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Montag, 28. Oktober 2013

SETI: Neuer Ansatz zur Suche nach außerirdischen Raumsonden?

Seti-Projekte stoßen bisher vielfach auf Ablehnung und Widerstand, auch vor dem Hintergrund des Fermi-Paradoxon. Dieses stellt die Frage (platt formuliert): 
Wenn es intelligente, technologisch fortschrittlichere Aliens da draußen gibt, warum sind sie dann noch nicht hier?
Dahinter steht die Annahme, dass wir Menschen die einzige technisch fortschrittliche Zivilisation im Universum seien - "eine riesige Platzverschwendung", wie wir seit 'Contact' wissen.
Eine mögliche Antwort: Vielleicht sind sie ja schon hier (gewesen), nur wir haben sie nicht entdeckt.
Die Überlegung, dass außerirdische Sonden unser Sonnensystem bereits erkundet haben und bis heute unentdeckt dies immer noch tun, hat der belgische Astrophysiker Michael Gillon aufgegriffen. Er schlägt vor, in solaren Brennsphären nach Funksignalen zu suchen, die von miteinander kommunizierenden außerirdischen Sonden stammen.

Es wäre seiner Ansicht nach nahe liegend, außerirdische Sonden sich in "exo-solaren Fokalpunkten benachbarter Sternsysteme eingenistet haben und unter Ausnutzung des Gravitationslinseneffekts Kontakt zu allen Schwestersonden oder ihrer Heimatwelt halten."


In diesem Fall könnte es möglich sein, diese Raumsonden oder deren Emissionen aufzuspüren. Aus dieser Überlegung entwickelt Gillon eine neue SETI-Strategie, "die dabei helfen könnte, die Existenz solcher Sonden nachzuweisen oder mit ihnen sogar direkt in Kontakt zu treten, sofern sie überhaupt existieren".


Näheres dazu auf Heise.de:

Siehe auch:
Die Idee als solche ist übrigens nicht neu. Sie wird unter anderem von Stephen Baxter in seiner ScFi-Trilogie 'Multiversum' aufgegriffen. Baxter erklärt den wissenschaftlichen Hintergrund so anschaulich, dass selbst ich die wesentlichen Grundgedanken verstehe.

Bereits 1953 entwickelte der österreichisch-ungarischen Mathematiker John von Neumann ein Modell unbemannter, sich automatisch reproduzierender Sonden. Solche"Von-Neumann-Sonden" sind bis heute ein Synonym für Raumschiffe/Maschinen geworden, die völlig autonom eine exakte Kopie ihrer selbst herstellen können - unter Nutzung der am Zielort vorgefunden Ressourcen. Diese Kopien würden ins nächsten System geschickt, wo sie sich die erneut vervielfachen und so weiter. 

Sonntag, 20. Oktober 2013

Auf der Suche nach außerirdischem Leben

ARTE-Dokumentation u.a. über die Entdeckung neuer Monde (2013)

In der Weltraumforschung setzt sich eine neue Erkenntnis durch: In nicht allzu ferner Zukunft wird der Mensch die Frage beantworten können, ob Leben auch außerhalb der Erde existiert. Weit entfernten Regionen unseres  Sonnensystems sind längst nicht so lebensfeindlich, wie man noch vor wenigen Jahrzehnten annahm. Auch wissen wir inzwischen, dass Leben auch unter sehr extremen Bedingungen entstehen kann.

Ob solche Umweltbedingungen auch intelligentes Leben ermöglichen, ist noch unklar. Denn noch wissen wir nicht, ob das Evolution  in einer geeigneten Biosphäre zwangsläufig auch intelligente Lebensformen hervorbringt, sofern ihr genug Zeit bleibt.
Inzwischen wurden jedoch weit mehr als 500 Exoplaneten nachgewiesen, von denen ein Teil in einer habitablen Zone zu liegen scheint. Extrapoliert man diese Momentaufnahme auf die unendlichen Weiten des Weltalls, kommt man auf mindestens zehntausende potenziell lebensfreundliche Welten (vgl. Drake-Gleichung und Exobiologie – ein Kompositum von Unsicherheiten?).

Wenn aber die Rede davon ist, wir hätten bereits die Gewissheit bzw. Beweise für außerirdisches Leben, so folgt diese Behauptungen (noch) einem Wunschdenken. Das mag sich jedoch noch in meiner Lebensspanne ändern - diese Aussicht finde ich unglaublich spannend...
Freilich findet man Buch- und Blogautoren mit der festen Überzeugung, die Menschheit sei längst in Kontakt zu außerirdischen Zivilisationen getreten - doch aus Angst vor einer weltweiten Panik und wirtschaftlicher Destabilisierung werde diese Tatsache verheimlicht. Nun, auf der Suche nach Gewissheit führen solche Spekulationen kein Stück weiter, denn sie lassen sich zwar aufstellen, aber kaum je beweisen.
Anstatt mich darin zu verheddern, verfolge ich lieber die 'seriöse' Erforschung des Weltraums...denn deren Resultate werden sich meines Erachtens auf keinen Fall verheimlichen lassen.


Bewohner des Hundssterns (Sirius) nach
einer Erzählung von Münchhausen, 1793

Die Vorgehensweise ist klar: einerseits wird die Suche auf möglicherweise geeigneten Planeten nach chemischen Grundbausteinen des Lebens fortgesetzt. Parallel wird die Suche nach Leben 'hier' in unserem Sonnensystem intensiviert - sollten sich etwa unter den kilometerdicken Eisschichten des Mondes Europa Mikroben etc. verbergen, dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass 'der Rest' dieses gewaltigen Universums nicht völlig unbelebt ist.

So spannend diese Forschungsvorhaben sind - mir scheint, die Menschheit ist heute noch nicht ausreichend vorbereitet auf eine derart bahnbrechende Entdeckung, die tatsächlich auch erhebliche Gefahren und Risiken impliziert:

  • Einerseits könnten außerirdische Lebensformen gefährlich werden - nicht nur wenn diese der Menschheit überlegen sind, wie Stephen Hawking und Simon Conway Morris befürchten. Eine Epidemie durch eingeschleppte 'Weltraumbazillen', denen unser Immunsystem mangels Erfahrung absolut nichts entgegenzusetzen hätte, stelle ich mir naheliegender und schlimmer vor.
  • Anderseits könnte die Entdeckung von außerirdischem Leben je nach Lage der Umstände durchaus Panik und Destabilisierung auslösen, ebenso wie neue Interessenkonflikte und aus ihnen resultierende Kriege. Nicht ohne Grund bezeichnet der Global Risks Report 2013 des Weltwirtschaftsforums (WEF)  eine zukünftige Entdeckung außerirdischen Lebens als einen möglichen "X-Factor", der tiefgreifende Auswirkungen haben könnte.
Ob man eher die Chancen oder vornehmlich die Risiken eines zukünftigen Ereignisses sieht, ist nicht zuletzt eine Charakterfrage. Die dümmste Haltung ist sicher, den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten...
Bis zu einer Begegnung mit intelligenten Lebewesen wird es noch lange dauern, sofern diese angesichts der schier unüberwindbaren Entfernungen jemals möglich werden sollte. Von weitaus größerer Relevanz ist in unserer Zeit die Chance, durch den Nachweis einfacher Lebensformen eine der ältesten Fragen überhaupt zu beantworten: Sind wir allein?
An dieser Antwort hängen weitere bedeutsame Fragestellungen: Welche Bedeutung hat der Mensch in diesem Universum - als einzigartiges Induviduum und als Spezies? Die Tragweite wird deutlich, wenn man bedenkt, dass wir uns vor ein paar hundert Jahren noch als unangefochtene Krone der Schöpfung betrachteten...)


Was E.T. angeht, nun ja...es ist keineswegs ausgemacht, dass ein bewohnbarer Planet auch wirklich bewohnt ist (und dass wir Erdlinge diese Bewohner jemals zu gesicht bekommen. So verweisen Vertreter der Rare-Earth-Hypothese (Seltene-Erde-Hypothese) darauf, dass es einer vergleichsweise unwahrscheinlichen Konstellation vor allem astrophysikalischer und geologischer Bedingungen bedurfte, damit komplexe vielzellige Lebewesen auf der Erde entstehen und sich zu unserer heutigen Lebewelt entwickeln konnten.
(Besonders das Vorhandensein des Erdmondes ist ungewöhnlich, da die anderen Gesteinsplaneten im Sonnensystem allenfalls viel kleinere Trabanten haben. Doch gerade der Mond hat wichtige Auswirkungen auf die Erde und damit auch auf das Leben. Er stabilisiert die Erdachse über einen langen Zeitraum, bewirkt die Gezeiten und bremst die Erdrotation. Es gibt Hinwiese, dass gerade der Mond eine stimulierende Wirkung auf die Evolution besitzt und der Erde damit u.U. ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal verleihen könnte.)
Die nachfolgende Dokumentation geht diesen Fragestellungen nach und fasst das Gegenwartswissen der Exobiologie zusammen

Samstag, 12. Januar 2013

Die Nemesis-Hypothese

Hat unsere Sonnen einen unentdeckten Stern als Begleiter?


