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Sonntag, 14. Dezember 2014

Höhlenforschung: Tore zur Unterwelt (aktualisiert)

Dokumentationsreihe über die Entdeckung eines Systems "uralter, unterirdischer Gänge" im Raum Vorau (Steiermark, Österreich)


Bei Umbauarbeiten wird im Dachstuhl eines Bauernhofs eine Jahrhunderte alte Kanonenkugel gefunden. Darin entdeckt man einen Plan, der auf ein Labyrinth von unterirdischen Gängen verweist - Ausgangspunkt zu einer Reihe erstaunlicher Forschungsergebnisse und Entdeckungen aus vorchristlicher Zeit. Die Höhlenforscher Ingrid und Heinrich Kusch begannen mit der Erforschung des viele Kilometer langen und offenbar in größere Tiefe führenden Gangsystems und "stießen dabei immer wieder auf Einzelheiten, für die es keine Erklärung gibt".

Unklar ist bislang, weshalb viele Zugänge 
zu unterirdischen Gangsysteme vermutlich im Mittelalter absichtlich und mit gewaltigem Arbeitsaufwand verschlossen wurden. Dabei wurden man die Einstiege mitunter geflutet und so mit vielen Tonnen Schwemmsand verfüllt. 

"Wollte man das Wissen um eine unbekannte vorchristliche Kultur ein für allemal aus dem Bewusstsein der Menschen löschen? Oder fürchtete man sich gar vor etwas aus den Tiefen der Erde?"
Unter dem alten Kloster Vorau fanden die beiden Archäo-Speläeologen mit einem Bodenradar ein unterirdisches, über mehrere Etagen verlaufendes Netz von Gängen aus ältester (prähistorischer?) Zeit. Hier wird eine Art "Zentrale" vermutet, deren Erforschungen sich aufgrund der Tiefe, Weitläufigkeit und hoher Kosten noch länger hinziehen wird. 

Diese knapp zweistündige Filmdokumentation ist sehr ausführlich und versorgt den Zuschauer nebenher mit mit Wissenswertem über steinzeitliche Bauten (z.B.) Menhire sowie deren Bedeutung für ihre Erbauer. 

Deutlich wird auch, wie zerstörerisch der Katholizismus in früheren Jahrhunderten mit 'heidnischen' Bauten und Relikten verfahren ist.
Interessant ist auch die Bezugnahme auf lokale Sagen und Legenden, in denen die erforschten Höhlensysteme eine Rolle spielen. Ein Beispiel:





Sonntag, 19. Januar 2014

Existenzielle Risiken: Stirbt die Menschheit aus?

Am 21.12.2012 'lief der Maya-Kalender ab' (oder beruhte dieser Kalender auf einem zyklischen Zeitverständnis, wie wir es heute kennen?:) Die Jahre zuvor einsetzende Hysterie zeigte freilich, wird viel Energie darauf verschwendet wird, phantasievolle Endzeitszenarien zu erfinden. Nahe liegender ist es, sich mit konkreten Zukunftsfragen und -fakten zu befassen:
Namhafte Wissenschaftler – darunter der Astrophysiker Stephen Hawking und der Mikrobiologe Frank Fenner – gehen davon aus, dass Homo sapiens wahrscheinlich aussterben wird. Lt. einem Bericht der Mailänder Tageszeitung "Corriere della sera" (2010) machte Fenner dafür "Bevölkerungsexplosion und unkontrollierten Konsum" verantwortlich. Es sei zu "bezweifeln, dass unsere Spezies das 21. Jahrhundert überleben wird".
Die doomsday clock, ("Uhr des Jüngsten Gerichts", zu deutsch Atomkriegsuhr) ist eine symbolische Uhr der Zeitschrift Bulletin of the Atomic Scientists . Sie sollte der Öffentlichkeit ursprünglich die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges verdeutlichen; doch inzwischen fließen auch Umweltdaten und andere Faktoren ein, die zum Aussterben der Menschheit führen könnten. Die Entscheidungen trifft der BAS-Aufsichtsrat gemeinsam mit einem Gremium, in dem zurzeit 18 Nobelpreisträger vertreten sind. Die Uhr spielt darauf an, es sei fünf Minuten vor zwölf, wenn ein für die Menschheit äußerst nachteiliges Ereignis unmittelbar droht. 1947 wurde sie mit der Zeigerstellung sieben Minuten vor zwölf gestartet und seither in Abhängigkeit von der Weltlage vor- oder zurückgestellt. Hatte es 2010 noch den Anschein, führende Politiker der Welt würden auf globale Bedrohungen zu reagieren beginnen, setzte sich dieser Trend in vielen Fällen nicht fort. Aus diesem Grund steht die ‘Doomsday-Uhr’ seit dem 10. Januar 2012 auf fünf vor zwölf [und seit 2015 auf 3 vor 12].

Aussterben ist ein natürlicher Prozess

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Spezies liegt zwischen einer und zehn Millionen Jahren; lebende Fossilien wie der Quastenflosser sind die Ausnahme. Von 1000 Arten, die einmal den Planeten bevölkerten, lebt heute nur noch eine einzige. Warum sollte das für den Menschen anders sein, solange seine Existenz auf den Planeten Erde begrenzt ist und er von den dort bestehenden biochemischen und geologischen Prozessen abhängig ist?

Vor etwa sieben Millionen Jahren trennte sich die Linie der aufrecht gehenden Menschenartigen von den Schimpansen. Seither haben etwa 25 bekannte Hominidenarten gelebt. All diese Menschen bzw. Menschenähnlichen sind inzwischen ausgestorben – bis auf den modernen Menschen Homo Sapiens. "Das ergibt eine Aussterberate von 95 Prozent…deutlich höher als beim letzten Massenaussterben vor 250 Millionen Jahren.", stellt der australische Paläanthropologe Darren Curnoe von der Universität New South Wales fest.

Das Aussterben von Gattungen und Arten ist ein fester Bestandteil der Evolution; ,alle zehn Millionen Jahre verschwindet etwa ein Drittel aller Lebensformen. Säugetiere, das habe die Forschung gezeigt, existierten in der Regel nur ein bis zwei Millionen Jahre, bis sie aussterben. Zählt der Mensch in dieser Betrachtung auch zu den Säugetieren? 

Immerhin haben wir uns der natürlichen Selektion entzogen und unser Überleben ‘künstlich verlängert’. Dies verdanken wir laut Curnoe der Verbreitung von Ackerbau und Viehzucht vor 10.000 Jahren. Davor hätten weltweit weniger als 100.000 Menschen gelebt - eine sehr kleine Population, die ohne die "Neolithische Revolution" vielleicht schon verschwunden wäre. Auch erspart uns die moderne Medizin weitgehend eine natürliche Auslese, der ansonsten die ‘Kranken und Schwachen’ zum Opfer fallen würden.

Doch wie weit reicht unsere Unabhängigkeit von den Prozessen und Gesetzmäßigeiten der Natur? Auf der geologischen Zeitskala sind gewaltige Vulkanausbrüche an der ‘Tagesordnung’, auch wenn es uns nicht so vorkommt.

In seinem Buch ‘Evolution’ schildert Stephen Baxter den Ausbruch eines Supervulkans, wie er durchaus in naher Zukunft eintreten könnte: Der nachfolgende globale Winter würde die Menschheit – die nach wie vor von tierischer und pflanzlicher Nahrung und damit von intakten Nahrungsketten abhängig ist – möglicherweise an den Abgrund drängen. Weitere Auslöschungsszenarien sind ebenfalls denkbar: Während die globalen Gefahren von “Bevölkerungsexplosion und unkontrollierten Konsum” (Fenner) derzeit noch unkalulierbar sind, erwachsen weitere Risiken aus Asteroideneinschlägen, Klimawandel, Epidemien und Nuklearwaffen.

