellt wurden.“
Die wirkliche Frage lautet: Was kommt jetzt? Wer sind diese Wesen sind und was sind ihre Absichten in Bezug auf die Erde bzw. die Menschheit? Sehr sehr schwer zu beantwortende Fragen – und was geschieht, “wenn so eine Antwort Informationen enthält, die zutiefst erschütternd sind?” 
"Die Absichten nicht-menschlicher Besucher zu erraten könne zu dem Resultat führen, dass einige von ihnen sich nicht besonders für die Menschheit interessieren."
Dolan sieht Anzeichen dafür, dass schon ein Mindestmaß an wissenschaftlicher Nachforschung dem Einfluss des Geheimdienstes unterliegt. Es klingt wie schlechte Science Fiction vom Bahnhofskiosk, aber mal ehrlich: ist es so undenkbar, dass die eingangs erwähnten Geheimdienste mit ‘ihnen’ kooperieren würden oder zur Kooperation gezwungen wären
Denkt man dieses Szenario auch nur für fünf Minuten weiter, ergeben sich erschreckende Implikationen in Bezug auf die Geschichte der letzten 50 oder 80 Jahre. 

Persönlich enthalte ich mich solchen Gedankenspielen, denn sie verursachen schlechte Stimmung und haben – bis heute – keine erkennbare Grundlage außer Spekulationen und verschwommene Fotos (jedenfalls habe ich noch kein UFO gesehen und bin auch nicht besonders scharf darauf).


Gerade im Internet lassen sich ausufernde Spekulationen nicht unter Kontrolle halten. Das ist aber auch nicht notwendig – solange aus ihnen keine Gewissheit wird, sondern ihnen stets ein dubioser Anschein anhaftet. Ist es so unvorstellbar, dass die hektische Ablenkungs- und Kontrollmaschinerie (unter anderem) genau dafür sorgen soll?

"…der Moment der Enthüllung wird der Öffentlichkeit vermutlich nicht die gewünschten Informationen über die Absichten der Aliens bescheren. Und das ist nur der Anfang der Probleme."
Gerade in diesem Punkt werden die Meinungen weit auseinander gehen – soweit, dass heftige Konflikte entstehen können. Gleichzeitig wird es Versuche geben, die Angst und das Misstrauen vor ‘Aliens’ zu instrumentalisieren: noch mehr Sicherheit und bessere Waffentechnologie müssen angeblich her - obwohl jede zur interstellaren Raumfahrt befähigte Zivilisation sich aller Wahrscheinlichkeit darüber scheckig lacht …oder eventuell provoziert fühlt.

Eine frühe und offensichtliche Frage mit weitreichenden politischen Auswirkungen wird lauten: „Wie haben Sie es geschafft, diese Informationen so lange Zeit geheim zu halten?“

Nun ja, Dolan beschreibt hinlänglich, wie alle gesellschaftlichen Bereiche gegen real existierende UFOs in Stelling gebracht wurden: der Gesellschaft wurde gesagt, es seien definitiv keine ETs oder Aliens hier.
"...eine Einstellung, die sich durch alle größeren Institutionen zieht. Durch unsere Bildungseinrichtungen von Grundschule über Universitäten bis hin zu postdoktoralen Ebenen. Durch unsere ganzen großen Nachrichtenagenturen, wo ein offen bekannter Glaube an UFOs eine Gefahr für die Karriere darstellt. Und natürlich durch unser wissenschaftliches Establishment und unsere politischen Strukturen."
Hier bahnt sich allerdings ein Wandel an, langsam lockert sich die verordnete Tabuisierung des UFO-Themas – notgedrungen, nachdem auch frühere Mitglieder von Regierungsorganisationen mehrerer Länder von persönlich erlebten Sichtungen berichtet haben. Auch setzt sich nach der Auffindung von 500 plus X Exoplaneten allmählich die Ansicht durch, dass es weitere potenziell bewohnbare Planeten in unserer relativen Nähe geben dürfte. Damit ist die Wahrscheinlichkeit bzw. deren Akzeptanz gewachsen, dass wir nicht allein sind.



