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Freitag, 13. April 2012

"Woher kommt die Welt?”

ZDF-Dokumentation zur Entstehung des Kosmos

 

Nachfolgende Doku ist nicht ganz neu, ich hatte sie bereits in einen früheren Blog eingebunden. Als Überblick zum gegenwärtigen Wissensstand sowie eventuell als Appetithappen für weitere, eigene Recherchen halte ich sie für wirklich geeignet.

Kosmologie, Astro- und Teilchenphysik erforschen die Beschaffenheit, die Größe und vor allem auch den Ursprung des Universums - was in mittlerweile zahllosen Büchern und TV-Dokumentationen geschildert wird. Die nachfolgende Doku vermittelt einen recht guten Überblick über den gegenwärtigen Stand der kosmologischen Forschung:

  • Forscher des Max-Planck-Instituts für Astrophysik haben die bisher größte Simulation zur Entstehung eines Milchstraßen-ähnlichen Halos aus dunkler Materie (Aquarius-Projekt) durchgeführt. Damit gelang es ihnen erstmals, detaillierte theoretische Vorhersagen über Anteil und Verteilung der dunklen Materie in der Umgebung der Erde zu treffen.
  • Durch Berechnungen und Simulationen lässt sich auch ein spekulativer Blick über unser Universum hinaus richten - existiert ein Multiversum? Für viele Menschen sind Parallelwelten mit anderen Naturgesetzen und -konstanten nur schwer vorstellbar. Die Viele-Welten-Interpretation ist eine Interpretation der Quantenmechanik.
  • Ist der Urknall eine Fehlannahme? Der Film befasst sich auch mit der Möglichkeit eines zyklischen Universum: das bekannte Universum wäre danach eine inverse Kopie seines Vorgängers, wie bislang allein theoretische Berechnungen andeuten. Die Konsequenzen dieser Theorie, wenn sie denn verifizierbar ist, wären erheblich: das bisherige Geschichtsverständnis eines linearen Verlaufs würde abgelöst werden durch ein ebenfalls zyklisches Modell. Das aber ließe sich schwer mit den Kernaussagen der großen monotheistischen Religionen von der Erschaffung der Welt aus dem Nichts vereinbaren...

     

     

    Materie  = Leben?

    In einem Punkt stimme ich der Darstellung in dieser Filmdokumentation nicht ohne Vorbehalte zu: Die Erforschung der Entstehung von Materie werde zugleich die Frage beantworten, warum es ‘uns’ gibt und wie wir entstanden sind.

    Rein physikalisch bzw. physisch ist diese unterstellte Reihenfolge natürlich zutreffend: Voraussetzung für das Werden körperlicher Lebewesen ist zunächst die Entstehung des (vielleicht müsste es richtiger heißen ‘eines’) Universums und der Bausteile von Materie darin.

    Doch stellt sich mir auch die Frage, ob die Entstehung von Leben ausnahmslos erst durch das Vorhandensein von Materie ermöglicht wurde. Wenn wir davon ausgehen, dass unser Bewusstsein nicht in unserem Gehirn ‘wohnt’, sondern Geist ist.
    Je nach Definition ist die Existenz von Geist aber nicht an die Materie gebunden.

    Selbst innerhalb der materiellen Welt ist es zumindest als fraglich zu bezeichnen, ob chemische Stoffe Leben erzeugen können. Das es anders herum funktioniert, wissen wir: Leben erzeugt chemische Stoffe (= Verbindungen; es handelt sich um komplexe chemische Kreisläufe, die wir nur im Umfeld von Lebewesen beobachten können).
    Ich meine, dass jedes Lebewesen jenseits von materieller Struktur und genetischer Information noch eine andere Komponente besitzt, die von einigen als “mystische Kraft” bezeichnet wird.

    Max Planck - bekanntermaßen weder Theologe noch Philosoph, sondern ein überaus erfolgreicher Naturwissenschaftler – ging in diesem Zusammenhang noch einen Schritt weiter:

    “Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält.

    Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt - es ist der Menschheit nicht gelungen, das heißersehnte Perpetuum mobile zu erfinden - so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen.
    Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche - denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht - sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre.

    Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen.”

    Trifft dies zu, dann ist die in meiner Vorstellung bestehende Trennlinie zwischen Geist und Materie kaum aufrecht zu erhalten. Und doch haben die Naturwissenschaftler ihr Forschungsgebiet sowie ihre Methoden klar abgegrenzt: Ihnen geht es um allein die materielle Natur, soweit sie sich beobachten, messen oder wenigstens berechnen lässt. Eine Forschungsdisziplin namens ‘Metaphysik’ existiert insoweit heute nicht mehr bzw. wird in etablierten Wissenschaftskreisen nicht mehr betrieben.

    Vor diese Problematik sah sich auch Max Planck gestellt:

    Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie."

    Insoweit sollte man der o.a. Doku zugestehen, dass es sich um eine natur-wissenschaftliche Zusammenfassung handelt, wenn auch mit philosophischen Einschlägen (siehe dazu die Kritik von Prof. Lesch im Film).

    Etwas andere Akzente setzt die Philologin Sarah Krempl: In ihrem Artikel “Die Physik und das Ende der Materie – Der Sieg des Geistes” legt sie in wenigen Zeilen dar, wie “Quantenphysik und Relativitätstheorie dazu beigetragen haben, dass die alten Modelle in der Physik überwunden wurden und die Wirklichkeit neu definiert wird.”
    Krempl bezieht sich u.a. auf Hans-P. Dürr und P. Teilhard de Chardin.

    Dabei geht es primär um die Feststellung, dass sich als Folge von Quantenmechanik und Relativitätstheorie ein völlig neues Modell im Entstehen befindet, welches die Einwirkung des Geistes nicht mehr außer Acht lassen könne…

     

    Siehe auch:

  • Visualisierung zur Viele-Welten-Theorie und ihren Ausgangsüberlegungen in Physik und Philosophie auf vrweb.de
  • “Zurück vor den Urknall” – Gedanken zum gleichnamigen Buch von Martin Bojowald 
  • Grundbegriffe der Realität, des Lebens und des Universums – auf GOLD-DNA.de
  • A New Concept of the Universe – kostenloser PDF-Download des gleichnamigen Buchs von Walter Russel
  • Donnerstag, 22. März 2012

    Handbuch (nicht nur) für Außerirdische

    "Allmählich regte beim Schöpfer sich eine gewisse Selbstgefälligkeit. Und warum auch nicht? Schließlich gab es nun einen blauen Himmel und klare, grüne Ozeane. Schneebedeckte, purpurfarbene Berge und atemberaubende Sonnenuntergänge.

    Üppige Dschungellandschaften und Täler, träge Wüsten und Waldbäche... Phantasmagorische Ansammlungen von Mineralien, Tieren und Pflanzen. Wer so etwas geschaffen hatte, konnte sich schon voller Stolz selbst auf die Schulter klopfen.
    Aber es begab sich, dass der Schöpfer der Erde den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören nicht erkannte. Denn gerade als die Zukunft besonders rosig zu werden versprach...fiel ihm dann noch der Mensch ein
    ."
    (Handbuch für Außerirdische, Gay Serena)

    Diese einleitenden Worte, die Gay Serena auf einen imaginären Schöpfer bzw. dessen Denkweise projiziert, verlagern die primäre Verantwortung für das Unschöne dieser Wellt nur unwesentlich:
    Der Schöpfer habe einen fatalen Fehler begangen - als er die in ihrer ökologischen Harmonie durch das Sonnensystem dümpelnde Erde mit einem Wesen 'beglückte', dessen Fähigkeiten einzigartig sind.

    Schlimmer noch: Er richtete es so ein, dass alles Lebendige auf der Erde diesem sich unaufhaltsam vermehrenden Wesen – das sich selbst in unverständlicher Überheblichkeit mit dem Attribut 'besonders weise' (sapiens sapiens) versah - in jeder erdenklichen Weise unterworfen sein sollte.