Die Menschheit stand im Laufe ihrer Geschichte schon mehrmals vor dem Aussterben – etwa vor 74.000 Jahren nach dem Ausbruch des Vulkans Toba auf Sumatra. Gegenwärtig steht sie wieder vor einem sensiblen Kreuzungspunkt; vor uns liegen etliche 
existentielle Risiken. Naturkatastrophen können das Fortbestehen intelligenten Lebens auf der Erde ebenso bedrohen wie Ereignisse menschlichen Ursprungs: Atomkrieg, Bioterrorismus, Künstliche Intelligenz, katastrophaler Klimawandel etc. 

Insoweit unterliegen wir auch weiterhin einem Selektionsdruck: Entweder wir passen uns an und werden resilient, d.h. widerstandsfähig gegen die von uns verursachte Umweltzerstörung einerseits und Naturkatastrophen andererseits. Oder unsere hochtechnisierte, extrem vernetzte Zivilisation könnte - insbesondere als Folge des Zusammentreffens mehrerer ‘unglücklicher’ Umstände - auf ein vorindustrielles Niveau zurückgeworfen oder für immer von diesem Planeten getilgt werden. 



Falschfarben-Satellitenaufnahme des Tobasees,
einer 100 km langen und 30 km breiten Caldera eines Supervulkans


Die Tobaeruption gilt heute als gut erforschtes Supervulkan-Ereignis; 3000 Kubikkilometer Magma aus und mehr als 5000 Kubikkilometer Asche wurden ausgestoßen. Das Verhältnis von Magmaausstoß zu Ascheauswurf beträgt fast immer ungefähr 1 zu 2-3. Eine 15 Zentimeter dicke Ascheschicht bedeckte ganz Indien und eine ähnlich dicke Schicht wohl große Teile von Südostasien und China. Heute wären von einer Eruption in dieser Größenordnung je nach betroffener Region etwa 1 Milliarde Menschen betroffen. Hinzu kommt eine weltweite Abkühlung für ein bis sechs Jahre um mehr als ein Grad Celsius.
Legt sich eine nur 1 cm dicke Ascheschicht während der Wachstumszeit über landwirtschaftliche Nutzflächen, wird eine gesamte Ernte vollständig zerstört.
Das Jahr des Tamboraausbruchs 1815 wurde als "Jahr ohne Sommer" bekannt; die heutigen Auswirkungen eines Supervulkanereignisses würden deutlich schwerer wiegen. Bei einem Ausbruch in der Größenordnung von Toba könnten die Temperaturen auf der Nordhalbkugel um bis zu 10°C sinken. (Die Wahrscheinlichkeit für Ausbruch eines (kleineren) Supervulkans im 21. Jahrhundert, liege insgesamt etwa bei 1-6%. Ein Toba-ähnliches Ereignis tritt allerdings nur etwa alle 500.000 Jahre auf.)
Nach Fenners Ansicht droht nicht nur der Menschheit, sondern auch zahlreichen Tierarten die Auslöschung. Diese Entwicklung sei bereits unumkehrbar, es könnte bereits zu spät sein, um Abhilfe zu schaffen. Selbst wenn die Menschen bereits etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen versuchen, werde zu vieles weiterhin auf die lange Bank geschoben. 
“Der Eintritt der Menschheit ins "Anthropozän" - in der die menschliche Aktivität das Klima beeinflusst – ist vergleichbar mit globalen Katastrophen wie Eiszeiten oder Kometeneinschlägen.”
Fenner vergleicht das drohende Schicksal der Menschheit mit den Bewohnern der Osterinseln. Die Eingeborenen verwandelten durch rücksichtslose Abholzung des gesamten Baumbestandes ihre einst blühende Insel in eine Ödnis, auf der sie nicht länger überleben konnten . Die globalen Klimaveränderungen stünden noch am Anfang, es gebe aber jetzt schon beträchtliche Veränderungen in der Atmosphäre.

Fenners Freund, der Immunologe Stephen Boyden, äußert Widerspruch:

"Frank könnte durchaus Recht haben. Aber viele von uns haben immer noch die Hoffnung, dass die Menschheit sich der Situation bewusst wird und die notwendigen revolutionären Veränderungen einleitet, um die ökologische Nachhaltigkeit herzustellen."
Wir existieren nicht außerhalb der Natur

Den meisten Menschen, ob wissenschaftlich gebildet oder nicht, erscheint jedes Szenario unvorstellbar, das die Menschheit komplett auslöschen könnte. Stets bleibe aufgrund der flexiblen Instrumente, über die wir dank unserer Intelligenz verfügen, zumindest eine Restpopulation zurück, die zum Ausgangspunkt einer neuen Entwicklung würde – meint z.B. der Biologe Peter Wand (USA).


Diese Sichtweise erscheint mir grundfalsch. Die menschliche Intelligenz hat sich als überaus zweischneidig erwiesen - und eine positiv wirksame Schwarmintelligenz scheinen wir nicht zu besitzen ...jedenfalls sehe ich keinerlei Anzeichen dafür.
Dominanten Spezies oder nicht - unsere Lebensgrundlagen bleiben aufs Engste verknüpft mit (dem Zustand) der Biosphäre. Unser Stoffwechsel, unser Überleben hängen weiterhin ab von einer (relativ) intakten Ökologie, in der pflanzliche und tierische Organismen existieren können. Mit etwas Glück werden wir uns in den kommenden 2 - 3 Jahrzehnten noch nicht selbsttätig an den Rand der Auslöschung bringen – doch eine globale Naturkatastrophe hätte massiven Folgen für Tier- und Pflanzenwelt – und damit auch für die Grundlagen unserer Existenz. 


Insoweit kann ich Stephen Hawking nur zustimmen, der die möglichst zeitnahe Kolonialisierung des Weltraums als einzigen Ausweg für die Menschheit sieht, sich einem globalen Auslöschungsereignis zu entziehen: "Die Menschheit könnte innerhalb der nächsten eintausend Jahre aussterben, wenn man es nicht schafft dem Planeten zu entkommen und Technologien entwickelt, um dauerhaft im All zu leben."


50, 100 oder tausend Jahre ...? Die wirren Bemühungen, möglichst präzise den Zeitpunkt festzuschreiben, wann es mit uns vorbei sein könnte, sind weder aussichts- noch hilfreich. Dies trifft erst recht auf publikumswirksame "Dokumentationen" wie 'Zukunft ohne Menschen' u.ä. zu. 
Aber:

“Selbstverständlich sind diese Gefahren real, und man muss sich wundern, dass sich unsere Gesellschaften noch immer mit vergleichsweisen Nebensächlichkeiten abgeben, statt sich um diese großen Fragen zu kümmern.” (Uwe Neuhold)
***
Erst sterben die Bienen, dann die Menschen?

Nachfolgende Dokumentation ("Die Bienen sterben aus!", Phönix) befasst sich mit einem rätselhaften Ausbleiben der Bienen, der unzureichenden Bestäubung von Nutzpflanzen und den möglichen Folgen für die Menschen.
Allein in Deutschland hat sich nach Angaben des Dt. Imkerbundes die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf heute 1,4 Million halbiert. 
Durch Varroamilben und Viren sind Bienen auf der ganzen Welt bedroht. Ihr Aussterben hätte für die gesamte Menschheit dramatische Folgen: Bienen sind ein zentrales Glied der Kette, die unser Überleben sicherstellt - von den 100 wichtigsten Nutzpflanzen der Welt werden mehr als 70 Prozent durch Bienenarten bestäubt. Mit anderen Worten: Ohne sie käme es zu dramatischen Nahrungsmittel-engpässen.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Kl. Historie des Zweifels (am Urknall / der Existenz Dunkler Energie)

Eigentlich glaubte, die gesamte Welt der Naturwissenschaften begeistere sich für den Urknall (als Singularität und daraus gefolgert als Anfang von Allem) - bis auf ein paar isolierte 'Abtrünnige' wie Martin Bojowald.
Tatsächlich sind die Befürworter einer anderen Kosmologie weitaus zahlreicher als von mir vermutet. Eines ist dabei zu beachten: dass unser Universum in seiner Entstehungsphase sehr viel kleiner war als heute und aus einem unvorstellbar winzigen Volumen heraus immer schneller expandiert ist, wird im allgemeinen nicht oft bezweifelt. Dagegen richten sich Einwände häufig gegen die Idee eines Anfangs von Raum und Zeit (die nach der Urknalltheorie 'vorher' nicht existiert haben sollen).

