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Sonntag, 17. April 2016

Earth calling E.T. - Sind wir alleine im Universum? Und was, wenn nicht?

Gerade in Bezug auf die Frage nach der Möglich-/Wahrscheinlichkeit extraterristischen Lebens fällt es ungemein schwer, die Fülle der verfügbaren 'Informationen' - von naturwissenschaftlich fundierten Überlegungen über gewagt-spekulative Thesen bis hin zu abstrusen Phantasiekonstrukten (die freilich als "Wahrheit" ausgegeben werden und zur gesteigerten Verwirrung vieler beitragen) - zu selektieren: Was halte ich für möglich? Was lehne ich als zu weit hergeholt ab?

Eine subjektive Grenze ziehe ich für mich jeweils dort, wo Behauptungen aufgestellt, aber nicht plausibel begründet werden. Ein Beispiel: Im Web finden sich zahlreiche 'Zeugenaussagen', nach denen im Inneren der Erde eine fortgeschrittene Alien-Zivilisation beheimatet ist. (Stichwort: "Lacerta"-Dokumente, bei Interesse zeigt jede Suchmaschine etliche Treffer dazu)

Andererseits, persönlich bin ich überzeugt: es kann nur so so sein: Die Natur (und damit das gesamte Universum) betreibt keine Verschwendung. Und seit 1997 wissen wir: 

"Wenn wir die Einzigen sind, ist das 'ne ziemliche Platzverschwendung."
Im US-Film 'Contact'  prägt dieser Satz ihres Vaters die Wissenschaftlerin Ellie Arroway seit ihrer Kindheit. Die schiere Größe des Universums sowie die gewaltige Anzahl von Galaxien und erdähnlichen Planeten lassen die Vermutung zu, dass da noch jemand ist (oder war). 
Was freilich nicht bedeutet. deswegen jeder spekulativen Aussage anzuhängen: Bücher und Filme über "Aliens auf dem Mond" sind nach wie vor weit verbreitet und erfreuen sich bis heute einer für mich überraschenden Beliebtheit. Dabei handelt es sich nicht um versteckt lebende Mikroben (was auch nicht wahrscheinlich ist) sondern angeblich um eine/mehrere technologisch sehr fortgeschrittene Spezies...notwendigerweise, denn auf 'unseren' Mond müssten 'sie' ihre Lebensgrundlagen mitbringen; schließlich gibt es dort nichts, also kein organisches Material.

Spinnt man diese Überlegung noch ein wenig weiter, gelangt man zu der Frage: was wollen sie fort nur? Tja, genau diese Frage eröffnet genug Raum für ausufernde Spekulationen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden - solange eine subjektive Vermutung auch als solche bezeichnet wird. 


  • Eine Discovery-Dokumentation versucht, der Fragestellung "Was haben Astronauten auf der Mondoberfläche noch entdeckt?" mit einiger Ernsthaftigkeit nachzugehen bzw. diesen Anschein zu erwecken: Rhetorisch distanziert werden alte und neue Verschwörungsthesen aufgeworfen - und nach einigem Hin und Her widerlegt oder der Interpretation von Naturwissenschaftlern gegenüber gestellt. Das Ganze wird eingerahmt mit vorwiegend unscharf-verschwommenen Fotos und Filmausschnitten, auf denen man alles und nichts ausmachen kann. Offenbar besteht eine konstante Nachfrage nach derartigen BILDzeitungsmäßigen 'Dokumentationen'. Deren Wert, gemessen an Wissensvermittlung und ihrem Gehalt an verwertbarer, gesicherter Information, darf jedoch hinterfragt werden.-
  • Die durchgehend ärmliche Bildqualität ist auch der Grund, weshalb ich mit den allermeisten UFO-Sichtungen wenig anzufangen weiß. Nicht pauschale Ablehnung ist hier angezeigt - wer bin ich, mitunter Hunderten von Augenzeugen Einbildung oder kollektive Wahnvorstellungen zu unterstellen? Wäre ich persönlich anwesend gewesen, hätte mich das Gesehene möglicherweise auch überzeugt. So aber bleibt nur ein Achselzucken.
  • Daneben finden sich zahllose Nachrichten, dem Muster "Ausserirdischer spricht live im TV" folgend. Hier zeigt sich, wie um einen wahren Kern (im vorliegenden Fall der sog. "Vrillon-Botschaft" fand nachweislich eine unbefugte Überlagerung einer TV-Sendung im Jahr 1977 durch eine verbale Warn-Botschaft unklarer Herkunft statt) je nach Ausrichtung der zitierenden Webseiten wiederum wilde Schlussfolgerungen und Interpretationen angeordnet werden.
    Recht offensichtlich wird dabei, wie die Realität dem jeweiligen Wunschdenken angepasst und untergeordnet werden soll: Es wird einfach so getan, als sei die Frage "Fake oder außerirdischer Kontakt?" zugunsten der Aliens beantwortet und bewiesen - was eindeutig nicht zutreffend ist. Unklar ist immerhin bis heute, wie es damals Hackern gelungen sein könnte, gleich 5 Sendestationen zu übernehmen und ihr eigenes Signal einzuspeisen - dies habe ein außerordentlich großes Knowhow erfordert. Okay, aber sind TV-kompatible Aliens mit synthetischer Stimme deshalb wahrscheinlicher als ein hochqualifizierter Piratensender??
Solche Ereignisse verleiten meiner Ansicht nach dazu, sich mit Nebensächlichkeiten (und womöglich einem fiesen Scherz) zu verzetteln - anstatt den Blick auf relevante/reale Fragen zu richten. Womit aber sollte man sich eingehender befassen? Darauf lässt sich sicherlich keine allgemein gültige Antwort geben, aber: Eine kurze Web-Recherche zeigt schon, wer ein bestimmtes Vorkommnis aufgreift - und wer nicht. 

  • Beispielsweise wird das ebenfalls ungeklärte WOW-Signal (ebenfalls aus dem Jahr 1977, etwa ein Monat vor der o.a. Vrillon-Botschaft) in etlichen Wissenschaftsforen diskutiert und auch von Kosmologen erörtert, obgleich seine Aufzeichnung im Rahmen eines SETI-Projektes erfolgte. 
    Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um ein interstellares Signal handelt, wird als außerordentlich hoch eingeschätzt - was freilich noch keine Aussage in Bezug auf seine Urheberschaft beinhaltet. (Im Rahmen der ZDF-Dokumentation
    Aliens – Mythos und Wahrheit (2010) erklärt Prof. Harald Lesch, das Wow!-Signal zeige alle Kennzeichen eines interstellaren Kommunikationsversuchs, könne aber auch ein gigantischer Ausbruch eines Pulsars gewesen sein. Eine Hörprobe findet man z.B. hier.)
WOW-Signal: Scan des namensgebenden Dokuments 

Zugleich erschweren die Ausmaße des Universums und resultierende Entfernungen es uns, Gewissheit in der Ausgangsfrage zu erhalten: Durchaus könnten weit, weit entfernt von unserer Erde weitere Zivilisationen existieren ohne jemals von uns nachgewiesen zu werden. Ein Kontakt, d.h. Interaktion, erscheint erst recht unwahrscheinlich - zumindest ausgehend von unserem derzeitigen technologischen Potenzial.

Insoweit liegt es nahe, wenn NASA, ESA et.al. ihre Suche auf das eigene Sonnensystem fokussieren. Der Titel "Phänomenale Entdeckungen" ist irreführend; eher zeichnet die u.a. Dokumentation ein klares Bild gegenwärtiger Forschungsmissionen und davon erhoffter Erkenntnisse. "Phänomenal" ist das weniger, aber meiner Ansicht nach doch interessant.-


Dokumentation zur Suche im Sonnensystem nach Leben  





Man umgeht das Entfernungsproblem (für uns) natürlich, indem man unterstellt, die Aliens seien schon hier...mitten unter uns, gut getarnt oder verborgen. Oder sie hätten die Erde vor Jahrtausenden besucht und seien von unseren Vorfahren als Gottheiten verehrt worden. Unermüdlich ist Erich v. Däniken bemüht, uns ihre Hinterlassenschaften zu präsentieren. Und die Entfernung von daheim? Naja, sie hätten halt riesige Generationen-Raumschiffe eingesetzt, was sie habe unabhängig von der Lebensdauer einer einzelnen Besatzung werden lassen: In solchen Raumschiffen sei das vollständige Leben fortgesetzt worden, einschließlich der Zeugung und Aufzucht von Folgegenerationen.