Die eingebettete Dokumentation über die vermeintlich “böse Schwester der Sonne” soll im Grunde eine nüchterne Aufgabe erfüllen: Eine wissenschaftliche Hypothese bringt die Periodizität von Massensterben auf der Erde in Verbindung mit Meteoriteneinschlägen. Ursache dieser Einschläge könnte danach ein Begleiter der Sonne sein, welcher diese in 26 Millionen Jahren einmal umkreisen und bei seiner Annäherung Objekte der Oortschen Wolke ins innere Sonnensystem lenke.
Leider verzichtet die Doku nicht auf das Vokabular und Gebaren der Sensationspresse, deshalb ist man versucht, sie gleich zu Beginn abzuschalten. Zu frisch ist noch das düstere und diffuse Gestammel vom Weltuntergang.
Allerdings geht es hier nicht um ein katastrophales Ereignis in naher Zukunft (auch wenn dies im u.a. Dokufilm natürlich mit anklingt) - sondern um wissenschaftliche Forschung zur fragliche Existenz eines Begleiters der Sonne.


Ausgangspunkt:
David M. Raup und J. John Sepkoski hatten 1984 die früheren Artensterben untersuchten und dabei entdeckten, dass die zeitliche Abstände zwischen Massensterben regelmäßig zwischen 26 und 33 Millionen Jahren liegen. Theoretischen Rechnungen gehen meist von einer Periode von etwa 27 Millionen Jahren aus.
In etwa demselben zeitlichen Abstand traten vermehrt Kometeneinschläge auf, sodass ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen als naheliegend betrachtet wurde. 


Eine Erklärung für die periodisch gehäuften Kometeneinschläge liefert ein eventueller Begleiter der Sonne, welcher in regelmäßigen Abständen die Oortsche Wolke durchquert und mit seinem Schwerefeld die dort befindlichen Kometen aus ihrer Bahn wirft. Diese Kometen bewegen sich dann in die inneren Bereiche des Sonnensystems, wo es auf Grund der vergrößerten Kometenzahl statistisch auch häufiger zu Einschlägen auf Planeten kommt. Dieser hypothetische Sonnenbegleiter wurde Nemesis genannt.


Die äußeren Objekte unseres Sonnensystems, darunter auch der Zwergplanet Sedna, bewegen sich auf Bahnen, die von dem berechneten (eigentlich ‘vorgeschriebenen’) Weg dieser Objekte z.T. deutlich abweichen. Vieles deutet darauf hin, dass die Ablenkung durch ein lichtschwaches, massereiches Objekt innerhalb unseres Sonnensystems verursacht wird. So weist der erst 2003 entdeckte transneptunische (sich außerhalb der Umlaufbahn von Neptun um die Sonne bewegende) Zwergplanet “Sedna” eine extrem elliptische Umlaufbahn um die Sonne auf.



Sedna

Mit einem geschätzten Durchmesser von 1.700 Kilometern beträgt Sednas derzeitige Entfernung zur Sonne etwa 13 Milliarden Kilometer (rund 90 AU) und umrundet die Sonne einmal in 10.500 bis 12.000 Jahren. Der Astronom Mike Brown, Sednas Entdecker, stellte fest, dass es den Zwergplaneten eigentlich nicht geben dürfte.
“Er kommt nie auch nur nahe genug an die Sonne heran, um von ihr beeinflusst zu werden, entfernt sich aber auch niemals weit genug von ihr, um in den Einflussbereich anderer Sternen zu geraten.”
Sednas ungewöhnliche Umlaufbahn und Position so weit draußen im All ließen sich wohl nur durch ein unbekanntes, mehr oder weniger ‘unsichtbares’ Objekt in unserem Sonnensystem erklären. Die unklare Ablenkung wird von Astronomen der NASA auch bei Kometen des inneren Sonnensystems bestätigt, die nahezu alle ihren Ursprung in der selben Region innerhalb der Oortschen Wolke haben. Der Schwerkrafteinfluss eines solaren Begleiters, könnte diesen Teil der Wolke stören und Kometen so ins innere Planetensystem lenken. Auch diese kaum erklärbaren Abweichungen scheinen die Hypothese zu stützen, nach der unsere Sonne einen Begleiter (“Nemesis”) hat, der sie als Stern oder Brauner Zwerg in einer Entfernung von etwa 1 – 3 Lichtjahren umlaufen soll.
Der Wikipedia-Artikel über Nemesis bezeichnet Nemesis als “hypothetischen Begleiter unserer Sonne, der als Stern oder Brauner Zwerg die Sonne in einer Entfernung von etwa einem Lichtjahr bis drei Lichtjahren umlaufen soll. Seine Existenz wird aufgrund einer Periodizität von Kometeneinschlägen und Artensterben auf der Erde vermutet”.
Postuliert wurde Nemesis unter anderem von Richard Muller. Angeregt wurde Muller  dazu von Walter Alvarez, der das Aussterben der Dinosaurier infolge eines Kometeneinschlags vermutete – denn auch die Meteoritenkrater auf der Erde weisen eventuell eine übereinstimmende Altersstufung auf. Nemesis war in der griechischen Mythologie die Göttin des gerechten Zorns und der Vergeltung.

Kleiner Stern oder Brauner Zwerg?
Seit dem Aufkommen der Nemesis-Hypothese hat man versucht, ein solches Objekt mit Hilfe der bekannten physikalischen Gesetze und existierender Beobachtungen zu kategorisieren – ohne eindeutiges Ergebnis: Nemesis wird mitunter als Brauner Zwerg oder als roter Zwergstern beschrieben und soll drei bis fünf Jupitermassen besitzen. Als roter oder brauner Zwerg wäre er wäre kleiner und auch deutlich kälter als unsere Sonne.
Falls Nemesis existiert, ist sie sehr wahrscheinlich leuchtschwach, besitzt nur eine geringe Radialgeschwindigkeit und könnte allenfalls entdeckt werden durch moderne Projekte zur kontinuierlichen Beobachtung des Sternenhimmels - wie Pan-STARRS (Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System).
Vier 1,8-Meter-Teleskope, die auf Hawaii errichtet werden sollen, werden in der Lage sein, Objekte mit einer scheinbaren Helligkeit bis zur 24. Größenklasse zu beobachten. Ein Abgleich mit früheren Beobachtungen soll die Entdeckung neuer Himmelskörper ermöglichen – darunter womöglich auch Nemesis.
Parallel zu Pan-STARRS ist
LSST geplant, ein ähnliches Vorhaben mit einem in Chile stationierten 8,4-Meter-Teleskop.

Handelt es sich bei Nemesis um einen Braunen Zwerg, so sollte ihre Existenz mit dem “Wide-field Infrared Survey Explorer” (WISE) bald geklärt werden. WISE soll im Auftrag der NASA nach nur im Infrarotspektrum sichtbaren Himmelsobjekten absuchen – auch nach Braunen Zwergen, von denen mehrere Tausend im Umkreis von 25 Lichtjahren um unser Sonnensystem vermuten. Ein Objekt mit der mindestens mehrfachen Masse des Jupiters in einem Umfeld von rund 25.000 AU sollte also nicht zu übersehen sein. Da erdnahe Objekte vor allem durch mehrere Positionsveränderungen bestimmt werden, kann die Frage nach Nemesis’ Existenz vermutlich erst in den kommenden Jahren endgültig beantwortet werden.-
Die Nemesis-Hypothese ist eine der Fragestellungen, die wir bei aller verständlichen Ablehnung von unausgegorenen Katastrophen-Szenarien nicht pauschal in der Kategorie ‘unbegründetes Gefasel’ ablegen sollten. Auch die Abhandlung ‘Hypothetische Planeten’ von Paul Schlyter legt nahe, dass Nemesis also nicht unbedingt als haltlose Spekulation angesehen werden muss:
“Nehmen wir einmal an, die Sonne wäre nicht allein, sondern hätte einen Zwillingsstern. Nehmen wir des weiteren an, dieser Zwillingsstern bewegt sich auf einem elliptischen Orbit, mit einem Abstand zur Sonne zwischen 90.000 AE (1,4 Lichtjahre) und 20.000 AE, mit einer Periode von 30 Millionen Jahren.
Und nehmen wir schließlich an, dieser Stern sei dunkel und letztendlich sehr fein, und daher haben wir ihn bislang nicht entdeckt. Dies würde bedeuten, daß alle 30 Millionen Jahre dieser hypothetische Zwillingsstern der Sonne die Oortsche wolke durchqueren würde [...].