Mehr noch: eine Geschichte des Zweifels lässt sich verfolgen - nachfolgend einige Stationen daraus sind in nachfolgend aller Kürze aufgeführt.
Doch scheint das Ende der Urknall-Debatte in greifbare Nähe zu rücken, wenn seit kurzem sogar Stephen Hawking einräumt, dass die Mutmaßung eines singulären Anfangsereignisses nicht viel mehr als ein Hilfskonstrukt von Astrophysikern ist, die mit ihren bisherigen Berechnungsmethoden nicht über diesen Punkt hinausgelangen…

1950: Fred Hoyle entwickelt die „Steady-State-Theorie“

"Steady state“ bedeutet so viel wie gleichbleibender Zustand. Der Privatgelehrte Hoyle akzeptierte die Expansion des Universums. Zugleich glaubte er, es bestehe ewig - ohne Anfang. Infolge der fortwährenden Expansion müsste sich die Materie 'darin' jedoch extrem verdünnt haben, was offensichtlich aber nicht der Fall ist. Hoyle's These zufolge entsteht im All fortlaufend neue Materie aus sich selbst heraus - in genau der richtigen Menge, um die Expansion des Alls voranzutreiben und zugleich die Materiedichte darin in konstanter Dichte zu erhalten.
Übrigens stammt der Begriff „big bang“ ausgerechnet von Hoyle, der ihn 1950 in einer BBC-Radiosendung verwendete, um die These von der 'Urexplosion lächerlich' zu machen. Der Materialist Hoyle modifizierte seine eigene These zwar mehrfach, doch behielt er seine Grundhaltung gegen die Urknall-Theorie konsequent bei - aus philosophischen Erwägungen: Falls das Universum einen Anfang habe, dann setze dieser eine Ursache voraus, s.h. einen Schöpfer. Doch fundamentale Christen sind mit der Urknall-Theorie auch nicht besonders glücklich, denn die biblische Schöpfungsgeschichte schildert bekanntermaßen eine andere Abfolge der Anfänge von Erde und Menschen, auch was den zeitlichen Verlauf anbetrifft.


90er Jahre

Die Astronomen Wolfgang Priester und Hans-Joachim Blome ersetzten den Urknall in einem neuartigen Modell durch einen sanfteren Schöpfungsakt ('Urschwung'): Das Universum, habe als unendlich großer Raum seit ewigen Zeiten existiert. Materie gab es darin nicht, stattdessen war er von Quantenfeldern erfüllt. Sie bestehen aus reiner Energie und erreichen eine hohe Energiedichte.
Weil auch Energie eine Gravitationswirkung besitzt, ließ die Schwerkraft der Quantenfelder diesen Kosmos auf eine minimale Ausdehnung schrumpfen. Danach, in einer Art Rückprall, dehnte er sich jäh wieder aus. Dieser Moment war der Urschwung. Er leitete in das expandierende Universum über, in dem wir heute leben, wobei aus den ursprünglichen Quantenfeldern die Materie entstand.

2004: "Kein Urknall erschütterte das Universum":

Mit einem einem offenen Brief begründen Eric J. Lerner, der Mathematiker Michael Ibison, der Astrophysiker Halton Arp und 20 weitere Wissenschaftler im britischen Magazin „New Scientist“ ihre Forderung nach einer vorurteilsfreien Diskussionen und Forschung über die Geschichte des Universums und zu beobachtende Widersprüche der Urknalltheorie. Deren Dominanz beruhe eher auf einer Konventionen als auf wissenschaftlichen Methodik. Die Urknalltheorie basiert auf einer großen Anzahl hypothetischer Annahmen, die niemals beobachtet wurden - Aufblähung, geheimnisvolle Materie und dunkle Energie - Grund genug, in alle Richtungen weiter zu forschen.
Der Urknall selbst, jenes einzigartige Anfangsereignis, wurde auch nicht berechnet – dies ist auch nicht möglich, wenn man von einer Berechnung ein eindeutiges Resultat erwartet.

2006: Studie zur Hintergrundstrahlung wirft Zweifel auf Urknall-Theorie

Den bisherigen Annahmen zufolge ist die Hintergrundstrahlung Art Echo des Urknalls. Die russischen Wissenschaftler R. Sunyaev und Y. Zel'dovich hatten bereits 1969 vorausgesagt, dass freie Elektronen im Zentrum großer Galaxienhaufen die Hintergrundstrahlung ablenken würden. Dies sollte sich durch einen Energieverlust der letzteren bemerkbar machen - gewissermaßen ein Schatten in der allgegenwärtigen Hintergrundstrahlung. Die Untersuchung von 31 nahen Galaxienhaufen zeigte nur bei einigen von ihnen einen solchen Schatten, bei anderen war nichts dergleichen feststellbar - mögliches Fazit: Große Galaxienhaufen verzerren die Hintergrundstrahlung nicht – anders als es von der Urknalltheorie vorhergesagt wird.

 

2010: Zweifel an der Existenz Dunkler Materie ...

  • "Studie weckt massive Zweifel an Existenz Dunkler Materie
    Beobachtungen weisen darauf hin, dass es die rätselhafte Substanz nicht gibt. Die Autoren haben Beobachtungsdaten der Milchstraße und des  Andromedanebels mit den Vorhersagen der Theorie verglichen. Dabei sind sie auf fünf schwer zu erklärende Widersprüche gestoßen. Ihre Ergebnisse erscheinen in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift „Astronomy and Astrophysics“
    (-> Link) - mit möglicherweise weit reichende Implikationen: Eventuell müssen sowohl Newtons Gravitationstheorie als auch Einsteins allgemeine Relativitätstheorie modifiziert werden
Im derzeit allgemein vertretenen kosmologischen Modell bewirkte die Dunkle Materie, dass sich nach dem Urknall die 'normale' Materie verdichtet und Galaxien und Galaxienhaufen bildeten - eine Voraussetzung für die Entstehung von Sternen, Planeten, Monde usw.
Offenbar stimmt die Verteilung der Dunklen Materie - die nicht direkt sichtbar ist, sondern sich nur über ihre Schwerkraft verrät - in der Lokalen Gruppe nicht mit diesen Vorhersagen überein. Zwar hatten die Kosmologen gute Gründe für die hypothetische Einführung der Dunklen Materie, doch war es bislang weder möglich, deren Existenz noch ihre nachzuweisen. 

Debatte: dark matter in the spotlight
Am 18. November 2010 stand in Bonn das Konzept der "Dunklen Materie" zur Debatte. Die Astronomie-Professoren Simon White (Garching) und Pavel Kroupa (Bonn) trugen ihre Positionen vor. Prof. Dr. Hans Peter Nilles, Direktor des Bethe-Centers, moderierte die Veranstaltung. Hier erhalten Sie die Präsentationen der Disputanten. Argumente für und wider die Dunkle Materie wurden vorgetragen 
Kroupa hat die Existenz Dunkler Materie für das lokale Universum - also die Milchstraße und die hunderte von Galaxien in ihrer Nähe - ihrer Nähe untersucht. Er argumentiert, die dort gemachten Beobachtungen seien mit der Standardtheorie weitgehend unvereinbar. Das aktuelle kosmologische Weltbild - das Standardmodell der Kosmologie (→ Lambda-CDM-Modell; CDM steht für Cold Dark Matter) - sei damit nicht mehr haltbar, und die Physik stehe nun vor der großen Herausforderung, eine neue kosmologische Theorie zu entwickeln.Simon White hält dagegen, Dunkle Materie erkläre die weitaus meisten Beobachtungen im Universum hervorragend - angefangen von der struktur der Galaxienhaufen und Galaxien bis zu Temperaturschwankungen in der kosmischen Hintergrundstrahlung. Die Ablehnung des Konzeptes - und die dazu notwendige Modifikation der Newton'schen Gravitationsgesetze - ziehe dagegen viele Folgeprobleme nach sich.