HST-Aufnahme von Staubscheibe und Exoplanet 
(s. Einblendung rechts unten) um den Stern Fomalhaut

Dolan geht davon aus, dass die Menschen deutlich erkennen werden, wie "der nationale Sicherheitsapparat eine globale Kultur erschaffen hat, in der die Wahrheit unterdrückt wird". Als Folge davon werden Forscher untersuchen, wie die Glaubwürdigkeit all dieser Institutionen sowie unser Verständnis von Wahrheit untergraben worden sei - und für die "UFO-Vertuschung" verantwortlich sei.

Sicher, die Machtstrukturen werden kritisch hinterfragt werden, noch kritischer und drängender als bislang. Doch eine Enthüllung von solcher Tragweite hätte auch eine ungeheure Eigendynamik – sodass die unabänderliche Vergangenheit womöglich weniger im Fokus wäre.

Ob also so ein umfassender “kultureller und institutioneller Hausputz” stattfinden würde, bezweifle ich. Die Maschinerie der Heimlichkeiten und der Kontrolle besteht ja auf internationaler Ebene fort und deren Methoden werden nicht über Nacht ihre Wirksamkeit einbüßen.
"Es wird ein Moment sein, in dem die Welt sieht und erkennt, dass der Kaiser tatsächlich keine Kleider trägt. Die politischen Konsequenzen werden enorm sei…"
Das sehe ich anders. Die Kaiser haben ihre Kleider längst verkauft; wer dies jetzt nicht sehen will, wird es auch nicht wahrhaben wollen, sobald UFOs wie selbstverständlich am Himmel kreisen.
Das wirkliche Thema in der unmittelbaren Zeit nach den Enthüllungen wird sein: Wer kontrolliert den weiteren Verlauf dieser Story?

Es ist tatsächlich davon auszugehen, dass die Informationen von der anderen Seite so sparsam als möglich ausgegeben werden. Die PR-Leute der Regierungen werden die Situation unter 'nationalen Sicherheitsinteressen' weiterhin zu kontrollieren versuchen. Dennoch liegt Dolan mit der absehbaren Veränderung richtig:

"Doch dieses Mal könnten unabhängige UFO-Forscher ein öffentliches Gehör finden wie niemals zuvor. Wenn die offiziellen Sprecher irreführende oder falsche Statements abgeben, werden es unabhängige Forscher in der Zeit nach den Enthüllungen viel leichter haben, dies aufzuzeigen."
Allerdings wird die Welt vermutlich nicht nur zuhören. Sondern vielfältige Gestaltungsabsichten (z.B. der Raelisten und anderer sektenartiger Vereinigungen) erhalte rasenden Zulauf, während die bisherigen gesellschaftlichen Meinungspole sich radikalisieren werden.
"Wie sich alles entwickelt, wird die Zeit zeigen. Es gibt noch so viele andere Probleme ..."
Wohl wahr - Probleme haben wir mehr als genug: Raubbau an der Ökologie des Planeten, globale Finanzen, Energie und Krieg - aber auch kulturelle Auseinandersetzungen und ein wachsendes Gefälle zwischen reichen Minderheiten und verarmten Massen. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass wir Menschen uns selbst zerstören, bevor etwaige Außerirdische uns kontaktieren oder ihre Anwesenheit bewiesen wird. 

Dolan äußert die Erwartung, dass im Zuge dieser UFO-Enthüllung durch die Regierungen endlich Fragen und Belange aller Menschen beantwortet werden anstatt nur jene einer kleinen Elite - durch Erhöhung des öffentlichen Drucks "von ganz unten ...  während wir in eine neue, bessere und reifere Phase unserer Existenz eintreten".


Dafür sehe ich keinerlei Anzeichen - hätte aber nichts dagegen, dass Optimisten wie Dolan Recht behalten...



***

Montag, 18. November 2013

Rhetorische Frage: Ist Deutschland noch souverän?

Das Prinzip der Volks-Souveränität bestimmt das Volk zum souveränen Träger der Staatsgewalt. Die Verfassung als politisch-rechtliche Grundlage eines Staates beruht danach allein auf der verfassungsgebenden Gewalt des Volkes.
Artikel 20 (2) des Grundgesetzes formuliert dies so:

Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
Also stehe einzig das Volk in seiner Gesamtheit stehe einzig über der Verfassung - kein Monarch und auch kein ausländischer Geheimdienst. Außerdem klingt die Gewaltenteilung an. Soviel zur Theorie...


