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Donnerstag, 28. Februar 2013

Gottes Hammer? Ein 40-Meter- Asteroid namens "Goblin"??

Jetzt auch der SPIEGEL: das Wochenmagazin hatte die Versuchungen des vermeintlichen Weltuntergangs doch relativ gut umschifft und auf YellowPress-typische Entzeitvisionen und -versionen weitgehend verzichtet.

Doch jetzt, nachdem reale Gefahren aus dem Kosmos präsent wurden, greift man auch dort in die sensationsheischende Trickkiste:


"Meteoriten-Gefahr: Warten auf Gottes Hammer"

Von zwei kosmischen Vorfällen wird berichtet - dem Meteoritenschauer nahe der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk und dem haarscharfen Flyby des Asteroiden (367943) Duende. Der Asteroid war zuvor unter der vorläufigen Bezeichnung 2012 DA14 bekannt geworden. einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen sahen. Doch dann kam heraus, dass die Bahnen der zwei Geschosse wohl so unterschiedlich sind, dass sie kaum miteinander durchs All gereist sein können.



Die Weltbevölkerung musste in der zweiten Februarwoche gleich vier besondere Ereignisse zu verkraften, die (nach Darstellung der Medien) allesamt 'irgendwie mit dem Himmel zu tun haben':
    'Goblins' Vorbeiflug vom 15. Februar 2013
  • (367943) Duende kam am 15.2.2013 der Erde bis auf ca. 27.700 km nahe, durch den engen Kontakt mit der Erde änderte sich die Umlaufbahn des Asteroiden. Das eigentlich Überraschende daran: 
Angeblich hätte ein Einschlag des 28.600 Stundekilometer schnellen 'Goblin' (=spanische Bedeutung von Duende) auf der Erde nun doch "verheerende Folgen" für die gesamte Menschheit nach sich gezogen. Dies wurde aber erst deutlich kommuniziert, nachdem die Gefahr vorbei war. 
  • Während man über den größeren Brocken Bescheid wusste, wurde mit einem Meteoriteneinschlag wie in Russland kaum gerechnet. -
  • Ferner kündigte Papst Benedikt XVI seinen Rücktritt an.
  • Und am selben Tage, nur zwei Stunden später, schlägt ein Blitz  im Petersdom ein! Das Unglaubliche daran sind die Schlagzeilen dazu "Zufall oder Zeichen? Mysterium? Zufall? ...Deutungsbedürftig?"]
Bei den Medien braucht man sich über Verbalakrobatik also nicht mehr zu wundern. Und wenn ihnen gar nix Gescheites mehr einfällt, dann müssen eben "Monster aus dem Meer" das Winterloch (?) füllen...

Wie dem auch sei, Formulierungen wie "Die Erde steht unter Beschuss" (nicht auf den päpstlichen Blitz, sondern die Asteroideneinschläge bezogen) treffen zwar sachlich zu (auch wenn wir normalerweise relativ wenig davon merken), sind aber kaum hilfreich. Auch rhetorische Fragen wie "...wie groß ist das Risiko, dass ein noch größerer Flugkörper aus den Tiefen des Weltraums auf der Erde einschlägt?" erfüllen keinen positiven Zweck, zumal anschließend die Entwarnung mittels statistischer Berechnungen folgt.
Auf eine weitere Endzeit-Hysterie können wir einstweilen noch verzichten, denke ich.

Es gibt freilich gute Gründe, eventuell doch etwas mehr als 5% des Himmels nach potenziell bedrohlichen Objekten abzusuchen. Autsch, das kostet Geld ...und das in einer Zeit, in der viele Staatenlenker meinen, ihre konventionelles und/oder nukleares Vernichtungspotenzial modernisieren und aufstocken zu müssen. Auf der Rüstungsmesse in Abu Dhabi hätten die Deutschen "ihre ganze Rüstungsmacht" gezeigt. Tja, man wird doch noch Prioritäten setzen dürfen - die Einnahmen müssen stimmen.


Sonntag, 16. Dezember 2012

Kl. Historie des Zweifels (am Urknall / der Existenz Dunkler Energie)

Eigentlich glaubte, die gesamte Welt der Naturwissenschaften begeistere sich für den Urknall (als Singularität und daraus gefolgert als Anfang von Allem) - bis auf ein paar isolierte 'Abtrünnige' wie Martin Bojowald.
Tatsächlich sind die Befürworter einer anderen Kosmologie weitaus zahlreicher als von mir vermutet. Eines ist dabei zu beachten: dass unser Universum in seiner Entstehungsphase sehr viel kleiner war als heute und aus einem unvorstellbar winzigen Volumen heraus immer schneller expandiert ist, wird im allgemeinen nicht oft bezweifelt. Dagegen richten sich Einwände häufig gegen die Idee eines Anfangs von Raum und Zeit (die nach der Urknalltheorie 'vorher' nicht existiert haben sollen).

Mehr noch: eine Geschichte des Zweifels lässt sich verfolgen - nachfolgend einige Stationen daraus sind in nachfolgend aller Kürze aufgeführt.
Doch scheint das Ende der Urknall-Debatte in greifbare Nähe zu rücken, wenn seit kurzem sogar Stephen Hawking einräumt, dass die Mutmaßung eines singulären Anfangsereignisses nicht viel mehr als ein Hilfskonstrukt von Astrophysikern ist, die mit ihren bisherigen Berechnungsmethoden nicht über diesen Punkt hinausgelangen…

1950: Fred Hoyle entwickelt die „Steady-State-Theorie“

"Steady state“ bedeutet so viel wie gleichbleibender Zustand. Der Privatgelehrte Hoyle akzeptierte die Expansion des Universums. Zugleich glaubte er, es bestehe ewig - ohne Anfang. Infolge der fortwährenden Expansion müsste sich die Materie 'darin' jedoch extrem verdünnt haben, was offensichtlich aber nicht der Fall ist. Hoyle's These zufolge entsteht im All fortlaufend neue Materie aus sich selbst heraus - in genau der richtigen Menge, um die Expansion des Alls voranzutreiben und zugleich die Materiedichte darin in konstanter Dichte zu erhalten.
Übrigens stammt der Begriff „big bang“ ausgerechnet von Hoyle, der ihn 1950 in einer BBC-Radiosendung verwendete, um die These von der 'Urexplosion lächerlich' zu machen. Der Materialist Hoyle modifizierte seine eigene These zwar mehrfach, doch behielt er seine Grundhaltung gegen die Urknall-Theorie konsequent bei - aus philosophischen Erwägungen: Falls das Universum einen Anfang habe, dann setze dieser eine Ursache voraus, s.h. einen Schöpfer. Doch fundamentale Christen sind mit der Urknall-Theorie auch nicht besonders glücklich, denn die biblische Schöpfungsgeschichte schildert bekanntermaßen eine andere Abfolge der Anfänge von Erde und Menschen, auch was den zeitlichen Verlauf anbetrifft.