"In this article we propose cosmological models that can explain the cosmic acceleration without introducing a cosmological constant into the standard Einstein field equation, negating the necessity for the existence of dark energy.
Das Universum hätte demnach weder Anfang noch Ende: Der Astrophysiker Wun-Yi Shu von der Tsing Hua Nationaluniversität in Taiwan hat soeben eine neue Beschreibung des Universums entwickelt, in dem Raum, Zeit sowie Masse und Länge auf kuriose Art verschränkt sind:
Raum und Zeit können ineinander umgewandelt werden, ebenso Masse und Länge. Beide Prozesse hängen von der Gravitationskonstante und der Lichtgeschwindigkeit ab - beide Naturkonstanten werden von Shus zu Variablen degradiert. Ein Universum mit diesem Eigenschaften würde ewig bestehen, hätte jedoch abwechselnde Perioden der Expansion und Kontraktion. Eine Urknallsingularität kommt in diesem mathematischen Modell nicht vor. Shus Theorie sagt voraus, dass das Licht von Sternenexplosionen mit einer bestimmten Rotverschiebung auf der Erde messbar sei - was den tatsächlichen Beobachtungen entspricht und als Hinweis gewertet wird, dass sich das Universum beschleunigt ausdehnt.

 

2011: Roger Penrose - Nach dem Urknall ist vor dem Urknall

Zunehmend steuern aufgeschlossene Naturwissenschaftler auf einen Kompromiss zu: in Modellen eines zyklisch expandierenden und implodierenden Universums bestreiten sie nicht mehr das Urknall-Ereignis an sich. Sie legen statt dessen dar, dieser Kollaps sei nicht der ultimative Anfang gewesen - denn davor habe bereits ein anderes Universum existiert, das ebenfalls einen Vorgänger gehabt haben soll...
Inzwischen ist die ursprüngliche Urknall-Theorie kein unantastbares Dogma mehr, denn eine wachsende Anzahl von Astrophysikern und Kosmologen betrachtet den Urknall nicht länger als Punkt Null der kosmischen Geschichte war, sondern als Durchgangsstadium...

2012 Sogar Stephen Hawking zweifelt am Urknall

(Ich bin nicht sicher, ob 2012 als Zeitangabe des Sinneswandels bei Stephen Hawking zutrifft.) Der Beitrag ‘Urknall -  Beginn der Welten’ von Wolgang Silvanus auf dem Onlineportal der Frankfurter Rundschau stammt aus Juni 2012; darin wird deutlich, wie auch die Rudelführer der Physiker-Gemeinde allmählich zu der Einsicht gelangen, dass sich auch der Urknall an physikalischen Gesetze halten müsse: Den Berechnungen nach müssten im Punkt Null jedoch Temperatur und Dichte unendlich hoch gewesen sein. Unendliche Größen im materiellen Universum ergeben keinen Sinn, weshalb die Wissenschaftler diese Singularität möglichst umgehen. Und wieder wurden neue Modelle in Erwägung gezogen:
“…daran beteiligte sich auch der britische Physiker und Kosmologe Stephen Hawking. Er lehnt die Urknall-Singularität ab, weil er glaubt, dass die Naturgesetze auch bei der Entstehung des Universums gegolten haben sollten. Eine Urexplosion ohne Ursache könne aber nur durch übernatürliche Kräfte ausgelöst worden sein. „Ein Schöpfungspunkt wäre ein Ort, an dem die Wissenschaft kollabiert. Man müsste die Religion und die Hand Gottes zu Hilfe nehmen“, konstatierte Hawking bei einem kosmologischen Kongress, den die Universität Cambridge Mitte Januar zu seinem 70. Geburtstag veranstaltete…”

Sonntag, 28. Oktober 2012

Kann sich das Universum selbst erschaffen?

“Wenn wir jedoch eine vollständige Theorie entdecken, dürfte sie nach einer gewissen Zeit ... für jedermann verständlich sein, nicht nur für eine Handvoll Spezialisten.
Dann werden wir uns alle – Philosophen, Naturwissenschaftler und Laien – mit der Frage auseinandersetzen können, warum es uns und das Universum gibt. Wenn wir die Antwort auf diese Frage fänden, wäre das der endgültige Triumph der menschlichen Vernunft – denn dann würden wir Gottes Plan kennen.”

Steven Hawking - Schlußsatz von 'Eine kurze Geschichte der Zeit'
Erstaunlich: im Gegensatz zu seiner heutigen Position scheute sich Hawking im Jahr 19881) noch nicht, von einem Plan Gottes zu sprechen.
Der Umstand, dass Astronomen fast täglich neue Exoplaneten entdecken und die Anzahl potenziell bewohnbarer Planeten inzwischen mit “unzählige” angegeben wird, wirft ein neues Licht auf die Frage nach der Entstehung von Leben.

Für Naturwissenschaftler, die ihrer Methodik folgend auf die Einbeziehung übernatürlicher Phänomene bei der Suche nach den Anfängen des Lebens verzichten (müssen), reicht ein “unwahrscheinlicher chemischer Zufall” als Modell für die Abiogenese oft aus. Natürlich sind sie bemüht, Einzelheiten über die Wirkungsweise dieses Zufallsgeschehens herauszufinden.


Doch selbst wenn Leben sich als Zufallsergebnis erweisen sollte (was ich schon für ausgeschlossen halte), bleibt die Frage nach dem Anfang von Allem (=des Universums) bestehen. Als Leben entstand, waren die Bausteine (Atome, Moleküle usw.) und Umgebungsvariablen (ein bewohnbarer Planet oder Mond, Wärme-und Strahlungsquellen usw..) schon lange existent.

Woher aber stammt die Materie, ohne die gemäß naturwissenschaftlicher Betrachtung auch kein Leben entstehen könnte? Noch so ein “unwahrscheinlicher Zufall”, versehen mit nebulösen Bezeichnungen wie Urknall oder "Anfangs-Singularität"?

So hätten jene es gerne, die beinahe gewaltsam eine Schöpfung ohne Schöpfer aufzeigen wollen.

Auf der Suche nach Erklärungen halte ich es für zweckmäßig, den Weg des verstandesmäßigen Ergründens bis an seine Grenzen zu verfolgen. An den Grenzen von Vernunft und Denken stoßen wir sicherlich auf Geheimnisse und Ungewissheiten; mit großer Wahrscheinlichkeit wird vernünftiges Denken von einem bestimmten Stadium an entweder durch irrationalen Glauben oder reinen Agnostizismus ersetzt werden.

Diese Überlegungen fasst Stephen Hawking in seinem Buch ‘Der große Entwurf’ zusammen. Er geht dabei von der Annahme aus, dass das Universum sich selbst erschaffen konnte – genauer gesagt eine ungeheuer große Vielzahl von Universen, unter denen eines war, dass einen lebensfreundlichen Satz Naturgesetze und -konstanten besaß.

Die Frage “Was war vor dem Urknall?” hat durchaus ihre Berechtigung, auch wenn der Mensch dieses Davor gegenwärtig noch nicht berechnen kann. Doch schon in der Antike konnten die alten Philosophen erörtern, ob ein Universum sich selbst erschaffen kann – aus dem Nichts sozusagen.


Ursachen, Wirkungen und ein Universum aus dem Nichts?

Wie erfolgreich unsere wissenschaftlichen Modelle auch sein mögen, stets enthalten sie gewisse Anfangsbedingungen. Beispielsweise setzt die Erklärung eines Phänomens im Rahmen der Physik die Gültigkeit der als gegeben angenommenen Naturgesetze voraus. Doch woher stammen diese Gesetze?