Teilautonomes Besatzungsgebiet?

Mit aufgeregter Rhetorik sprechen aufgeregte Pressekommentare von einem "geheimen Krieg der USA", welcher von deutschem Boden aus geführt werde - und sie erwecken den Eindruck, als seien die Erkenntnisse darüber völlig neu und unerwartet.
Aus den von hier aus betriebenen Tätigkeiten der US-Geheimdienste folgert Herbert Prantl ("Wie souverän ist Deutschland?" - Süddeutsche.de vom 18.11.2013), dass auf deutschem Boden offenkundig zwei Staatsgewalten existieren - die deutsche und die amerikanische. 

Das journalistische Engagement zeugt zugleich vom Ausmaß der bisherigen Verdrängung: Seit seiner Kapitulation 1945 ist Deutschland nicht einen Tag souverän gewesen... lediglich das Konstrukt hat sich 1991 im Zuge der Wiedervereinigung verändert. Wird dies laut und deutlich gesagt, dann kommen natürlich Fragen auf:
"Das wiedervereinigte Deutschland soll kein souveräner Staat sein - was ist es dann? Eine Besatzungszone? Und wenn ja, von wem besetzt?"
Werfen wir doch einen Blick auf die Landkarte, auf der die Standorte der US Army in Deutschland eingezeichnet sind (Stand 2008):



Und dann schauen wir uns die Personalstärken der 'Gaststreitkräfte' an (Stand 2009) und vergleichen diese mit der Truppenstärke der Bundeswehr, die im Jahr 2012 noch 200.000 Soldaten betrug.


Land Soldaten
USA 56.680 (bis 2017
'nur' noch ca. 40.000 gepl.)
Großbritannien 18.602
Frankreich 3.582
Niederlande 610
Belgien 221
Gesamt
79.695
Nach dem Ende des Kalten Krieges müssen wir nicht länger vor dem 'großen roten Hund' beschützt werden, der womöglich im Vorgarten Amerikas wildern könnte. Die amerikanischen und britischen Streitkräfte nehmen demzufolge 'andere' Aufgaben wahr:


Panoramablick über die Ramstein Air Base

Die hier abgebildete Airbase Ramstein spielt nach einem Angaben des ORF und der Süddeutschen eine essentielle Rolle bei der Steuerung von Drohnen in Afrika (etwa Somalia), Pakistan und Jemen. Satellitendaten der Drohnen werden hier empfangen und an die steuernden Piloten in den USA übertragen. Überdies wird in Ramstein wird zukünftig die Einsatzzentrale des geplanten Raketenabwehrsystems der NATO installiert werden.

Richtig ist:

"Wenn die Deutschen das Schalten und Walten der US-Geheimdienste tolerieren, akzeptieren, respektieren, wirft das die Frage nach ihrer Souveränität auf."
Also steht 'unsere' Souveränität nicht nur wegen der plötzlich entdeckten Geheimdienst-Aktivitäten in Frage, sondern auch mit Blick auf die angelsächsische Militärstreitkräfte auf deutschem Boden. Allein das US-Militär kostet den deutschen Steuerzahler nach Recherchen der Süddeutschen mehrere hundert Millionen Euro - auf Grundlage eines jahrzenhntealten Abkommens (vgl. "Deutschland zahlt Millionen für US-Militär", Süddeutsche v. 16.11.2013)
Muss man daraus nicht folgern, dass deutsche Steuerzahler die amerikanische Militärinfrastruktur sowie die Koordinierung von Drohnenangriffen mitfinanzieren?
In Deutschland stationierte US-Soldaten sollen an Drohnenangriffen gegen Terrorverdächtige in Afrika beteiligt gewesen sein. Der Generalbundesanwalt prüft einem Medienbericht zufolge, ob er ein Ermittlungsverfahren einleitet.