90er Jahre

Die Astronomen Wolfgang Priester und Hans-Joachim Blome ersetzten den Urknall in einem neuartigen Modell durch einen sanfteren Schöpfungsakt ('Urschwung'): Das Universum, habe als unendlich großer Raum seit ewigen Zeiten existiert. Materie gab es darin nicht, stattdessen war er von Quantenfeldern erfüllt. Sie bestehen aus reiner Energie und erreichen eine hohe Energiedichte.
Weil auch Energie eine Gravitationswirkung besitzt, ließ die Schwerkraft der Quantenfelder diesen Kosmos auf eine minimale Ausdehnung schrumpfen. Danach, in einer Art Rückprall, dehnte er sich jäh wieder aus. Dieser Moment war der Urschwung. Er leitete in das expandierende Universum über, in dem wir heute leben, wobei aus den ursprünglichen Quantenfeldern die Materie entstand.

2004: "Kein Urknall erschütterte das Universum":

Mit einem einem offenen Brief begründen Eric J. Lerner, der Mathematiker Michael Ibison, der Astrophysiker Halton Arp und 20 weitere Wissenschaftler im britischen Magazin „New Scientist“ ihre Forderung nach einer vorurteilsfreien Diskussionen und Forschung über die Geschichte des Universums und zu beobachtende Widersprüche der Urknalltheorie. Deren Dominanz beruhe eher auf einer Konventionen als auf wissenschaftlichen Methodik. Die Urknalltheorie basiert auf einer großen Anzahl hypothetischer Annahmen, die niemals beobachtet wurden - Aufblähung, geheimnisvolle Materie und dunkle Energie - Grund genug, in alle Richtungen weiter zu forschen.
Der Urknall selbst, jenes einzigartige Anfangsereignis, wurde auch nicht berechnet – dies ist auch nicht möglich, wenn man von einer Berechnung ein eindeutiges Resultat erwartet.

2006: Studie zur Hintergrundstrahlung wirft Zweifel auf Urknall-Theorie

Den bisherigen Annahmen zufolge ist die Hintergrundstrahlung Art Echo des Urknalls. Die russischen Wissenschaftler R. Sunyaev und Y. Zel'dovich hatten bereits 1969 vorausgesagt, dass freie Elektronen im Zentrum großer Galaxienhaufen die Hintergrundstrahlung ablenken würden. Dies sollte sich durch einen Energieverlust der letzteren bemerkbar machen - gewissermaßen ein Schatten in der allgegenwärtigen Hintergrundstrahlung. Die Untersuchung von 31 nahen Galaxienhaufen zeigte nur bei einigen von ihnen einen solchen Schatten, bei anderen war nichts dergleichen feststellbar - mögliches Fazit: Große Galaxienhaufen verzerren die Hintergrundstrahlung nicht – anders als es von der Urknalltheorie vorhergesagt wird.

 

2010: Zweifel an der Existenz Dunkler Materie ...

  • "Studie weckt massive Zweifel an Existenz Dunkler Materie
    Beobachtungen weisen darauf hin, dass es die rätselhafte Substanz nicht gibt. Die Autoren haben Beobachtungsdaten der Milchstraße und des  Andromedanebels mit den Vorhersagen der Theorie verglichen. Dabei sind sie auf fünf schwer zu erklärende Widersprüche gestoßen. Ihre Ergebnisse erscheinen in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift „Astronomy and Astrophysics“
    (-> Link) - mit möglicherweise weit reichende Implikationen: Eventuell müssen sowohl Newtons Gravitationstheorie als auch Einsteins allgemeine Relativitätstheorie modifiziert werden
Im derzeit allgemein vertretenen kosmologischen Modell bewirkte die Dunkle Materie, dass sich nach dem Urknall die 'normale' Materie verdichtet und Galaxien und Galaxienhaufen bildeten - eine Voraussetzung für die Entstehung von Sternen, Planeten, Monde usw.
Offenbar stimmt die Verteilung der Dunklen Materie - die nicht direkt sichtbar ist, sondern sich nur über ihre Schwerkraft verrät - in der Lokalen Gruppe nicht mit diesen Vorhersagen überein. Zwar hatten die Kosmologen gute Gründe für die hypothetische Einführung der Dunklen Materie, doch war es bislang weder möglich, deren Existenz noch ihre nachzuweisen. 

Debatte: dark matter in the spotlight
Am 18. November 2010 stand in Bonn das Konzept der "Dunklen Materie" zur Debatte. Die Astronomie-Professoren Simon White (Garching) und Pavel Kroupa (Bonn) trugen ihre Positionen vor. Prof. Dr. Hans Peter Nilles, Direktor des Bethe-Centers, moderierte die Veranstaltung. Hier erhalten Sie die Präsentationen der Disputanten. Argumente für und wider die Dunkle Materie wurden vorgetragen 
Kroupa hat die Existenz Dunkler Materie für das lokale Universum - also die Milchstraße und die hunderte von Galaxien in ihrer Nähe - ihrer Nähe untersucht. Er argumentiert, die dort gemachten Beobachtungen seien mit der Standardtheorie weitgehend unvereinbar. Das aktuelle kosmologische Weltbild - das Standardmodell der Kosmologie (→ Lambda-CDM-Modell; CDM steht für Cold Dark Matter) - sei damit nicht mehr haltbar, und die Physik stehe nun vor der großen Herausforderung, eine neue kosmologische Theorie zu entwickeln.Simon White hält dagegen, Dunkle Materie erkläre die weitaus meisten Beobachtungen im Universum hervorragend - angefangen von der struktur der Galaxienhaufen und Galaxien bis zu Temperaturschwankungen in der kosmischen Hintergrundstrahlung. Die Ablehnung des Konzeptes - und die dazu notwendige Modifikation der Newton'schen Gravitationsgesetze - ziehe dagegen viele Folgeprobleme nach sich.


