Mittwoch, 29. August 2012

Warum ist der Mensch so wie er ist?

Ob man tief gläubig oder aus tiefstem Herzen von der Nichtexistenz des Göttlichen überzeugt ist – diese Frage hat sich vermutlich jeder schon mal gestellt. Meist in einem unangenehmen Augenblick voller Unverständnis über menschliches Handeln oder im Rückblick auf eigenes, zweifelhaftes Verhalten.
Die Geschichte der Menschheit liest sich im wesentlichen als Aneinanderreihung von Schlechtigkeiten – im Großen sind es Kriege und Genozide, auf Individuen (sich selbst oder andere) bezogen begegnet man Ignoranz, Egoismus und nicht selten skrupelloser Rücksichtslosigkeit. Schaut man genauer hin, entdeckt man auch die Ausnahmen: Gemeinschaften und Einzelpersonen, die Lichtblicke voller Güte, Hingebung und echter Nächstenliebe vermitteln, welche nicht den eigenen Vorteil zum Ziel hat.
Technologische Errungenschaften tragen fast immer den Keim missbräuchlicher Anwendung in sich.


Zu unterschiedlichen Zeiten, abhängig von der persönlichen Stimmung, gelangt man zu einem unterschiedlichen Fazit – mal überwiegen die helleren und mal die dunkleren Grautöne. In meiner eigenen Wahrnehmung überwiegt das Schlechte, wobei ich mich hüte, das Gute in fast jedem Menschen zu übersehen.
Doch ist es nicht so – wenn die meisten von uns ehrlich zu selbst sind – dass fast immer die Fokussierung auf das Wohlergehen der eigenen Person und des unmittelbaren Umfeldes besteht? Das Ich, die eigene Familie, die eigene Firma, die eigene Berufsgruppe…bis hin zum eigenen Land und dem Kontinent, auf dem man lebt.


'Zuviel Altruismus lenkt uns vom Wesentlichen ab' ...so wurde es fast allen Menschen anerzogen, denen ich begegne (mich selbst auf keinen Fall ausnehmend). “Das Leid der ganzen Welt könnten wir niemals lindern, selbst wenn wir dies wollten und uns ernsthaft dafür einsetzten.
Statt dessen leben wir unser eigenes Leben nach dem St.-Florians-Prinzip und hoffen, dass es uns nicht zu schlimm erwischt.

Diese Tendenz wird um so dominanter, je mehr der einzelnen in der tarnenden Masse untergeht – bei 82 Millionen Deutschen oder erst recht 250 Millionen Europäern ist die persönliche Verantwortung nicht besonders hoch, relativ betrachtet.
Besonders unverständlich ist dabei schädliches Handeln bzw. Nichthandeln wider besseres Wissen ...sodass Goethes Verse in unangenehmer Weise zutreffen:

“Ein (guter) Mensch in seinem dunklen Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.”
Tatsächlich braucht sich niemand für das unmenschliche, unethische Verhaltensprofil zu kasteien, welches der Mensch als dominierende Spezies auf diesem Planeten abgibt. Die Ursache dieses Verhaltens liegt im Dunkel einer Evolutionsgeschichte, an deren Ende wir zwar ein Selbstbewusstsein entwickelten, aber die steinzeitlichen Reaktionsmechanismen niemals ganz ablegen konnten.
Irgendwo zwischen halbbewussten Trieben und erahnten Instinkten auf der einen Seite und den verinnerlichten Normen, Traditionen und Erziehungsmustern auf der anderen versucht ein rationales Ich sich an der übermächtigen Aufgabe, zwischen beiden Einflussgrößen zu vermitteln und dabei so etwas wie eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Wo soll da noch Raum für Rücksichtnahme und Altruismus aus eigener, echter Motivation entstehen?


Suche nach Antworten

Kant versuchte, die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen des Erkennens und des resultierenden Handelns zu ergründen. Er formulierte seinen Kategorischen Imperativ als ethisches Konzept, wo zuvor die Theologen moralisches Verhalten aus der Bibel begründet und definiert hatten.
Eine Frage blieb jedoch unbeantwortet: Warum sind wir so …gut / schlecht / gleichgültig / liebevoll /ignorant / aufopfernd ...meist von allem ein wenig und von der Ignoranz bzw. dem Verdrängen des Beängstigenden ein wenig mehr?
"Warum ist der Mensch sich selbst ein Rätsel? Weil er, im Unterschied zu den Tieren, nie in sich ruht. Er existiert in multipler Polarität - von Körper und Geist, Leib und Seele, Sinnlichkeit und Vernunft, Gefühl und Verstand, Innerlichkeit und Außenwelt...
Er ist ein ex-zentrisches Wesen, das, seiner Natur und Geschichte verhaftet, gleichwohl stets über sie hinaus strebt. Er kann, er muss sich und die Welt fortwährend neu gestalten, kann solches Wagnis jedoch nur bewältigen, wenn er zwischen seinen Gestaltungsfreiheiten und den Notwendigkeiten seiner leiblich-psychischen Verfassung ein Gleichgewicht findet." (Christoph Dejung: Helmuth Plessner, WELT online, 2004)
Christliche Theologen würden vielleicht antworten, dass die Menschen so sind, weil Gott sie so geschaffen hat. Wer aber den vermeintlich ‘freien Willen’ hochhält, wird kaum die durch implizierte Kausalität (Ursache und Wirkung) übersehen, die das Gute und das Schlechte in dieser auf einer bestimmten Ebene vom Menschen bestimmten Welt klar auf diesen Menschen als Urheber der Gründe zurückführt. 