Ganz auszuschließen ist diese Möglichkeit nicht - neben etlichen Science-Fiction-Autoren haben auch Wissenschaftler darüber spekuliert - und mehrere Detailfragen noch zu beantworten sind: Wie viele Individuen müssten die Reise antreten, um über einen ausreichend großen Genpool zu verfügen und eine genetische Verarmung ("Inzucht") über mehrere Generationen zu vermeiden? Für uns Menschen würden sich hierfür mindestens eintausend Besatzungsmitglieder entscheiden müssen, den Rest ihres Lebens in einem Raumschiff zu verbringen.
Abgesehen von der Motivationsfrage (vielleicht ticken die Aliens da aber völlig anders?) würde das Jahrhunderte währende Vorhaben gewaltige Mengen an Ressourcen und Treibstoff erfordern - hier kann unterstellt werden, die fortgeschrittenere Alien-Technologie biete geeignete Lösungen. Für uns unvollkommene ist eine Reise mit einem Generationen-Raumschiff allenfalls "als Freiwilligenprojekt von Idealisten denkbar". Deren Kinder wären freilich gezwungen, den eingeschränkten Lebensentwurf ihrer Eltern zu teilen. (Vgl. "Interstellare Reise: Pentagon plant Jahrhundert-Raumschiff", SPIEGEL 06/2011)


Ein Handbuch für Außerirdische

Es könnte jedoch der Fall eintreten, dass wir Erdlinge gefunden werden ...von Aliens, die technologisch weiter sind und es dabei geschafft haben, sich nicht selber zugrunde zu richten.
Stellen Sie sich folgendes vor: Als intergalaktischer Reisender sind auf einem kleinen Planeten irgendwo in einer entfernten Galaxie gelandet. "Dieser Planet hat eine Sonne, einen Mond ...und ist im ganzen Kosmos als Wiege der Bürokratie bekannt. Außerdem ist dort der Fernseher Mittelpunkt jeglichen Geschehens."
Für solche Ausnahmesituationen hat Serena Gray ihr unbedingt lesenswertes "Handbuch für Außerirdische" verfasst. Da einige besonders helle(?) Geister nicht nur nach E.T. suchen, sondern die Aliens unbedingt auf uns Erdlinge aufmerksam werden lassen wollen, ist ein Blick in dieses Handbuch vielleicht keine so schlechte Idee.
„Der augenfälligste Unterschied zwischen der Erde und anderen Planeten liegt nicht in ihrer physischen Struktur. Was hat es schon zu sagen, wenn man nur eine Sonne und einen Mond hat?“
Nun ja, eigentlich hat diese Konstellation wesentliche Bedeutung (für uns):
Wie der Naturwissenschaftler und Verfasser normalbürger-gerechter Bücher Ben Moore ("Da draußen - Leben auf der Erde und anderswo") darlegt, verdanken die Erde und sämtliche auf ihr befindlichen Lebewesen der engen Verbindung zum Mond so einiges: vor allem Stabilität. Okay, eine Ausnahme bilden vielleicht die Bärtierchen: diesen Überlebenskünstlern1) wäre es vermutlich egal, wenn die Erdachse alle paar Millionen Jahre in eine andere Richtung zeigen würde.-


Das Bärtierchen Hypsibius dujardini (kein Alien!)

Hätte ein leidlich intelligentes Alien vor 5 Millionen Jahren diesen wundervollen Planeten besucht und käme er heute nochmals vorbei, gingen seine Überlegungen wohl in diese Richtung:
"Welches Potential die Erde doch hatte! Welche atemberaubenden Möglichkeiten!"
Alles war gut. Fast alles passte zusammen. Und war ziemlich elegant aufeinander abgestimmt: In der guten alten Zeit herrschte auf diesem Planeten eine gewisse Symmetrie und ein gewisses Gleichgewicht.
Doch leider habe "der Schöpfer" den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören nicht erkannt: Allzu rasch nach seinem erstmaligen Auftauchen wandelte sich der Mensch zur dominierenden Spezies.
Das alleine wäre noch nichts außergewöhnlich Schlechtes; irgendwer muss schließlich an der Spitze der Nahrungskette stehen ...und die Dinosaurier hatten dies nur für wenige Millionen Jahre geschafft (also nur zig mal länger als wir bislang). Die neue, absonderliche 'Krone der Schöpfung' gebärdet sich weitaus destruktiver, als dies zum Überleben in einer gewissen Behaglichkeitszone nötig wäre:
 Nun "hängt das Schicksal der Erde davon ab, was der Mensch will oder glaubt zu wollen, davon, wann er es will und wie er seinen Willen durchsetzt."
Dieses unverständliche Chaos habe zum Rückgang der touristischen Beliebtheit der Erde (für reisefreudige Aliens) geführt. Trotzdem, die unwissenden Menschen sind nach wie vor "besessen von dem Gedanken, alle Bewohner des Universums wünschten seit Billionen von Jahren nichts sehnlicher, als sie zu besuchen".
Auch sonst erfreuen sich diese Menschen an den von ihnen erschaffenen Legenden, mit denen sie sich die Welt erklären. Einige dieser Mythen halten sich erstaunlich lange - ein Beispiel:
„Im Anfang war das Nichts; es gab nur eine der üblichen kosmischen Landschaften mit den üblichen Quantenangelegenheiten, und dann hörte dieses Nichts auf. Das Leben begann. Es ...passierte einfach.“
Wenig später bekamen diese Menschen das Problem ihres Überlebens in den Griff und schalteten sofort um auf Machtanspruch – gegenüber dem minderwertigen Rest der Biosphäre sowie untereinander. Von da an war es nur "noch ein kleiner Schritt zur ungezügelten Gier und ihren engen Verwandten Gewalt, Korruption, Verrat, Heuchelei und Schrecken. Soweit die Geschichte." - 
"Und das ist alles?" - "Kurz zusammengefasst – ja."
Es ist wirklich erstaunlich: Ausgerechnet jene Spezies, welche (zumindest im ihr bekannten Universum) den Völkermord erfand (und ihn als einzige jemals in die Tat umsetzte),vermag beim Anblick von alten Gebäuden oder eines einzelnen Katzenbabys in irrationale Sentimentalität zu verfallen.
Ähnlich irrational fürchten wir uns vor dem Alleinsein. Weshalb sonst sollten einige von uns mit aller Gewalt (z.B. riesigen Radioteleskopen, s.u.) Signale an vermutete außerirdische Spezies senden?

Gegen seriöse Forschung und plausible Science Fiction habe ich nichts einzuwenden - im Gegenteil: mich interessiert brennend, ob in den kommenden Jahrzehnten Anzeichen für Leben außerhalb der Erde gefunden werden. Eher kurz- als mittelfristig wird das Hauptziel der menschlichen Zivilisation darin bestehen müssen, die gesamte Galaxie zu erforschen und mindestens einen Ausweichplaneten zu finden. Nach uns die (ökologische) Sintflut? So scheint es...es sei denn, die gute alte Erde würde sich noch von uns erholen können, nachdem wir heuschreckenartig über den nächsten bemitleidenswerten Planeten hergefallen sind. Immerhin legen Hochrechnungen nahe, dass allein in unserer Galaxie tausende für uns bewohnbare Planeten zu finden sein müssten.

Klingt doch gut? Vielleicht...nur wurde noch kein Ausweichplanet entdeckt. Und selbst wenn, hätten wir keinen blassen Schimmer, wie wir die Entfernung zu ihm überwinden sollten... oder der Umzug zu bewerkstelligen wäre. Allzu sorgloses Gebaren ist also etwas verfrüht - eigentlich.
Von alleine schaffen wir das vorläufig nicht - also rufen wir mal laut um Hilfe, darin haben wir Übung.


Earth calling E.T. - eine moderne Form des Gebets?

Im Jahr 2013 startete ein Crowdfunding-Projekt, um mit einem 30-Meter-Teleskop in Amerika eine kontinuierliche Nachricht auszustrahlen. Das Signal ist auf den Stern Gliese 526 in 18 Lichtjahren Entfernung von der Erde gerichtet. Man kann sogar gegen Bezahlung eine kurze Textnachricht verschicken. Auf eine Antwort müsste man allerdings mindestens 36 Jahre warten. (Vgl. "Earth Calling E.T.: New Project Begins Beaming Your Messages Into Deep Space", Space.com)

Auch andere Radioteleskope wurden schon dazu benutzt, den Aliens zielgerichtete Signale zukommen zu lassen. Manche Wissenschaftler halten solche Aktionen für äußerst leichtsinnig, da mögliche Risiken unkalkulierbar sind. Außerdem: hat auch nur einer der Initiatoren den Rest des Planeten um Erlaubnis gefragt, möglicherweise feindlichen Außerirdischen unsere Existenz zu verkünden?

Wirklich neu ist solches Ansinnen auch nicht, wie die "List of interstellar radio messages" (ab 1962) zeigt. Bereits vor mehr als 40 Jahren schickten Forscher eine Nachricht an Außerirdische in den Weltraum. Das spektakuläre Projekt sorgte für Begeisterung - trotz der Warnungen eines Nobelpreisträgers vor Menschenfressern aus dem All.