"In this article we propose cosmological models that can explain the cosmic acceleration without introducing a cosmological constant into the standard Einstein field equation, negating the necessity for the existence of dark energy.
Das Universum hätte demnach weder Anfang noch Ende: Der Astrophysiker Wun-Yi Shu von der Tsing Hua Nationaluniversität in Taiwan hat soeben eine neue Beschreibung des Universums entwickelt, in dem Raum, Zeit sowie Masse und Länge auf kuriose Art verschränkt sind:
Raum und Zeit können ineinander umgewandelt werden, ebenso Masse und Länge. Beide Prozesse hängen von der Gravitationskonstante und der Lichtgeschwindigkeit ab - beide Naturkonstanten werden von Shus zu Variablen degradiert. Ein Universum mit diesem Eigenschaften würde ewig bestehen, hätte jedoch abwechselnde Perioden der Expansion und Kontraktion. Eine Urknallsingularität kommt in diesem mathematischen Modell nicht vor. Shus Theorie sagt voraus, dass das Licht von Sternenexplosionen mit einer bestimmten Rotverschiebung auf der Erde messbar sei - was den tatsächlichen Beobachtungen entspricht und als Hinweis gewertet wird, dass sich das Universum beschleunigt ausdehnt.

 

2011: Roger Penrose - Nach dem Urknall ist vor dem Urknall

Zunehmend steuern aufgeschlossene Naturwissenschaftler auf einen Kompromiss zu: in Modellen eines zyklisch expandierenden und implodierenden Universums bestreiten sie nicht mehr das Urknall-Ereignis an sich. Sie legen statt dessen dar, dieser Kollaps sei nicht der ultimative Anfang gewesen - denn davor habe bereits ein anderes Universum existiert, das ebenfalls einen Vorgänger gehabt haben soll...
Inzwischen ist die ursprüngliche Urknall-Theorie kein unantastbares Dogma mehr, denn eine wachsende Anzahl von Astrophysikern und Kosmologen betrachtet den Urknall nicht länger als Punkt Null der kosmischen Geschichte war, sondern als Durchgangsstadium...

2012 Sogar Stephen Hawking zweifelt am Urknall

(Ich bin nicht sicher, ob 2012 als Zeitangabe des Sinneswandels bei Stephen Hawking zutrifft.) Der Beitrag ‘Urknall -  Beginn der Welten’ von Wolgang Silvanus auf dem Onlineportal der Frankfurter Rundschau stammt aus Juni 2012; darin wird deutlich, wie auch die Rudelführer der Physiker-Gemeinde allmählich zu der Einsicht gelangen, dass sich auch der Urknall an physikalischen Gesetze halten müsse: Den Berechnungen nach müssten im Punkt Null jedoch Temperatur und Dichte unendlich hoch gewesen sein. Unendliche Größen im materiellen Universum ergeben keinen Sinn, weshalb die Wissenschaftler diese Singularität möglichst umgehen. Und wieder wurden neue Modelle in Erwägung gezogen:
“…daran beteiligte sich auch der britische Physiker und Kosmologe Stephen Hawking. Er lehnt die Urknall-Singularität ab, weil er glaubt, dass die Naturgesetze auch bei der Entstehung des Universums gegolten haben sollten. Eine Urexplosion ohne Ursache könne aber nur durch übernatürliche Kräfte ausgelöst worden sein. „Ein Schöpfungspunkt wäre ein Ort, an dem die Wissenschaft kollabiert. Man müsste die Religion und die Hand Gottes zu Hilfe nehmen“, konstatierte Hawking bei einem kosmologischen Kongress, den die Universität Cambridge Mitte Januar zu seinem 70. Geburtstag veranstaltete…”

Mittwoch, 15. August 2012

Unerwartete Bereiche der Realität

Buchtipp: ‘Die verborgene Wirklichkeit’ von Brian Greene


Prof. Brian Greene hat in Harvard und Oxford studiert und lehrt seit 1996 Physik und Mathematik als Professor an der Columbia University (New York). Als Experte für String und Superstring-Theorien und Kenner hat u.a. die Bestseller „Das elegante Universum“ und „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“ (2004) verfasst. 


Brian Greene’s neues Buch ‘Die verborgene Wirklichkeit’ kommt mit dem Titelzusatz ‘Wir sind nicht allein’ daher. Hat sich der bekannte Autor populärwissenschaftlicher Bücher zu Kosmologie und Physik jetzt auch der wachsenden Gemeinde der UFO-Gläubigen angeschlossen? Kaum.

Die Erkenntnisse der Physik erfordern “bereits für sich genommen radikale Veränderungen an unserem Bild vom Kosmos”…: Raum, Zeit, Materie und Energie verfügen über ein Verhaltensrepertoire, das weit über unsere Alltagserfahrung hinausgeht.
Konkret geht es in diesem Buch primär darum, die wichtigsten wissenschaftlichen Konzepte über Paralleluniversen zu beschreiben und kritisch zu untersuchen.


Man darf sich die Frage stellen: ‘Was ist los in etablierten Physikerkreisen, wenn Stephen Hawking sich allmählich vom Urknall verabschiedet und Brian Green ernsthaft über Parallelwelten nachdenkt?’ Doch diese Öffnung weg vom einseitigen Wissenschaftsdogmatismus kann nur positiv bewertet werten…und wurde höchste Zeit.

Die Definition, was ein ‘eigenständiges Universen’ sei, bezeichnet Greene als schwierig; analog zur Pornographie lasse sich vereinfachend feststellen: “Wenn ich es sehe, weiß ich es.” Alles was im Weltraum existiert oder einen Einfluss auf uns hat, gehört dazu. Wir wissen nicht, wie es wirklich entstanden ist, woraus es besteht und wie es sich entwickeln wird. Ähnlich problematisch die Festlegung der Begrifflichkeit ‘Paralleluniversum’ – abstrahiert laute die zentrale Frage: 
Wird unsere konventionelle Vorstellung durch die Existenz von Bereichen in Frage gestellt, die nahelegen, dass das, was wir lange Zeit für das Universum gehalten haben, letztlich nur ein Bestandteil einer viel größeren, vielleicht auch viel seltsameren und größtenteils verborgenen Wirklichkeit ist?
Die Antwort scheint Ja zu lauten, jedenfalls haben Fortschritte in der Quantenphysik und Kosmologie sowie das Bemühen um eine Vereinheitlichte Theorie dazu geführt, dass Naturwissenschaftler heute über Formen von Paralleluniversen ernstlich nachdenken. Zählte der Begriff des Multiversums vor zehn Jahren zu den Lieblingskindern belächelter Mystiker mit esoterischem Touch, legen inzwischen manche Wissenschaftler in ihren Theorien, dass es unfassbar große Anzahl anderer Universen gibt, zu denen wir allerdings absolut keinen Zugang haben.
In seinem neuen Buch stellt Greene vor, wie parallele Welten entstanden und aufgebaut sein könnten.