Während einer solchen Passage würden die Proto-Kometen durcheinander gewirbelt werden. Einige zehntausende Jahre später würden wir hier auf der Erde einen dramatischen Anstieg der Anzahl von Kometen feststellen, die das innere Sonnensystem durchqueren. Wenn natürlich die Anzahl der Kometen ansteigt, tut dies naturgemäß auch die Wahrscheinlichkeit, daß die Erde mit dem Kern eines dieser Kometen kollidiert.”
Weil inzwischen Untersuchungen der geologischen Erdgeschichte ein zyklisches Massensterben alle 30 Millionen Jahre auf der Erde nahelegen, könnte auch ein ein Bezug zum Dinosauriersterben vor etwa 65 Millionen Jahren bestehen. Nach der o.a. Hypothese wäre also in etwa 25 Millionen Jahren mit dem nächsten Massensterben zu rechnen.

Wie konnte Nemesis bisher übersehen werden?
Es ist denkbar, dass man diesen vermuteten Begleitstern der Sonne noch nicht als solchen erkannt hat. Sterne zu entdecken ist weitaus einfacher, als deren Entfernung zur Erde zu bestimmen. Falls Nemesis wirklich existiert, dann wurde sie/er vermutlich längst von Astronomen registriert. Als Begleiter der Sonne wird Nemesis erst dann eingeordnet werden können, wenn die genaue Entfernung feststeht. 
Wie Schlyter (s.o.) erklärt, wird die Untersuchung der Nemesis-Hypothese dadurch erschwert, dass es keine sonstige Hinweise auf einen Zwillingsstern der Sonne gibt:
Es ist möglich, daß er sogar in einem der Kataloge dunkler Sterne auftaucht, ohne daß jemand etwas besonderes bemerkt hätte, namentlich die scheinbar gewaltige Bewegung, die er vor dem Hintergrund der viel entfernteren Sterne vollziehen würde (d.h. seine Parallaxe). Sollte er gefunden werden, dürften die wenigsten daran zweifeln, daß er Hauptursache des regelmäßigen Massensterbens auf der Erde ist.“
Auch auf die mythologische Seite geht Schlyter ein:
“Wenn ein Anthropologe früherer Generationen eine derartige Geschichte von seinen „Informanten“ zugetragen bekommen hätte, würde sich die vorherrschende Schulmeinung zweifelsohne Begriffen wie ,primitiv’ oder ,vorzeitlich’ bedienen. Dazu die folgende Geschichte:
         ‘Es gibt eine weitere Sonne am Himmel, ein Dämonenstern, den wir nicht sehen können. Vor langer Zeit, noch vor der Zeit unserer Vorväter, griff dieser Dämonenstern die Sonne an. Kometen fielen, und ein fürchterlicher Winter überfiel die Erde. Fast alles Leben wurde zerstört. Die Dämonensonne hat schon viele Male angegriffen. Sie wird es wieder tun.’
Daher dachten manche Wissenschaftler, diese Nemesistheorie ist ein Witz, […] hört sich nach Täuschung oder einer Fabel an. Es verdient einen zusätzliche Portion Skeptizismus, weil wir ständig in Gefahr sind, uns selbst zu betrügen.
Aber auch, wenn diese Theorie spekulativ ist, sie ist seriös und respektabel, weil der wesentliche Gegenstand überprüfbar ist: man findet den Stern und untersucht seine Eigenschaften. Dennoch, nachdem die Untersuchung des gesamten Himmels in Infrarot durch IRAS keine „Nemesis“ entdecken konnte, ist eine Existenz von „Nemesis“ nicht sehr wahrscheinlich. “
Bezeichnungen wie ‘Todesstern’ oder ‘böse Schwester’ sind in jedem Fall irreführend: Sollte ein solcher Begleiter der Sonne das Aussterben der Dinosaurier verursacht haben, dürfte er damit zugleich den Anstoß für die Evolution der Säugetiere und letztlich des Menschen gegeben haben…
Für die zyklischen Einschlagsereignisse existieren freilich auch weitere Erklärungsversuche, die keines Doppelsternes bedürfen: Astronomen um Professor William Napier am Cardiff Institute erstellten eine Simulation der Bewegung unseres Sonnensystems. Danach soll sich das Sonnensystem etwa alle 35 Millionen Jahre durch die Ebene der Milchstraße bewegen, dabei staub- und kometenreiche Regionen passieren und so das Risiko von Einschlägen auf der Erde deutlich vergrößern.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Kl. Historie des Zweifels (am Urknall / der Existenz Dunkler Energie)

Eigentlich glaubte, die gesamte Welt der Naturwissenschaften begeistere sich für den Urknall (als Singularität und daraus gefolgert als Anfang von Allem) - bis auf ein paar isolierte 'Abtrünnige' wie Martin Bojowald.
Tatsächlich sind die Befürworter einer anderen Kosmologie weitaus zahlreicher als von mir vermutet. Eines ist dabei zu beachten: dass unser Universum in seiner Entstehungsphase sehr viel kleiner war als heute und aus einem unvorstellbar winzigen Volumen heraus immer schneller expandiert ist, wird im allgemeinen nicht oft bezweifelt. Dagegen richten sich Einwände häufig gegen die Idee eines Anfangs von Raum und Zeit (die nach der Urknalltheorie 'vorher' nicht existiert haben sollen).

Mehr noch: eine Geschichte des Zweifels lässt sich verfolgen - nachfolgend einige Stationen daraus sind in nachfolgend aller Kürze aufgeführt.
Doch scheint das Ende der Urknall-Debatte in greifbare Nähe zu rücken, wenn seit kurzem sogar Stephen Hawking einräumt, dass die Mutmaßung eines singulären Anfangsereignisses nicht viel mehr als ein Hilfskonstrukt von Astrophysikern ist, die mit ihren bisherigen Berechnungsmethoden nicht über diesen Punkt hinausgelangen…

1950: Fred Hoyle entwickelt die „Steady-State-Theorie“

"Steady state“ bedeutet so viel wie gleichbleibender Zustand. Der Privatgelehrte Hoyle akzeptierte die Expansion des Universums. Zugleich glaubte er, es bestehe ewig - ohne Anfang. Infolge der fortwährenden Expansion müsste sich die Materie 'darin' jedoch extrem verdünnt haben, was offensichtlich aber nicht der Fall ist. Hoyle's These zufolge entsteht im All fortlaufend neue Materie aus sich selbst heraus - in genau der richtigen Menge, um die Expansion des Alls voranzutreiben und zugleich die Materiedichte darin in konstanter Dichte zu erhalten.
Übrigens stammt der Begriff „big bang“ ausgerechnet von Hoyle, der ihn 1950 in einer BBC-Radiosendung verwendete, um die These von der 'Urexplosion lächerlich' zu machen. Der Materialist Hoyle modifizierte seine eigene These zwar mehrfach, doch behielt er seine Grundhaltung gegen die Urknall-Theorie konsequent bei - aus philosophischen Erwägungen: Falls das Universum einen Anfang habe, dann setze dieser eine Ursache voraus, s.h. einen Schöpfer. Doch fundamentale Christen sind mit der Urknall-Theorie auch nicht besonders glücklich, denn die biblische Schöpfungsgeschichte schildert bekanntermaßen eine andere Abfolge der Anfänge von Erde und Menschen, auch was den zeitlichen Verlauf anbetrifft.


90er Jahre

Die Astronomen Wolfgang Priester und Hans-Joachim Blome ersetzten den Urknall in einem neuartigen Modell durch einen sanfteren Schöpfungsakt ('Urschwung'): Das Universum, habe als unendlich großer Raum seit ewigen Zeiten existiert. Materie gab es darin nicht, stattdessen war er von Quantenfeldern erfüllt. Sie bestehen aus reiner Energie und erreichen eine hohe Energiedichte.
Weil auch Energie eine Gravitationswirkung besitzt, ließ die Schwerkraft der Quantenfelder diesen Kosmos auf eine minimale Ausdehnung schrumpfen. Danach, in einer Art Rückprall, dehnte er sich jäh wieder aus. Dieser Moment war der Urschwung. Er leitete in das expandierende Universum über, in dem wir heute leben, wobei aus den ursprünglichen Quantenfeldern die Materie entstand.