Um die Struktur zu erkennen, nach der Alles – Kosmos, Natur, Mensch, Bewusstsein… – funktioniert, wird man nach ihrem Ursprung suchen. Der so gennannte ‘Urknall’ ist dabei nicht mehr als ein vorläufiger Offenbarungseid, also das Eingeständnis, dass die Naturwissenschaft mit ihren bisher verfügbaren Modellen und Berechnungsweisen nicht über diesen Punkt hinauskommt.
Tatsächlich ist die Forschung noch nicht bis zu diesem Punkt vorgedrungen, sondern nur bis dicht davor…


Der Versuch, das Universum anhand ‘früherer kosmischer Zeiten’ zu erklären, führe in eine Sackgasse, wie u.a. Paul Davies feststellt: Selbst wenn der gegenwärtige Zustand des Weltalls durch seinen Zustand vor einer Milliarde Jahren erklärt werden könnte, werde das unbeantwortete Geheimnis nur um eine Milliarde Jahre in die Vergangenheit verschoben:
Dieser Zustand müsste durch einen noch früheren Zustand erklärt werden… und so weiter. Es bleibt bei dem Gedanken an eine ursprüngliche Ursache, die viele Menschen bis heute als wissenschaftlich nicht erklärbar, also übernatürlich erachten.
Dieses kosmologische Argument wurde oft als Beweis für die Existenz Gottes angeführt. Dabei wurde stillschweigend vorausgesetzt, dass das Universum einen Anfang hatte.


Fraglich ist, ob ein übernatürlicher Akt (“die erste aller Ursachen”) nötig ist, damit das Weltall beginnt. Alternativ müsste ein schon immer existierendes Universum sich zyklisch wiederholen…und zwar endlos (und wohl ohne substanziellen Fortschritt, der in umgekehrter Richtung einen Anfangspunkt bedingen würde). Oder es existiert ein Multiversum, dessen Gesamtsubstanz fortwährend neue Universen hervorbringt und alte Welten vergehen lässt wie zerplatzende Blasen auf einem Lava-See, nur 'um einiges' langsamer.


Für Davies geht die absolute Zyklizität mit einem deutlichen Fatalismus einher, der sich besonders in dem hinduistische System sehr langer Zyklen zeige, aber auch in den Kosmologien der Babylonier, Ägypter und Maja.
Dem stehe die jüdisch-christlichen Tradition gegenüber, nach der Gott die Welt zu einem bestimmten Augenblick willentlich erschaffen hat und diese sich seitdem entfaltet
(einschließlich einem feurig brodelnden Strafort namens Hölle, warum nur wird dieser unerfreuliche Part bei solch wertenden Vergleichen so gerne geschlabbert?).
“Diese Religionen sind deshalb durchdrungen von einem Gefühl für einen sinnvollen geschichtlichen Ablauf – Sündenfall, Bundesschluß, Fleischwerdung und Auferstehung, Wiederkehr –, der in krassem Gegensatz zur griechischen Vorstellung der ewigen Wiederkehr steht.”
Der jüdisch-christliche Schöpfungsglauben etwa geht von einer vollständigen Trennung und Unabhängigkeit des Schöpfers von seiner Schöpfung (=Transzendenz) aus. Unklar bleibt die Motivation Gottes im A.T., aus der heraus er die Schöpfung in Gang setzte. Ebenso lassen die beiden ersten Verse im Buch Genesis Raum für die Annahme, dass dem Tohu wabohu (‘Irrsal und Wirrsal’) ein anderer, geordneter Zustand vorausgegangen sei.
Ohne jetzt sehr weit in die theologischen Aspekte der Ursprungsfrage abzugleiten, teile ich die den Religionen gemeinsame Auffassung, dass Ursprung und Entwicklung von Allem ausdrücklich nicht (allein) dem Zufallsprinzip folgt, sondern einer bestimmten Ordnung und Zielgebung unterliegt.
Am Vorhandensein der Makrovolution ist kaum mehr zu rütteln, doch damit werden die Ursprungsfragen mE nicht 'ohne Gott' beantwortet... diese ganze Ursuppenschleim-Thesen als Grundlage einer der biologischen Evolution vorgeschalteten chemischen Evolution halte ich für so phantastisch wie die SciFi-Bücher von Arthur C. Ckark (die übrigens auf diesen Thesen von der spontanen Urzeugung bei geeigneten Bedingungen zurückgreifen).


Stephen Hawking hingegen erachtet spontane Erzeugung als Grund für das Universum als wahrscheinlich. Die Frage, was vor dem Urknall war, werde damit ebenso unsinnig wie die Frage, was südlich des Südpols liegt.
Mir erscheint diese Sichtweise wie die eines Einzellers, der niemals die Begrenztheit z.B. des Aquariums erfassen wird, in welchem er sich aufhält. Was sich außerhalb dessen befindet, ist für eine Mikrobe auch nicht relevant, sie wird nie dort hingelangen. Weil sie einen begrenzten Teil des Ganzen aus ihrer Perspektive für das All(es-was-ist) hält, wird sie das Wesen von Allem niemals erfassen, weder räumlich noch zeitlich noch sonstwie.

Uns Menschen, auch den Naturwissenschaftlern, ergeht es im Grunde doch nicht anders. Wir können nicht hinter die Grenzen des uns umgebenden Universums blicken. Resultierend sind alle menschlichen Schlussfolgerungen, Theorien und Modelle so perspektivisch begrenzt wie die des Einzellers – nur die Skala ist eine andere.

Macht man sich diesen Umstand bewusst, gelangt man m.E. zwangsläufig zu der Erkenntnis: wir können die Frage nach dem Ursprung von allem weder beantworten noch zeitlich einordnen. Die Wissenschaftsgeschichte erweist sich folgerichtig als Geschichte von Irrtümern und Neubewertungen – ich vermag keine Anzeichen zu erkennen, dass die gegenwärtige Physik mit Einstein, Hubble und Hawking erstmals letztgültige, unverrückbare Wahrheiten gefunden hat.
Hawking vertritt dagegen die Ansicht, dass Gott bei der Entstehung der Welt nicht beteiligt war. Sie habe sich nach den Gesetzen der Physik selbst erschaffen:
“Weil es die Gesetze der Schwerkraft gibt, hat sich das Universum aus dem Nichts selbst geschaffen.”
Wie wirkte sich die Schwerkraft auf das Nichts aus? Und Woher aber diese Gesetze stammen, verrät auch das ‘Genie unserer Zeit’ nicht. Lese ich Schlagzeilen wie “Hawking versetzt Gott den Gnadenstoß”, dann wachsen meine Bedenken, dass Selbstüberschätzung und Vermessenheit ein Grund dafür sein könnten, dass uns ‘wirkliche Wahrheiten’ weiterhin verborgen bleiben.
Jedem bewussten Individuum bleiben persönliche Überzeugungen unbenommen, die letztlich erfahrungsbedingt sind. Meine Erfahrung und das wenige an erworbenem Wissen zeigen mir, dass nicht Nichts aus Nichts entsteht:
“Setzt man die Logik und die bekannten Naturgesetze voraus, dann gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass im Universum aus Nichts etwas entstehen kann.” V. Dittmar
‘Übernatürliches’ war in der Vergangenheit oft das Resultat einer Projektion des Unverstandenen - der Erkenntnisgewinn der letzten 100 Jahre sollte uns inzwischen eigentlich davor bewahren, alles als ‘übernatürlich’ zu klassifizieren, was wir immer noch nicht verstanden haben. Ein stetiges Vermischen natürlicher und übernatürlicher Ursachen führt zu Verwirrung und Unsicherheit – auch wird man damit m.E. dem Schöpfer von Allem nicht gerecht, so es ihn denn gibt.
Die Installation des Prinzips von Ursache und Wirkung legt nahe, dass keine Gottheit dann und wann in die Naturgesetze eingreift. Solche Eingriffe würden dieses ‘System’ an sich infrage stellen – und sie hätten den Beigeschmack von Willkür (auch wenn dies von strenggläubigen Menschen anders aufgefasst wird).