    Würde man die ach so weisen Menschen als 'Außenstehender' beobachten, käme leicht der Eindruck zustande, diese Spezies stamme von einem anderen Planeten. Denn bevor der Mensch sich breit machte, herrschten auf diesem Planeten eine gewisse Symmetrie und ein gewisses Gleichgewicht.

    Sogar als er schon da war, schien noch eine Weile alles in Ordnung zu sein: Adam, Lilith (Adams erste Frau), Eva & Co. brauchten etliche Generationen, um die Feinheiten der Ernährung, der Körperpflege, der Fortpflanzung und des Selbstschutzes zu erlernen:

    "Iß nichts, was sich wehren kann; scheiß nicht in dein Trinkwasser und fletsch' die Zähne, wenn dir ein Säbelzahntiger über den Weg läuft...oder klettere auf einen Baum."

    Alsdann ließ es sich ganz gut leben -  sogar nachdem sie den Schöpfer das erste Mal richtig sauer gefahren hatten und aus dem Schlaraffenland vertrieben wurden.

    Doch das änderte sich jetzt schlagartig...vielleicht, als jene ‘Herren der Schöpfung’ in einem Anflug von Größenwahn versuchten, selbst etwas erschaffen, was so komfortabel war wie das verlorene Schlaraffenland oder diesem Zustand wenigstens so nahe wie möglich kam.

    Erst mal ging es aber, zugegeben, ums Überleben. Zusehen, dass mehr neue Menschen geboren worden und das fortpflanzungsfähige Alter erreichten, bevor die Alten (alle über 25) gefressen wurden oder einer Krankheit erlagen.
    Doch der Mensch - sich schon damals als überlegenes, weil eigenständig denkendes Wesen betrachtend – hatte das Überleben schon sehr bald im den Griff:
    Er hakte die grundlegenden Fragen – Unterkunft, Wärme, Landwirtschaft – zügig ab, während alle anderen Geschöpfe an Baumrinden herumnagten oder sich beizeiten mal nach einem guten Versteck vor diesen aggressiven Zweibeinern umsahen.

    Wer so ein Versteck fand – “Tiefseegarnelen zum Beispiel oder auch die Yetis” -, verbesserte seine Überlebenschancen drastisch. Denn die Krone der Schöpfung hatte nach dem gelösten Problem des Überlebens ein neues Daseinsmotto: Machtanspruch.

    Macht erwies sich als Vorstufe zu ungezügelter Gier und brachte ein Instrumentarium der Gewalt, Skrupellosigkeit, Heuchelei und Selbstbetrug mit sich.

    Soweit die Geschichte vom 'Fortschritt' der Menschheit - sozusagen die Summenformel, bei der positive Elemente des Fortschritts durch das aufgehoben ist, was überwog: Schrecken. Bald zeichnete sich Beherrschung des ganzen Globus durch diese eine Spezies – die sich zudem als ausgesprochen widerstandsfähig erwies und der Sintflut trotzte.

    Vorbei waren das relativ friedliche Nebeneinander (“etwas anderes nur dann zu fressen, wenn man wirklich Bärenhunger hatte - aber nicht just for Fun oder um Mutti mit einem neuen Pelz zu beglücken”). Auch eine natürliche Auslese fand eher selten statt…(Natürliche Auslese als Evolutionsprinzip ist das genaue Gegenteil einer Zuchtselektion, die nackte Hunde, geklonte Schafe und Mäuse mit Menschenohren hervorbringt).

    Das ökologische Gleichgewicht hatte den unüberlegt und gewaltsam durchgesetzten Luxusinteressen dieser Spezies augenscheinlich wenig entgegen zu setzen. Inzwischen scheint das Schicksal der Erde nur noch davon abzuhängen, was der Mensch gerade will (solange wie er es will) und wie schnell er diesen Willen durchsetzt.

    Dabei sind die wenigsten Exemplare dieser selbstverliebten Säugetierart untereinander einig - und doch haben 15-20 Prozent von ihnen etwas 'einzigartiges' zustande gebracht:

    Eine komplexen, heterogene und verwirrende soziale Struktur, die sie als "Leben im 21. Jahrhundert" bezeichnen. Diese Struktur bringt es mit sich, dass mindestens weitere 15 Prozent in den nächsten fünfzig Jahren entweder draufgehen - oder als 'Klimaflüchtlinge' unverschuldet umher irren werden.”