Meist sehe ich es so: die Rahmenbedingungen – Universum, Natur, Naturgesetze, Merkmale und Bedingungen von Leben – 
wurden durch einen Schöpfer/eine willentlich-schöpferische Intelligenz vorgegeben ; doch innerhalb dieses Rahmen besitzen wir einen erheblichen Gestaltungsspielraum. Daran ändern auch das Zusammenwirken von ES und Über-Ich nichts.
So bleibt genug Raum für die Warum sind wir so? –Fragestellungen, ohne alle Kausalität auf Gott oder etwas nie gesehenes Phänomen namens Zufall projizieren zu können.
Warum fallen unsere Gruppen- und Individual-Entscheidungen so selbstzerstörerisch, manchmal brutal und bisweilen schlichtweg dumm oder perfide aus? Weshalb gebrauchen wir die uns gegebene Freiheit so und nicht anders?
  • Individualpädagogische Analysen helfen da kaum weiter. Was nützt es auch, wenn ich weiß, aus welcher Motivation Breivik 69 Menschen ermordet hat und ein Jahr danach immer noch von sich und seinem Tun überzeugt ist? Nun ja, Kriminalpsychologen und Politiker mögen in Richtung Prophylaxe denken, was angesichts zunehmender Amokläufe angebracht sein mag.
Doch Serien-/Massenmörder besitzen ebenso wenig repräsentative (=verallgemeinerbare) Charaktermerkmale wie jene, die für weit mehr Todesopfer verantwortlich sind und den Schein von Legalität und Legitimität zu wahren wissen.
  • Anthropologen sind da schon einen Schritt weiter: Ausgehend von Zitaten wie dem von Ludwig Feuerbach („Der Mensch ist, was er isst.“) entwickeln sie aus Wissensgeschichte und Evolution ein Bild, wie das Zusammenspiel von Natur und Kultur die menschliche Identität entstehen lässt, etwa weil beide Körper und Geist durch Nahrung beeinflussen. [Vergl. ‘Der Mensch ist, was er isst.’]
    Schaut man sich deren Erkenntnisse genauer an, stellt man fest, sie haben die Antwort auf eine andere Frage gesucht – nämlich: ‘Was ist der Mensch?’ 
Das Warum bleibt dabei offen, zumindest auf der abstrakten Ebene des Menschen schlechthin. Vielleicht ist es ja klüger, diese Frage erst gar nicht ernsthaft zu stellen, weil sie sich ohnehin nicht beantworten lässt – jedenfalls nicht im Sinne einer allgemein gültigen Wahrheit?
Wer Kinder oder kleine Neffen und Nichten hat, wird sehr wohl wissen, dass eine Antwort auf eine Warum-Frage eh’ einen Aha-Effekt und prompt eine Reihe weiterer Fragen dieser Art nach sich zieht…

Homo ludens – eine Spezies aus lauter Spielernaturen?