Die juristischen Grundlagen, u.a. auch das Nato-Truppenstatut, sind hochkomplex und die entsprechenden Haushaltstitel gut versteckt. Wenn man dann noch bedenkt, dass die für Atomwaffen zuständige US-Behörde plant, eine neue Generation von Nuklear-Waffen in Deutschland zu stationieren - dann ist der Terminus 'Besatzungszone' nicht so weit hergeholt, wie es auf den ersten Blick scheint.-

Ohne solche und weitere Zugeständnisse (wie z.B. den € einzuführen) sowie die deutsche Teilnahme am Entstaatlichungsprozess durch die Europäische Union wären die Zwei-plus-Vier-Verträge vermutlich niemals zustande gekommen.

In diesem Kontext ist inzwischen die Rede von einer Postnationalisierung des Verfassungsrechts, einem europarechtlich überlagerten Grundgesetz und einer relativierten Staatlichkeit.
Der Nationalstaat sei  nicht tot, aber entzaubert - schreibt Prantl - aber das trifft doch nicht erst seit ein paar Tagen zu, seitdem sich alle Welt über Fakten aufregt, die lange zuvor offensichtlich oder zumindest absehbar waren.


Historischer Wandel in kaum bewusstem Ausmaß

Es wird höchste Zeit, lieb gewonnene Begriffe neu zu definieren: was bedeuten Souveränität und Autonomie heute, wo nicht nur die Deutschen einen beträchtlichen Teil ihrer Souveränitätsrechte an die EU abgeben? Damit nicht genug: offensichtlich bestehen vertrauliche "Sicherheitsvorbehaltsrechte", welche den westlichen Alliierten (insbesondere den USA und Großbritannien) nach wie vor erlauben, in einem geradezu rechtsfreien Raum innerhalb der Bundesrepublik aktiv zu werden.


Gleichberechtigte Partner? Wenn die Bundesregierung es hinnimmt, dass die USA von deutschem Boden (= "Hauptstationierungsland") aus "Krieg führen" (Prantl), dann tut sie dies, weil ihr schlichtweg nichts anderes übrig bleibt. Insoweit gilt wirklich das traurige Prinzip:

"Souverän ist, wer vergisst, was nur schwer zu ändern ist."
Wie Prantl und andere feststellen, wissen das deutsche Volk und die deutsche Volksvertretung fast nichts davon, "dass von Deutschland aus US-Drohnen gesteuert werden, dass hier eine US-Logistik zur Folterung und Exekution von Menschen sitzt". Dieses rigorose Schalten und Walten legitimiere sich allenfalls zum Teil durch Verträge, also durch das souveräne Verhandeln zweier Staaten. Daraus folgt:
"Es existieren offensichtlich zwei Staatsgewalten in Deutschland: erstens die deutsche, und zwar in der Gestalt, die ihr die EU- und andere Verträge gegeben haben; daneben zweitens die US-amerikanische, in nicht genau bekannter Form."
Doch es sind nicht nur staatliche Strukturen und Institutionen aktiv: Im Auftrage des amerikanischen Geheimdienstes sind hierzulande mehr als 200 Firmen "steuerfrei unterwegs, um zu spionieren", müssen wir uns von Gergor Gysi belehren lassen.
Die durch das Völkerrecht geschützte Souveränität wurde in Europa als Folge der beiden Weltkriege längst ad absurdum geführt, wie u.a. Finanzminister Schäuble bereits vor zwei Jahren feststellte. Dabei geht es um einen historischen Wandel, dessen Ausmaß vielen Bürgern kaum bewusst ist.


Ist Tapferkeit vor dem Freund angebracht?

Und nun? Bilden wir uns allen Ernstes ein, unsere Politiker könnten gegenüber den USA energischer auftreten? Dazu erklärte Peter Scholl-Latour bereits im Juli:

"Da werden vor allem auch wirtschaftliche Rücksichten genommen, man befürchtet amerikanische Sanktionen. Die USA sind eben ein ungeheuer wichtiger Wirtschaftspartner..."
Positiv ist, dass nun endlich eine Bestandsaufnahme geschieht: Mit intensiven Recherchen decken Journalisten (und nicht zuletzt mutige Menschen wie E. Snowden) auf, wie die USA u.a. Deutschland als Plattform für ihren Kampf gegen den Terror benutzen. 
Wir sollten nur nicht so naiv sein und erwarten, dass sich als Folge dieser 'Enthüllungen' etwas an diesen Gegebenheiten ändert.