    Zu verantworten hat dieses "Leben im 21. Jahrhundert" allein der Mensch. Kommt er denn damit klar? Ganz bestimmt, denn ihm wurde eine Fähigkeit verliehen, die es ihm ermöglicht, unliebsame Fakten sowie Emotionen beiseite zu schieben - über diese 'Kunst der Verdrängung' wurde weit mehr als ein Buch geschrieben…

    Der restliche Planet wäre sicherlich dankbar und zufrieden, den Zustand des Jahres 750.000 v.Chr. beibehalten zu dürfen.

    Die gegenwärtige menschliche Existenz ist so schwer zu verstehen, dass es kaum überraschen würde, wenn Außerirdische mit dem erforderlichen Knowhow gegenwärtig von einem Besuch absähen.
    Vielleicht warten sie noch ein paar Jahrzehnte ab, bis sich diese egozentrische Spezies Mensch auf die ein oder andere Weise selbst ausradiert hat...danach könnte E.T. still-vergnügt zusehen, wie die Erde sich allmählich von ihrer 'Krankheit' erholt.

    Auf jeden Fallen kennen E.T. und seine Alienkumpel die Erde: Der Planet ist im ganzen Kosmos als Wiege der Bürokratie bekannt. Außerdem ist dort seit kurzem der Fernseher Mittelpunkt jeglichen Geschehens.

    Denkbar ist jedoch auch, dass ein solcher Werdegang das logische Schicksal jeder intelligenten Zivilisation ist - und E.T. deswegen auch längst nicht mehr existiert? Falls soch, würde E.T. heute eine Welt von verseuchten Ozeanen mit einer gelb-bräunlich verdreckten Atmosphäre vorfinden, deren dominierende Bewohner munter untereinander Krieg führen und einem selbst erschaffenen Phantom namens Al Quaida hinterherjagen.

    Eine Nation - von der E.T. weiß, dass sie zwei Weltkriege zu verantworten hat – betreibt lustige Wortspiele und spricht statt Krieg nun lieber von einem "bewaffneten Engagement, bei dem Kollateralschäden (tote Kinder, tote Frauen und tote sonstige Wehrlose) nicht immer zu vermeiden sind"…

    Welcher Aspekt würde E.T. vielleicht besonders interessieren?

    • Vielleicht die Frage, wie weit diese Menschen mit ihrer Technik sind. Denn allein davon hängt ab, wie bald Militarisierungsbestrebungen der Erdlinge im Weltraum erkennbar werden. Nur eine Frage der Zeit.
    • Oder die Frage nach dem Verschwinden von Kabeljau, Tigern, Dinosauriern...
      “Vielleicht sahen diese ja das weitere Agieren der Menschheit vorher', mag der Kleine mit dem Leuchtfinger denken - 'und machten sich mehr oder weniger rechtzeitig aus dem Staub”.
    • Von Interesse wäre vielleicht auch die ambivalente Sentimentalität der Menschen gegenüber alten Monumenten und Ruinen: Immerhin wollten sie dieses Weltkulturerbe schützen – und erfanden eine Bombe, die Leben zerstört, aber Bauwerke nicht beschädigt.

    Eines würde E.T. vermutlich nicht machen: Er/Sie/Es würde nicht danach fragen, ob und wie viele menschliche Individuen nicht einverstanden sind mit dem, was auf der Erde seit Jahrtausenden angerichtet wird.
    Denn diesen 'Andersdenkenden' fehlt seit jeher offensichtlich der Wille oder die Kraft zu einem radikalen Kurswechsel - der nicht in eine andere ideologische Sackgasse führt.

    Und doch gibt es sie - Menschen, die nicht länger an seelenlosem Funktionieren und der Hinwendung zu sinnfreien Zielen interessiert sind.
    ...wann immer ich einen von ihnen treffe, bemühe ich mich, von ihm zu lernen. 

    Sonntag, 5. Februar 2012

    Die Wunder der Bibel - Zumutung oder Tatsache?