Der homo ludens (lateinisch, ‘der spielende Mensch’) ist ein Erklärungsmodell des lebenden Menschen, wonach dieser seine Fähigkeiten im Besonderen über das Spiel entwickelt. Er entdecke im Spiel seine individuellen Eigenschaften und entwickele sich dadurch anhand der dabei gemachten Erfahrungen selbst zu dem, was er ist. Spielen unterstellt Handlungsfreiheit gleichgesetzt und setzt eigenes Denken voraus
Nach Johan Huizinga entwickelten sich unsere kulturellen Systeme wie Politik, Wissenschaft, Religion, etc. im Wege der Selbstorganisation aus ursprünglich spielerischen Verhaltensweisen, die nach und nach ritualisiert und institutionell verfestigt wurden…vergl. Wikipedia.
Besonders reizvoll war es dann wohl einige Multiplikatoren und Eliten, von Zeit zu Zeit einzelne ‘Spielregeln’ zu verändern…
Diesen Gedanken weiterspinnend frage ich mich: Sind wir – sowohl als Individuen als auch in unserer Gesamtheit – allesamt Spieler bzw. Zockernaturen, wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung und Vorliebe für verschiedene Spiele und unterschiedliche Einsätze?
  • Im globalen Kontext lassen wir es drauf ankommen – Klimaentwicklung, Weltkriegsgefahr, Ressourcenschwund usw. Setzen wir darauf, dass es uns alle – oder uns selbst – nicht zu schlimm trifft? Oder dass unser rechtzeitiges Ableben uns davor bewahre, die schlimmsten Entwicklungen noch mit ansehen bzw. selbst erfahren zu müssen?
  • Im persönlichen Leben vergeht nicht ein Tag, ohne dass wir eine Fülle von Risikoabwägungen vornehmen und ‘kalkulierte Risiken’ eingehen.
  • Geht das ‘Spiel’ religiöser Menschen davon aus, der liebe Gott werde es schon richten – und man selbst werde gerade noch bei den Guten im Töpfchen landen?
Auch wenn Friedrich Nietzsche wohl zutreffend erkannt hat, dass von allen menschlichen Beweggründen Eigennutz und Angst wohl am schwersten wiegen und dass “Religion das einzelne Gemüt in Zeiten des Verlustes, der Entbehrung, des Schreckens, des Misstrauens” befriedigt – die kollektive Spielernatur der Menschen könnte als ergänzendes Erklärungsmodell tauglich sein.
‘Eigentlich’ kann dies nicht zutreffen, möchte man meinen – denn Leben als Spiel im Spiel (…) aufzufassen, wäre doch im hohen Maße un-vernünftig. Wie dem auch sei, die täglich zu beobachtende Realität scheint in diese Richtung zu weisen.
Wo aber liegt die Grenze zwischen kreativem Spiel und vermessenem Zockertum? Pessimisten sind überzeugt, dass wir dies schneller herausfinden werden, als den meisten von uns lieb sein dürfte…

Siehe auch

Samstag, 25. August 2012

Unsterblichkeit der Seele? Platons Phaidon

Ein Dialog über das Wesen der Seele und die Ewigkeit

Auf ein einzelnes der vielen philosophischen oder theologischen Konzepte von Unsterblichkeit und ewiger Existenz der (menschlichen) Seele vermag ich mich nicht festzulegen – an der Hoffnung auf dieses Weiterexistieren der Seele halte ich dennoch unbedingt fest.
Mein persönlicher Grund für dieses Hoffen ist fast banal: Die Vorstellung, für das Selbst – zu dem insbesondere Bewusstsein und Erinnerung zählen – gebe es kein 'Danach', impliziert für mich zu einer völligen Sinn- und Ziellosigkeit des menschlichen Daseins. Anders ausgedrückt: In der Einseitigkeit dessen, was die Mehrzahl der Menschen in ein paar Jahrzehnten irdischen Daseins veranstaltet, entdecke ich plumpen Selbstzweck, naturalistisches Sich-Reproduzieren, maximierte Konsum- und Sinnlichkeitserfahrung sowie die selbstgefälligen Erfolgserlebnisse einzelner Alphamännlein und –weiblein, aber ganz sicher weder Sinngebung noch Vollendung.

Nun hat es manchmal den Anschein, als sei die Frage nach dem Tod, der Beschaffenheit des Jenseits und 'was dann aus uns wird', nahezu ausschließlich die Domäne der um die "Wahrheit" konkurrierenden Religionen. Diese (vor allem die drei großen monotheistischen Religionen) haben entscheidende Nachteile:

  • ein kompetitives Entweder-/Oder-Denken:
    Religionen versuchen uns mit mehr oder weniger drastischen Drohgebärden einzuschärfen, an ihre jeweilige Version vom Weiterleben der Seele seien Bedingungen geknüpft …die natürlich nicht von den den Religionsstiftern oder ihnen nachfolgenden Klerikern, sondern unmittelbar von Gott stammen sollen.
  • ein Exklusivitätsanspruch, demzufolge die große Mehrzahl aller Menschen (nämlich alle jeweils "Ungläubigen") entweder im dunklen Nichts der Vergessenheit oder in niemals endenden Höllenqualen endet.
Als wirklich trostbringend empfindet dies kaum jemand. (Zumindest habe ich im christlichen Umfeld noch keine einzige Beerdigung erlebt, die mit gelassener Leichtigkeit den Übergang des Verstorbenen in eine bessere Welt begangen hätte.) All dies ist Anlass genug, auch die 'unabhängigen' Konzepte seelischer Unsterblichkeit zu suchen – ohne damit die religiös motivierten Eschatologien und Heilslehren per se zu verwerfen.