Ein weiterer Aspekt: Spielt Deutschland nicht ein z.T. ähnliches Spiel mit südeuropäischen Staaten, denen es infolge einseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeiten weitreichende Vorschriften macht (z.B. wenn den Griechen eine Volksabstimmung untersagt wird)?

Und warum agieren 'wir' so (teils über die Institutionen des 'vereinigten' Europa)? Weil es unseren Interessen dient und weil wir es können. Gleiches dürfte auf die Briten und Amerikaner zutreffen.

Hat die fehlende Souveränität letztlich geschadet? 

Abschließend gehört es - auch im 68. Jahr nach Ende des 2. Weltkriegs - dazu, an die kausalen Zusammenhänge zu erinnern, welche zum Verlust der deutschen Souveränität führten:


"Den deutschen Drang nach mehr Anerkennung hat die Welt genau zweimal genossen: Als Kaiser Wilhelm II. sich von der Bismarckschen Bündnispolitik verabschiedete und sein Kaiserreich zum Hauptverursacher des Ersten Weltkrieges avancierte. Und später, als Hindenburgs Machtgeschenk an Hitler diesem und seinen Deutschen die Freiheit gab, die bislang furchtbarsten Verbrechen an der Menschheit zu begehen – als parallele Handlungsstränge zu seinen Angriffs- und Vernichtungskriegen sozusagen.
[...] Der Kalte Krieg hatte für das geteilte Deutschland den Vorteil, daß die im Kaiser- und im »Dritten« Reich zur Selbstvernichtung Deutschlands führende Souveränität durch einen Bündniszwang mit dem jeweiligen Alliierten ersetzt wurde – was zumindest in Westdeutschland zu einer längeren Periode der Demokratisierung führte – wenn auch von den Siegermächten bewirkt." Marc-Thomas Bock, "Souveränität, die es niemals gab"
Die politische Gegenwart Deutschlands kann und darf folglich nicht losgelöst von seiner Geschichte betrachtet werden, insbesondere von den Genoziden und Angriffskriegen des NS-Regimes.
Nun scheint es zwar, dass die Deutschen ihre Lektion aus der Geschichte wenigstens teilweise gelernt haben - und doch wir dürfen uns nicht wundern, dass ein gewisser Rest an erfahrungsbedingtem Misstrauen bis in unsere Zeit fortbesteht.
Nur würde ich mir wünschen, dass diese Dinge wieder beim Namen genannt und nicht hinter einem diffusen Szenario namens 'Anti-Terror-Kampf' verborgen werden. Als Marc Th. Bock die Frage "Hat diese fehlende Souveränität letztlich jemandem geschadet? implizit mit Nein beantwortete, ahnte er freilich noch nichts von den jüngsten Erkenntnissen, die auch eine geostrategische Instrumentalisierung Deutschlands durch 'andere' nahelegen.
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Nachtrag (Juni 2014)

Samstag, 7. September 2013

Staatliche Überwachung: "Wir müssen das Internet zurückerobern"

Der Spass am Internet ist mir weitgehend abhanden gekommen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Über die haarsträubende Kommmerzialisierung des Web, wo nahezu jeder Klick vermarktet wird bzw. zu Einnahmen sog. 'Anbieter' führt, schüttle ich schon lange den Kopf. Dann dieser ganze Wust an Malware und sonstigen Nettigkeiten profilneurotischer Schwachköpfe, die das Netz auf ihre Weise in Verruf bringen.
Und jetzt die Spionage-Enthüllungen ...

Das ist nicht mehr das Internet, das die Welt braucht, und auch nicht mehr das, was seine Schöpfer ursprünglich beabsichtigt hatten. Der Westen insgesamt, nicht nur die USA und Großbritannien verwalten Internet un-ethisch und legitimieren so den Missbrauch des Internets durch China, Russland, Iran und andere.

Und die Informationsindustrie macht fleißig mit, wenn sie nicht mit Datamining etc. der eigentliche Vorreiter der grassierenden Überwachungsmentalität war.

