Eine subjektive Grenze ziehe ich für mich jeweils dort, wo Behauptungen aufgestellt, aber nicht plausibel begründet werden. Ein Beispiel: Im Web finden sich zahlreiche 'Zeugenaussagen', nach denen im Inneren der Erde eine fortgeschrittene Alien-Zivilisation beheimatet ist. (Stichwort: "Lacerta"-Dokumente, bei Interesse zeigt jede Suchmaschine etliche Treffer dazu)
Andererseits, persönlich bin ich überzeugt: es kann nur so so sein: Die Natur (und damit das gesamte Universum) betreibt keine Verschwendung. Und seit 1997 wissen wir:
"Wenn wir die Einzigen sind, ist das 'ne ziemliche Platzverschwendung."Im US-Film 'Contact' prägt dieser Satz ihres Vaters die Wissenschaftlerin Ellie Arroway seit ihrer Kindheit. Die schiere Größe des Universums sowie die gewaltige Anzahl von Galaxien und erdähnlichen Planeten lassen die Vermutung zu, dass da noch jemand ist (oder war).
- Eine Discovery-Dokumentation versucht, der Fragestellung "Was haben Astronauten auf der Mondoberfläche noch entdeckt?" mit einiger Ernsthaftigkeit nachzugehen bzw. diesen Anschein zu erwecken: Rhetorisch distanziert werden alte und neue Verschwörungsthesen aufgeworfen - und nach einigem Hin und Her widerlegt oder der Interpretation von Naturwissenschaftlern gegenüber gestellt. Das Ganze wird eingerahmt mit vorwiegend unscharf-verschwommenen Fotos und Filmausschnitten, auf denen man alles und nichts ausmachen kann. Offenbar besteht eine konstante Nachfrage nach derartigen BILDzeitungsmäßigen 'Dokumentationen'. Deren Wert, gemessen an Wissensvermittlung und ihrem Gehalt an verwertbarer, gesicherter Information, darf jedoch hinterfragt werden.-
- Die durchgehend ärmliche Bildqualität ist auch der Grund, weshalb ich mit den allermeisten UFO-Sichtungen wenig anzufangen weiß. Nicht pauschale Ablehnung ist hier angezeigt - wer bin ich, mitunter Hunderten von Augenzeugen Einbildung oder kollektive Wahnvorstellungen zu unterstellen? Wäre ich persönlich anwesend gewesen, hätte mich das Gesehene möglicherweise auch überzeugt. So aber bleibt nur ein Achselzucken.
- Daneben finden sich zahllose Nachrichten, dem Muster "Ausserirdischer spricht live im TV" folgend. Hier zeigt sich, wie um einen wahren Kern (im vorliegenden Fall der sog. "Vrillon-Botschaft" fand nachweislich eine unbefugte Überlagerung einer TV-Sendung im Jahr 1977 durch eine verbale Warn-Botschaft unklarer Herkunft statt) je nach Ausrichtung der zitierenden Webseiten wiederum wilde Schlussfolgerungen und Interpretationen angeordnet werden.
Recht offensichtlich wird dabei, wie die Realität dem jeweiligen Wunschdenken angepasst und untergeordnet werden soll: Es wird einfach so getan, als sei die Frage "Fake oder außerirdischer Kontakt?" zugunsten der Aliens beantwortet und bewiesen - was eindeutig nicht zutreffend ist. Unklar ist immerhin bis heute, wie es damals Hackern gelungen sein könnte, gleich 5 Sendestationen zu übernehmen und ihr eigenes Signal einzuspeisen - dies habe ein außerordentlich großes Knowhow erfordert. Okay, aber sind TV-kompatible Aliens mit synthetischer Stimme deshalb wahrscheinlicher als ein hochqualifizierter Piratensender??