Von der Kausalität mit vermeintlich absoluter Gewissheit auf einen Schöpfergott zu schließen, wäre gleichfalls inkonsequent und ’unlogisch’. Wir dürfen m.E. lediglich annehmen, dass es immer eine oder mehrere Ursachen gibt, die ihrerseits Kausalketten auslöst.-- 


Nun möchte ich versuchen, mich der Frage nach dem Ursprung von allem von einer anderen Seite etwas mehr anzunähern. Beantworten kann ich sie natürlich nicht, aber das war ja wohl klar. 😉


Die Natur der persönlichen Realität

…ein Themenwechsel, der keiner ist. Die naturwissenschaftliche Sicht schließt von ‘außen nach innen’, d.h. der naturalistisch denkende Mensch betrachtet sich als Produkt der ihn umgebenden Welt.
“Wir hegen eine mechanistische, deterministische Weltensicht, bestimmt und bestätigt durch uns umgebende Geschehnisse des Alltags.” S. Camejo

Was aber, wenn es genau umgekehrt wäre, d.h. wenn die äußere Welt ‘in Wahrheit’ als das Produkt unseres Geistes entstünde?


Alle Realitätsaspekte - Urknall, Universum, biologisches Leben und deren Ursprünge - ordnen sich dem Filterprinzip unter, durch das wir 'unsere' Wirklichkeit wahrnehmen bzw. projizieren. Wie also ist unsere persönlichen Realität beschaffen, wie kommt sie zustande?
Ein objektives Erkennen scheint diesbezüglich ausgeschlossen, auch wenn ‘äußere’ Wirklichkeitselemente mit wissenschaftlicher Akkuratesse beschrieben werden können.


Darüber hinaus kann es lediglich Wirklichkeitsmodelle geben, die eine unterschiedlich große Schnittmenge zu dem aufweisen, was jeder von uns als die eigene Wirklichkeit auffasst.


Eines dieser Modelle,für mich persönlich wohl das plausibelste und am ersten kohärente Realitätsmodell2), wird von Jane Roberts in ihren Büchern über SETH dargelegt. Als Einstieg sei das Buch "Gespräche mit Seth- von der ewigen Gültigkeit der Seele" empfohlen.

„Seth“ bezeichnet sich als „multidimensionaler Energiepersönlichkeitskern“, der die Folge menschlicher Inkarnationen durchlaufen habe und nun den Menschen von einer höhere Realität aus als Lehrer zur Verfügung stehe. Er, Seth, habe durch Jane Roberts als Medium mit anderen Menschen kommuniziert; er selbst sei nicht länger in der physischen Form zentriert. Im Gegensatz zu uns besitzt Seth keine physische Existenzform (d.h. keinen Körper) mehr, was er klar als Vorteil herausstellt. Doch auch wir Menschen seien nicht unser Körper, sondern komplexes Bewusstsein, das mittels mehrerer Körper verschiedene Erfahrung durchlaufe.


Ob man 'Seth' als eigenständiges Individuum oder vielleicht doch eher als Selbst- Projektion der Autorin betrachtet, ist von untergeordneter Bedeutung. Ich halte beides für denkbar. 

Von besonderem Interesse (für mich) ist dagegen die Beschaffenheit und Entstehung der persönlichen Realität, die 'Seth' als die seine beschreibt und von der er uns hoffnungsvoll ankündigt, jeder von uns befinde sich in einer Entwicklung, die uns auf seinen ‘Level’ führe. Laut Seth existiert eine Vielzahl von belebten Dimensionen (Parallelwelten?) nebeneinander:

“Es gibt ebensowenig nur eine Dimension, die von nichtphysischem Bewusstsein bewohnt ist, wie es auf eurem Planeten nur ein Land gibt oder nur einen Planeten in eurem Sonnensystem."
Wesentlich für das Verständnis von Seth’s Sichtweise ist der Ausgangspunkt, dass es keine objektive Realität gibt - außer der durch das Bewusstsein geschaffenen. Stets erzeuge das Bewusstsein die Form - und niemals umgekehrt.
Somit lasse sich Realität sehr wohl als ein bildhaftes Produkt des eigenen Geistes auffassen. Auch die Quantenmechanik liefert Ansätze zumindest dafür, dass ein Beobachter seine Realität (mit-)gestaltet. Bei näherem Interesse einfach mal im Web nach Quantenmechanik und Doppelspalt-Experiment suchen...

Falls wir Menschen unsere Realität tatsächlich selbst erschaffen, geschieht dies außerhalb dessen, was wir bewusst wahrnehmen und steuern. Wie das funktioniert? Seth liefert hierzu eine erstaunlich anschauliche Vorstellung:
"Unsere Gedankenmuster bringen unsere subjektive Realität hervor, indem unsere die materielle Wirklichkeit um uns herum als ein vollkommenes Abbild unserer inneren Wünsche und Gedanken erzeugt wird, freilich auf einer unbewussten Ebene. Gegenstände existieren danach nicht unabhängig von uns, sondern sie sind die Manifestationen (d.h. Materialisierungen) unseres eigenen Selbst."
Folglich ist es entgegen unserem üblichen Eindruck nicht die materielle Form, welche den Rahmen für Dauer und Beständigkeit vorgibt.
Der menschliche, physische Leib werde in jedem Augenblick von uns selber geschaffen – als direktes Ergebnis unser inneren Vorstellung von uns selbst. Bleibt die Vorstellung unverändert, was bei den meisten Menschen der Fall ist, entstehe auch kein Impuls zur Veränderung der Körperlichkeit. 
 

Wenn das wahr wäre…

Es ist offensichtlich, wie sehr diese Sicht der Wirklichkeit von unserer alltäglichen Wahrnehmung divergiert, laut der wir in eine äußere Wirklichkeit hineingeboren wurden, die wir weitgehend so hinnehmen müssen, wie sie nun mal ist. Leid und Freude, Krankheit und Tod, vielleicht sogar 'Glück oder Pech' fassen wir als Konstanten unserer Realität auf, in der uns nur ein keiner Gestaltungsspielraum zu bleiben scheint.


Die Konsequenzen wären weitreichend, würde sich herausstellen, dass Seth mit seiner Beschreibung der persönlichen Realität richtig liegt. In diesem Fall wären wir für alles, was uns widerfährt, in hohem Maße selbst verantwortlich.

Die eingangs erörterten Fragen nach dem Ursprung der materiellen Welt ließen sich innerhalb dieses Paradigmas beantworten – wenn auch auf völlig unerwartete Weise: ‘Seth’ formt die Bilder 
selbst (im schöpferischen Zusammenwirken mit anderen seiner Spezies), mit denen er sich jeweils zu umgeben wünscht - kann dies auch für uns Menschen zutreffen?
Das Bewusstsein als Ausgangspunkt von Allem würde in unserem Falle jedenfalls nicht zutreffen: falls wir unsere Realität selbst erschaffen, geschieht dies außerhalb dessen, was wir bewusst wahrnehmen und steuern.

Das schließt jedoch nicht aus, dass die gesamte von uns wahrgenommene Realität das Produkt eines Geistes ist – und genau hier kommt für mich persönlich wiederum Gott ins Spiel. Kann es sein, dass Gott – als Begriff eines schöpferischen und lehrenden Geistes – uns eine Sandbox zur Verfügung stellt, also Spielwiese, auf der wir lernen, reifen und uns weiterentwickeln sollen – bis wir vielleicht selbst imstande sind, unsere eigene Realität in unserem Bewusstsein entstehen zu lassen…?