Wie ZEIT Online berichtet, verlangt der amerikanische Informatiker und Sicherheitsexperte Bruce Schneier von Technikern und Ingenieuren, die Methoden der NSA und anderer Nachrichtendienste öffentlich anzuprangern - sowie "ein sicheres Internet zu bauen, das die Massenüberwachung durch Staaten unmöglich macht."


Bruce Schneier, 2007
"Regierung und Industrie haben das Internet – und uns – verraten. Indem die NSA das Internet auf jeder Ebene untergraben hat, um aus ihm eine riesige, allumfassende Überwachungsplattform zu machen, hat sie einen fundamentalen Gesellschaftsvertrag unterlaufen.
Weder den Unternehmen, die die Infrastruktur des Internets bauen und regulieren, noch denen, die Hardware und Software verkaufen, noch denen, die Daten speichern, kann man noch zutrauen, dass sie das Netz ethisch korrekt verwalten."
Schneier stellt fest, bislang sei weithin unbekannt, wie genau die NSA und andere Geheimdienste Router, Knotenpunkte und sogar Verschlüsselungstechnologien aushebeln bzw. umgehen.
  
Ist ziviler Ungehorsam als der moralisch richtige und vielleicht notwendige Ausgangspunkt, das Internet wieder zu dem Netz umzugestalten, als das es ursprünglich gedacht war?
"Wir müssen herausfinden, wie wir das Internet umbauen können, um diese Art der Massenausspähung zu verhindern. Wir brauchen neue Techniken, um Kommunikationsvermittler davon abzuhalten, private Informationen weiterzugeben.
Wir können dafür sorgen, dass Überwachung teurer wird."
Meiner Ansicht nach stört sich nur eine Minderheit so sehr an der Überwachungspraxis im Web, dass sie bereit ist auch schmerzhafte Konsequenzen zu ziehen - etwa auf Diensteanbieter zu verzichten, die offensichtlich persönliche Daten an Regierungsorganisationen weitergeben. 
Doch falls in ein paar Jahren aus Anfängen wie dem Appell von Bruce Schneier eine  breite, machtvolle Front entstehen sollte, könnte diese vielleicht bewirken, dass das Internet auch wieder Spaß macht und nicht länger primär als Sicherheitsrisiko gesehen wird. 

Nachtrag (23.10.2013): Angela Merkel war möglicherweise über Jahre hinweg ein Ziel US-amerikanischer Geheimdienste.

Ignoranz endet meist dann recht schnell, wenn man persönlich betroffen ist. Die WELT beschreibt Angela Merkels Verhalten in der Spionageaffäre recht süffisant;
Frau Bundeskanzler habe sich "abwägend und beschwichtigend verdient gemacht". Deutschland sei nun einmal "angewiesen auf die Zusammenarbeit mit den Amerikanern und habe nur wegen US-Hinweisen einen Terroranschlag verhindern können. Netter hätte es Washington selbst nicht sagen können."

Doch wurden ihr kürzlich muss offenbar überzeugende Beweise vorgelegt, dass ihr Privathandy abgehört wurde. Prompt ruft Merkel bei Obama an und in Berlin wirft man den USA "gravierenden Vertrauensbruch" vor. Schadenfreude ist nicht angebracht, oder nur ganz wenig..
"Wieder ist "inakzeptabel" das Wort, dass Indigniertheit mit Ohnmacht kreuzt."
Die Situation, wenn ein strebsamer Nerd auf dem Schulhof gegen Rempeleien stärkerer Mitschüler anredet, ist nicht unähnlich: "Ach bitte, lass das doch, sonst..."
Ja, was 'sonst'? Beleidigt sein bringt auf dem diplomatischen Parkett keine Punkte und zu Wirtschaftssanktionen wird es kaum kommen. Das "Erregungspotenzial" wg. Abhören ausländischer Staatschefs halte sich in den USA fühlbar in Grenzen, meint auch WELT-Korrespondent Uwe Schmitt.

Obamas Reaktion spricht für sich: Der Präsident versichert der erregten Kanzlerin, dass die Vereinigten Staaten ihre Kommunikation nicht überwachen und nicht überwachen werden.“ Inwieweit dies auch auf die Vergangenheit zutrifft, ließ die Sprecherin dem SPIEGEL zufolge offen.