- Beispielsweise wird das ebenfalls ungeklärte WOW-Signal (ebenfalls aus dem Jahr 1977, etwa ein Monat vor der o.a. Vrillon-Botschaft) in etlichen Wissenschaftsforen diskutiert und auch von Kosmologen erörtert, obgleich seine Aufzeichnung im Rahmen eines SETI-Projektes erfolgte.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um ein interstellares Signal handelt, wird als außerordentlich hoch eingeschätzt - was freilich noch keine Aussage in Bezug auf seine Urheberschaft beinhaltet. (Im Rahmen der ZDF-Dokumentation Aliens – Mythos und Wahrheit (2010) erklärt Prof. Harald Lesch, das Wow!-Signal zeige alle Kennzeichen eines interstellaren Kommunikationsversuchs, könne aber auch ein gigantischer Ausbruch eines Pulsars gewesen sein. Eine Hörprobe findet man z.B. hier.)
| WOW-Signal: Scan des namensgebenden Dokuments |
Zugleich erschweren die Ausmaße des Universums und resultierende Entfernungen es uns, Gewissheit in der Ausgangsfrage zu erhalten: Durchaus könnten weit, weit entfernt von unserer Erde weitere Zivilisationen existieren ohne jemals von uns nachgewiesen zu werden. Ein Kontakt, d.h. Interaktion, erscheint erst recht unwahrscheinlich - zumindest ausgehend von unserem derzeitigen technologischen Potenzial.
Dokumentation zur Suche im Sonnensystem nach Leben
Ganz auszuschließen ist diese Möglichkeit nicht - neben etlichen Science-Fiction-Autoren haben auch Wissenschaftler darüber spekuliert - und mehrere Detailfragen noch zu beantworten sind: Wie viele Individuen müssten die Reise antreten, um über einen ausreichend großen Genpool zu verfügen und eine genetische Verarmung ("Inzucht") über mehrere Generationen zu vermeiden? Für uns Menschen würden sich hierfür mindestens eintausend Besatzungsmitglieder entscheiden müssen, den Rest ihres Lebens in einem Raumschiff zu verbringen.
Abgesehen von der Motivationsfrage (vielleicht ticken die Aliens da aber völlig anders?) würde das Jahrhunderte währende Vorhaben gewaltige Mengen an Ressourcen und Treibstoff erfordern - hier kann unterstellt werden, die fortgeschrittenere Alien-Technologie biete geeignete Lösungen. Für uns unvollkommene ist eine Reise mit einem Generationen-Raumschiff allenfalls "als Freiwilligenprojekt von Idealisten denkbar". Deren Kinder wären freilich gezwungen, den eingeschränkten Lebensentwurf ihrer Eltern zu teilen. (Vgl. "Interstellare Reise: Pentagon plant Jahrhundert-Raumschiff", SPIEGEL 06/2011)
Ein Handbuch für Außerirdische
Es könnte jedoch der Fall eintreten, dass wir Erdlinge gefunden werden ...von Aliens, die technologisch weiter sind und es dabei geschafft haben, sich nicht selber zugrunde zu richten.Stellen Sie sich folgendes vor: Als intergalaktischer Reisender sind auf einem kleinen Planeten irgendwo in einer entfernten Galaxie gelandet. "Dieser Planet hat eine Sonne, einen Mond ...und ist im ganzen Kosmos als Wiege der Bürokratie bekannt. Außerdem ist dort der Fernseher Mittelpunkt jeglichen Geschehens."
„Der augenfälligste Unterschied zwischen der Erde und anderen Planeten liegt nicht in ihrer physischen Struktur. Was hat es schon zu sagen, wenn man nur eine Sonne und einen Mond hat?“
"Welches Potential die Erde doch hatte! Welche atemberaubenden Möglichkeiten!"
Nun "hängt das Schicksal der Erde davon ab, was der Mensch will oder glaubt zu wollen, davon, wann er es will und wie er seinen Willen durchsetzt."
„Im Anfang war das Nichts; es gab nur eine der üblichen kosmischen Landschaften mit den üblichen Quantenangelegenheiten, und dann hörte dieses Nichts auf. Das Leben begann. Es ...passierte einfach.“
"Und das ist alles?" - "Kurz zusammengefasst – ja."