Allerdings gehen Vorstellungen und Thesen über die Beschaffenheit paralleler Welten noch sehr weit auseinander. Der noch sehr spekulative Charakter solcher Überlegungen zeigt sich gerade an der Frage, ob Paralleluniversen wohl den gleichen Naturgesetzen unterliegen, die wir kennen – oder ob dort ein anderer Satz Regeln Gültigkeit besitzt. So lasse die Stringtheorie drei Varianten zu: das Branen-, das zyklische Universum und das Landschafts-Multiversum. Wie dem auch sei, eines scheint sich zu erhärten: Wir leben in einem von vielen Universen.

Schon Platon deutete in seinem Höhlengleichnis die Möglichkeit an, unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit könnte bloß ein schwacher Widerschein einer viel umfassenderen, komplexeren Realität sein. Mehr als nur eine Metapher?
Offenbar steht unser bisheriger Wissensstand vor einer erneuten Umwälzung.

Das neue Buch von Greene eignet sich durchaus für interessierte Laien. Diese benötigen, je nach Vorbildung und Wissensstand, Geduld und ein gewisses Durchhaltevermögen, damit diese Lektüre die erwarteten Einblicke in die mutmaßliche Beschaffenheit unserer Wirklichkeit erschließen kann.
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Brian Greene: Die verborgene Wirklichkeit. Paralleluniversen und die Gesetze des Kosmos.
übersetzt von Sebastian Vogel
Siedler Verlag, Berlin 2012 - 448 Seiten, 24,99 Euro

Samstag, 28. April 2012

Mondgestein kam einst von der Erde

 

Neue Messungen stellen gängige Lehrmeinung zur Mondentstehung in Frage

Offenbar besteht der Mond größtenteils aus Erdgestein. Das zeigen Vergleichsanalysen von 66 Gesteinsproben durch ein internationale Forscherteams.

“Die Isotopenverteilung des chemischen Elements Titan im Mondgestein ähnele dem der Erde bis auf wenige Millionstel Teile. Daher müsse das lunare Material vorwiegend aus dem Erdmantel stammen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience". Dieses Ergebnis widerspricht allerdings der gängigen Lehrmeinung…”

PlanetX-Fans, aufgepasstZwinkerndes Smiley: Die jetzt festgestellten Ähnlichkeiten zwischen Mond- und Erdgestein werfen ein neues Licht auf das Kollisions-Szenario, wie Forscher erklären.

[Theia ist der inoffizielle Name eines hypothetischen Protoplaneten, der laut der Kollisionstheorie der Mondentstehung vor etwa 4,5 Milliarden Jahren mit der Protoerde kollidiert ist. Theia selbst wurde bei dieser Kollision zerstört; die entstandenen Bruchstücke haben sich in einem Orbit um die Erde gesammelt. Im weiteren Verlauf hat sich daraus der Mond gebildet. Nach dieser Theorie war Theia etwa so groß wie der Mars …, bevor sie mit der Erde kollidierte.]

Es sei zwar denkbar, dass die Mehrheit des Mondmaterials nach dem Einschlag Theias von der Erde gekommen sei. Das aber widerspreche den Simulationen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Theia und die junge Erde zufällig genau die gleichen Isotopenzusammensetzungen gehabt haben könnten. Das aber sei eher unwahrscheinlich… weiterlesen

Erforschung der Monde im Sonnensystem – Anzeichen für ’exotisches’ Leben?

Unser 'eigener' Mond noch längst nicht vollständig erforscht (→ 'Die dunkle Seite des Mondes'), doch von den Trabanten anderer Planeten verspricht man sich noch brisantere Resultate.
Seit in den 80er Jahren erste Sonden in die Nähe von Jupiter und Saturn geschickt wurden, mehrten sich Spekulationen, einige dieser Monde seien womöglich Kandidaten für das Vorhandensein von außerirdischen Lebensformen.
2010 meldete der SPIEGEL: “Forscher finden Hinweise für außerirdisches Leben” auf dem Saturnmond Titan, der als erdähnlichster Himmelskörper des Sonnensystems gilt. 
Titan ist mit einem Durchmesser von 5150 Kilometern der größte Mond des Planeten Saturn, weshalb er nach dem Göttergeschlecht der Titanen benannt wurde. Er ist ein Eismond, nach Ganymed der zweitgrößte Mond im Sonnensystem und der einzige mit einer dichten Gashülle.

Jedenfalls soll er der Erde ähneln, als sie noch jung war (vor etwa 4 Mrd. Jahren). Offensichtlich werden solche Titelzeilen bewusst unklar formuliert (Aufmerksamkeit zählt..); immerhin bietet Titan günstige Voraussetzungen zur Entstehung einer eigenständigen Biosphäre (aus extremophilen Einzellern – von E.T. oder den Ludolfs ist nicht die Rede.).
Messungen der Sonde "Cassini" auf Titan hatten nach 2004 überraschend geringe Konzentrationen von von Acetylen und Wasserstoff in dessen Atmosphäre ergebendes Mondes  ist. Dies sei ungewöhnlich, denn beide werden Gase durch die Sonneneinstrahlung in großer Menge in der Mondatmosphäre produziert. Theoretische Überlegungen (“Hints of Life…”) gehen in die Richtung, dass Acetylen durch den Stoffwechsel von noch unentdeckten Lebensformen als Energiequelle verbraucht werde.
Auch das Verschwinden von Wasserstoff werten Forscher als ein zusätzliches Indiz für die Existenz exotischer Lebensformen auf Titan.


Allgemein wird das Vorhandensein von Wasser als Voraussetzung für die Entstehung von Leben betrachtet - auf der Oberfläche des Mondes Titan gibt es zwar Wasser, aber nur in Form von Eis (die Durchschnittstemperatur liegt bei -180 Grad Celsius). In tieferen Schichten könnte es wärmer werden, sollten die bislang ausgemachten Anzeichen für Kryovulkanismus zutreffen.-
Sind Alternativen für Wasser als Grundlage von Leben vorstellbar? Flüssiges Ammoniak zeigt ähnliche Eigenschaften wie Wasser und könnte in kalten Regionen ein flüssiges Lösungsmittel für Biomoleküle sein…Gedankenspiele wie dieses zeigen vor allem, wie wenig wir über die Eigenschaften ‘habitabler’ Zonen wirklich wissen.

