Die Natur der persönlichen Realität
…ein Themenwechsel, der keiner ist. Die naturwissenschaftliche Sicht schließt von ‘außen nach innen’, d.h. der naturalistisch denkende Mensch betrachtet sich als Produkt der ihn umgebenden Welt.
“Wir hegen eine mechanistische, deterministische Weltensicht, bestimmt und bestätigt durch uns umgebende Geschehnisse des Alltags.” S. Camejo
Was aber, wenn es genau umgekehrt wäre, d.h. wenn die äußere Welt ‘in Wahrheit’ als das Produkt unseres Geistes entstünde?
Alle Realitätsaspekte - Urknall, Universum, biologisches Leben und deren Ursprünge - ordnen sich dem Filterprinzip unter, durch das wir 'unsere' Wirklichkeit wahrnehmen bzw. projizieren. Wie also ist unsere persönlichen Realität beschaffen, wie kommt sie zustande?
Ein objektives Erkennen scheint diesbezüglich ausgeschlossen, auch wenn ‘äußere’ Wirklichkeitselemente mit wissenschaftlicher Akkuratesse beschrieben werden können.
Darüber hinaus kann es lediglich Wirklichkeitsmodelle geben, die eine unterschiedlich große Schnittmenge zu dem aufweisen, was jeder von uns als die eigene Wirklichkeit auffasst.
Eines dieser Modelle,für mich persönlich wohl das plausibelste und am ersten kohärente Realitätsmodell2), wird von Jane Roberts in ihren Büchern über SETH dargelegt. Als Einstieg sei das Buch "Gespräche mit Seth- von der ewigen Gültigkeit der Seele" empfohlen.
„Seth“ bezeichnet sich als „multidimensionaler Energiepersönlichkeitskern“, der die Folge menschlicher Inkarnationen durchlaufen habe und nun den Menschen von einer höhere Realität aus als Lehrer zur Verfügung stehe. Er, Seth, habe durch Jane Roberts als Medium mit anderen Menschen kommuniziert; er selbst sei nicht länger in der physischen Form zentriert. Im Gegensatz zu uns besitzt Seth keine physische Existenzform (d.h. keinen Körper) mehr, was er klar als Vorteil herausstellt. Doch auch wir Menschen seien nicht unser Körper, sondern komplexes Bewusstsein, das mittels mehrerer Körper verschiedene Erfahrung durchlaufe.
Ob man 'Seth' als eigenständiges Individuum oder vielleicht doch eher als Selbst- Projektion der Autorin betrachtet, ist von untergeordneter Bedeutung. Ich halte beides für denkbar.
Von besonderem Interesse (für mich) ist dagegen die Beschaffenheit und Entstehung der persönlichen Realität, die 'Seth' als die seine beschreibt und von der er uns hoffnungsvoll ankündigt, jeder von uns befinde sich in einer Entwicklung, die uns auf seinen ‘Level’ führe. Laut Seth existiert eine Vielzahl von belebten Dimensionen (Parallelwelten?) nebeneinander:
“Es gibt ebensowenig nur eine Dimension, die von nichtphysischem Bewusstsein bewohnt ist, wie es auf eurem Planeten nur ein Land gibt oder nur einen Planeten in eurem Sonnensystem."
Wesentlich für das Verständnis von Seth’s Sichtweise ist der Ausgangspunkt, dass es keine objektive Realität gibt - außer der durch das Bewusstsein geschaffenen. Stets erzeuge das Bewusstsein die Form - und niemals umgekehrt.
Somit lasse sich Realität sehr wohl als ein bildhaftes Produkt des eigenen Geistes auffassen. Auch die Quantenmechanik liefert Ansätze zumindest dafür, dass ein Beobachter seine Realität (mit-)gestaltet. Bei näherem Interesse einfach mal im Web nach Quantenmechanik und Doppelspalt-Experiment suchen...
Falls wir Menschen unsere Realität tatsächlich selbst erschaffen, geschieht dies außerhalb dessen, was wir bewusst wahrnehmen und steuern. Wie das funktioniert? Seth liefert hierzu eine erstaunlich anschauliche Vorstellung:
"Unsere Gedankenmuster bringen unsere subjektive Realität hervor, indem unsere die materielle Wirklichkeit um uns herum als ein vollkommenes Abbild unserer inneren Wünsche und Gedanken erzeugt wird, freilich auf einer unbewussten Ebene. Gegenstände existieren danach nicht unabhängig von uns, sondern sie sind die Manifestationen (d.h. Materialisierungen) unseres eigenen Selbst."
Folglich ist es entgegen unserem üblichen Eindruck nicht die materielle Form, welche den Rahmen für Dauer und Beständigkeit vorgibt.
Der menschliche, physische Leib werde in jedem Augenblick von uns selber geschaffen – als direktes Ergebnis unser inneren Vorstellung von uns selbst. Bleibt die Vorstellung unverändert, was bei den meisten Menschen der Fall ist, entstehe auch kein Impuls zur Veränderung der Körperlichkeit.
Wenn das wahr wäre…
Es ist offensichtlich, wie sehr diese Sicht der Wirklichkeit von unserer alltäglichen Wahrnehmung divergiert, laut der wir in eine äußere Wirklichkeit hineingeboren wurden, die wir weitgehend so hinnehmen müssen, wie sie nun mal ist. Leid und Freude, Krankheit und Tod, vielleicht sogar 'Glück oder Pech' fassen wir als Konstanten unserer Realität auf, in der uns nur ein keiner Gestaltungsspielraum zu bleiben scheint.
Die Konsequenzen wären weitreichend, würde sich herausstellen, dass Seth mit seiner Beschreibung der persönlichen Realität richtig liegt. In diesem Fall wären wir für alles, was uns widerfährt, in hohem Maße selbst verantwortlich.
Die eingangs erörterten Fragen nach dem Ursprung der materiellen Welt ließen sich innerhalb dieses Paradigmas beantworten – wenn auch auf völlig unerwartete Weise: ‘Seth’ formt die Bilder selbst (im schöpferischen Zusammenwirken mit anderen seiner Spezies), mit denen er sich jeweils zu umgeben wünscht - kann dies auch für uns Menschen zutreffen?
Das Bewusstsein als Ausgangspunkt von Allem würde in unserem Falle jedenfalls nicht zutreffen: falls wir unsere Realität selbst erschaffen, geschieht dies außerhalb dessen, was wir bewusst wahrnehmen und steuern.
Das schließt jedoch nicht aus, dass die gesamte von uns wahrgenommene Realität das Produkt eines Geistes ist – und genau hier kommt für mich persönlich wiederum Gott ins Spiel. Kann es sein, dass Gott – als Begriff eines schöpferischen und lehrenden Geistes – uns eine Sandbox zur Verfügung stellt, also Spielwiese, auf der wir lernen, reifen und uns weiterentwickeln sollen – bis wir vielleicht selbst imstande sind, unsere eigene Realität in unserem Bewusstsein entstehen zu lassen…?
Siehe auch
Mit den Ausführungen von Roberts bzw. ‘Seth’ habe ich mich an anderer Stelle etwas ausführlicher befasst:
Anmerkungen
- 1988 ist jedenfalls das Auflagejahr meines Exemplars des o.a. Buches
- Auch die Intention, die Roberts bzw. Seths Ausführungen erkennbar zugrunde liegt, ist für mich mitentscheidend, weshalb ich sie in mancher Hinsicht für richtungsweisend erachte:
"Ihr braucht daher den Tod nicht zu fürchten. Und ich, der ich mehr Tode gestorben bin, als mir zu erwähnen lieb ist, schreibe dieses Buch, um euch das zu sagen."