    Vortrag von Prof. Dr. Werner Gitt

    Auch wenn ich den Inhalten der Vorträge von Prof. Gitt oftmals mit Skepsis begegne, sehe und höre ich den Professor recht gerne. Zu einer sympathischen Stimme und einem angenehmen Vortragsstil kommt der Eindruck einer großen Ehrlichkeit.

    In seinen (angesichts der Themenwahl zwangsläufig subjektiven) Worten vermag ich keine bewusste Lüge oder absichtsvolle Unwahrheit zu entdecken. Nicht dass ich alles was Herr Gitt von sich gibt, für zutreffend erachte; eher das Gegenteil ist der Fall - doch wirkt auf mich er absolut authentisch.
    Dies ist in unserer Zeit nicht selbstverständlich, wo der Wettbewerb um Einschaltquoten und das Bedürfnis nach politischer und gesellschaftlicher Resonanz allzu oft zu Halbwahrheiten, 'zielorientierten Darstellungen' und Populismus bzw. Opportunismus verleiten.
    Manipulation und Unwahrheit sind integraler Bestandteil der medialen Reizüberflutung und haben unsere Toleranzschwelle anwachsen lassen. Wer regt sich noch auf über offensichtlich verdrehte Fakten in Werbung, Talkrunden und der Spitzenpolitik? Das leicht verdauliche Gemisch aus Halb- und Unwahrheit erweist sich bisweilen sogar als notwendig: "Wer immer und überall die Wahrheit sagt, sollte schnell reiten können."

    Mit auffallender Klarheit steht Prof. Gitt zu seiner persönlichen Überzeugung; er verzichtet auf jegliche dem 'Zeitgeist' Rechnung tragende Relativierung - auch wenn er sich damit heftiger Kritik aussetzt oder der Lächerlichkeit preisgibt (z.B. mit der Aussage, die Erde sei vor etwa 6000 Jahren geschaffen worden). Dabei liegt die Wahrheit im Auge der verschiedenen Betrachter - von meinem Standpunkt aus gelange ich zu anderen Schlussfolgerungen als Herr Gitt.
    So ist es auch mit 'Wundern'. Ich brauche sie nicht, um an Gott zu glauben und betrachte sie als 'Risiko' (Erläuterung folgt gleich).
    Unter einem Wunder versteht man im allgemeinen ein Ereignis, dessen Zustandekommen man sich (noch) nicht erklären kann. Im engeren Sinn werden Vorkommnisse als 'Wunder' bezeichnet, die menschlicher Vernunft und Erfahrung sowie den Gesetzmäßigkeiten von Biologie und Physik zu widersprechen scheinen. Die heutige Vorstellung von einem Wunder als "übernatürlich" setzt insoweit das Wissen um die Naturgesetze voraus.
    Vor tausend oder mehr Jahren war die Grenze zwischen "Möglichem" und "Unmöglichem" weitaus durchlässiger, damals galten schon Naturkatastrophen sowie Blitz und Donner als Wunder, das nicht selten als Intervention der jeweils zeitgemäßen Gottheit(en) angesehen wurde.

    Genau darin liegt das 'Risiko' für jene religiöse Strömungen, welche die Existenz Gottes mit Hilfe von 'Wundern' nachweisen wollen. Manche der biblischen Wunder, z.B. einige der 7 Plagen, lassen sich inzwischen naturwissenschaftlich erklären - was der christlichen Theologie seit Beginn der Neuzeit einen erheblichen Verlust an Glaubwürdigkeit eingebracht hat. Bis jetzt sind noch etliche 'Wunder' übrig, die wir bis heute noch nicht erklären können - das hängt aber auch damit zusammen, dass wir nach 2000 Jahren nicht mehr sicher rekonstruieren können, was sich zu Lebzeiten Jesu wirklich zugetragen hat.
    Manche der Krankenheilungen und 'Toten'erweckungen, von denen die Bibel berichtet, würde man bei Kenntnis der genauen Umstände heute eventuell ohne übernatürliche Intervention erklären können. Möglicherweise werden Generationen nach uns imstande sein, für weitere 'Wunder' aus A.T. und N.T. naturwissenschaftliche Erklärungen zu finden.