Platons Phaidon – der Dialog des Sokrates über Wesen und Unsterblichkeit der Seele


Der Gedanke, die Seele sei unsterblich, ist kein exklusives Produkt im Portfolio der maßgeblichen, oft monokausal auf einen übernatürlichen Schöpfer ausgerichteten Religionen - wir treffen ihn schon bei den frühen Philosophen an:


Der Phaidon ist ein zwischen 385 und 378 v. Chr. entstandener Dialog des griechischen Philosophen Platon. Dieser schildert im Phaidon das letzte Zusammentreffen des Sokrates mit seinen Freunden vor dessen bevorstehender Hinrichtung. Gegen Sokrates war das Todesurteil verhängt worden, weil ihm ein verderblicher Einfluss auf die Jugend sowie die Missachtung der damaligen Götter zur Last gelegt worden war.
Auf die Bitte des Pythagoreers Echekrates berichtet Phaidon von den letzten Stunden des Sokrates und von dem letzten Gespräch: der Argumentation vom Fortleben der Seele. Phaidon selbst gründete nach Sokrates' Tod eine Philosophenschule in Elis.
Im Mittelpunkt des Phaidon steht auch die Ideenlehre (s.u.) des Platon.
  • Den ins Deutsche übersetzten Text des Phaidon findet man beispielsweise hier (PDF) in einer überarbeiteten (leicht zu lesenden) Fassung oder auf Zeno.org. Zum Erstaunen seiner Freunde habe Sokrates im Angesicht des bevorstehenden Todes tapfer und "ganz glücklich" gewirkt. So habe Phaidon zwar Trauer empfunden, aber auch die Zuversicht, sein Freund werde begnadet und mit "einzigartigem Wohlbefinden in die Unterwelt eingehen". 


Tod und Reinigung der Seele

Sokrates erklärt, der Tod für den Philosophen keinen Schrecken; er selbst gehe dem "nicht unwillig" entgegen. Jede Form von Suizid lehnt er indessen aufgrund eines aus göttlichen Geheimlehren ersichtlichen Verbotes ab: die Menschheit sei als "eine der Herden der Götter" zu betrachten und jeder einzelne in einer Festung (dem Körper) gefangen, aus der er sich nicht selbst befreien dürfe. Andernfalls drohe womöglich eine Bestrafung.
Auch Sokrates betrachtet die Menschen als Eigentum von weit über ihm stehenden, göttlichen Wesen. Obgleich dem Gedanke, mir nicht selbst zu gehören, etwas Beängstigendes (auf Gedeih und Verderb meinem 'Eigentümer' ausgeliefert zu sein) anhaftet – hier geht es vor allem darum, dass der Hüter der Herde am besten wisse, was gut für sie ist.
Dennoch, der Tod als solcher sei erstrebenswert und Todessehnsucht daher verständlich, sogar begrüßenswert. Widerspruch und Unverständnis seitens Kebes und Simmias bewegen Sokrates dazu, seine Auffassung zu erläutern.
„… wenn ich nicht glaubte, zuerst zu andern Göttern zu kommen, die auch weise und gut sind, und dann auch zu verstorbenen Menschen, welche besser sind als die hiesigen, so täte ich vielleicht unrecht, nicht unwillig zu sein über den Tod. Nun aber wisset nur, dass ich zu wackeren Männern zu kommen hoffe.“
Der Tod verschaffe der Seele die lange gesuchte Unabhängigkeit, denn bei seiner Suche nach tiefen Erkenntnissen behindere der Körper den Philosophen: Sinneseindrücke vermitteln keine objektiven, sicheren Informationen und können den Verstand vielmehr täuschen. Ebenso sind körperliche Bedürfnisse und Triebe störend auf dem Weg zur wahren Erkenntnis.
Mehr noch: der Körper sei eine regelrechte Last; der Philosophen solle ihm nur das Nötigste zugestehen.

“Selbst im Krieg, beim Aufruhr und in Kämpfen, haben wir es nur mit dem Körper und seinen Begierden zu tun. Denn in allen Kämpfen geht es um den Besitz von Geld und Gut, die wir für unser leibliches Wohl haben wollen.
Weil uns diese Dinge so vereinnahmen, fehlt es uns an Muße, Philosophie zu betreiben.
Nur Vernunft lässt das Erkennen und Verstehen der Wirklichkeit zu - während Furcht, Liebe, Angst und alle übrigen Empfindungen dieser Erkenntnisgewinnung im Weg stehen. Folglich ist ein Philosoph gut beraten, seinen Körper von diesen störenden Einflüssen fernzuhalten.
Mit dem Ableben des Körpers hat es damit ein Ende: durch den Prozess des Sterbens erfolgt die Trennung der Seele vom Körper, sie wird von den letzten Fesseln des Leibes befreit und ist nun "für sich allein".
Dies ist für einen Philosophen - als 'Freund der Weisheit' - der Idealzustand:

"Wenn wir je etwas rein erkennen wollen, müssen wir uns von ihm befreien,
und allein mit der Seele die Dinge an sich anschauen."
(Der Tod als Instrument, um kritische Distanz zu all den Einflüssen, denen die Lebenden mit ihren Trieben, Bedürfnissen und Befindlichkeiten ausgesetzt sind? Kann man so sehen, nur stelle ich mir den 'entkleideten' Erkenntnisprozess innerhalb der als Ewigkeit bezeichneten Dimension auf die recht einseitig vor, wenn nicht sogar schal.)
Insoweit sei es töricht, sich vor dem Tod zu fürchten. Erst nachdem diese Schwelle überschritten sei, lasse sich im Jenseits die endgültige Wahrheit finden.
Ohne anmaßend sein zu wollen, scheint es mir doch, als werde hier ein Aspekt übersehen: Bergen nicht auch die so sehr von Sokrates verachteten Erfahrungen und sinnliche Freuden (in Maßen genossen) wesentliche Impulse für den Versuch, die (gesamte) Wirklichkeit zu erfassen? Die Götter, die ‘ihrer Herde’ alles Gute und Notwendige angedeihen lassen, würden die Mitglieder dieser Herde kaum grundlos einem solchen ‘Gefängnis’ ausliefern…
Sokrates mahnt auch zur Besonnenheit, die für mich freilich implizieren würde, sowohl Körper und Sinne als auch Verstand und Seele in einem fortwährenden, fraglos schwierigen Balanceakt gleichermaßen zu ‘nutzen’, um Erkenntnis und Weisheit zu gelangen.

Hören und Sehen versetzen den Menschen überhaupt erst in die Lage, über komplexe Fragestellungen nachzudenken.

"Wenn einer ungeweiht und uneingeweiht im Hades ankommt, so wird er dort im Schlamm zu liegen kommen. Der Geläuterte aber und der Geweihte, wird nach seiner Ankunft dort bei den Göttern wohnen…"

Beweise für die Unsterblichkeit der Seele?

Die bisherigen Überlegungen und Annahmen des Sokrates setzen freilich einen entscheidenden Umstand als unumstößliche Tatsche voraus: Mit dem Tod stirbt allein der Körper, doch die Seele bleibt als Einheit erhalten. D.h. sie unterliegt auch nicht der Reorganisation wie die elementaren Bausteine des materiellen Körpers.
Dies dürfe man eben nicht einfach voraussetzen, wenden Freunde und Schüler des Sokrates ein – sonst bleibe von dem bisher Gesagten nicht mehr als eine schöne Hoffnung. Vielmehr bedürfe es "überzeugender Gründe und Beweise dafür, dass die Seele nach dem Tode des Menschen noch existiert und dass sie dann noch Kraft und Einsicht besitzt."

(Hier liegt für mich der bedeutsamste Knackpunkt, weswegen ich mich nicht auf dem Markt der religiösen und spirituellen Wettbewerbe für eines der angepriesenen 'Produkte' entscheiden mag: Solange diese Eingangsvoraussetzung nicht abschließend geklärt ist - was in Ermangelung von Rückmeldungen aus dem Hades weiterhin schwer fallen dürfte - sehe ich keinen Nutzen darin, meinen Fokus zu verengen und mir damit weitere wertvolle Denkimpulse vorzuenthalten. Besonders angenehm ist dies nicht, denn ich empfinde das Fehlen einer geistigen/geistlichen Heimat durchaus als Defizit.)

Auch Sokrates empfindet zwar Hoffnung auf Erlösung und Zuversicht in Bezug auf seinen Weg ins Jenseits, aber keine absolute und unwiderlegbare Gewissheit. Auch deswegen widmet sich er sich nun intensiv einer Beweisführung für die Unsterblichkeit der Seele.



(1) Werden aus dem Gegensätzlichen’ und der Kreislauf des Lebens

Hier wird angenommen, dass Gegensätzliches einander hervorbringt: Wo immer Gegensätze bestehen (warm - kalt, Gutes – Schlechtes, Licht – Finsternis) muss eine Veränderung von einem Zustand in einen entgegengesetzten Zustand erfolgen. Dieses Prinzip des Werden aus dem Gegensätzlichen’ gilt für alles, was wird.
Ferner bestehe die Notwendigkeit einer zyklischen Regeneration: Wenn irgendwo ein Mensch oder Tier stirbt, werde an einem anderen Ort ein gleichartiges Lebewesen geboren. Werden und Vergehen, Leben und Tod müssen einen Kreislauf bilden, sonst käme alles zum Stillstand.
"…würde nicht ebenso, lieber Kebes, wenn alles zwar stürbe, was am Leben Anteil hat, nachdem es aber gestorben wäre, das Tote immer in dieser Gestalt bliebe und nicht wieder auflebte, ganz notwendig zuletzt alles tot sein und nichts leben? 
Denn wenn zwar aus dem Andern das Lebende würde, das Lebende aber stürbe, wie wäre denn zu helfen, dass nicht zuletzt alles im Totsein aufginge?"
Wirklich einleuchtend finde ich diese Beweisführung noch nicht, jedenfalls nicht in Bezug auf das Weiterleben der immateriellen Seele. Unterstellt man freilich die Unveränderlichkeit der Seele [vgl. (3)], so schließt sich der Kreis des Werdens und Vergehens allen Lebens im 'biologischen' Sinne, wobei die Seele gleichsam als Katalysator an diesem Kreislauf teilnimmt. Aber wie lange?