2004: "Kein Urknall erschütterte das Universum":

Mit einem einem offenen Brief begründen Eric J. Lerner, der Mathematiker Michael Ibison, der Astrophysiker Halton Arp und 20 weitere Wissenschaftler im britischen Magazin „New Scientist“ ihre Forderung nach einer vorurteilsfreien Diskussionen und Forschung über die Geschichte des Universums und zu beobachtende Widersprüche der Urknalltheorie. Deren Dominanz beruhe eher auf einer Konventionen als auf wissenschaftlichen Methodik. Die Urknalltheorie basiert auf einer großen Anzahl hypothetischer Annahmen, die niemals beobachtet wurden - Aufblähung, geheimnisvolle Materie und dunkle Energie - Grund genug, in alle Richtungen weiter zu forschen.
Der Urknall selbst, jenes einzigartige Anfangsereignis, wurde auch nicht berechnet – dies ist auch nicht möglich, wenn man von einer Berechnung ein eindeutiges Resultat erwartet.

2006: Studie zur Hintergrundstrahlung wirft Zweifel auf Urknall-Theorie

Den bisherigen Annahmen zufolge ist die Hintergrundstrahlung Art Echo des Urknalls. Die russischen Wissenschaftler R. Sunyaev und Y. Zel'dovich hatten bereits 1969 vorausgesagt, dass freie Elektronen im Zentrum großer Galaxienhaufen die Hintergrundstrahlung ablenken würden. Dies sollte sich durch einen Energieverlust der letzteren bemerkbar machen - gewissermaßen ein Schatten in der allgegenwärtigen Hintergrundstrahlung. Die Untersuchung von 31 nahen Galaxienhaufen zeigte nur bei einigen von ihnen einen solchen Schatten, bei anderen war nichts dergleichen feststellbar - mögliches Fazit: Große Galaxienhaufen verzerren die Hintergrundstrahlung nicht – anders als es von der Urknalltheorie vorhergesagt wird.

 

2010: Zweifel an der Existenz Dunkler Materie ...

  • "Studie weckt massive Zweifel an Existenz Dunkler Materie
    Beobachtungen weisen darauf hin, dass es die rätselhafte Substanz nicht gibt. Die Autoren haben Beobachtungsdaten der Milchstraße und des  Andromedanebels mit den Vorhersagen der Theorie verglichen. Dabei sind sie auf fünf schwer zu erklärende Widersprüche gestoßen. Ihre Ergebnisse erscheinen in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift „Astronomy and Astrophysics“
    (-> Link) - mit möglicherweise weit reichende Implikationen: Eventuell müssen sowohl Newtons Gravitationstheorie als auch Einsteins allgemeine Relativitätstheorie modifiziert werden
Im derzeit allgemein vertretenen kosmologischen Modell bewirkte die Dunkle Materie, dass sich nach dem Urknall die 'normale' Materie verdichtet und Galaxien und Galaxienhaufen bildeten - eine Voraussetzung für die Entstehung von Sternen, Planeten, Monde usw.
Offenbar stimmt die Verteilung der Dunklen Materie - die nicht direkt sichtbar ist, sondern sich nur über ihre Schwerkraft verrät - in der Lokalen Gruppe nicht mit diesen Vorhersagen überein. Zwar hatten die Kosmologen gute Gründe für die hypothetische Einführung der Dunklen Materie, doch war es bislang weder möglich, deren Existenz noch ihre nachzuweisen. 

Debatte: dark matter in the spotlight
Am 18. November 2010 stand in Bonn das Konzept der "Dunklen Materie" zur Debatte. Die Astronomie-Professoren Simon White (Garching) und Pavel Kroupa (Bonn) trugen ihre Positionen vor. Prof. Dr. Hans Peter Nilles, Direktor des Bethe-Centers, moderierte die Veranstaltung. Hier erhalten Sie die Präsentationen der Disputanten. Argumente für und wider die Dunkle Materie wurden vorgetragen 
Kroupa hat die Existenz Dunkler Materie für das lokale Universum - also die Milchstraße und die hunderte von Galaxien in ihrer Nähe - ihrer Nähe untersucht. Er argumentiert, die dort gemachten Beobachtungen seien mit der Standardtheorie weitgehend unvereinbar. Das aktuelle kosmologische Weltbild - das Standardmodell der Kosmologie (→ Lambda-CDM-Modell; CDM steht für Cold Dark Matter) - sei damit nicht mehr haltbar, und die Physik stehe nun vor der großen Herausforderung, eine neue kosmologische Theorie zu entwickeln.Simon White hält dagegen, Dunkle Materie erkläre die weitaus meisten Beobachtungen im Universum hervorragend - angefangen von der struktur der Galaxienhaufen und Galaxien bis zu Temperaturschwankungen in der kosmischen Hintergrundstrahlung. Die Ablehnung des Konzeptes - und die dazu notwendige Modifikation der Newton'schen Gravitationsgesetze - ziehe dagegen viele Folgeprobleme nach sich.


"In this article we propose cosmological models that can explain the cosmic acceleration without introducing a cosmological constant into the standard Einstein field equation, negating the necessity for the existence of dark energy.
Das Universum hätte demnach weder Anfang noch Ende: Der Astrophysiker Wun-Yi Shu von der Tsing Hua Nationaluniversität in Taiwan hat soeben eine neue Beschreibung des Universums entwickelt, in dem Raum, Zeit sowie Masse und Länge auf kuriose Art verschränkt sind:
Raum und Zeit können ineinander umgewandelt werden, ebenso Masse und Länge. Beide Prozesse hängen von der Gravitationskonstante und der Lichtgeschwindigkeit ab - beide Naturkonstanten werden von Shus zu Variablen degradiert. Ein Universum mit diesem Eigenschaften würde ewig bestehen, hätte jedoch abwechselnde Perioden der Expansion und Kontraktion. Eine Urknallsingularität kommt in diesem mathematischen Modell nicht vor. Shus Theorie sagt voraus, dass das Licht von Sternenexplosionen mit einer bestimmten Rotverschiebung auf der Erde messbar sei - was den tatsächlichen Beobachtungen entspricht und als Hinweis gewertet wird, dass sich das Universum beschleunigt ausdehnt.

 

2011: Roger Penrose - Nach dem Urknall ist vor dem Urknall

Zunehmend steuern aufgeschlossene Naturwissenschaftler auf einen Kompromiss zu: in Modellen eines zyklisch expandierenden und implodierenden Universums bestreiten sie nicht mehr das Urknall-Ereignis an sich. Sie legen statt dessen dar, dieser Kollaps sei nicht der ultimative Anfang gewesen - denn davor habe bereits ein anderes Universum existiert, das ebenfalls einen Vorgänger gehabt haben soll...
Inzwischen ist die ursprüngliche Urknall-Theorie kein unantastbares Dogma mehr, denn eine wachsende Anzahl von Astrophysikern und Kosmologen betrachtet den Urknall nicht länger als Punkt Null der kosmischen Geschichte war, sondern als Durchgangsstadium...

2012 Sogar Stephen Hawking zweifelt am Urknall

(Ich bin nicht sicher, ob 2012 als Zeitangabe des Sinneswandels bei Stephen Hawking zutrifft.) Der Beitrag ‘Urknall -  Beginn der Welten’ von Wolgang Silvanus auf dem Onlineportal der Frankfurter Rundschau stammt aus Juni 2012; darin wird deutlich, wie auch die Rudelführer der Physiker-Gemeinde allmählich zu der Einsicht gelangen, dass sich auch der Urknall an physikalischen Gesetze halten müsse: Den Berechnungen nach müssten im Punkt Null jedoch Temperatur und Dichte unendlich hoch gewesen sein. Unendliche Größen im materiellen Universum ergeben keinen Sinn, weshalb die Wissenschaftler diese Singularität möglichst umgehen. Und wieder wurden neue Modelle in Erwägung gezogen:
“…daran beteiligte sich auch der britische Physiker und Kosmologe Stephen Hawking. Er lehnt die Urknall-Singularität ab, weil er glaubt, dass die Naturgesetze auch bei der Entstehung des Universums gegolten haben sollten. Eine Urexplosion ohne Ursache könne aber nur durch übernatürliche Kräfte ausgelöst worden sein. „Ein Schöpfungspunkt wäre ein Ort, an dem die Wissenschaft kollabiert. Man müsste die Religion und die Hand Gottes zu Hilfe nehmen“, konstatierte Hawking bei einem kosmologischen Kongress, den die Universität Cambridge Mitte Januar zu seinem 70. Geburtstag veranstaltete…”

Sonntag, 7. Oktober 2012

Schattenleben in der Mikrobensphäre: wie oft entstand Leben?