Siehe auch

Mit den Ausführungen von Roberts bzw. ‘Seth’ habe ich mich an anderer Stelle etwas ausführlicher befasst:

Anmerkungen

  1. 1988 ist jedenfalls das Auflagejahr meines Exemplars des o.a. Buches
  2. Auch die Intention, die Roberts bzw. Seths Ausführungen erkennbar zugrunde liegt, ist für mich mitentscheidend, weshalb ich sie in mancher Hinsicht für richtungsweisend erachte:
"Ihr braucht daher den Tod nicht zu fürchten. Und ich, der ich mehr Tode gestorben bin, als mir zu erwähnen lieb ist, schreibe dieses Buch, um euch das zu sagen."

Mittwoch, 15. August 2012

Unerwartete Bereiche der Realität

Buchtipp: ‘Die verborgene Wirklichkeit’ von Brian Greene


Prof. Brian Greene hat in Harvard und Oxford studiert und lehrt seit 1996 Physik und Mathematik als Professor an der Columbia University (New York). Als Experte für String und Superstring-Theorien und Kenner hat u.a. die Bestseller „Das elegante Universum“ und „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“ (2004) verfasst. 


Brian Greene’s neues Buch ‘Die verborgene Wirklichkeit’ kommt mit dem Titelzusatz ‘Wir sind nicht allein’ daher. Hat sich der bekannte Autor populärwissenschaftlicher Bücher zu Kosmologie und Physik jetzt auch der wachsenden Gemeinde der UFO-Gläubigen angeschlossen? Kaum.

Die Erkenntnisse der Physik erfordern “bereits für sich genommen radikale Veränderungen an unserem Bild vom Kosmos”…: Raum, Zeit, Materie und Energie verfügen über ein Verhaltensrepertoire, das weit über unsere Alltagserfahrung hinausgeht.
Konkret geht es in diesem Buch primär darum, die wichtigsten wissenschaftlichen Konzepte über Paralleluniversen zu beschreiben und kritisch zu untersuchen.


Man darf sich die Frage stellen: ‘Was ist los in etablierten Physikerkreisen, wenn Stephen Hawking sich allmählich vom Urknall verabschiedet und Brian Green ernsthaft über Parallelwelten nachdenkt?’ Doch diese Öffnung weg vom einseitigen Wissenschaftsdogmatismus kann nur positiv bewertet werten…und wurde höchste Zeit.

Die Definition, was ein ‘eigenständiges Universen’ sei, bezeichnet Greene als schwierig; analog zur Pornographie lasse sich vereinfachend feststellen: “Wenn ich es sehe, weiß ich es.” Alles was im Weltraum existiert oder einen Einfluss auf uns hat, gehört dazu. Wir wissen nicht, wie es wirklich entstanden ist, woraus es besteht und wie es sich entwickeln wird. Ähnlich problematisch die Festlegung der Begrifflichkeit ‘Paralleluniversum’ – abstrahiert laute die zentrale Frage: 
Wird unsere konventionelle Vorstellung durch die Existenz von Bereichen in Frage gestellt, die nahelegen, dass das, was wir lange Zeit für das Universum gehalten haben, letztlich nur ein Bestandteil einer viel größeren, vielleicht auch viel seltsameren und größtenteils verborgenen Wirklichkeit ist?
Die Antwort scheint Ja zu lauten, jedenfalls haben Fortschritte in der Quantenphysik und Kosmologie sowie das Bemühen um eine Vereinheitlichte Theorie dazu geführt, dass Naturwissenschaftler heute über Formen von Paralleluniversen ernstlich nachdenken. Zählte der Begriff des Multiversums vor zehn Jahren zu den Lieblingskindern belächelter Mystiker mit esoterischem Touch, legen inzwischen manche Wissenschaftler in ihren Theorien, dass es unfassbar große Anzahl anderer Universen gibt, zu denen wir allerdings absolut keinen Zugang haben.
In seinem neuen Buch stellt Greene vor, wie parallele Welten entstanden und aufgebaut sein könnten.

Allerdings gehen Vorstellungen und Thesen über die Beschaffenheit paralleler Welten noch sehr weit auseinander. Der noch sehr spekulative Charakter solcher Überlegungen zeigt sich gerade an der Frage, ob Paralleluniversen wohl den gleichen Naturgesetzen unterliegen, die wir kennen – oder ob dort ein anderer Satz Regeln Gültigkeit besitzt. So lasse die Stringtheorie drei Varianten zu: das Branen-, das zyklische Universum und das Landschafts-Multiversum. Wie dem auch sei, eines scheint sich zu erhärten: Wir leben in einem von vielen Universen.

Schon Platon deutete in seinem Höhlengleichnis die Möglichkeit an, unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit könnte bloß ein schwacher Widerschein einer viel umfassenderen, komplexeren Realität sein. Mehr als nur eine Metapher?
Offenbar steht unser bisheriger Wissensstand vor einer erneuten Umwälzung.

Das neue Buch von Greene eignet sich durchaus für interessierte Laien. Diese benötigen, je nach Vorbildung und Wissensstand, Geduld und ein gewisses Durchhaltevermögen, damit diese Lektüre die erwarteten Einblicke in die mutmaßliche Beschaffenheit unserer Wirklichkeit erschließen kann.
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Brian Greene: Die verborgene Wirklichkeit. Paralleluniversen und die Gesetze des Kosmos.
übersetzt von Sebastian Vogel
Siedler Verlag, Berlin 2012 - 448 Seiten, 24,99 Euro

Dienstag, 14. August 2012

Der ‘Beweis’ biblischer Wahrheiten–ein religiöser Zirkelschluss?


Wann immer ich Artikel mit Tags wie ‘Gottesbeweis’ oder ‘Warum die Bibel 100% wahr ist’ entdecke, lese ich diesen meist mit recht großem Interesse. Besonders dann, wenn archäologische Ausgrabungen (vgl. Archäologie Palästinas) oder die Analyse alter Schriften (vgl. Qmran, Nag Hammadi) biblische Aussagen stützen sollen.
Es kommt aber vereinzelt vor, dass ich nach dem ersten Drittel entnervt aufgebe – wenn die vorgefundene Argumentation einen typischen Zirkelschluss aufweist und sinngemäß nur erklärt: 'Die Bibel ist das Wort Gottes - sie ist wahr, weil in der Bibel steht, dass sie wahr ist.'
Bibeltreue Christen vertreten offensiv ihren Anspruch, dass die vollständige Bibel ausnahmslos von Gott inspiriert sei. Als Beweis hierfür zitieren sie gerne Bibelpassagen (z.B. Worte Jesu), die eben dies ausdrücken sollen. Unterstützend werden tausende Prophetien angeführt, die sich vorgeblich erfüllt haben.


Ein Zirkelschluss oder Zirkelbeweis ist ein “Beweisfehler, bei dem die beweisenden Behauptungen das erst noch zu Beweisende schon enthalten.”

Diese Art der Argumentation beruht darauf, dass man etwas als wahr annimmt (= eine noch beweisbedürftige Prämisse aufstellt) und diese noch unbewiesene Aussage selbst als Voraussetzung einsetzt, um damit weitere Aussagen als offensichtlich wahr darzustellen.
In eine geschickten Argumentationsketten kann dieser Selbstbezug auch über mehrere Stufen erfolgen, sodass der Zirkelschluss nicht (sofort) offensichtlich wird und mitunter schwer zu entdecken ist.


Wird der fehlerhafter Charakter einer solchen Beweisführung dann offen gelegt, schädigt er nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit dessen, was bewiesen werden sollte – eigentlich ist dies ebenso unschlüssig wie der Zirkelschluss an sich. Mit anderen Worten: Eine unzulässige Beweisführung kann ebensowenig belegen, dass die Bibel unwahr sei.


Montag, 6. Februar 2012

Illusionen zwischen Wissenschaft und Glaube

Glaube denen, die die Wahrheit suchen,

und zweifle an denen, die die Wahrheit gefunden.