Klingt doch gut? Vielleicht...nur wurde noch kein Ausweichplanet entdeckt. Und selbst wenn, hätten wir keinen blassen Schimmer, wie wir die Entfernung zu ihm überwinden sollten... oder der Umzug zu bewerkstelligen wäre. Allzu sorgloses Gebaren ist also etwas verfrüht - eigentlich.
Von alleine schaffen wir das vorläufig nicht - also rufen wir mal laut um Hilfe, darin haben wir Übung.
Earth calling E.T. - eine moderne Form des Gebets?
Im Jahr 2013 startete ein Crowdfunding-Projekt, um mit einem 30-Meter-Teleskop in Amerika eine kontinuierliche Nachricht auszustrahlen. Das Signal ist auf den Stern Gliese 526 in 18 Lichtjahren Entfernung von der Erde gerichtet. Man kann sogar gegen Bezahlung eine kurze Textnachricht verschicken. Auf eine Antwort müsste man allerdings mindestens 36 Jahre warten. (Vgl. "Earth Calling E.T.: New Project Begins Beaming Your Messages Into Deep Space", Space.com)Wirklich neu ist solches Ansinnen auch nicht, wie die "List of interstellar radio messages" (ab 1962) zeigt. Bereits vor mehr als 40 Jahren schickten Forscher eine Nachricht an Außerirdische in den Weltraum. Das spektakuläre Projekt sorgte für Begeisterung - trotz der Warnungen eines Nobelpreisträgers vor Menschenfressern aus dem All.
Zur damaligen Zeit ging die Mehrheitsmeinung der Naturwissenschaft dahin, das Leben auf der Erder für einzigartig und exklusiv zu betrachten. Folglich wurden solche Unternehmungen eher milde belächelt. Seitdem aber mehr als 2000 Exoplaneten verifiziert werden konnten, hat sich die Betrachtungsweise gewandelt. -
Warum sollte eine außerirdische Spezies anders agieren als wir?
„Warum sollte eine außerirdische Spezies anders sein als wir? Sie könnte den Killerinstinkt eines Hyänenrudels haben, das auf der Suche nach neuen exotischen Nahrungsquellen von einem Planeten zum nächsten zieht. (...) Unser Fortschritt könnte für Außerirdische so banal sein wie für uns eine Krähe, die mit einem Stöckchen nach Nahrung sucht.“
So ziemlich das Dümmste, was man sich ausdenken kann: Wir sind sind gerade der Steinzeit entkommen und kreischen den potenziell weit überlegenen Aliens zu: „Huhu, wir sind hiiiiier...kommt uns büdde besuchen, ja?“. Mit welchem Zweck? Dass die alle herkommen und uns noch bessere Waffen schenken? Nein, sie sollen uns alternative Energiekonzepte beibringen, damit unsere 'Führer' die freiwerdenden Investitionen schleunigst in neue glitzernde Waffenprojekte stecken können.
Etwas mehr Grips und ein umfassendes Verständnis der Fragen „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ wäre mir lieber.
Wird übersehen oder verdrängt, dass "die Aliens" vielleicht doch nicht so altruistisch drauf sind, sondern etwas wollen, das wir haben? Zum Beispiel einen Planeten, der zwar ziemlich verdreckt, aber immer noch wunderschön ist.
...oder sie hätten schlicht keine Lust, sich auf dem Seziertisch eines übereifrigen Biologen wiederzufinden. Allein das Wissen darum, die der Mensch mit anderen fühlenden Lebewesen seiner Biosphäre verfährt (Massentierhaltung, Tierversuche für Kosmetika oder genetische Experimente etc.), würde die nette Sorte von Aliens meiner Einschätzung nach verschrecken.
Siehe auch
- Botschaft an Aliens könnte für uns fatal enden, WELT, Juni 2015