Zur damaligen Zeit ging die Mehrheitsmeinung der Naturwissenschaft dahin, das Leben auf der Erder für einzigartig und exklusiv zu betrachten. Folglich wurden solche Unternehmungen eher milde belächelt. Seitdem aber mehr als 2000 Exoplaneten verifiziert werden konnten, hat sich die Betrachtungsweise gewandelt. -


Warum sollte eine außerirdische Spezies anders agieren als wir? 

„Warum sollte eine außerirdische Spezies anders sein als wir? Sie könnte den Killerinstinkt eines Hyänenrudels haben, das auf der Suche nach neuen exotischen Nahrungsquellen von einem Planeten zum nächsten zieht. (...) Unser Fortschritt könnte für Außerirdische so banal sein wie für uns eine Krähe, die mit einem Stöckchen nach Nahrung sucht.“
Beweise für unsere Existenz an Außerirdische zu übermitteln könnte sich wirklich als unser letzter großer Fehler erweisen. Wir können weder die technologischen Möglichkeiten noch die Absichten einer außerirdischen Zivilisation abschätzen, die Millionen Jahre älter sein könnte als die unsere.

So ziemlich das Dümmste, was man sich ausdenken kann: Wir sind sind gerade der Steinzeit entkommen und kreischen den potenziell weit überlegenen Aliens zu: „Huhu, wir sind hiiiiier...kommt uns büdde besuchen, ja?“. Mit welchem Zweck? Dass die alle herkommen und uns noch bessere Waffen schenken? Nein, sie sollen uns alternative Energiekonzepte beibringen, damit unsere 'Führer' die freiwerdenden Investitionen schleunigst in neue glitzernde Waffenprojekte stecken können.
Etwas mehr Grips und ein umfassendes Verständnis der 
Fragen „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ wäre mir lieber. 
Falls es sich bei den erhofften Besuchern um wirklich "nette Aliens mit ganz viel Weisheit" handeln, werden sie auch diesem Wunsch nicht entsprechen: Weil sie wissen, dergleichen kann man sich nur selbst erarbeiten ...als Individuum ebenso wie als Spezies.

Wird übersehen oder verdrängt, dass "die Aliens" vielleicht doch nicht so altruistisch drauf sind, sondern etwas wollen, das wir haben? Zum Beispiel einen Planeten, der zwar ziemlich verdreckt, aber immer noch wunderschön ist.


Aber, aber - so argumentieren jedenfalls die Wir-kreischen-allen-Aliens-die-Ohren-voll -Befürworter - eine Spezies, die Millionen Jahre überlebt hat und über eine Technologie verfügt, mit der sie die Sterne bereist, müsste doch irgendein Konzept für Stabilität und friedliche Koexistenz verwirklicht haben. Müsste! Hätte, könnte ...wollen wir uns in einer existenziellen Frage und angesichts unkalkulierbarer Risiken auf einen Mix aus Konjunktiven und idealistischen Fantasien verlassen? Denkbar ist die Existenz einer stabilen Alien-Zivilisation da draußen – womöglich ohne jegliche Emotion und nach dem Schwarmprinzip organisiert, im Prinzip mit einigen unserer Insekten (z.B. Termiten) vergleichbar. Klar, diese Annahme ist spekulativ – aber nicht weniger zulässig als der Glaube an Flowerpower-Aliens mit bunten Blümchen im Kamm oder einem Palmzweig zwischen den Klauen.

Falls aber nun doch die richtigen Aliens unser Signal aufschnappen - weshalb sollten sie den Aufwand einer interstellaren Reise zu uns auf sich nehmen? Um uns von ihrer Religion zu überzeugen? Zuvor würden sie uns eine ganze Weile von weitem beobachten - und eventuell zu einem Resultat gelangen, das eine Fernreise kaum lohnend erscheinen ließe:
"potenziell gefährlich, aber ziemlich nutzlos und vielleicht lecker"...

...oder sie hätten schlicht keine Lust, sich auf dem Seziertisch eines übereifrigen Biologen wiederzufinden. Allein das Wissen darum, die der Mensch mit anderen fühlenden Lebewesen seiner Biosphäre verfährt (Massentierhaltung, Tierversuche für Kosmetika oder genetische Experimente etc.), würde die nette Sorte von Aliens meiner Einschätzung nach verschrecken.


***
Nachdem David Bowie 1968 Stanley Kubricks Film 2001: Odyssee im Weltraum gesehen hatte, schrieb er den Song Space Oddity (ein Wortspiel mit dem engl. Filmtitel A Space Odyssey). Der Text berichtet von Major Tom, einem fiktiven Raumfahrer, der die Kommunikation mit der Erde beendet und sich ziellos durch das Weltall treiben lässt.


Here am I floating round my tin can 

Far above the Moon 

Planet Earth is blue 

And there's nothing I can do



Siehe auch 


Samstag, 5. Mai 2012

Reise ins Innere der Erde

Was befindet sich ‘unter unseren Füßen’? Welche Prozesse finden hunderte Kilometer in der Tiefe statt und wie wirken sie sich auf der Erdoberfläche aus?

Sicher ist: wären die tieferen Schichten der Erde kalt und unbewegt, dann würde es auf der Erde kaum Leben geben.


Theorie der 'hohlen Erde' - hoffnungslos veraltet

Und wäre die Erde im Inneren hohl, dann würden seismische Untersuchungen zu gänzlich anderen Resultaten führen, als es der Fall ist. Jules Vernes Roman Die Reise zum Mittelpunkt der Erde ist allgemein bekannt. Die Theorie der hohlen Erde ist zudem eine veraltete wissenschaftliche Theorie, welche die Erde nicht als massiven Kugelkörper, sondern als eine Hohlkugel betrachtete. Das Erdinnere soll demnach durch große Öffnungen im Bereich der Pole, zugänglich und außerdem bewohnt sein.
Dazu ist heute eigentlich nicht mehr viel zu sagen, außer: "Heute ist der innere Aufbau der Erde (einschließlich des Dichteverlaufs, des Magnetfelds und der thermischen Bilanz)  bekannt und Hohlräume sind zur Erklärung der Eigenschaften der Erde nicht mehr nötig." (Vgl. Wikipedia)
Soweit es mich betrifft, erachte ich das fortgesetzte Festhalten am Bild einer hohlen Erde als sinnfrei, weshalb ich mich an diesbezüglichen Diskussionen nicht beteilige.

Etwas anderes sind Überlegungen, die sich mit noch unentdeckten Höhlensystemen und einer darin lebenden, autarken Fauna befassen. Entdeckungen wie z.B. der Pestera Movile in Rumänien (1986) zeigen, dass noch manche Überraschung auf uns warten mag.

Innerer Aufbau der Erde

Geologen betrachten die Erde heute gewissermaßen als 'Zwiebel' - dicht gepackt im Zentrum, weiter außen schalenförmig überdeckt von Schichten abnehmender Dichte:

Die Erde nimmt scheinbar die Form einer Kugel (Erdradius: 6357 bis 6378 km) ein; ihr Inneres ist aus mehreren Schalen aufgebaut: Im Zentrum befindet sich der feste Erdkern mit einem Radius von etwa 1250 km, welcher hauptsächlich aus Eisen und Nickel besteht. Daran schließt sich der flüssige Teil des Erdkerns (hauptsächlich Eisen) an mit einer Mächtigkeit
(1) von rund 2200 km. Dort herrschen Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius. 
Darüber die 2900 km mächtige Schicht des sogenannten Mantels aus zähplastischem Gestein (Silikate und Oxide), und zuoberst die vergleichsweise ‘hauchdünne’ Erdkruste. (vgl. Wikipedia)
Bildquelle: wikimedia

Geowissenschaftler können zwar kilometertiefe Bohrungen in der Erdkruste vornehmen (Bohrprojekte gelangten bislang nicht tiefer als 14km, denn die Bohrköpfe verschleißen bei der zunehmenden Hitze immer schneller und Messgeräte können nur bis ca. 300 Grad genutzt werden).
Doch bislang wurde keine Möglichkeit gefunden, ins Innere der Erde vorzudringen. Wie die u.a. Dokumentation zeigt, wäre es wohl leichter mit einem speziellen Konstrukt auf der Sonnenoberfläche zu landen, als es mit den extremen Temperaturen und dem Druck im Inneren der Erde aufzunehmen. Der innere Aufbau unseres Heimatplaneten lässt sich allerdings durch indirekte Methoden erschließen. Aufbau und Dicke der einzelnen Schichten sind hier recht gut beschrieben.