(2) Wiedererinnerung
Kebes beruft sich auf die die Lehre der Wiedererinnerung: Danach ist Lernen die Erinnerung an etwas, das in einem früheren Leben bereits bewusst war. Folglich müsse die Seele schon vor der Geburt unabhängig vom Körper existiert haben. Sokrates erläutert dies an einem Beispiel:
Zwei Steine erscheinen uns gleichgroß – dennoch realisieren wir auf einer nicht-visuellen Ebene, dass sie nicht vollkommen gleichgroß sind. Dies sei nur möglich, da wir den Standard des Gleichgroßen an sich kennen und so Abweichung der Steine von diesem Standard erfassen.

Diesen Standard aber müssen wir lt. dieser Sichtweise schon vor unserer Geburt besessen haben. Daraus folgt für Sokrates: die Seelen  existierten schon zuvor, ohne den Körper. Eine solche Präexistenz der Seele besagt indessen noch nicht ihr Existieren über den Tod hinaus.


(3) Die Neigung der Seele zum Ewigen
Zerstörbarkeit beruht laut Sokrates darauf, dass Zusammengesetzte sich wieder in seine kleineren/kleinsten Bestandteile zerlegen lasse. Veränderlichkeit und beobachtete Veränderung ist ein Anzeichen für das Bestehen aus kleineren Bausteinen - Unveränderlichkeit kennzeichnet Unteilbares, also eine unzerstörbare Einheit.
"Das Gleiche selbst, das Schöne selbst, und so jegliches, was nur ist selbst, nimmt das wohl jemals auch nur irgendeine Veränderung an? Oder verhält sich nicht jedes dergleichen als ein einartiges Sein an und für sich immer auf gleiche Weise und nimmt niemals auf keine Weise irgendwie eine Veränderung an?"
Wir erfassen Veränderungen durch Wahrnehmungen, das Unveränderliche dagegen erfassen wir überhaupt nicht und klassifizieren es daher als unsichtbar. Das Unsichtbare bleibe demnach immer gleich, unterliege keinerlei Veränderung und sei insoweit 'unzerstörbar'. So verhalte es sich auch mit der Seele (im Gegensatz zum Körper): sie ist unsichtbar und demzufolge weder veränderlich noch zerstörbar.
Solange sie sich mit der Welt beschäftigt, macht sie von den körperlichen Sinnen Gebrauch - damit ist für Sokrates ein Abstieg der Seele verbunden: für die Dauer des irdischen Lebens ist sie an veränderliche Objekte gebunden und von ihnen abhängig.

Deswegen ist die Seele nur verwandt mit dem Ewigen, sie erlangt ferner die Herrschaft über den Körper. In dieser Funktion sei mit dem Göttlichen vergleichbar, das über sterbliche Lebewesen herrsche. Somit sei die Seele dem Unveränderlichen, Göttlichen, Unsterblichen ähnlich, im Gegensatz zum Körper, der veränderlich und sterblich ist und bleibt.



(4) Seele bedeutet Leben, nicht Tod


Zuletzt argumentiert Sokrates, dass es Träger von Eigenschaften gibt,die aber nicht mit diesen Eigenschaften identisch sein müssen. So ist Feuer nicht identisch mit Hitze, aber ein Träger dieser Eigenschaft. Allerdings würde Feuer könnte niemals Kälte als Eigenschaft besitzen können.
Die Seele hingegen bringe das Leben als notwendige Eigenschaft mit sich. Durch ihre Anwesenheit werde der Körper belebt. Da der Tod dem Leben entgegengesetzt ist, kann die Seele den Zustand des ‘Tot-seins’ niemals annehmen, ohne das zu bleiben, was sie ist. Sie ist zudem unzerstörbar und somit könne die Seele niemals durch den Tod vernichtet werden.
Eine tote Seele wäre ein Widerspruch in sich, da die Seele der Träger des Lebens ist.-


Schließlich sind seine Freunde mit Sokrates einer Meinung und haben keine Einwände mehr (oder verzichten in dieser Situation des nahenden Todes taktvoll darauf, weitere zu äußern?).

Der Dialog endet mit der Schilderung, wie Sokrates sich von seiner Familie verabschiedet und der anschließenden Sterbeszene: Ruhig und gelassen habe Sokrates den ihm gereichten Schierlingsbecher getrunken und in Anwesenheit seiner weinenden Freunde das Eintreten des Todes erwartet. Phaidons Schluss-Satz :
„Dies, o Echekrates, war das Ende unseres Freundes, des Mannes, der unserm Urteil nach von den damaligen, mit denen wir es versucht haben, der trefflichste war und auch sonst der vernünftigste und gerechteste.“
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Dies ist nur eine verkürzte Wiedergabe einzelner, m.E. zentraler Elemente des Dialoges. Es lohnt sich durchaus, den gesamten Text zu lesen und kritisch zu durchdenken. Was heute den Naturwissenschaftlern weder positiv noch negativ gelingt, konnte damals auch bei den Philosophen (aus Schule des Pythagoras) nicht in für alle Zeit unwiderlegbarer Weise funktionieren: Per mathematischer bzw. logischer Beweisführung kann die Sterblichkeit oder Unsterblichkeit der Seele nicht letztgültig belegt werden - das fragliche Jenseits (als spätere 'Aufenthalts-Dimension' für die Seelen) ist den naturwissenschaftlichen Erkenntnismethoden nicht zugänglich. Zudem kommt Unsterblichkeit wohl nur durch eine immaterielle (über-natürliche) Komponente zustande, welcher auch für unser diesseitiges Bewusstsein und Verstandesvermögen nicht bzw. nicht vollständig zu erfassen ist.