    Relativitätstheorie und Quantenphysik machten es erforderlich, die bislang gültigen Naturgesetze (z.B. die Gravitationsgesetze Newtons) zu erweitern bzw. neu zu formulieren. Insoweit mögen auch zukünftige Erkenntnisse ein anderes, umfassenderes Verständnis von Prinzipien der bringen und uns dazu verhelfen, weitere 'Wunder' aus Bibel und Religionsgeschichte als natürlichen Vorgang zu erkennen. Johannes Greber hat dazu interessante Überlegungen formuliert. In diesem Fall dürfte die Kirche ein äußerst unangenehmes Deja Vu-Erlebnis haben, sollte sie sich weiterhin an ihre dogmatischen Haltung (bspw. in Bezug auf die Jungfrauengeburt Jesu) klammern.


    Sind denn nun Wunder möglich oder nicht?

    Keine Ahnung. Ich weiß es schlichtweg nicht mit letzter Gewissheit - ebenso wenig wie die Gesamtheit aller Naturwissenschaftler, ob sie privat eine religiöse oder atheistische/agnostische Überzeugung vertreten. Auch diesbezüglich gilt für mich das Toleranzgebot: ich überlasse es jedem selbst, ob er einem Ereignis oder Sachverhalt den Status eines Wunders zuschreibt.

    "Während religiöse Menschen die Möglichkeit von Wundern meist bejahen, wird sie von areligiösen Menschen meist grundsätzlich verneint.", heißt es auf Wikipedia. Angesichts der vielfältigen Formen modernen Aberglaubens auch bei Personen, welche sich selbst als Atheist bezeichnen, habe ich da so meine Zweifel.
    Augenscheinlich werden Berichte von Wundern oftmals in manipulativer Absicht aufgegriffen und weiter verbreitet, um bei anderen eine ganz bestimmte Sichtweise oder 'Gläubigkeit' zu bewirken. 

    Insbesondere kirchliche Kreise scheinen einen großen Bedarf an wundersamen Dingen zu haben ...warum eigentlich? Soll der Glauben ihrer Beitragszahler 'durch Zeugnisse gestärtkt werden? Möglich, aber dies sollte man nicht zu sehr verallgemeinern.  
    Personen wie Professor Gitt sind meines Erachtens nicht in manipulativer Absicht unterwegs (auch wenn Teile ihrer Ausführungen unbeabsichtigt manipulative Wirkung haben können ...etwa wenn wieder einmal mit der ewigen Hölle gedroht wird). Vielmehr ist ihr ganzes Denken auf Schriften wie die Bibel oder den Koran gerichtet, welche innerhalb des subjektiven Paradigmas das unantastbare 'Wort Gottes' darstellen. Diese 'heiligen Schriften' enthalten eine Vielzahl von Wundern und Prophezeiungen, folglich hat beides für Angehörige der jeweiligen Glaubensrichtung eine besondere Bedeutung. Daneben wird es viele andere Gründe geben, weshalb Menschen an Wunder glauben - beispielsweise infolge eines persönlichen Erlebnisses, dass ihnen unfassbar und unerklärlich erscheint. Diese Überlegung führt zu der eigentlich bedeutsamen Frage: 
     

    Braucht es Wunder, um an Gott zu glauben?