So werden vor allem die sog. Verwerfungen an den tektonischen Trennflächen untersucht (siehe auch Plattentektonik). Der Artikel ‘Forscher lüften Geheimnisse des Erdinneren’ auf WELTonline beschreibt die gegenwärtigen Forschungsvorhaben und –ergebnisse zum inneren Aufbau der Erde.
Siehe auch: Der Blick ins Erdinnere - Antiteilchen erlauben tiefe Einblicke in die Funktionsweise des Planeten

Astrophysiker steuern Modelle zur Verdichtung von planetarem Staub zu Planeten bei. In Verbindung mit Messungen der Wärmeleitfähigkeit von Gesteinen lassen sich Rückschlüsse auf Druck- und Temperaturbedingungen im Erdinneren ziehen und und die schweren Bestandteile des Kerns ziehen.

Erst teilweise ist erforscht, weshalb die Erde 4,6 Milliarden Jahre nach ihrer Entstehung nicht längst ausgekühlt ist. Dies wird im wesentlichen auf radioaktive Zerfallsprozesse im Erdinneren zurückgeführt, durch welche Erde das meiste ihrer Ursprungswärme erhalten kann. Es findet zwar eine stetige Abstrahlung von Erdwärme an den Weltraum statt, aber dies geht sehr langsam vor sich. Folglich dürfte die Erde selbst dann noch nicht einmal ausgekühlt sein, wenn einst die Sonne in einer Supernovaexplosion verglühen wird. Allerdings dürfte die Erde den ‘Tod’ ihres Zentralgestirns dennoch nicht überstehen – darüber brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, denn es bleiben noch mehrere Milliarden Jahre Zeit.


Anmerkungen

  1. Mächtigkeit ist die geologische Bezeichnung für die Dicke eines Gesteinspakets (Bank, Flöz, usw) und von Sedimentgesteinen. Sie wird unabhängig von der räumlichen Ausdehnung senkrecht zu den Schichtflächen gemessen. 

Montag, 16. April 2012

Milliarden erdähnliche Planeten–in der Milchstraße

Vielleicht quält uns die Einsamkeit unserer Existenz.
Die Vorstellung, ein Zufall zu sein, der sich nirgendwo wiederholt hat”.

…also geht die Suche nach anderen Zivilisationen immer weiter, ohne die Erfolgsaussichten zu kennen. Doch eben diese Erfolgschancen haben sich gerade drastisch erhöht, könnte man sagen: Europäische Forscher gehen nach einer Hochrechnung nun davon aus, dass allein in unserer Heimatgalaxie weitaus mehr habitable (lebensfreundliche) Planeten existieren als bislang angenommen.

Rote Zwerge sind eine Klasse von Sternen, die um einiges kleiner und an der Oberfläche deutlich kühler sind als unsere Sonne. Sie machen etwa 80 Prozent der Sterne in unserer Galaxie aus - weil sie wegen der nur langsam ablaufenden Kernfusion in ihrem Inneren extrem lange Lebensspannen haben. Von dieser Klasse existieren allein in der Milchstraße existieren etwa 160 Milliarden Sterne, die ein mögliches Ziel für die Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems sind.

Wie der SPIEGEL nun berichtet, verdeutlicht eine neue Schätzung eines europäischen Forscherteams, wie ungemein viele potentiell lebensfreundliche Exoplaneten es allein in unserer kosmischen Nachbarschaft geben könnte.

Dabei handelt es sich zwar nicht um eine bloße Vermutung, aber auch noch nicht um ein statistisch abgesichertes Ergebnis

Mit Hilfe des Harps-Spektrografen, der an das 3,6-Meter-Teleskop der Europäischen Südsternwarte im chilenischen La Silla angeschlossen ist, wurden gut hundert Rote Zwerge untersucht, die nicht weiter als etwa 30 Lichtjahre von der  um die Sonne entfernt sind. Der Nachweis von Exoplaneten erfolgte mit der Radialgeschwindigkeitsmethode (s.u.), also indirekt:

Nach sechs Jahren hatte man in der Nähe dieser beobachteten Roten Zwerge neun “Supererden” nachgewiesen - Planeten mit einer Masse, die zwischen der unserer Erde und dem zehnfachen Wert liegt. Zwei von ihnen sollen sich sogar innerhalb der habitablen ihres Sternensystems befinden, die das Vorhandensein von flüssigem Wasser auf dem Planeten theoretisch möglich macht.

Dies führe zu der Schlussfolgerung, dass es alleine in der Milchstraße mehrere zehn Milliarden solcher Planeten gibt (wenn man voraussetzt, dass die festgestellte Relation überall im Universum annähernd gleich ist…näheres hierzu kann in dem o.a. Artikel nachgelesen werden.).

 

Hintergrund: Exoplaneten und die Suche nach ihnen

Ein Exoplanet (eigentlich extrasolarer Planet), ist ein Planet außerhalb unseres Sonnensystems, d.h. er gehört einem anderen Planetensystem an und umkreist einen anderen Stern. Daneben existieren auch planetenartige Objekte, die keinen Stern umkreisen und unter den neu geprägten Oberbegriff Planemo (Begriff „Planemo“ Objekte mit planetarer Masse verwendet, die eine annähernd kugelförmige Gestalt besitzen und weder an einen anderen Himmelskörper angebunden sind noch einen Stern umlaufen) Fallen. Die ersten Exoplaneten wurden schon in den 1980er Jahren entdeckt, aber damals entweder als Brauner Zwerg klassifiziert oder aufgrund der noch ungenügenden Messgenauigkeit zwischenzeitlich wieder verworfen.

Zu meiner Schulzeit (das war weit vor 1990) gab es noch überhaupt keinen direkten Beweis für die Existenz von Planeten außerhalb des Sonnensystems – allerdings gab es meines Wissens auch keine guten Gründe, warum nur ‘hier’ welche geben sollte.

  • Die ersten Planeten überhaupt, die außerhalb unseres Sonnensystems bestätigt wurden, umkreisen den Pulsar PSR 1257+12, der 1990 vom polnischen Astronomen Aleksander Wolszczan entdeckt wurde.
  • 1992 konnten drei Planeten mit Massen von 0,02, 4,3 und 3,9 Erdmassen nachgewiesen werden. 1994 wurde ein weiterer Planet um den Pulsar PSR B1620-26 entdeckt. Auf diesen Planeten ist Leben, wie wir es von der Erde kennen, praktisch ausgeschlossen.

Die erste definitive Entdeckung eines Exoplaneten in einem Orbit um einen sonnenähnlichen Stern wurde 1995 von Michel Mayor vom Departement für Astronomie der Universität Genf und seinem Mitarbeiter Didier Queloz mit Hilfe der Radialgeschwindigkeitsmethode gemacht. Der Planet 51 Pegasi b kreist im 4,2-Tage-Takt um den ca. 40 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern 51 Pegasi (im Sternbild Pegasus) und hat 0,46 Jupitermassen.    

Exoplanet OGLE-2005-BLG-390Lb
Exoplanet OGLE-2005-BLG-390Lb
Weil Exoplaneten nicht selbst leuchten, ist es ausgesprochen schwierig, sie im Orbit um sonnenähnliche, d.h. lichtstarke Sterne auszumachen - die wenigsten von ihnen können mit Teleskopen direkt von der Erde aus beobachtet werden. Sie werden von dem um ein Vielfaches helleren Stern, um den sie kreisen, überstrahlt. Daher war der erste Exoplanet, der direkt optisch abgebildet werden konnte (2M1207 b), ein Exoplanet um einen Braunen Zwerg. Bislang konnte man die meisten Exoplaneten nur indirekt nachweisen. Mehrere Methoden nutzen dabei den Einfluss der Planeten auf den Zentralstern:
  • Transit- oder Durchgangsmethode: Falls die Umlaufbahn des Planeten so liegt, dass er aus Sicht der Erde genau vor dem Stern vorbeizieht, erzeugen diese Bedeckungen periodische Absenkungen in dessen Helligkeit. Sie lassen sich durch hochpräzise Photometrie (Helligkeitsmessungen des Sterns) nachweisen, während der Exoplanet vor seinem Zentralstern vorübergeht.
Radialgeschwindigkeitsmethode: Bewegung des Zentralgestirns um den gemeinsamen Schwerpunkt
Radialgeschwindigkeitsmethode:
Bewegung des Zentralgestirns um gemeinsamen Schwerpunkt
  • Radialgeschwindigkeitsmethode:
    Stern und Planet(en) bewegen sich unter dem Einfluss der Gravitation um ihren gemeinsamen Schwerpunkt. Der Stern bewegt sich wegen seiner größeren Masse um wesentlich kleinere Wege als der Planet. Falls man von der Erde aus nicht genau senkrecht auf diese Bahn schaut, hat diese periodische Bewegung des Sterns eine Komponente in Sichtrichtung (Radialgeschwindigkeit), die durch Beobachtung der abwechselnden Blauverschiebung und Rotverschiebung (Doppler-Effekt) mit Hilfe eines Frequenzkamms in sehr genauen Spektren des Sterns nachgewiesen werden kann.
  • Astrometrische Methode:
    Die Bewegung des Sterns um den gemeinsamen Schwerpunkt hat auch Komponenten quer zur Sichtrichtung. Diese sollten durch genaue Vermessung seiner Sternörter relativ zu ferneren Sternen nachweisbar sein. Bei bekannter Sternmasse und -entfernung könnte man hier auch die Masse des Planeten angeben, da die Bahnneigung ermittelt werden kann.
  • Direkte Beobachtung:
    Am 31. März 2005 wurde an der Universitäts-Sternwarte Jena ein Planet von nur ein- bis zweifacher Jupitermasse bei dem der sonnenähnlichen, aber nur ca. 2 Millionen Jahre jungen Stern GQ Lupi beobachtet.
    Auch Britische Astronomen haben einen 520 Lichtjahre entfernten einen Exoplaneten in der Nähe des jungen Sterns HL Tau in seiner Entstehungsphase entdeckt. Beide Beobachtung wurden im infraroten Spektralbereich gemacht, mit dem Very Large Telescope der ESO.