Ausgehend von der Frage, wie wahrscheinlich extraterrestrisches Leben im Sonnensystem wohl sein mag, bin ich auch bei der Überlegung gelandet, dass unsere Erde schließlich auch zu diesem Sonnensystem gehört (ach…).
Der Nachweis eines biologischen Determinismus (s.o.) lässt sich womöglich hier auf der Erde führen werden: Wenn Leben unter terrestrischen Bedingungen wirklich ‘automatisch’ entsteht, geschah das hier vielleicht mehrfach – völlig unabhängig voneinander.


Bisher hat der Stammbaum aller Arten eine gemeinsame Wurzeln – wir kennen eine ‘Grundform’ des Lebens, sie basiert auf dem in der DNS fixierten genetischen Code und verwendet ein einheitliches System zum universellen Energietransfer.
Doch falls Leben mehrmals entstand, gäbe es mehrere Stammbäume.

Spektrum der Wissenschaft befasste sich im April 2008 (vollständiger Artikel als PDF) mit den Thesen von Paul Davies. 
Kein Planet ist schließlich erdähnlicher als die Erde selbst.
Unter ‘Aliens’ versteht Davies also alle fremdartige Lebensformen unabhängig von ihrer Herkunft – d.h. Organismen, die sich von allem Bekannten grundlegend unterscheiden. Kann man dann aber noch von Leben sprechen?
Eine allgemein anerkannte Definition von Leben ist nicht unproblematisch (was ist z.B. mit Viren? Mein Bio-Lehrer vertrat damals die Auffassung, dass Viren ‘gelebt werden’). Einigkeit besteht darin, dass zwei Kriterien unabdingbar sind: Stoffwechsel und Fortpflanzung. Hinzu kommt eine selbstständige Lebensfähigkeit.

‘"Braucht das Leben wirklich Proteine?", lautete eine von Benners1) provokanten Fragen. Es gebe Hinweise, dass Urzeit-Mikroben nur mit Hilfe von Ribonukleinsäure (RNA) und ohne Proteine ausgekommen seien. Auch die Suche nach Leben auf dem Mars könnte laut Benner bisher an solchen Definitionsfragen gescheitert sein.’ (aus ‘Forscher suchen Überlebende kosmischer Crashs’, SPIIEGEL online, Feb. 2009)
Als 1976 die Mars-Sonde "Viking"-Sonde nach Leben suchte, hatte man sich lediglich auf Leben auf Basis von Kohlenstoffbasis konzentriert – durch derartige Begrenzungen nimmt die Forschung eventuell einen zu selektiven Standpunkt ein.
Es bestehe die Gefahr eines "Kohlenstoff-Chauvinismus".
In jedem Fall müssten auch die Exoten – vermutlich wären sie mikroskopisch klein – sich ernähren (mit Energie versorgen) und Nachkommen erzeugen. Mögliche Indikatoren für solche ‘Aliens’:
  • Gesteinsmodifikationen oder mineralische Ablagerungen, die sich nicht auf bekannte Organismen zurückführen lassen.
  • Uralte Mikrofossilien könnten zudem ungewöhnliche organische Moleküle enthalten, wie sie vertraute Lebensformen nie herstellen.
  • Chiralität: Alle bekannten Organismen haben linksdrehende Aminosäuren und eine rechtsdrehende DNA-Doppelhelix. Das könnte bei alternativen Formen, eine eigenständigen Evolution durchlaufen haben, umgekehrt sein.
  • Extrem anders wäre fremdes Leben, wenn Silizium statt Kohlenstoff als Grundbaustein verwenden würde. Auch Silizium-Atome können sich zu Ringen und langen Ketten zusammenzuschließen, die als Grundgerüste für Biomoleküle taugen (vgl. Isomerie). Ein gemeinsamer Ursprung silizium- und kohlenstoff basierter Organismen erscheint aus heutiger Sicht ausgeschlossen.
  • Auch die aufblühende Forschung über künstliches Leben kann Hinweise auf mögliche Eigenschaften fremder  Lebensformen liefern.Aliens Anregungen bieten

Existiert bis heute eine eine ‘Schattenbiosphäre’?
Der Begriff der Schattenbiosphäre bezieht sich auf die These, dass alternative Lebensformen bis heute im Verborgenen überlebt haben. So abwegig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, ist dies nicht: Dass die Exoten  bis heute unentdeckt geblieben sein könnten, hängt mit dem Umstand zusammen, dass die meisten Organismen auf der Erde Mikroben sind – also für das menschliche Auge nicht sichtbar.
Selbst mikroskopische Untersuchungen verraten nur wenige spezielle Eigenheiten der Winzlinge.

Um zweifelsfrei zu ermitteln, ob ein Organismus zu ‘unserem’ Stammbaum, muss dessen Erbgut untersucht und wenigstens zum Teil sequenziert werden.
Bei der DNA-Sequenzierung wird die Nukleotid-Abfolge in einem DNS-Molekül bestimmt. Von 1995 bis 2010 wurde das Genom von gut 1000 verschiedenen Organismen analysiert werden…damit wird die Dimension der Aufgabenstellung etwas klarer…
Bislang war noch kein Organismus fremden Ursprungs dabei (bezogen auf die o.a. biochemischen Hauptmerkmale aller bekannten Lebensformen). Allerdings sind die bis heute entwickelten Methoden und Instrumente zur Analyse neu entdeckter Organismen
darauf ausgelegt, ‘herkömmliches’ Leben zu erkennen und zu untersuchen. Für eine fremdartige Biochemie sind sie potenziell ungeeignet.

Sind Mikroben vorstellbar, deren Erbinformation nicht durch die ATCG-basierten Nukleinsäuren DNS/RNS codiert sind?
Das Red Rain –Phänomen, der “Rote Regen von Kerala” (2001 und im Juli 2012, siehe hier in deutscher Sprache gefunden, von grenzwissenschaftlichen Themenseiten abgesehen) soll zwar im Zusammenhang mit unerkannten Molekularkompositionen, die keine DNS enthalten, stehen. Auch CNN berichtete kurz darüber: Mysterious red cells might be aliens
"If it's true that life was introduced by comets four billion years ago," the astronomer says, "one would expect that microorganisms are still injected into our environment from time to time. This could be one of those events."Doch aus dem wenigen, was als seriös bezeichnete Quellen darüber geschrieben haben, tippe ich einstweilen auf ein biologisches Abfallprodukt.
 Untersucht werden Ökosysteme, die vom Rest der Biosphäre weit gehend isoliert erscheinen – dort lassen sich Mikroben aufspüren, die ohne Licht, Sauerstoff und organische Produkte anderer Organismen überleben. Nun verändert man die Lebensbedingungen so, dass irdische Organismen sie nicht mehr aushalten. Sollte anschließend noch biologische Aktivität nachzuweisen sein, könnte dies ein Hinweis auf fremdes Leben sein.
Dass Einzeller extreme Lebensbedingungen bevorzugen, ist alleine noch kein solcher Hinweis. Denn auch diese Extremophilen haben dieselbe Biochemie.

"Allein eine fremde Biochemie würde uns die andere Lebensform verraten."
Nicht wenige Wissenschaftler vertreten die Ansicht, das Leben habe mehrmals begonnen und wurde durch Meteoriteneinschläge immer wieder ausgelöscht. Doch ist ebenso denkbar, das einige dieser Meteoriten erst das Leben mitbrachten – in Gestalt eingefrorener Einzeller, die sich auf der Erde vermehrten und im Laufe der Zeit weiter entwickelten.
Die Entdeckung solcher Mikroben (aus jeder der beiden Entstehungsvarianten) würde “auf einen Schlag die Frage beantworten, ob wir allein im All sind", sagt Paul Davies, "Wir hätten damit praktisch bewiesen, dass es im All von Leben wimmeln muss."