Europa ist mit einem Durchmesser von 3121 km der kleinste der vier großen Monde des Planeten Jupiter und der sechstgrößte im Sonnensystem. Obwohl die Temperatur auf der Oberfläche von Europa maximal −150 °C erreicht, vermutet man, dass sich unter einer Kruste aus Wassereis ein bis zu 100 km tiefer Ozean aus Wasser befinden könnte. Das mögliche Vorhandensein von flüssigem Wasser ließ Spekulationen darüber aufkommen, ob (auch) in Europas Ozeanen Formen von Leben existieren können. Immerhin existiert dort eine äußerst dünne Atmosphäre aus Sauerstoff.
Sie kommt durch das Sonnenlicht zustande, dass das Eis auftauen und verdampfen lässt. Das verdampfende Wasser wird dabei in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Der Wasserstoff ist zu leicht, um von der Schwerkraft des Mondes gehalten zu werden und entweicht in das Weltall. Dennoch kamen NASA-Wissenschaftler, welche die gestrichene Nasa-Mission Jupiter Icy Moons Orbiter planten, nach Auswertungen früherer Missionen im Frühjahr 2004 zu dem Schluss, dass der Mond Europa weitaus lebensfeindlicher sein könnte, als bislang angenommen wurde. So wurden auf der Oberfläche Wasserstoffperoxid und von konzentrierter Schwefelsäure bedeckte Flächen nachgewiesen.        


Jupitermond Europa
Titan ist also derzeit der aussichtsreichste Kandidat für Leben außerhalb der Erde. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis wir vielleicht Gewissheit erhalten. So ist es nach 2010 bis auf weiteres wieder still geworden um Titan – auch wenn das Magazin P.M. bemüht ist, das Bild vom Weltall “Weltall als eine gigantische Gebärmutter” zu zeichnen. Bei aller Begeisterung, die Aneinanderreihung lebhaftester Spekulationen (“Riesige Mammutbäume. Pilzorganismen mit einem Alter von vielen tausend Jahren…”) halte ich für wenig hilfreich.
Bis heute wurde zwar die Entstehung lebensnotwendiger1) Moleküle und Bausteine erforscht und die Evolutionsbiologie kennt auch die Mechanismen der Weiterentwicklung von Lebensformen. Doch die tatsächliche Entstehung von Leben wurde bis heute weder beobachtet noch in einer schlüssigen, wissenschaftlichen Theorie glaubhaft dargelegt. Von daher wissen wir nicht mit Bestimmtheit, ob günstige Bedingungen an sich ausreichen, damit bei ausreichend verfügbarer Zeit ‘automatisch’ Lebewesen entstehen. Denkbar (aber auch nicht bewiesen) ist auch, dass dies allein auf dem Wege der Panspermie geschieht.-
Immerhin -  die Erforschung geht weiter, in der Exosphäre des Saturnmondes Dione wurde Sauerstoff nachgewiesen. Und im Laufe der Erkundung von Titan wird der Trabant offensichtlich der Erde immer ähnlicher- er beherbergt womöglich ‘Methanbakterien‘:
"Forscher fanden ein Gebiet auf dem Titan, das der Etosha-Pfanne in Namibia entspricht. Es erstreckt sich um den Ontario Lacus, den größten See auf der Südhalbkugel des Trabanten. Er ist etwas kleiner als sein irdischer Namensvetter, der nordamerikanische Ontario-See. Und statt mit Wasser ist er mit flüssigen Kohlenwasserstoffen gefüllt
[...]

Die Landschaft und die klimatischen Bedingungen der Region, schlussfolgern die Forscher, seien vergleichbar mit denen von Halbwüsten auf der Erde, insbesondere den Salztonebenen im südlichen Afrika." (FOCUS online, 26.4.2012)
Und doch muss die Entdeckung von Leben auf den Monden nicht allen Interessengruppen gleichermaßen in den Kram passen. Schließ bestehen durchaus konkreten Überlegungen zur Besiedlung geeigneter Monden in unserem Sonnensystem. Gegen eine solche Kolonisation ist grundsätzlich nichts einzuwenden
Wenn auch politische Kreise ein wachsendes Interesse an solchen Besiedlungsprojekten zeigen, stellt sich wirklich die Frage, ob heute heute davon ausgegangen wird, dass unsere hiesigen Probleme sich als unlösbar erweisen werden? Die Ausbeutung von Ressourcen ist ein weiterer Aspekt? Das wären sicher falsche Gründe, um das eigentlich Richtige zu tun... – glaubt man Stephen Hawking, bleibt Folgegenerationen womöglich gar nichts anderes übrig, als von der Erde zu flüchten.
Zuvor muss sicher gestellt sein, dass am Zielort nicht schon einfachste Lebewesen auf ihre eigene Evolution warten - welche der Mensch zugrunde richten würde… ganz ähnlich wie es auf der Erde unzählige Male der Fall war.


Dokumentation: Unerforschte Monde


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1) Dabei wird stets von Lebensformen ausgegangen, wie sie auf der Erde bekannt sind

Montag, 16. April 2012

Milliarden erdähnliche Planeten–in der Milchstraße

“Vielleicht quält uns die Einsamkeit unserer Existenz.
Die Vorstellung, ein Zufall zu sein, der sich nirgendwo wiederholt hat”.

…also geht die Suche nach anderen Zivilisationen immer weiter, ohne die Erfolgsaussichten zu kennen. Doch eben diese Erfolgschancen haben sich gerade drastisch erhöht, könnte man sagen: Europäische Forscher gehen nach einer Hochrechnung nun davon aus, dass allein in unserer Heimatgalaxie weitaus mehr habitable (lebensfreundliche) Planeten existieren als bislang angenommen.

Rote Zwerge sind eine Klasse von Sternen, die um einiges kleiner und an der Oberfläche deutlich kühler sind als unsere Sonne. Sie machen etwa 80 Prozent der Sterne in unserer Galaxie aus - weil sie wegen der nur langsam ablaufenden Kernfusion in ihrem Inneren extrem lange Lebensspannen haben. Von dieser Klasse existieren allein in der Milchstraße existieren etwa 160 Milliarden Sterne, die ein mögliches Ziel für die Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind.