Als klarster, direkter Nachweis eines Exoplaneten gelten Aufnahmen des Hubble-Teleskops (2004/2006): sie zeigen im Bereich des sichtbaren Lichts ist einen sich bewegenden Lichtpunkt zu, der eine Keplerbahn beschreibt: Es handelt sich um den Planeten Fomalhaut b von ca. 3 Jupitermassen. Er umkreist den Stern Fomalhaut in 113 AE Entfernung, am inneren Rand des Staubgürtels um Fomalhaut umgibt - und ist das bislang kühlste und kleinste Objekt, das außerhalb unseres Sonnensystems abgebildet werden konnte. Fomalhaut ist 25 Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt die doppelte Masse unserer Sonne.

Leben auf extrasolaren Planeten?

Inzwischen wurden weit mehr als 500 Exoplaneten entdeckt, die Bemühungen der Astrophysiker richten sich nun vor allem darauf, indirekte Anzeichen für mögliches Leben (z.B. gasförmige Stoffwechselprodukte bzw. -komponenten) auf einigen von ihnen zu finden. Potenzielle Kandidaten unter den entdeckten extrasolare Planet für eine "eine zweite Erde" werden durchaus diskutiert, z.B. der 2007 an der Genfer Sternwarte entdeckte Gliese 581c.

Dieser relativ kleine Planet in einer Umlaufbahn um den zwanzig Lichtjahre entfernten roten Zwergstern Gliese 581 ist aber wohl zu heiß, um Leben zu beherbergen. Von besonderem Interesse ist für die Astronomen der neu entdeckte Planet Gliese 581g; er hat hat die vierfache Erdmasse der Erde und umkreist seinen Stern einmal alle 37 Tage. Bei ihm soll es sich um einen Felsplaneten mit einer festen Oberfläche handeln, dessen Schwerkraft auch ausreichen würde, um auch eine Atmosphäre zu halten. Die dort vermuteten Bedingungen lassen es als nicht ausgeschlossen, dass es dort flüssiges Wasser gibt.

Die Debatte über die Existenz außerirdischen Lebens erhielt durch solche Entdeckungen einigen Auftrieb; allerdings wurde die konkrete Annahme von Leben auf den bisher bekannten Exoplaneten von den meisten Fachleuten verworfen. Schlagzeilen wie Spuren von Leben auf Exoplanet X (2006) oder Entdeckung einer zweiter Erde für 2011 vorausgesagt sollten also mit größtmöglicher Vorsicht behandelt werden...

Auch die eingangs erwähnte Neuberechnung, wie viele Planeten wohl in unserer Milchstraße existieren dürften, sagt nichts darüber aus, ob sich dort tatsächlich auch Leben entwickeln konnte.

Vielleicht wurde die Suche nach Leben sogar etwas erschwert bzw. komplizierter, denn nun ist die Anzahl der Suchobjekte so groß, dass auch bei weitergehendem Ausschlußverfahren eine systematische Suche kaum noch durchführbar ist.

Podcast – die Suche nach Exoplaneten

Sonntag, 12. Februar 2012

Stichwort: Apokalypse

Auch im Jahr 2012 hat der Begriff Apokalypse (Offenbarung) nicht viel mit dem 'Ende von allem' zu tun, wenngleich der allgemeine Sprachgebrauch, u.a. Metaphern wie "apokalyptische Zustände", die Assoziation von 'Apokalypse' mit katastrophalen Ereignissen bis hin zum Weltuntergang fördert. 
Solche Vorstellungen kennen wir schon aus antiken Schöpfungsmythen wie z. B. dem sumerischen Gilgamesch-Epos. Gläubige bzw. religiöse Kreise nennen hier zuerst die biblische Offenbarung des Johannes - ich bewundere diejenigen, die hinter all den Metaphern über Plagen, Unglücke, vergehende Königreiche und Engeln mit Feuerschwertern den zweifelsohne vorhandenen tieferen Sinn erkennt. 


Tatsächlich bezeichnet Apokalypse (griech. „Offenbarung“, d.h. Erschließen oder Enthüllen von etwas bisher Verborgenem) eine literarischen Themenschwerpunkt, der sich Begriffen wie 'Erneuerung, Zeitenwende, Beginn eines neuen Zyklus (Weltzeitalters) oder Enthüllung göttlichen Wissens' umschreiben lässt. Mittels prophetischer Visionen enthüllt eine Apokalypse, einen in der Zukunft liegenden Endzustand, dem zugleich ein neuer Anfang innewohnt. Merkmale einer „Apokalypse“ finden sich oft in religiösen Werken, aber auch in säkularer Literatur, etwa im „Science Fiction -Genre. Mitunter als Reaktion auf konkrete historische Ereignisse (Sintflut?) schildern sie weitreichende Veränderungen und deuten sie geistlich, etwa im Sinne einer finalen Äonenwende und eines göttlichen Gerichtes. Historische Nationen, Personen und Ereignisse werden als Symbole und Bildmotive dargestellt.

So richtet sich die Offenbarung des Johannes (Offb 1,1) als letztes, durchgehend prophetisches Buch des Neuen Testaments in Briefform an sieben im Römischen Reich verfolgte christliche Gemeinden und weitere Kreise. Sie will den göttlichen Heils- und Erlösungsplan zu enthüllen und so die Gemeindemitglieder zu ermutigen, den römischen Kaiserkult abzulehnen und auf die Wiederkunft Christi als Endrichter zu hoffen. Rückgriffe auf die Prophetie des A.T. in bezug auf einen Erlöser untermauern den den Trost- und Hoffnungscharakter: In 16 Visionen wird das endzeitliche Geschehen auf der Erde kommentiert und der Schrecken der diesseitigen Bedrängnis wird die Herrlichkeit Gottes bzw. seines Reiches gegenübergestellt.
Ein Höhepunkt des Werkes liegt sicherlich in der Vollziehung vom Gericht Gottes über eine ungehorsame und sich gegen ihn auflehnende Menschheit, die sich dem dunklen Reich des Bösen zugewandt habe.
Die symbolhafte Bedeutung wesentlicher Elemente bzw. Akteure ('7 Siegel', 'Das Tier', Der Drache', das 'Erschallen von sieben Posaunen' - (nur) für Christen eine gute Nachricht, da sie das Reich Gottes auf Erden und die Rückkehr Jesu ankündigen soll, u.v.a.) wird nicht explizit eingeführt oder erläutert, sodass sich rückblickend ein recht breiter Interpretationsspielraum eröffnet.


Dieser Freiraum wurde und wird seit 2000 Jahren immer wieder genutzt, um in realen Ereignissen (vor allem drohende Katastrophen jeglichen Ursprungs) den Beginn der von Johannes avisierten 'apokalyptischen Endzeit' erkennen zu wollen. So gesehen ist es wenig überraschend, dass auch im Umfeld der Weltuntergangs-Spekulationen für das Jahr 2012 reger Gebrauch von der Johannes-Offenbarung, ihren Symbolen und Bildern gemacht wird. 
Ebenso werden einzelne Unglücksfälle wie der Atomunfall in Japan in diesen Kontext gerückt, wobei "Fukushima- Apokalypse" eine mehr als deplazierte Wortschöpfung ist. Mit einem 'Gericht Gottes' hat die Kernschmelze in mehreren Atomreaktoren erkennbar wenig zu tun (allein weil die Wirkung nicht primär ihre Urheber trifft, was bei den meisten menschengemachten Unglücken der Fall ist). Dem Anspruch religiöser Apokalypsen wie der von Johannes aber auch den betroffenen Opfern wird man so nicht gerecht, lediglich wird einer Katastrophe nach der anderen herausragende Bedeutung angedichtet.-

Gerade das deutschsprachige Wort 'Offenbarung' impliziert für mich den enthüllenden Charakter solcher Werke: Etwas zuvor Verdecktes, Unverständliches wird zugänglich und als Beginn einer entscheidenden Veränderung wahrnehmbar. Eher als die Apokalypse des Johannes verwirklichen die sog. Neu-Offenbarungen diesen intentionalen Aspekt: 
Bei ihnen handelt es sich um spirituelle Quelltexte neueren Datums, welche die ursprünglichen Glaubensschriften von Christentum, Islam und Judentum ergänzen. Für jede Menge Konfliktpotenzial sorgt allerdings der Umstand, dass die Inhalte mancher Neu-Offenbarung inhaltlich von den ursprünglichen Lehraussagen und dem überlieferten Glauben fundamental abweichen. Einordnung: Von einer Neuoffenbarung spricht man, wenn das betreffende Werk schriftliche fixiert und innerhalb der letzten 500 Jahre entstanden ist und mit der Behauptung einhergeht, dass seine Botschaft direkt göttlichen Ursprungs sei und keinesfalls vom Empfänger/Übermittler verändert wurde. 