Die Argumentation des Sokrates ist durchdrungen von dessen tiefer Überzeugung, dass die Seele unsterblich sei. Allein diese Überzeugung, nicht aber die Lückenlosigkeit seiner Beweisführung, lässt ihn voller Zuversicht dem Tode entgegen sehen. Worte wie "Der Tod ist erst der Anfang" könnten auch von ihm stammen.

Unerfreuliche Aspekte des gegenwärtigen Zeitgeistes resultieren aus der zwar oft verdrängten, aber sehr wohl präsenten Wahrnehmung vom Tod als gefürchteter Sensenmann, von dem kaum etwas angenehmes erwarten dürfe. Hier wird der für viele Menschen unbestreitbar leidvolle Sterbeprozess vermischt mit dem Zustand, der sich erst daran anschließt ...und von dem wir in Bezug auf die Seele herzlich wenig Wissen haben. 
Aus Angst vor beidem - einem potenziell wochen- oder Monate währendem Sterben sowie der Ungewissheit in Bezug auf den Zustand des Tot-seins - werden stressbehaftete Anstrengungen unternommen, um beides hinaus zu zögern. In angespanntem Lebenshunger wird der materieller Konsum und sinnliches Erleben(wollen) auf bisweilen zwanghaft anmutende Weise ausgeweitet und verlängert, bis die sichtbar begrenzte Lebenszeit dann trotz aller Angestrengtheit unwiederbringlich verronnen (vertan?) ist.
Gelänge es hingegen, den Tod als Freund oder wenigstens als einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Vollendung unseres Daseins aufzufassen, könnte dieser stetige Stress- und Verdrängungszustand eventuell abgemildert werden. Wir würden uns angstfrei auf einen Prozess der Umwandlung einstellen und einlassen können, den wir als vorläufiges Ziel dieses Lebens(abschnittes) betrachteten.
"Angst ist die größte Barriere der eigenen Entfaltung und somit ein Hindernis auf dem Weg zum Ursprung, zu Gott."  Stefan von Jankovich
Das 'unvermeidliche' irdische Leben verkäme dank einer dergestalt modifizierten Perspektive nicht länger zum fragwürdigen Selbstzweck des Überlebens, sondern dient nun der bewussten Vorbereitung "für die Werte des jenseitigen Lebens." Mit der Einschränkung, dass je nach persönlichem Reifegrad zuvor noch einige weitere Übungsrunden (im Sinne der Karma- und Reinkarnationslehre) anstehen könnten.
Auch wenn die von dem griechischen Gelehrten hochgehaltene Todessehnsucht m.E. in der Welt der Lebenden heute meist nicht in Erscheinung zu treten braucht (es mag durchaus begründete Ausnahmen geben wie z.B. unheilbare Krankheiten), dürfen wir uns an dieser Zuversicht des Sokrates ein Beispiel nehmen - unabhängig von unserer eigenen Religion oder Weltanschauung.

Nun, das ist die Theorie. In der praktischen Umsetzung hänge ich noch ein wenig fest: den Tod als unabänderliches Daseinselement und unausweichlichen Zustand fürchte ich nicht mehr, seit ich mich vom römisch-katholischen Konzept der Höllenstrafen distanzieren konnte. Meine Furcht vorm Sterben ist hingegen geblieben, als unbelehrbarer Konsument einer Alltagsdroge (Nikotin) gehe ich nicht von einem notwendigerweise friedlichen Einschlafen aus. Je intensiver ich mich indessen mit Aspekten von Sterben und Tod auseinandersetze (z.B. Patientenverfügung? Organspende?), um so ruhiger bleibe ich innerlich, wenn der Gedanke 'Na, mit mehr 50 Jahren kommst du allmählich auf die Zielgerade' wieder einmal aufkommt.

Platons Phaidon, mit Hans-Georg Gadamer 



Anmerkungen


  1. Platons Ideenlehre ist die neuzeitliche Bezeichnung für die auf Platon (428/427–348/347 v. Chr.) zurückgehende philosophische Konzeption, die Ideen als eigenständige, dem Bereich der sinnlich wahrnehmbaren Objekte ontologisch übergeordnete Entitäten annimmt. Solche Ideen werden zur Unterscheidung vom modernen Sprachgebrauch, in dem man unter „Ideen“ Einfälle, Gedanken oder Leitbilder versteht, „platonische Ideen“ genannt.