Wie der SPIEGEL nun berichtet, verdeutlicht eine neue Schätzung eines europäischen Forscherteams, wie ungemein viele potentiell lebensfreundliche Exoplaneten es allein in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte.

Dabei handelt es sich zwar nicht um eine bloße Vermutung, aber auch noch nicht um ein statistisch abgesichertes Ergebnis

Mit Hilfe des Harps-Spektrografen, der an das 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte im chilenischen La Silla angeschlossen ist, wurden gut hundert Rote Zwerge untersucht, die nicht weiter als etwa 30 Lichtjahre von der  um die Sonne entfernt sind. Der Nachweis von Exoplaneten erfolgte mit der Radialgeschwindigkeitsmethode (s.u.), also indirekt:

Nach sechs Jahren hatte man in der Nähe dieser beobachteten Roten Zwerge neun “Supererden” nachgewiesen - Planeten mit einer Masse, die zwischen der unserer Erde und dem zehnfachen Wert liegt. Zwei von ihnen sollen sich sogar innerhalb der habitablen ihres Sternensystems befinden, die das Vorhandensein von flüssigem Wasser auf dem Planeten theoretisch möglich macht.

Dies führe zu der Schlussfolgerung, dass es alleine in der Milchstraße mehrere zehn Milliarden solcher Planeten gibt (wenn man voraussetzt, dass die festgestellte Relation überall im Universum annähernd gleich ist…näheres hierzu kann in dem o.a. Artikel nachgelesen werden.).

 

Hintergrund: Exoplaneten und die Suche nach ihnen

Ein Exoplanet (eigentlich extrasolarer Planet), ist ein Planet außerhalb unseres Sonnensystems, d.h. er gehört einem anderen Planetensystem an und umkreist einen anderen Stern. Daneben existieren auch planetenartige Objekte, die keinen Stern umkreisen und unter den neu geprägten Oberbegriff Planemo (Begriff „Planemo“ Objekte mit planetarer Masse verwendet, die eine annähernd kugelförmige Gestalt besitzen und weder an einen anderen Himmelskörper angebunden sind noch einen Stern umlaufen) Fallen. Die ersten Exoplaneten wurden schon in den 1980er Jahren entdeckt, aber damals entweder als Brauner Zwerg klassifiziert oder aufgrund der noch ungenügenden Messgenauigkeit zwischenzeitlich wieder verworfen.

Zu meiner Schulzeit (das war weit vor 1990) gab es noch überhaupt keinen direkten Beweis für die Existenz von Planeten außerhalb des Sonnensystems – allerdings gab es meines Wissens auch keine guten Gründe, warum nur ‘hier’ welche geben sollte.

  • Die ersten Planeten überhaupt, die außerhalb unseres Sonnensystems bestätigt wurden, umkreisen den Pulsar PSR 1257+12, der 1990 vom polnischen Astronomen Aleksander Wolszczan entdeckt wurde.
  • 1992 konnten drei Planeten mit Massen von 0,02, 4,3 und 3,9 Erdmassen nachgewiesen werden. 1994 wurde ein weiterer Planet um den Pulsar PSR B1620-26 entdeckt. Auf diesen Planeten ist Leben, wie wir es von der Erde kennen, praktisch ausgeschlossen.

Die erste definitive Entdeckung eines Exoplaneten in einem Orbit um einen sonnenähnlichen Stern wurde 1995 von Michel Mayor vom Departement für Astronomie der Universität Genf und seinem Mitarbeiter Didier Queloz mit Hilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode gemacht. Der Planet 51 Pegasi b kreist im 4,2-Tage-Takt um den ca. 40 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern 51 Pegasi (im Sternbild Pegasus) und hat 0,46 Jupitermassen.    

Exoplanet OGLE-2005-BLG-390Lb
Exoplanet OGLE-2005-BLG-390Lb
Weil Exoplaneten nicht selbst leuchten, ist es ausgesprochen schwierig, sie im Orbit um sonnenähnliche, d.h. lichtstarke Sterne auszumachen - die wenigsten von ihnen können mit Teleskopen direkt von der Erde aus beobachtet werden. Sie werden von dem um ein Vielfaches helleren Stern, um den sie kreisen, überstrahlt. Daher war der erste Exoplanet, der direkt optisch abgebildet werden konnte (2M1207 b), ein Exoplanet um einen Braunen Zwerg. Bislang konnte man die meisten Exoplaneten nur indirekt nachweisen. Mehrere Methoden nutzen dabei den Einfluss der Planeten auf den Zentralstern:
  • Transit- oder Durchgangsmethode: Falls die Umlaufbahn des Planeten so liegt, dass er aus Sicht der Erde genau vor dem Stern vorbeizieht, erzeugen diese Bedeckungen periodische Absenkungen in dessen Helligkeit. Sie lassen sich durch hochpräzise Photometrie (Helligkeitsmessungen des Sterns) nachweisen, während der Exoplanet vor seinem Zentralstern vorübergeht.
Radialgeschwindigkeitsmethode: Bewegung des Zentralgestirns um den gemeinsamen Schwerpunkt
Radialgeschwindigkeitsmethode:
Bewegung des Zentralgestirns um gemeinsamen Schwerpunkt
  • Radialgeschwindigkeitsmethode:
    Stern und Planet(en) bewegen sich unter dem Einfluss der Gravitation um ihren gemeinsamen Schwerpunkt. Der Stern bewegt sich wegen seiner größeren Masse um wesentlich kleinere Wege als der Planet. Falls man von der Erde aus nicht genau senkrecht auf diese Bahn schaut, hat diese periodische Bewegung des Sterns eine Komponente in Sichtrichtung (Radialgeschwindigkeit), die durch Beobachtung der abwechselnden Blauverschiebung und Rotverschiebung (Doppler-Effekt) mit Hilfe eines Frequenzkamms in sehr genauen Spektren des Sterns nachgewiesen werden kann.
  • Astrometrische Methode:
    Die Bewegung des Sterns um den gemeinsamen Schwerpunkt hat auch Komponenten quer zur Sichtrichtung. Diese sollten durch genaue Vermessung seiner Sternörter relativ zu ferneren Sternen nachweisbar sein. Bei bekannter Sternmasse und -entfernung könnte man hier auch die Masse des Planeten angeben, da die Bahnneigung ermittelt werden kann.
  • Direkte Beobachtung:
    Am 31. März 2005 wurde an der Universitäts-Sternwarte Jena ein Planet von nur ein- bis zweifacher Jupitermasse bei dem der sonnenähnlichen, aber nur ca. 2 Millionen Jahre jungen Stern GQ Lupi beobachtet.
    Auch Britische Astronomen haben einen 520 Lichtjahre entfernten einen Exoplaneten in der Nähe des jungen Sterns HL Tau in seiner Entstehungsphase entdeckt. Beide Beobachtung wurden im infraroten Spektralbereich gemacht, mit dem Very Large Telescope der ESO.