Folglich sind die Reaktionen auf eine Neu-Offenbarung äußerst vielschichtig: Von ihren Befürwortern als gottgewollte Ergänzung (oder auch gottgewollten Widerspruch) zur bestehenden, traditionellen Lehre aufgefasst, erfahren sie durch orthodoxe, traditionelle Vertreter der Glaubensgemeinschaft oft kategorische Ablehnung. 
Resultierend entstehen nicht selten neue Bewegungen - wie zum Beispiel sei die Lorber-Bewegung, die seit 1924 aus dem Christentum hervorging und sich an den Kundgaben des Jakob Lorber orientiert. Solche Gemeinschaften positionieren und entwickeln sich oft unabhängig von der Ursprungs-Religion und werden dann von deren Anhängerschaft heftig bekämpft. 


So betrachten die großen christlichen Kirchen die göttliche Offenbarung mit der Entstehung des biblischen Schriften kurz nach der Auferstehung Jesu als abgeschlossen. Sie definieren die Menschwerdung Gottes als 'nicht mehr zu überbieten' und maßen sich insoweit an, den Willen Gottes genau zu kennen und zu vertreten. 
Vielleicht liegt ihr eigentlicher Sinn und Zweck vielmehr darin, den Menschen eine Hilfestellung zu geben, den wirklichen Sinn ihres irdischen Daseins zu erkennen. Dann wäre der Zeitpunkt ihres Erscheinens gut gewählt. Eine Besonderheit bilden hier die synkretistische Neuoffenbarungen, sie integrieren ("vermischen") Elemente östlicher Religionen sowie esoterischer Weisheitslehren und klassische Überzeugungen christlichen, islamischen oder jüdischen Ursprungs. Wenn allerdings eine christlich ausgelegte Glaubensauffassung sich mit den Prinzipien von Reinkarnation und Karma verbindet, betrachte ich dies als grundsätzlich positiv zu bewertende Weiterentwicklung, und nicht als Synkretismus.--
Über Jahrhunderte war die Apokalypse eine religiöse Idee. Längst ist sie eine technische Option.

Film: Die Bibel -Apokalypse

Sonntag, 5. Februar 2012

Zukunft - globales Bewusstsen

Film "Die erwachende Erde"

Nein, weder ein Sprung in die 'fünfte Dimension' noch eine diffuse Entrückung von ein paar Auserwählten sind Gegenstand dieser Dokumentation... Der vorliegende Film basiert auf Peter Russell's Buch "Die erwachende Erde"; das in den USA unter dem Titel "The Global Brain" (in England "The Awakening Earth"). 

Russell zeichnet darin ein inspirierendes und optimistisches Bild von der Zukunft der Menschheit - genau das, woran es der Gegenwart mangelt... "Dieses Bild basiert auf der Vorstellung einer dynamischen Entwicklung, die die Menschen aufs Neue mit ihrer Intuition und den tieferen Bereichen ihres Bewusstseins zusammenbringt."  

Unsere Erde als ein Ganzes, ein einziger lebender Organismus? Ein einfaches Gleichnis wird bemüht, von Flöhen auf einem Elefanten. Als 'recht wissenschaftliche' Flöhe haben sie den Elefanten untersucht und kartografiert - konnten aber nur Teile bzw. Teilaspekte von ihm wahrnehmen. Später gelingt einem Floh der erste Sprung von mehreren Metern Höhe. Von dort oben sieht er den Elefanten als Ganzes und beginnt sich zu fragen: 'Könnte es sich bei dem Ding, auf dem wir leben, wohl um einen riesigen Organismus handeln?'

Wissenschaftlich formuliert wurde diese Überlegung mit der sog. Gaia-Hypothese in den 1960er Jahren von Lynn Margulis James Lovelock ('Gaia' war die der Erdgöttin oder auch Urmutter in der griechischen Mythologie): Die Erde und ihre gesamte Biosphäre könne wie ein Lebewesen betrachtet werden kann; in dem Sinn, dass die Biosphäre (die Gesamtheit aller Organismen) sich selbst organisiert und Bedingungen schafft und erhält, die sowohl Leben an sich als auch die Evolution komplexerer Organismen ermöglichen.  
Die Erdoberfläche bildet demnach ein dynamisches System, das die gesamte Biosphäre durch Rückkopplungs-Mechanismen (Abweichungsanalyse → Korrektur → Analyse → Korrektur usw.) stabilisiert. Diese Hypothese setze eine bestimmte Definition von Leben voraus, wonach sich Lebewesen insbesondere durch die Fähigkeit zur Selbstorganisation beziehungsweise Autopoiesis (Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems) auszeichnen.
 
Hmm... warum sollte nicht auch ein Schöpfer ein sich selbst erhaltendes und durch Evolutionsprozesse entwickelndes System erschaffen haben? Selbst wenn die im Film knapp dargestellte Abiogenese 'aus dem Nichts' so stattgefunden haben sollte, spricht dies meiner Auffassung nach nicht gegen, sondern für eine schöpferische Kraft, welche diese vermeintlichen Zufallsprozesse koordinierte und ihnen eine Zielrichtung gab.

Wissenschaftliche Grundlagen?

Für diese Hypothese existiert eine Reihe empirischer Grundlagen - Fakten, die in einer besonderen Zusammenstellung und Interpretation die das Bild vom sich selbst organisierenden, „lebenden“ Planeten stützen sollen:  
  • Sauerstoff Molekularer Sauerstoff ist eine hochreaktive Substanz, die in kurzer Zeit Verbindungen mit anderen Elementen eingeht und so verschwindet. Eisen rostet, Holz verbrennt. Und doch bleibt der globale Sauerstoffgehalt der Atmosphäre stets konstant: Sogar "fossile Luft" aus Eisbohrkernen oder Bernstein weise die gleiche oder zumindest eine sehr ähnliche, oft die gleiche Zusammensetzung aufweist wie die heutige Luft. Seit dem sich Leben auf dem Land etabliert hat (oder wurde?), blieb der Sauerstoffgehalt der Luft nahezu unverändert. Somit könne auf selbst-regulierende Prozesse geschlossen werden, durch die das dynamische System "Leben" den Anteil dieses wichtigen Gases stabil hält. Als weitere Konsequenz dieser Überlegung müsse ein anderer Planet mit einer Atmosphäre, die Sauerstoff und mit Sauerstoff reagierende Gase enthält, Leben beherbergen.  

  • Klimaschwankungen Bis vor 600 Millionen Jahren war das Klima offenbar extremen Schwankungen ausgesetzt, die seitdem nicht mehr auftraten. Zeitweise war die Erde demnach von Eis überzogen, während sie zu anderen Zeiten komplett eisfrei war. Eine Erklärung für diese frühen Klimaschwankungen ist, dass es in jener frühen Zeit (Präkambrium) noch keine komplexen Organismen mit Skeletten oder Kalkschalen gab. Erst das kalkhaltige Meeresplankton, das einen entscheidenden Anteil an einem konstanten CO2-Haushalt der Meere hat, habe die chemische Stabilisierung des CO2-Gehalts im Meer ermöglicht – und indirekt auch der der Atmosphäre. Die Entstehung dieser Organismen hätte demzufolge insgesamt dazu beigetragen, die Lebensbedingungen auf der Erde zu stabilisieren und somit zu verbessern.

  •   Salzgehalt der Meere Auch der Salzgehalt der Meere bleibt seit Jahrmillionen relativ konstant bei 3,5 %, obwohl vom Land aus beträchtliche Mengen an Mineralien gelöst und ins Meer verbracht werden. Berechnet man diese 'Versalzung', so müsste inzwischen der Salzgehalt der Meere derart hoch sein, dass höhere Lebensformen nicht mehr existieren könnten. Auch hier scheine eine Selbstregulation zu greifen, die für eine Erhaltung der Lebensbedingungen sorgt: tatsächlich entfernen bestimmte Prozesse das Salz wieder aus dem Ozean:

  • die Bildung von Lagunen und abgeschlossenen Meeresbecken, in denen sich Meerwasser sammelt, verdunstet und sich auf diese Weise mächtige Salzablagerungen bilden. An der Bildung solcher Lagunen sind riffbildende Organismen beteiligt. Auch dies ist somit nach Lovelock ein Prozess, bei dem die Gemeinschaft der Lebewesen selbst. 