Andre Gide



Ist damit nicht schon alles gesagt? Na ja, zumindest liegt in dem o.a. Zitat ein wie ich meine wichtiger Ratschlag. Menschen sind fehlbar, sie lernen ein Leben lang und ändern ihre Perspektive häufig - nicht immer um 180 Grad, doch kommen auf dem langen Weg der Wahrheitssuche stets neue Mosaiksteine des Wissens und Erahnens hinzu und erweitern den subjektiven Horizont ein wenig mehr...


 So sollte es zumindest sein. Wer dagegen meint, erleuchtet zu sein - oder noch schlimmer: wer weiß, dass er es nicht ist, aber ein bewusstes Täuschungsmanöver vollführt, führt kaum Gutes im Schilde. Spiegelbildlich begegnen wir Wissenschaftlern, die jede Demut und Bescheidenheit aufgegeben haben und sich einbilden, nicht einen kleinen Teil des gegenwärtigen Wissensstandes zu repräsentieren, sondern zu wissen. Endgültig, final, Schluss, aus, basta ...das ist jetzt so und bleibt auch so.


Realitätsverlust eben, den man für harmlos halten könnte, wenn sich nicht eine wachsende Anhängerschar um solche Gestalten versammeln würde - "Erlöser", "Meister" oder "Führer" jauchzend und von da an mitgefangen in deren Stillstand.




Jedem von ihnen würde ich gerne empfehlen, das Buch 'Illusionen' von Richard Bach zu lesen, doch die meisten von ihnen würden überlegen lächelnd abwinken, denn sie haben ja entschieden: 'Meine Suche ist am Ende!' Möglich, aber wird sie jemals ans Ziel führen? Manche Erzählungen sind offensichtlich zeitlos...



..."Der Meister glaubte, daß es jedermann guttäte, sich für einen Sohn Gottes zu halten, und weil er dies glaubte, wurde es wahr, und die Werkstätten und Garagen in denen er arbeitete, waren bald überfüllt von jenen, die seine Lehren suchten und ihn berühren wollten, und auch die Straßen waren erfüllt von jenen die da hofften, daß sein Schatten im Vorübergehen auf sie fallen möge und damit ihr Leben ändere.
Und es begab sich, daß sich solche Scharen versammelten, daß die verschiedenen Vorarbeiter und Werkstätteninhaber den Meister baten, seine Werkzeuge abzugeben und seines Weges zu ziehen, denn es hatte sich die Menge so dicht um ihn geschart, daß weder er noch die anderen Mechaniker an ihren Autos arbeiten konnten. So geschah es, daß er sich aufs Land begab, wo ihn die Menschen, die ihm folgten bald den Messias und Wundertäter nannten; und weil sie es glaubten, war es so.
Ging ein Gewitter nieder, während er sprach, netzte kein Tropfen Regen das Haupt eines einzigen Zuhörers; und die letzten der Menge hörten seine Wore so deulich wie die ersten, gleichgültig, ob es am Himmel blitzte oder donnerte. Und stets sprach er zu ihnen in Gleichnissen. Und er sprach zu ihnen: "In einem jeden von uns wohnt die Macht, sich für ein gesundes oder ein sieches, ein reiches, oder ein armes, ein Leben in Freiheit oder Sklaverei zu entscheiden. Wir selbst sind es, die daüber bestimmen - und niemand sonst.« Ein Mühlenarbeiter sprach zu ihm: "Ihr habt gut reden, Meister, denn Ihr werdet gelenkt, wir dagegen nicht. Ihr braucht nicht zu schuften wie wir. In dieser unserer Welt muß man für seinen Lebensunterhalt arbeiten." Der Meister antwortete und sprach:


'Es gab einmal eine Ansiedlung von Geschöpfen am Gunde eines großen, kristallklaren Flusses. Die Strömung des Flusses ging ruhig über alle hinweg - einerlei, ob jung oder alt, reich oder arm, gut oder böse: Die Strömung ging ihren eigenen Weg, denn sie kannte nur ihr eigenes kristallklares Selbst. Jedes Geschöpf klammerte sich in der ihm eigenen Weise fest an die Zweige und Steine im Flußbett, denn ihre Art zu leben bedeutete Sichfesthalten; von Geburt an hatte man ihnen beigebracht, der Strömung zu widerstehen. Aber unter ihnen gab es ein Geschöpf, das eines Tages sagte: "Ich habe es satt, mich immer festzuhalten! Ich kann es zwar nicht mit meinen Augen sehen, aber ich vertraue trotzdem darauf, daß die Strömung weiß, wohin es geht. Ich werde loslassen damit mich das Wasser forttragen kann, wohin es will; denn wenn ich mich weiter festhalte, werde ich vor Langeweile sterben." 

Die anderen Geschöpfe lachten und sagten: "Du Narr! Laß nur los, und du wirst sehen, wie die Strömung, die du so verehrst, dich packen und auf die Felsen schmettern wird, und du wirst schneller daran sterben als vor Langeweile!" Aber dieses eine Geschöpf hörte nicht auf sie: Es holte einmal tief Luft und ließ los und wurde sofort herumgewirbelt und von der Strömung gegen die Felsen geschmettert.
Aber noch rechtzeitig trug die Strömung das Geschöpf, das sich nicht mehr festhalten wollte, vom Grunde des Flusses frei, und es wurde nicht länger zerschunden oder verletzt. Und all die Geschöpfe, die sich stromabwärts angesiedelt hatten und die es nicht kannten, riefen: "Sehet, ein Wunder! Ein Geschöpf wie wir, und doch fliegt es! Seht, der Messias ist gekommen uns alle zu erlösen!". 

Und der, den die Strömung getragen hatte, sagte: "Ich bin nicht mehr der Messias als ihr auch. Der Fluß tut nichts lieber, als uns zu befreien, wenn wir nur den Mut aufbringen loszulassen Unsere wahre Aufgabe ist diese Reise, ist dieses Abenteuer. Aber sie riefen nur um so lauter: "Erlöser!" und klammerten sich dabei an die Felsen, und ehe sie sich’s versahen, war er gegangen, und sie blieben allein zurück und spannen ihre Legenden von einem Erlöser.'

Und als er erkannte, wie sich täglich eine immer größere Schar um ihn versammele, wie sie ihn enger und heftiger denn je bedrängte und ihn anflehte, daß er sie ohne Unterlaß heilen und immer wieder mit seinen Wundertaten füttern möge, für sie zu lernen und für sie zu leben, stieg er an jenem Tage allein auf einen abgelegenen Berg hinauf; und dort betete er.Und in seinem Herzen sprach er: "Unendliches, strahlendes Sein, wenn es dein Wille ist, so laß diesen Kelch an mir vorübergehen, laß mich diese unmögliche Aufgabe beiseite legen. Ich vermag es nicht, das Leben auch nur einer einzigen anderen Seele zu leben, dennoch rufen Zehntausend mich darum an. Es tut mir leid, daß ich es habe soweit kommen lassen. Wenn es dein Wille ist, dann laß mich zu meinen Motoren und Werkzeugen zurückkehren und laß mich leben wie jeder andere Mensch."
Und eine Stimme sprach zu ihm auf dem Berg, eine Stimme, die weder männlich noch weiblich, weder laut noch leise war. Und diese Stimme sprach zu ihm: "Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe; denn dein Wille ist auch der meine. Geh deines Weges wie die anderen Menschen und werde glücklich auf dieser Erde." Und als er dies vernahm, frohlockte der Meister, bedankte sich und summte ein kleines Mechanikerlied, während er von dem Berg hinabstieg. 
Und als das Volk ihn wieder umringte und bestürmte und ihm von seinen Kümmernissen berichtete und ihn anflehte, es zu heilen und ohne aufzuhören mit den Früchten seiner Erkenntnisse zu füttern und mit seinen Wundertaten zu unterhalen, lächelte er der Menge freundlich zu und sagte: 
"Ich höre auf."

(aus: 'Illusionen' von Richard Bach)