Als klarster, direkter Nachweis eines Exoplaneten gelten Aufnahmen des Hubble-Teleskops (2004/2006): sie zeigen im Bereich des sichtbaren Lichts ist einen sich bewegenden Lichtpunkt zu, der eine Keplerbahn beschreibt: Es handelt sich um den Planeten Fomalhaut b von ca. 3 Jupitermassen. Er umkreist den Stern Fomalhaut in 113 AE Entfernung, am inneren Rand des Staubgürtels um Fomalhaut umgibt - und ist das bislang kühlste und kleinste Objekt, das außerhalb unseres Sonnensystems abgebildet werden konnte. Fomalhaut ist 25 Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt die doppelte Masse unserer Sonne.

Leben auf extrasolaren Planeten?

Inzwischen wurden weit mehr als 500 Exoplaneten entdeckt, die Bemühungen der Astrophysiker richten sich nun vor allem darauf, indirekte Anzeichen für mögliches Leben (z.B. gasförmige Stoffwechselprodukte bzw. -komponenten) auf einigen von ihnen zu finden. Potenzielle Kandidaten unter den entdeckten extrasolare Planet für eine "eine zweite Erde" werden durchaus diskutiert, z.B. der 2007 an der Genfer Sternwarte entdeckte Gliese 581c.

Dieser relativ kleine Planet in einer Umlaufbahn um den zwanzig Lichtjahre entfernten roten Zwergstern Gliese 581 ist aber wohl zu heiß, um Leben zu beherbergen. Von besonderem Interesse ist für die Astronomen der neu entdeckte Planet Gliese 581g; er hat hat die vierfache Erdmasse der Erde und umkreist seinen Stern einmal alle 37 Tage. Bei ihm soll es sich um einen Felsplaneten mit einer festen Oberfläche handeln, dessen Schwerkraft auch ausreichen würde, um auch eine Atmosphäre zu halten. Die dort vermuteten Bedingungen lassen es als nicht ausgeschlossen, dass es dort flüssiges Wasser gibt.

Die Debatte über die Existenz außerirdischen Lebens erhielt durch solche Entdeckungen einigen Auftrieb; allerdings wurde die konkrete Annahme von Leben auf den bisher bekannten Exoplaneten von den meisten Fachleuten verworfen. Schlagzeilen wie Spuren von Leben auf Exoplanet X (2006) oder Entdeckung einer zweiter Erde für 2011 vorausgesagt sollten also mit größtmöglicher Vorsicht behandelt werden...

Auch die eingangs erwähnte Neuberechnung, wie viele Planeten wohl in unserer Milchstraße existieren dürften, sagt nichts darüber aus, ob sich dort tatsächlich auch Leben entwickeln konnte.

Vielleicht wurde die Suche nach Leben sogar etwas erschwert bzw. komplizierter, denn nun ist die Anzahl der Suchobjekte so groß, dass auch bei weitergehendem Ausschlußverfahren eine systematische Suche kaum noch durchführbar ist.

Podcast – die Suche nach Exoplaneten

Sonntag, 26. Februar 2012

Der Urknall - ein Irrtum?

In der Physik wird gerne der Eindruck vermittelt, als habe sich Urknalltheorie seit den 1970er Jahren als einzige, alternativlose Theorie von der Entstehung der Welt erwiesen denkbare. Dass alternative Ansätze durchaus ihre Berechtigung haben, erläutert der Bonner Astronom Hans-Jörg Fahr (“Der Urknall kommt zu Fall”) erläuterte 2009 in einem Interview mit P.M.
Professor Dr. Fahr wurde 1939 in Hannover geboren. 1959 begann er das Studium der Physik, Mathematik und Philosophie an der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität Bonn. Aus mehreren Gründen zieht er das Modell vom Urknall in Zweifel…

Über den Anfang des Universums, den den Zeitpunkt Null, haben wir keine Informationen und folglich auch kein Wissen; wir stellen lediglich fest, dass unsere bisherige Mathematik bei dem Versuch scheitert, diesen Anfangszustand zu berechnen.

“Wir haben keine Ahnung, wie sich Materie in einem solchen gedachten Urzustand verhält. Trotzdem soll dieser Zustand in der extremsten Vergangenheit genau derjenige sein, aus dem unsere Welt hervorgegangen ist. Das überzeugt mich nicht.”

Denn der gegenwärtige Kosmos liefere keinerlei Indizien für seinen Anfangszustand:

“Wenn Sie einen Mückenschwarm in der Zeit anhalten und dann rückwärts agieren lassen, dann kollabiert dieser Schwarm auch nicht zu einer Singularität.”

In seinem Gesamtzustand bleibe das Bild des Universums jedoch gleich, auch wenn ständig Galaxien entstehen und vergehen, der Lebenszyklus kosmischer Strukturen und Objekte verlaufe nach einem einheitlichen Muster.
Die kosmische Hintergrundstrahlung ist lt. Fahr untauglich als Beweis bzw. Hinweis zugunsten eines Urknalls: Es ist eine sehr gleichförmige Strahlung im All und diese extreme Gleichförmigkeit werde von den meisten Kosmologen als ein Indiz dafür gewertet, dass die Welt im Ursprung völlig gleichförmig gewesen sei. Das Universum hat zu Beginn überhaupt keine Unterschiede erkennen lassen. Doch sei vor diesem Hintergrund niemand in der Lage, den gegenwärtigen Zustand des Universums zu erklären – weshalb aus dieser Gleichförmigkeit eine ausgesprochen ungleichförmige Welt entstanden sein soll.

Um dieses Defizit zu kompensieren, erfinde man zusätzliche Faktoren und Phänomene wie etwa die Dunkle Materie. “Es wird so getan, als hätten wir die Welt dadurch restlos erklärt, dass wir ein bestimmtes Verhältnis von Dunkelmaterie zu normaler Materie als gegeben annehmen.”