  • Meeresalgen produzieren werden Methylchlorid und Methyliodid, das und anschließend in die Atmosphäre freigesetzt wird. Auch dieser biologischen Prozess unterstützt die Entfernung von Salzbestandteilen wie Chlor aus dem Meerwasser.
Einige dieser Argumente sorgen für Widerspruch: So habe sich die Theorie, der Urozean sei mit der Zeit immer salziger geworden, bislang nicht bestätigt. Offenbar war der Salzgehalt vor über einer Milliarde Jahre bereits höher als heute - was mit ein Grund dafür gewesen sein könnte, dass es so lange gedauert hat, bis sich höhere Lebensformen in den Ozeanen entwickelte.
 
Wissenschaftlichen Erklärungsmodelle, auch die Gaia-Hypothese, geben sich alle Mühe, ohne eine schöpferische Kraft ('Gott') auszukommen. Intelligent Design ist eventuell auch nicht erforderlich, wenn man annimmt, alle komplexen Prozesse und die sie bestimmenden Naturgesetze seien lediglich durch einen Schöpfer in Gang gesetzt worden. Wie dem auch sei, in meinen Augen ist eine theistische Evolution um vieles einsehbarer als eine mathematisch 'unglaubliche' (unwahrscheinliche) Kette von Zufallsprozessen. Wie die Vorgänge von Ursprung und Entstehung im einzelnen verliefen, wissen wir nicht. Die wissenschaftliche Sicht der Evolution weist, gerade am Anfang, erhebliche Lücken auf. Und auch die theistische Evolution ist nicht eine klar umrissene These, sondern eine Fülle verschiedener Sichtweisen über den Ursprung und die Entwicklung des Lebens. Sie haben jedoch einen gemeinsamen Kern - den Glauben, dass ein Gott (in welcher Form auch immer) die Entwicklung des Lebens plant oder steuert.
 

Die Global-Brain-Theorie: Evolution des Bewusstseins?

Der Film geht auch ausführlich auf die Evolution des Bewusstseins ein und stützt die Auffassung, die Menschheit stehe gegenwärtig an einem Punkt, wo sie die Evolution verinnerliche. ? Aufbauend auf der Gaia-Hypothese entwickelte Peter Russell eine eigene Theorie vom 'Global Brain': Das Leben immer komplexeren Formen an, mit differenzierteren Strukturen und Einzelteilen, die immer mehr miteinander verbunden und gemeinschaftlich organisiert sind. Den Mensch und seine Zivilisation betrachtet Russell als vorläufigen Höhepunkt dieser sich zunehmend beschleunigenden Entwicklung.  

Deren Geschwindigkeit ist nicht kontinuierlich, sondern es treten 'Evolutionssprünge' auf, wie z.B die neolithische Revolution oder das gegenwärtige Informationszeitalter. Die fortschreitende Vernetzung der Menschheit, insbesondere das Internet, werde dazu führen, dass der Planet Erde mit einem globalen 'Gehirn' ausgestattet sei. Hier werden die Überlegungen und Visionen von Teilhard de Chardins (oder Dan Simmons - beide versuchen, Religion und Wissenschaft zu vereinen und miteinander zu versöhnen) aufgegriffen, wonach die Menschheit sich als gesamte Spezies zu einer einzigen Gruppe mit interaktivem Denken vereinigen wird. Russell konkretisiert diese These in seiner Erwartung, dass alle Menschen sich zu einem globalen sozialen Organismus verbinden und ein integriertes, globales Bewusstsein entwickeln werden. Dazu müssen wir erst noch ein paar Milliarden Menschen mehr auf der Erde sein - analog zur Anzahl von Neuronen in einem Gehirn werde dieser Zustand dann eintreten, wenn die Erdbevölkerung bei etwa 10 Milliarden Menschen stabilisiert. 
 
Auch der Selfmade-Wissenschaftler und Publizist Dieter Broers vertritt die Ansicht, die Menschheit stehe vor vor einem Evolutionssprung (Vortrag).
Aktuell ist von einem positiven Entwicklungssprung nicht viel zu bemerken, weshalb nicht wenige Zukunftsforscher von einer gefährlichen Übergangsphase sprechen und ausgerechnet für 2012 eine Reihe von Krisen erwartet, welche diese sprunghafte Evolution noch beschleunigen sollen. Zu diesen Thesen und Visionen habe ich eine unentschiedene Haltung, ich bin geradezu hin- und hergerissen:
  • Auf der einen Seite kann und will ich die Notwendigkeit weitreichender Veränderungen nicht bestreiten. Auch deutet vieles darauf hin, dass diese Veränderung entweder unmittelbar vor uns liegen (wenn auch nicht nur in diesem einen Jahr) oder schon begonnen haben. Veränderung ist zwar angst-besetzt, aber oftmals zum Überleben notwendig und kennzeichnend für ein positives Resultat. 

  • Andererseits bekomme ich Bauchschmerzen, wann immer die Begriffe Evolution und Menschheit in Zukunftsvisionen gemeinsam genannt werden. Denn Evolution ist nun mal ein Mechanismus, der untrennbar mit Selektion (durch die Natur oder auch durch vom Menschen selbst geschaffene Faktoren) verbunden ist. Bedeutet aber Selektion auf uns Menschen nicht, dass die 'Schwachen' auf der Strecke bleiben und nur die 'Starken' überlegen (wobei diese Stärke sehr unterschiedlich definiert sein kann)?
    Die Alten, Kranken, Behinderten ... und wohl auch die gesamte Dritte Welt als nutzloser Ballast, den man besser abstreifen solle, um schneller vorwärts zu kommen? Auf diese Art von Fortschritt verzichte gerne. Meiner Überzeugung nach verlieren wir als Spezies sehr viel (ganz sicher aber den Rest unserer 'Unschuld'), wenn wir diesen Selektionsprozess zu Lasten der unverschuldet Geschwächten so unüberlegt vorantreiben wie bisher.
Stärke würde nach meinem Verständnis ein Wandel unserer Einstellung zu mehr sozialer Verantwortung bedeuten - den ernsthaften und ehrlichen Versuch, alle Nationen, Gemeinschaften und Individuen so weit wie möglich in einer gegenseitigen Solidarität einzubinden Menschen ändert. Wir sind gefährdet, eine Horde von Einzelkämpfern zu werden, in der jeder nur noch für sich und gegen die anderen um knappe Ressourcen und Güter wetteifert. Was für eine Energieverschwendung! In der bisherigen Evolution der Menschheit war genau das Gegenteil ein Überlebens-Vorteil...  

Ganz ohne Selektion wird es dennoch nicht funktionieren, dies zu erhoffen wäre naiv. Wer sich partout und kraft eigenen Willens gegen jede notwendige Veränderung stellt und krampfartig an veralteten Rezepturen festhält, könnte sich eines Tages in einer ähnlichen Situation wiederfinden wie damals die Saurier - 'zu viel Panzer und zu wenig Hirn' ;) . Peter Russell scheint dies ganz ähnlich zusehen: Wie in dem hier verlinkten Text ausführlicher dargelegt wird, führt er heutige Probleme der Menschheit sind auf den "Egoismus der menschlichen Individuen zurück, welche den eigenen Vorteil über das Gesamtwohl des Planeten stellen". Russell fordere einen Paradigmenwechsel, der nur denkbar, wenn die Menschheit eine höhere Bewusstseinsstufe erlange. Oder ist es genau umgekehrt? Werden wir ein höhere Bewusstsein erreichen, wenn uns dieses Umdenken sowie resultierendes Handeln gelingt?

Wie alles begann


Dokumentation: Werdegang der Erde von einem unbelebten Feuerball zur Biosphäre


Aus heutiger Sicht der Wissenschaft expandiert das Universum seit dem Urknall vor etwa 13,7 Milliarden Jahren stetig; auch die Materie in ihm habe sich räumlich, jedoch unregelmäßig verteilt. Die Unregelmäßigkeiten in der Materiedichte führten durch Gravitation zu ersten größeren Gasansammlungen. 
Nach und nach sei daraus die uns heute bekannte Ordnung von Galaxien und Planetensystemen entstanden, indem sich Materie durch Gravitation und Zentrifugalkraft in bestimmten Systemen gebündelt und geordnet habe.  