Zwei grundverschiedene Ansätze…
…konkurrieren darum, wie der Beginn von Leben erfolgt.
  • Der einen Theorie zufolge vermag Leben mit einer plötzlichen Transformation einzusetzen – “vergleichbar mit einer einem physikalischen Phasenübergang”. Der Auslöser bestehe darin, dass in einem System die chemische Komplexität eine bestimmte Schwelle übersteigt.
    Das System muss keineswegs um eine einzelne Zelle handeln: ein primitives Leben mag einst aus einer Zellgemeinschaft erwachsen sein, die Stoffe und Informationen austauschte. Autonomie
    gewannen entstand erst später.
  • Nach der zweiten Theorie verläuft der Übergang von reiner Chemie zur Biologie allmählich und so kontinuierlich, dass keine scharfe Grenze zwischen Leben und unbelebter Chemie gezogen werden kann. Damit hätte es auch keinen speziellen Moment als Anfang des Lebens gegeben.
Und damit landen wir erneut bei der Definitionsproblematik: Ist es zweckmäßig, wenn dem Phänomen Leben mindestens eine exklusive Eigenschaft zugesprochen wird? Im Interesse einer klaren Abgrenzung von rein chemischen Vorgängen jedweder Komplexität ließe sich z.B. festlegen, dass Leben bestimmte Arten von Information speichert und verarbeitet.
“Definiert man Leben aber eher vage über so etwas wie organisierte Komplexität, dann verlieren sich die Wurzeln leicht in der Sphäre reiner komplexer Chemie.” Paul Davies
Letztlich dreht sich alles um die Ausgangsfrage: War die Entstehung von Leben auf der Erde ein einzigartiger, kaum wiederholbarer Zufall2) ? Oder entsteht Leben zwangsläufig, sobald eine lebensfreundliche Umgebung zur Verfügung steht?
Die schnellste Antwort auf diese Frage könnten Versuche liefern, synthetisches Leben im Labor zu erschaffen.
"Dann", meint Davies3) , "wissen wir, ob man nur die richtigen Zutaten zusammenrühren muss, damit Leben entsteht".
Siehe auch:
  • Chemische Evolution – kurzer Überblick und Literaturangaben v. Christian Neukirchen
  • ‘Mikrobiologie’ aus der Reihe ‘Taschenlehrbuch Biologie’ , Katharina Munk (sehr detailliert und ohne Vorkenntnisse nicht durchgängig auf Anhieb zu verstehen)
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Anmerkungen
1)Steven Benner von der Foundation for Applied and Molecular Evolution
2)Als Argument gegen jede Zufallsthese reicht m.E. schon eine Grafik aus, die sozusagen als Rückgriff auf die Vielzahl der Einzelschritte einer chemischen Evolution auf Kohlenstoffbasis visualisiert:


Entstehung und Funktion von Biomolekülen (Quelle: Wikipedia)

3) Zentrale Überlegungen wurden, soweit keine abweichende Quellenangabe existiert, dem Artikel “Aliens auf der Erde?” von Paul Davies entnommen, erschienen in der SdW-Ausgabe 04/2008.
Der Artikel kann kostenfrei als PDF abgerufen werden.

Extraterrestrisches Leben im Sonnensystem “immer wahrscheinlicher”

Zu meiner Schulzeit, also in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, waren sich alle ‘Exporten’ ganz sicher: In unserem Sonnensystem gibt es Leben, klar. Und zwar auf der Erde und sonst wonirgends.

Damals glaubten die meisten der Biologen, das Leben hätte seine Existenz einem chemischen Zufall zu verdanken – dieser sei jedoch von so geringer Wahrscheinlichkeit, dass es sich im gesamten Universum nicht wiederholt haben dürfte.

Spätestens um die Jahrtausendwende setzte dann ein weitreichendes Umdenken ein – vor knapp 15 zehn Jahren bezeichnete der Biochemiker und Nobelpreisträger Christian de Duve Leben eine “kosmische Zwangsläufigkeit” und der Chemiker Robert Shapiro spricht sogar von einem biologischen Determinismus!

  • Harald Zaun nannte im Oktober 2002 auf Heise.de gleich mehrere Kandidaten, für die einzelne US-Forscher Umweltbedingungen vermuteten, welche die Entstehung von Organismen begünstigen können.

Auf dem Mars, auf dem Saturnmond Titan, in der Atmosphäre der Venus sowie auf dem Jupitermond Europa hielten Astrobiologen es nicht mehr für ausgeschlossen, dass primitive Lebensformen eine extraterrestrische Nische gefunden hatten. So verglich Richard Greenberg von der University of Arizona in Tucson das Europa-Eismeer mit dem irdischen Arktischen Ozean und vermutete darin Organismen.

  • Sogar der als ‘Alien-Skeptiker’ bekannte TV-Professor und Kosmologe Prof. Harald Lesch kommt angesichts der zwischenzeitlichen Entdeckung von mehr als 500 Exoplaneten zu einer Neubewertung:

"Ja, es gibt sie, und wir werden sie finden. Dass es im All Leben gibt, dafür sind wir Menschen das allerbeste Beispiel, denn unser Planet ist ein Teil des Universums."

“Grenzenloser Optimismus und bizarre Theorien”

Plötzlich galt es nicht mehr als Spinnerei, von mikrobiotischem Leben auf anderen Planeten und Trabanten des Sonnensystems zu sprechen. Allerdings machten solche Vermutungen nicht an rationalen Grenzen halt: auch über intelligentes Leben auf Mars, Europa und Co. wurde laut nachgedacht. Andere rechneten ein wenig und kamen auf mögliche “30 Milliarden Erden in unserer Milchstraße”.

Als die beiden Astronomen Tegler und Romanishin 1998 feststellten im Kuiper-Gürtel  zwei sehr unterschiedliche Typen von Asteroiden nachwiesen und zeigten, dass eine Klasse davon extrem rötlich gefärbt ist, wurde bald die These laut, diese Färbung sei eine Folge von biologischer Aktivität.

Ähnlich argumentiert der Astro-Geophysiker Brad Dalton in Bezug auf rötliche Risse auf der Oberfläche des Jupitermonds Europas Kruste - ‘gefrorene Bakterienkolonien’,vermutet er.

Vor einem Jahr (2011) kam eine neue Nasa-Studie zu der Einschätzung, dass unterirdisches Leben auf dem Mars nicht auszuschließen sei: Lebensformen auf dem Mars könnte bis in bestimmten Schichten unter der Oberfläche bis heute überlebt haben. Dies ergibt sich aus der Analyse von Bildern von Marssonden.
(Vgl.
Rinnsale im roten Sand, SPIEGEL online,2011)

Und nun (2012) entdeckt der Marsrover „Curiosity“ hat ein ausgetrocknetes Flussbett und vom Wasser geformte Kiesel gefunden:

 

Auch gemessene Wetterdaten – durchschnittlich bis zu sechs Grad Celsius am frühen Nachmittag zur Mars-Zeit sind interessant – der Mars-Winter ist offenbar viel wärmer als bisher angenommen wurde.

Vorläufiges Fazit der NASA: Der Rote Planet könnte einst bewohnbar gewesen sein.

 

Extraterrestrisches Leben im Sonnensystem
(BBC exklusiv, 28 min)

 

Zu hohe Erwartungen?

“Wo Wasser ist, da ist auch Leben”, behauptet nicht nur Uri Geller, sondern auch mancher Enthusiast in Sachen Exobiologie. Ich halte diese Annahme in dieser absoluten Form für nicht zu treffend, denn Leben nach unseren Vorstellungen braucht bestimmte anorganische Basismoleküle, die neben mehr als Sauerstoff und Wasserstoff, vor allem aber weitaus komplexere Molekülstrukturen als H2O. Allerdings ist Leben ohne das Vorhandensein von Wasser nur schwer vorstellbar.

Und an welche Lebensformen denken jene Forscher, wenn sie Leben auf dem Mars als ‘nicht auszuschließen’  bis ‘relativ wahrscheinlich’ bezeichnen?

Jedenfalls keine mehrzelligen Lebewesen, soweit ist man sich noch einig. Es wäre schon eine Sensation, auf dem Mars oder einem der anderen Kandidaten auch nur Mikrosphären oder Protein-Protozellen vorzufinden. Das sind kleine, kugelförmige Molekülaggregate, die als bedeutender Entwicklungsschritt während der Entwicklung des Lebens gelten.

Schon dafür müsste eine chemische Evolution stattgefunden haben wie vermutlich vor etwa 4,2 bis 3,8 Milliarden Jahren auf der Erde. Die “Entstehung sich selbst replizierender und variierender chemischer Informations-Systeme” setzt wiederum voraus, dass die günstigen Bedingungen, die vielleicht mal auf dem Mars existiert haben, lange genug anhielten.

Spontan entstehen lediglich einfache Biomoleküle, die dann Vorstufen komplexerer Biomoleküle bilden könnten (vgl. Miller-Urey-Experiment, 1953). Schon dafür muss weit mehr vorhanden sein als ‘nur’ Wasser: Temperatur, Atmosphäre, Strahlung (UV-Licht) usw.