Übersicht zur Ideenlehre (Quelle: Wikipedia)


Platonische Ideen sind beispielsweise „das Schöne an sich“, „das Gerechte an sich“, „der Kreis an sich“ oder „der Mensch an sich“. Nach der Ideenlehre sind die Ideen nicht bloße Vorstellungen im menschlichen Geist, sondern eine objektiv existierende metaphysische Realität. Die Ideen, nicht die Objekte der Sinneserfahrung, stellen die eigentliche Wirklichkeit dar. Sie sind vollkommen und unveränderlich. 

Als Urbilder der einzelnen vergänglichen Sinnesobjekte sind sie die Voraussetzung von deren Existenz. Platons Ideenkonzeption steht somit in polarem Gegensatz zur Auffassung, dass die Einzeldinge die gesamte Wirklichkeit ausmachen und hinter den Allgemeinbegriffen nichts steht als das Bedürfnis, zur Klassifizierung der Phänomene Ordnungskategorien zu konstruieren.



Dienstag, 21. August 2012

Rupert Lay - Die Ethik der Egoisten

Rupert Lay hielt nachfolgenden Vortrag zum Thema "Die Ethik der Egoisten". bereits im September 2000. Dennoch haben seine Ausführung nichts von ihrer Aktualität eingebüßt; lediglich waren zum damaligen Zeitpunkt spätere Eskalationen (9/11, diverse Angriffskriege) noch nicht eingetreten und vermutlich auch nicht vorhersehbar...


Ethischer Egoismus ist übrigens ein feststehender Begriff, er benennt die weit verbreitete Auffassung, man solle stets tun, was für einen selbst am besten sei.
"Einige ethische Egoisten behaupten, (nur) die Handlungsweisen des Homo oeconomicus seien die ethisch angemessenen. Daraus folgt, dass ein ethischer Egoist auch andere sehr stark berücksichtigt, aber nur wenn er sich dabei selbst einen möglichen Nutzen verspricht – entweder unmittelbar oder auf lange Sicht. Verzichtet ein Homo oeconomicus auf die ethische Rechtfertigung seiner Handlungen, so wird er zum Amoralisten."
„Egoismus“ wird im alltäglichen Sprachgebrauch meiste abwertend gebraucht, um rücksichtsloses Verhalten einer Person zu bezeichnen, die als ausschließlich persönliche Interessen verfolgend wahrgenommen wird. 
"Egoismus wird in diesem Zusammenhang als Gegenteil von Altruismus und Solidarität kritisiert, was allerdings nur dann zutrifft, wenn bei der Beurteilung des Handelns der innere Nutzen gar nicht in Betracht gezogen wird."
Liebhaber von Kompromissen befürworten eher einen "gesunden Egoismus", der zumindest in semantisch die Möglichkeit berücksichtigt, es könne sehr wohl auch ein 'ungesunder, übertriebener' Egoismus existieren. Ungeachtet dessen wird die Grundeinstellung beibehalten, dass das eigene Wohlergehen weitgehend im Vordergrund steht, wobei allerdings eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit von Eigen- und Fremdinteressen stattfindet.




Sonntag, 19. August 2012

Physik vor dem Kollaps?

Nicht nur Ausnahmepersöhnlichkeiten wie der Physiker Hans-Peter Dürr kommen allmählich auf den Trichter, dass “mit der Physik” etwas nicht stimmt. 31 Naturkonstanten mussten festgesetzt (“erfunden”) werden, damit die bisher aufgestellten Formeln überhaupt noch dazu taugen, die Funktionsweise der Welt zu beschreiben.

Die beiden großen Modelle – Quantenphysik und Relativitätstheorie – bekommt sie nur unter einen Hut, wenn sie den theoretischen Unterbau geradezu in einem ‘großen vereinheitlichen Ansatz’ vergewaltigt. Die Erfolge sind dennoch als mager zu bezeichnen.

Gerade bei ihrem Versuch, ein kohärentes (in sich stimmiges) Gesamtverständnis von Realität und Materie zu entwickeln, stößt die Naturwissenschaft an ihre Grenzen.

Auch passen ‘merkwürdige Beobachtungen’ nicht recht um b, die darauf schließen lassen, dass etwas nicht stimmt in unserem Grundverständnis des Kosmos.

So hat man jüngst erkannt, dass das Universum beschleunigt expandiert. Alles fliegt immer schneller auseinander. Keiner versteht, welche Kraft hier treibt, daher sprechen Astrophysiker von "Dunkler Energie" - nicht mehr als ein Synonym für ihr Unwissen.”

Auch haben die Physiker in ihren kilometerlangen Teilchenbeschleunigern die Gesellschaft bzw. die öffentliche Rezeption ihrer Arbeiten längst hinter sich gelassen. Wie sonst sollte zu erklären sein, dass das hektisch gesuchte IGGS-Boson von den Medien mit dem Eyecatcher ‘Gottesteilchen’ belegt wird?

Die Sendung kommt etwas flapsig-humorvoll daher, liefert aber durchaus ernstzunehmende Denkanstöße und stellt die richtigen Fragen.