Der Vorläufer unseres Sonnensystems soll ein gigantischer Sonnennebel gewesen sein der vor 4,6 bis 4,7 Milliarden Jahren durch seine Gravitation kollabierte. Durch dieses Zusammenziehen erhöhte sich aufgrund der notwendigen Erhaltung des Drehimpulses die Rotationsgeschwindigkeit des Gebildes und im Zusammenspiel mit der Schwerkraft begann die Materie sich entlang elliptischer Bahnen zu konzentrieren (→Akkretion) bezeichnet. 
Die im Zentrum akkumulierte Masse wurde dabei so so dicht, dass ein nuklearer Fusionsprozess einsetzte, der bis heute andauert. 
Die in einiger Entfernung um diese Sonne kreisende Materie ballte sich nun zu frühen Planeten (→Planetesimale) zusammen, deren Gravitation ab einer bestimmten Größe die fortschreitende Materialakkumulation bis hin zur Größe von Protoplaneten bewirkt.  

Einer von diesen war (vor 4,7 bis 3,8 Mrd. Jahren) die „Urerde“, die noch keine feste Oberfläche. Der ursprüngliche Protoplanet wuchs weiter, bedingt durch häufige Einschläge aus dem All, denn das frühe Sonnensystem enthielt noch viel 'lose' Materie. Nach und nach bildete sich durch gravitative Differentiation der schalenförmige Aufbau der Erde: 
Elemente mit hoher Dichte (vor allem Eisen und Nickel) sammelten sich im Erdkern. Mit abnehmender Dichte folgen dann der Erdmantel und schließlich die noch nicht verfestigte Erdkruste.  
Im Zeitraum von vor 3,8 bis 2,5 Milliarden Jahren sank die Oberflächentemperatur der Erde auf unter 100 °C ab und die Erdkruste verfestigte sich zunehmend. In dieser Zeit, dem Archaikum, soll die biologische Evolution ein (Bildung von Makromolekülen) begonnen haben, wenngleich sich in der damaligen Uratmosphäre noch kein freier Sauerstoff befand. Ab 2,5 Mrd. Jahren vor unserer Zeit – nahm die Atmosphäre allmählich eine für höheres Leben günstigen Zusammensetzung an. Durch die Zunahme der biologischen Aktivität (Photosynthese, Methanausstoß) stieg der Sauerstoffgehalt an.

Kambrische Explosion

Vor ca. 500 Millionen Jahren die kambrische Explosion, die manchmal auch als biologischer Urknall bezeichnet wird: Erstmals kommen Vertretern fast aller heutigen Tierstämme beinahe gleichzeitig vor - in einem geologisch äußerst kurzen Zeitraum von 5 - 10 Millionen Jahren. 
 
87% aller Stämme (Pflanzen und Tiere), die in höher gelegenen (= jüngeren) Gesteinsschichten vorkommen, treten bereits im Kambrium in Erscheinung. Lediglich Wirbeltiere, Mooskorallen und Insekten treten nach gegenwärtigem Wissensstand erst in höheren Erdschichten (dem Ordovizium bzw. Devon) auf.

In Gesteinen aus dieser Epoche sind erstmals die grundlegenden Körperbaupläne vieler mehrzelliger Tierstämme enthalten, die seitdem die Erde bevölkern. Das plötzliche, parallele Auftreten so vieler unterschiedlicher Tierarten in einer so kurzen Epoche stellt für die Evolutionsforschung ein Problem dar, vor allem weil keine evolutionäre Vorfahren ausfindig zu machen sind. Die Erklärung durch Zufallsfunde ist heute nicht mehr glaubwürdig, denn inzwischen weltweit zahlreiche Fossillagerstätten entdeckt und ausgewertet worden. Die kambrische Explosion gilt heute folglich als reales Phänomen. Doch es kann bis heute noch nicht erklärt werden, warum auf der jungen Erde das Leben offensichtlich sehr schnell entstanden ist, es dann aber etwa 2 Milliarden Jahre bis zum Auftreten komplexerer Vielzeller gedauert hat. Über den Auslöser werden derzeit zwei Gruppen von Theorien diskutiert:
  • biologisches „Wettrüsten“: Nach dieser Hypothese war es das Auftreten der ersten komplexen Vielzeller selbst, das die Entwicklung in Gang brachte: Waren in einer langsamen Entwicklung daraus erst einmal bewegliche Tiere, möglicherweise mit räuberischer Ernährung, entstanden, stellten sie einen bedeutsamen Selektionsfaktor und somit Antrieb einer schnellen Weiterentwicklung dar.
  • abiotische Bedingungen: Andere Hypothesen gehen davon aus, dass das Entstehen höherer Vielzeller zu einem früheren Zeitpunkt unmöglich gewesen wäre, weil die Lebensbedingungen in den Ozeanen ihre frühere Entwicklung nicht zuließ. Demnach hätten sich die präkambrischen Meere in irgendeinem Schlüsselfaktor von den heutigen Meeren unterschieden. Die verbreitetste Hypothese nimmt an, dass der Sauerstoffgehalt im Meer erst zu diesem Zeitpunkt ein Niveau erreichte, das für höheres Leben ausreichte.

Panspermie lässt zentrale Fragen offen

Freilich gibt es auch andere Erklärungsversuche: Manche meinen, die kambrische Explosion widerspreche wie auch die 500 Mio. Jahre später einsetzende neolithische Revolution der Theorie Darwins von einer langsamen, evolutiven Entstehung und Entwicklung des Lebens.). Neben dem Wirken einer Gottheit gibt es es noch die Thesen der gerichteten oder ungerichteten Panspermie. Die Bedingungen zur Entstehung des Leben oder bestimmter Arten könnte auf einem anderen Planeten günstiger gewesen sein - von dort sei der irdische Lebenskeim auf die Erde gebracht worden sein. 

Hauptmotivation für Panspermie ist die Tatsache, dass Leben auf der Erde schon sehr früh nachweisbare Spuren hinterlassen hat: Die ältesten Fossilien sind möglicherweise 3,5 Milliarden Jahre alte Stromatolithen, damit hätte die chemische Evolution gerade mal 0,5 Milliarden Jahre benötigt. Wenn Panspermie bis vor wenigen nur eine marginale Rolle in der Wissenschaft spielte, dann wohl aus dem Grund, dass keine Beweise für Leben auf fremden Planeten gefunden wurden. Forscher der NASA haben in Laboruntersuchungen neue Erkenntnisse gewonnen, aus denen sie nunmehr folgern, dass dieses Szenario wahrscheinlich sei:


  Panspermie, die an den Vorstellungen des griechischen Philosophen Anaxagoras vom "Samen des Leben" angelehnt ist, würde auch ein weiteres Problem der angeblichen Zufallsentstehung von Leben lösen (genau genommen vertagt sie die Frage Zufall oder Schöpfer? nur, beantwortet aber die Frage, wie Leben auf der Erde begann): insbesondere beim Aufbau von Zellen besteht eine "nicht reduzierbare Komplexität":  Würde auch nur einer der komplexen Bestandteile einer Zelle fehlen, wäre sie nicht imstande, sich fortzupflanzen. Folglich müsse die erste Zelle irgendwann voll funktionsfähig auf der Erde aufgetaucht sein... 

Während mir die ungerichtete Verbreitung von Mikroben am naheliegendsten erscheint, befürwortet der Nobelpreisträger Francis Crick (einer der Entdecker der DNA) 1973 zusammen mit Leslie Orgel die Theorie der gerichteten Panspermie.  Danach sind die Sporen des Lebens absichtlich von einer außerirdischen Zivilisation losgeschickt worden. Das Versenden von kleinen Körnern mit Bakterien ist nach Crick der kostengünstigste und effektivste Weg, um Leben auf einen potentiell lebensfähigen Planeten zu transportieren.  Als möglicher Grund für ein derartiges Vorgehen wird etwa eine unausweichliche Katastrophe auf dem/den Planeten der Versender genannt - oder das spätere Ziel eines Terraformings anderer Planeten sowie deren anschließende Kolonisation. 

Panspermie-Vertreter betrachten ihre Thesen gewöhnlich als dritten Weg zwischen Evolutionstheorie und Kreationismus. Ihre Überlegungen, so unwahrscheinlich sie manchen von uns auch anmuten mögen, werden von seriösen Wissenschaftlern zwar als sehr spekulativ aber durchaus wissenschaftlich behandelbar betrachtet.  Gegner der Panspermie-Thesen argumentieren gerne mit dem Erfolg des Urey-Miller-Experiments - doch hat dieser Versuch lediglich die zufällige Entstehung von ein paar Aminosäuren und organischer Moleküle bei geeigneten Umgebungsfaktoren gezeigt. Es kann daher als Beweis gelten, dass die frühe Erdatmosphäre organische Moleküle in 'nicht zu vernachlässigenden Konzentrationen' enthielt. Vollständige, zur Fortpflanzung fähige Zellen sind ungleich komplexer ... und sie sie sind bei nicht einer der vielen Wiederholungen des Versuchs spontan entstanden - als Beweis für eine chemische Evolution scheidet das Urey-Miller-Experiment damit definitiv aus.  

Doku: Wie alles begann