Sidney W. Fox zeigte 1957, dass Aminosäuren bei gleichzeitiger Erwärmung dazu gebracht werden konnten, sich miteinander zu sog. Polypeptiden zu verbinden. Diese formten kugelförmige Hohlkörper und durch Selbstaggregation bildeten sich durch membranartige Hüllen und es entstanden Mikrosphären. Diese bilden unter geeigneten Bedingungen neue Mikrosphären auf ihrer Oberfläche. Obwohl sie in ihrem Erscheinungsbild Zellen ähneln, handelt es sich nicht um lebende Systeme: sie können sich nicht exakt reproduzieren und enthalten kein genetisches Material, dass sie an ihre ‘Nachkommen’ weitergeben könnten.

Entscheidend für die Entwicklung des Lebens waren sie vermutlich insofern, als sie ein membranumschlossenes Volumen zur Verfügung stellten, das sich in Vorformen einer Zelle entwickeln konnte.

Allein für diese Anfangsetappen, die keineswegs schon einfachste Lebensformen hervorbrachten, müssen also weitaus mehr Voraussetzungen zusammen kommen als fließendes Wasser und eine rudimentäre Atmosphäre.
Ob diese Bedingungen bzw. welche von ihnen jemals auf dem Mars gegeben waren, ist bis heute nicht erforscht.

Von daher erscheinen Aussagen, die Leben auf dem Mars mit Blick auf früheres / heutiges Wasservorkommen als “wahrscheinlich” bezeichnen, sehr gewagt. Vielmehr kam es hier vorerst zu einem Rückschlag: Nachgewiesene Methan auf dem Mars stammt nicht von marsianischen Bakterien – sondern zu einem großen Teil von Meteoriten.

Von exotischen Schwefelbakterien in Höhlen auf der Erde nun zu schließen, auch dort wäre Leben in kürzlich entdeckten Höhlen auf dem Mars möglich”, ist irreführend, gelinde gesagt. Die Frage lautet schließlich nicht, ob Mikroben dort überleben könnten, sondern ob sie dort entstanden ein können – das ist bei weitem nicht dasselbe. Auch die Ergebnisse aus der Erforschung sog. Schwarzer Raucher1) und Weißer Raucher deuten nicht darauf hin, dass sich Leben auf der Erde mehrmals unabhängig voneinander entstanden ist2).

Alle bekannten Lebewesen nutzen gleichen genetischen Code zur Informations-weitergabe und auch dasselbe System universellen Energieaustauschs (ATP/ADP). Dies ist als Beleg dafür zu werten, dass alles heutige Leben auf gemeinsame Vorfahren zurückgeht. Zwar könnte Leben auch mehrfach entstanden sein, aber in diesem Fall hätte nur eine Linie bis heute überlebt).


Schwarzer Raucher im Atlantik

Von ernstzunehmenden Wissenschaftlern der rote Planet auch nicht zu den aussichtsreichsten Kandidaten für extraterrestrisches Leben in unserem Sonnensystem gezählt, sondern vor allem die Monde von Jupiter und Saturn. Die lebensfreundlichsten Bedingungen im Sonnensystem außerhalb der Erde scheint nach derzeitigem Kenntnisstand der nur 500 km große Saturnmond Enceladus zu bieten:

 

Möglichkeiten für Leben auf Enceladus
  • Zumindest in der Südpolregion von Enceladus wird die Existenz von flüssigem Wasser vermutet:

 “Es könnte sich in Kammern befinden, die möglicherweise nur einige Meter unter der Oberfläche liegen und bräche dann ähnlich einem Geysir an die Oberfläche aus. Die geysirartigen Fontänen in der Südpolarregion waren bis in eine Höhe von 500 Kilometern zu beobachten.”

  • Messergebnisse der Raumsonde Cassini bei ihrem Vorbeiflug vom 12. März 2008 in nur 52 km Entfernung zeigten eine viel höhere Dichte von flüchtigen Gasen wie Wasserdampf, Kohlendioxid und Kohlenmonoxid als bislang angenommen. Aber auch organische Materialien waren etwa 20-mal häufiger als erwartet. Die unerwartete chemische Zusammensetzung der ausgestoßenen Partikel ähnelt der eines Kometen.
  • Im Gegensatz zu einem Kometen wird Enceladus aber durch vulkanische Aktivität von innen erwärmt.

Enceladus besitzt somit Eigenwärme, Wasser und organische Moleküle, einige der wesentlichen Voraussetzungen für die Entwicklung von Leben.

 

‘Aliens auf der Erde’?

Keine Sorge, es geht jetzt nicht um bizarre Reptiloide, die die Menschheit insgeheim beherrschen…
Sondern um die bereits kurz angesprochene Überlegung, dass auch auf unserem Planeten das Leben mehrmals entstanden sein könnte.

Spektrum der Wissenschaft befasste sich im April 2008 (vollständiger Artikel als PDF) mit den Thesen von Paul Davies andere Forscher suchen nach Mikroorganismen, die sich grundlegend von der uns bekannten Lebensform unterscheiden.

To be continued

 

Siehe auch:

 

Anmerkungen

1) Rätselhaft sind die Biotope um Felder hydrothermaler Tiefseequellen, weil diese nur ca. 20 Jahre aktiv sind. Dann verstopfen die Röhren, die Quellen versiegen und die Fauna stirbt auch in der nun für sie lebensfeindlich gewordenen Umgebung. Wie das Leben an neue Felder hydrothermaler Quellen kommt, ist bisher nicht erforscht.

Es gibt derzeit zwei verschiedene Theorien, die allerdings beide noch nicht hinreichend bewiesen sind:

  1. Die Tiere geben ihre Eier in das Umgebungswasser ab, durch das sie dann über weite Strecken durch Meeresströmungen weiter getrieben werden. Sobald ein Ei eine hydrothermale Quelle mit optimalen Lebensbedingungen erreicht, wächst daraus eine Larve.
  2. Die erwachsenen Tiere sind in der Lage, von Quelle zu Quelle zu „springen“. Wal-Kadaver könnten als „Trittsteinbiotope“ von einem Schwarzen Raucher zum nächsten fungieren. Wie dieser Vorgang genau vonstattengeht, darüber sind sich die Forscher nicht einig. Es wurden auch noch keine beweglichen Stadien gefunden.

2) Dennoch gehen Wissenschaftler wie z.B. Paul Davies der Frage nach, ob auf der Erde das Leben mehrmals entstanden ist. Sie suchen nach Mikroorganismen, die sich grundlegend von der uns bekannten Lebensform unterscheiden...

Samstag, 9. Juni 2012

UFOs und EBE's – Wahrnehmung im Wandel der Zeit

Nicht mehr als ein "Feuchtbiotop voller Lügen und Halbwahrheiten"?

Welches Rüstzeug benötigt man, um sich mit 'Präastronautik'1) und dem UFO-Phänomen aus kritisch-neutraler Distanz?

  • Mit naturwissenschaftlicher Empirik alleine gelangt man rasch zu einer ironisch-spöttischen Ablehnung des gesamten Themenfeldes - das ist mir persönlich aber zu wenig. 
  • Das andere Extrem behagt mir genauso wenig: Im Web balgen sich profitorientierte Autoren (jeder darf sich "Paläo-SETI-Experte" nennen, das ist weder eine geschützte Berufsbezeichnung noch ein akademischer Titel) mit ihren Jüngern um "Artefakte" und "Theorien", welche sich bei näherem Hinsehen als äußerst spekulativ erweisen. Hauptsache, es ist schön bunt und kann sich nicht zur Wehr setzen?

Der schweizerische Philosoph und Sachbuchautor Armin Risi 
("Die Kosmologie der altindischen Schriften") nennt als Voraussetzung zum tieferen Verständnis des Paläo-SETI-Phänomens ein "neues, multidimensionales Weltbild, in dem auch die "paranormalen" Aspekte der materiellen Realität Platz haben". In diesem Kontext bemüht Risi exemplarische Stichworte wie Reinkarnation, höhere Dimensionsebenen, mind over matter und Astralenergien bemüht. 

Spätestens bei "Astralenergien" stoße ich an die Grenzen meines Weltbildes und ebenso meines Halbwissens - mir bleibt die Freiheit zur selektiven Akzeptanz dessen, was ihm gerade noch plausibel erscheint.

Offenbar verfügten ältesten Hochkulturen über ein Wissen, das diesen Ansprüchen genügt und das deshalb erst heute nach und freigelegt wird.