    Ich verneine dies für mich in Bezug auf wundersame Ereignisse wie z.B. die Erweckung von Toten, Hellsichtigkeit oder Spontanheilungen, bin mir gleichwohl aber eines Umstandes wohl bewusst: Wenn ich ein unbegrenztes Wirkungspotenzial ("Allmacht") Gottes für möglich erachte, impliziert dies zugleich an die Fähigkeit dieser Entität, 'wirkliche Wunder' zu bewirken. 
    Auch in meinem eigenen Leben hat eine Reihe von Ereignissen und Begegnungen stattgefunden, die mir in ihrer Gesamtheit als bemerkenswert erscheinen: etliche Synchromizitäten, d.h. scheinbare 'Zufälle', die genau im 'richtigen Moment' und in einer optimalen Konstellation stattfanden, um meinem Dasein eine Wendung zu geben oder mir zu einer wichtigen Erkenntnis zu verhelfen. Weil diese 'Zufälle' zum Teil äußerst unwahrscheinlich oder zumindest unerwartet waren, halte ich sie für 'besonders'...aber ich erwarte bestimmt nicht, dass irgend jemand außer mir sich dieser Sichtweise anschließt. Und doch tendiere ich dazu, diese Ereignisse und Erlebnisse nicht allesamt als zufällig zu betrachten, sondern das Wirken einer göttlichen Intelligenz zumindest für möglich zu halten. Dass sehr viele, wenn nicht alle Menschen solche 'merkwürdigen Zufälle' erleben, könnte bei aller Vorsicht als Hinweis auf das gezielte Wirken einer solchen Intelligenz betrachtet. Von einem 'Wunder' kann dennoch keine Rede sein.

    Meiner Meinung nach ist Gott nicht darauf angewiesen, Wunder außerhalb der Naturgesetze zu bewirken - weder um das Weltgeschehen 'am Laufen zu halten', noch um seine Existenz unter Beweis zu stellen. Es mag wohl sein, dass in der Geschichte der Menschheit noch kein einziges 'echtes' Wunder stattgefunden hat ...weil alle Abfolgen und Ereignisketten innerhalb der 'wirklichen Naturgesetze' möglich waren, welche wir bis heute noch nicht vollständig erfasst haben.
    Die Entstehung der Materie (soweit es einen Urknall gab und das Universum nicht für alle Zeit zyklisch pulsiert) und des Lebens stehen für mich auf einem anderen Blatt - beide Ursprünge stehen m.E. außerhalb der Naturgesetze: wir konnten bisher nur beobachten, wie Leben aus Leben hervorgeht - persönlich kann ich mir kein Naturgesetz vorstellen, welches die erstmalige Entstehung von Leben aus dem Nichts vorsieht und beschreibt. Das sieht die moderne Physik übrigens genau so, nur greift sie eine Kette von Zufällen als Ursache zurück.

    Wenn ich also eines 'Gottesbeweises' benötigen würde, um an Gott zu glauben, dann wäre das Wunder des Lebens mehr als ausreichend. Nur widerstrebt es mir, die Existenz Gottes an der Anzahl und/oder Qualität unerklärlicher, übernatürlicher Dinge festzumachen. Den Grund dafür habe ich angeführt: in diesem Fall hinge der Grad meines Gläubigkeit ab vom Grad der Unvollkommenheit ab, mit der ich die Naturgesetze verstehe.

    Als eine 'Zumutung' fasse ich die Wundererzählungen der Bibel aber nicht auf, eher als Bestandteil einer mit lehrreichen Metaphern und Gleichnissen angereicherten Geschichte, deren historischen Background wir nicht in einzelnen kennen.
    Wenn ich persönlich von der Existenz einer göttlichen, schöpferischen und zielorientierten Intelligenz ausgehe, ohne sie zu kennen oder eine klare Vorstellung von ihr zu haben - dann tue ich dies aus einem anderen Grund: Nur mit einer solchen Intelligenz, die alles durchdringt und in allem wirkt, vermag ich die Sinnfrage unseres Daseins positiv zu beantworten.

    Meine Intuition sagt mir, unser Dasein hat einen tieferen Sinn, der über Konsum und Lustprinzip hinausgeht. Natürlich sind dies keine 'logischen' Schlussfolgerungen - und ich räume eine gewaltige Portion Wunschdenken meinerseits ein. Dennoch weigere ich mich, das scheinbar sinnlose Leiden Unschuldiger auf der Welt lapidar mit 'Das ist halt so' hinzunehmen - oder mich allein mit wohlfeilen Phrasen wie 'Gott straft, wen er liebt' oder 'Die Wege des Herrn sind unergründlich' abspeisen zu lassen. 


    Die Wunder der Bibel - Zumutung oder Tatsache?


    Die Schönheit des Kosmos

    Anmerkungen erübrigen sich :)