Fahr selbst stellt sich die den Anfang des Universums und die Entstehung der Welt anders vor: Eine Explosion als initiales Ereignis hält er für undenkbar, denn Explosion bedeute zugleich auch Chaos. Vielmehr müsse schon zu Beginn die Weltinformation vorhanden gewesen sein, damit sich die Welt entfalten konnte. Die Materie müsse von Anfang an bereits teleonomische (auf ein Ziel gerichtete) Qualitäten gehabt haben, die ihr den Weg in die Zukunft wiesen.

Fahr spricht in diesem Kontext von einem “dynamischen Faktor, der die zunächst ungeordnete Materie ins Neue, in thermodynamische Ungleichgewichte und damit in Strukturbildungen hineingetrieben hat – und es bis heute tut.”

Womöglich verlässt Fahr den Fokus der Naturwissenschaften, indem er annimmt, die Materie sei selbst schöpferisch tätig. Materie ist nicht nur passiver Stoff, sondern ihr wohne auch ein Wille zu stofflicher Form inne:

“Die Natur hasst im Grunde das Amorphe, das Formlose. Sie ist in einer gewissen Verborgenheit von Anfang an auch Subjektivität. Insgesamt entwickelt sich das Universum von einem gleichförmigen Zustand, in dem ich keine Ecke des Kosmos von der anderen unterscheiden kann, zu immer differenzierteren Zuständen, die zu immer mehr Information im Kosmos führen. Denn Information entsteht durch Unterschiede.”

Überraschend für mich ist, dass der Astronom Fahr nun Bezug auf die hochkomplexen morphogenetischen Felder (‘also formbildende Gravitationsfelder der Massenkonstellationen’) des britischen Biologen Rupert Sheldrake nimmt, um diesen dynamischen Faktor zu erläutern:
Nimmt man allein unsere Galaxie mit ihren 100 Milliarden Sternen und ordnet diese Sterne in bestimmte Formationen an, so entsteht ein Gravitationsfeld und Wirkgeflecht von einer gewaltigen Komplexitätsdimension – die Fahr mit den vielen Nervenverbindungen in der menschlichen Gehirnstruktur vergleicht. In dieser Größenordnung seien auch die Felder vorstellbar, die bestimmen, auf welchem Wege sich Materiestrukturen wie Galaxien und Galaxienhaufen in Zukunft weiterentwickeln.

“Wir müssen diesem Weltstoff sozusagen ein Innenleben zutrauen.”

Materie sei ungleich mehr als eine Anordnung anonymer Bausteine – und die Elementarteilchen, welche diese Materie konstituieren, seien mehr als einfache Träger von Masse und Ladung. Vielmehr sei es möglich sie zu Molekülen zusammen zu fügen, die wiederum komplexe elektrische Felder produzieren und Kettenbildungen vollziehen können.

Materie und Geist
… seien nicht strikt voneinander getrennt:

“Ich denke, es ist ein Übergang möglich zwischen Geist und Materie. Zum Teil ist der Geist in der Materie wiederzufinden – als Information.”

Ein aktiver, zyklischer und vor allem schöpferischer Kosmos sei für viele Menschen weitaus tröstlicher als ein scheinbar entwurzeltes Dasein in einem vom Zufall bestimmten Urknall-Universum, das einmal kollabieren werde.
Das Modell von einem Weltall, das “in sich lebendig arbeitet”, stelle den Menschen in ein neues Gefüge und beziehe ihn ein in das kosmische Geschehen. Deshalb müssen wir gar nicht verstehen, wie ein Urknallkosmos funktioniert. Wir müssen stattdessen begreifen, was es mit einem uns tatsächlich gegebenen, hoch strukturierten, lebendigen Kosmos auf sich hat.

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Viele Thesen und Auffassungen, welche Alternativen zu einem singulären Anfangsereignis formulieren oder dieses infrage stellen, werden gerne als üble Angriffe auf die Relativitätstheorie Einsteins (ART) gewertet, die sich in einer Vielzahl von Beobachtungen und Experimenten bewahrheitet habe. Diese Kritik halte ich für unangebracht, wenn man einräumt, dass nicht nur die Quantenphysik, sondern auch die ART einen bestimmten Gültigkeitsbereich hat.
D.h. es gibt eine Skala für verschiedene physikalische Größen (Hitze, Druck, aber auch die Größe betrachteter Objekte, seien es Sterne, Planeten oder subatomare Teilchen), mit der ein Geltungsbereich des physikalischen Modells festgelegt wird.

Die mutmaßlich extremen Anfangsbedingungen des materiellen Universums liegen offenbar außerhalb dieser Skala – weshalb die Formeln der ART zu unendlichen Ergebnissen führen, wenn diese Bedingungen zugrunde gelegt werden.

Doch frage ich mich, ob H.J. Fahr den Bausteinen der Materie nicht ‘zu viel Ehre’ erweist, wenn er ihnen den Status eines ‘Samenkorns’ zuweist, in welchem die komplexesten Strukturen bereits angelegt seien. Ist es nicht so, dass wir darüber ebenso wenig wissen wie über den Zeitpunkt Null?

Wie kaum anders zu erwarten, wird Fahrs Anschauung von seinen Fachkollegen überwiegend abgelehnt. Dafür erhält er Zuspruch aus der Ecke der Kreationisten und Intelligent-Design-Befürwortern wie Prof. Werner Gitt – was eigentlich erstaunlich ist, denn die Existenz eines personellen Gottes (wie ihn die Bibel vorsieht) lässt sich aus den Thesen von Prof. Fahr gerade nicht ableiten. Eher scheint eine nicht-persönliche schöpferische Kraft, die Allem innewohnt zu begründen, die wir aus pantheistischen Glaubenslehren kennen.

Mir sagt bei Fahr besonders zu, dass er die Grenzen des wissenschaftlich erfahr- und erkennbaren Wissens aufzeigt. In seinem Buch ‘Die Illusion von der Weltformel - Was weiß die Wissenschaft wirklich?’ zieht Hans Jörg Fahr ein Resümee des naturwissenschaftlichen Wissens zu Beginn des neuen Jahrtausends. Dabei kommt er nicht wie Stephen Hawking und andere zu dem Ergebnis, dass wir der Natur beinahe schon alle ihre Geheimnisse entrissen haben – im Gegenteil!
Fahr konfrontiert Laien wie mich nicht mit dogmatischen Lehrsätzen, sondern hinterfragt die Sinnhaftigkeit der Suche nach einer Theory of Everything und
der angeblich alles erklärenden Weltformel.