Kosmologie der altindischen Schriften (Armin Risi)

Die Menschheitsgeschichte der letzten 20.000 Jahre liefert in Verbindung mit den erstaunlich ähnlichen Mythen aller Kontinente Anhaltspunkte, dass Begegnungen mit außerirdischen Intelligenzen vor Tausenden von Jahren stattgefunden haben könnten. Es gehört heue fast zur Allgemeinbildung: Historische Überlieferungen und Legenden - beginnend mit den altindischen („vedischen“) Schriften – berichten von 'Göttern, die vom Himmel kamen'.
Bereits 1996 wies Armin Risi in seiner o.a. Abhandlung darauf hin, dass
“…jene Zivilisation, die diese Schriften hervorgebracht hat, über ein fortgeschrittenes Wissen verfügte und mit Selbstverständlichkeit über interplanetarische Reisen, Vimana-Raumschiffe und außerirdische Zivilisationen sprach.”
Der vorliegende Text greift 'interplanetarische und interdimensionale Kontakte' der Vergangenheit auf und sucht nach möglichen die Parallelen zum gegenwärtigen UFO-Phänomen? Lt. Risi besagen die mehr als 5500 Jahre alten vedischen Quellen sehr klar, dass die Menschen der früheren Zeiten Kontakt zu außerirdischen Wesen hatten. Allerdings seien diese Kontakte untrennbar verbunden mit einem philosophischen bzw. spirituellen Zugang, welcher den meisten Menschen heute verschlossen ist. 
Die Veden allein auf ‘Präastronautik’, UFOs und leuchtende Spektakel am Nachthimmel reduzieren zu wollen, würde lediglich von Ignoranz zeugen.
  • Eine ausführliche Einführung zu den vedischen Schriften findet sich beispielsweise hier.

Der größte Teil dieser aus insgesamt sechs vedanga-s (Gliedern) bestehenden Schriften, geschrieben in Sanskrit, befasst sich mit geistigen und religiösen Themen (Selbstverwirklichung, Wesen des Seins, Gotteserkenntnis, aber auch Kriegskunst und wissenschaftliche Angaben), worin zugleich ein wichtiger Hinweis auf die Prioritäten dieser Kultur darstellt.


Das Wort Sanskrit in Devanagari-Schrift

In den Veden begegnen wir einer umfassenden, erstaunlich fortschrittlichen Weltsicht, die wohl nur als Ganzes zu verstehen ist. Risi schreibt:
“Weniger bekannt sind jene Teile, die sich mit dem Aufbau des Universums und mit Sankhya, einer Art multidimensionalen Physik, befassen. Die Purana-Kosmologie enthält Informationen über die Entstehung des Universums, die erst im 20. Jahrhundert wieder herausgefunden wurden, zu einem großen Teil aber noch unentdeckt sind oder bestritten bzw. verheimlicht werden,…”

Allein um die Kosmologie der Veden zu verstehen, würde man Monate wenn nicht Jahre benötigen. Doch könnte diese eher in der Populärwissenschaft beachtete These (‘außerirdischer Technologietransfer’, um zunächst ein Schlagwort zu nennen) einen Einstieg in die komplexen Schriften der alten Inder vermitteln.


Wiederholt ist darin von einem multidimensionalen Raum mit verschachtelten Welten in unterschiedlicher Verdichtung (grobstofflich / feinstofflich) und von höherdimensionalen Wesen Kontakt die Rede. Viele der enthaltenen Informationen wurden in den vergangenen einhundert Jahren naturwissenschaftlich bestätigt: die Krümmung des Raumes in sich, das Wesen von Materie als einer Form von sich ständig wandelnder Energie, die Relativität von Raum und Zeit – aber auch die Tatsache, dass das Universum seit Jahrmilliarden existiert, die Erde 4 bis 6 Milliarden Jahre alt ist und einstmals ein glühendes Gebilde war.

Mit anderen Aussagen, die aus vedischer Sicht ebenso selbstverständlich sind, mag sich die Naturwissenschaft (noch) nicht anfreunden. Hierzu zählt unter anderem, dass die sogenannten UFOs physische Realitäten nicht-irdischen Ursprungs seien. Auch der Umstand, dass sich vergleichbare Aussagen bei nahezu allen vergangenen Kulturen finden – wobei das Alte Testament m.E. nach keine Ausnahme bildet – verleitet nur einige Abtrünnige der großen Wissenschaftsgemeinde, diesen Ansatz ernsthaft zu verfolgen.
Dabei sind diesbezügliche Schilderungen der Veden erstaunlich konkret, beispielsweise:
  • die Vimana-Texte, die verschiedenste irdische und interplanetare Raumschifftypen beschreiben (samt Bauanleitung und einer noch unverstandenen Metallurgie)
    [Die altindischen Texte sprechen allerdings auch von der Verwendung flüssiger Treibstoffe: z.B. Alkohol, Honig, vergorener Reis und bestimmten Pflanzenextrakten,... klingt irgendwie nicht nach überlegener Alientechnologie, sondern eher nach der kreativen Nutzung von Luftschiffen (Heißluftballons)]
  • die Dhanurveda-Texte, die zwei Waffenkategorien beschreiben, hauptsächlich zwei Kategorien: mechanische und „Kampfsport“-Waffen (shastra) sowie solche Waffen, die mit höheren Energien funktionieren und nur durch Mantras oder Gedankenkraft zum Einsatz gebracht werden können (astra)
Aufschlussreich für die Präastronautik seien auch vedischen Texte über Architektur (Sthapatya). Wie in Ägypten und Südamerika, gibt es auch in Indien Relikte ‘unerklärlicher Monolith-Techniken’, welche für die moderne Technologie schwer oder gar nicht imitierbar sein sollen.
Als Beispiel hierfür führt Risi den südindischen Brihadisvara-Tempel von Tanjore an. Die Plattform auf der Spitze dieses Pyramidentempels in 70 Metern Höhe bestehe aus einem einzigen Stein von fast 100 Tonnen Gewicht.


Brihadisvara-Tempel

Risi vollzieht an dieser Stelle eine Schlussfolgerung nach, der sich auch die Befürworter der Präastronautik bedienen, ausgehend von der Frage, woher die alten Inder dieses Wissen und diese Fähigkeiten hatten:
Bestimmt nicht aufgrund von empirischer Forschung, denn die dazu erforderlichen technologischen Apparaturen, die erst in der Neuzeit mit einem enormen Aufwand entwickelt wurden, standen ihnen nachweisbar nicht zur Verfügung. Was waren dann ihre Quellen?
Geschichtsforscher der Gegenwart können über diese Frage (ebenso wie übrigens auch die Präastronautiker) nur spekulieren, wenn sie derart Verstörendes nicht per se ausblenden. Dagegen äußern sich die vedischen Schriften ohne Umschweife:
“In früheren Zeitaltern hatten die Menschen direkten Kontakt mit Gott und den Göttern und bekamen von ihnen den notwendigen Einblick in die Zusammenhänge des Lebens.”
Schriftliche Aufzeichnungen sollten sicherstellen, dass dieses Wissen niemals verloren gehe. Dass vedische Schriften tatsächliche in großer Fülle bis heute erhalten sind, lässt sich darauf zurückführen, dass die altindische Kultur nie untergegangen, sondern bis heute in Form einer spirituellen Tradition fortgesetzt wird.

Eine der Kernaussagen von Armin Risi lautet: Die Selbstverständlichkeit, mit der die vedischen Schriften von interplanetaren und interdimensionalen Kontakten sprechen, zeuge von einer tiefen Einsicht in die Physik des multidimensionalen Kosmos.
Hm ...sind ‘wir’ heute überhaupt imstande zu beurteilen, ob nicht doch Wunschdenken im Vordergrund stand, wie man es auch der Bibel unterstellt - und heute noch steht, wenn allzu leichtgläubig an Berichten von Kontakten mit E.T. festgehalten wird?

Zwar stimme ich mit Risi insoweit überein, als die alten Überlieferungen jeden Respekt sowie Aufmerksamkeit verdienen, denn sie könnten tatsächlich einen Ausweg aus der zunehmenden spirituellen und geistigen Substanzlosigkeit eröffnen. Darüberhinaus erhalten sie sicherlich wertvolle Impulse für die heutige Naturwissenschaft.
Empirische Beweise für die Richtigkeit des prähistorischen Technologietransfers von ‘außen’ oder ‘oben’ liefern sie jedoch nicht. 


Zu bedauern ist allerdings der Dogmatismus von Wissenschaftlern, welche die Präastronautik der Lächerlichkeit preisgeben wollen, obwohl sie selbst auch keine schlüssige Beweisführung für Phänomene wie die kambrische Explosion und die neolithische Revolution anzubieten haben.


Trotz Relativitätstheorie und Quantenphysik verfügt die Physik der Gegenwart allenfalls über theoretische Ansätze, um die vedische Multidimensionalität von Raum und Zeit zu verstehen. Eine Reihe von Wahrscheinlichkeiten also, die es bislang weder gestattet, die Kosmologie und das Raumzeitverständnis der Veden als unzutreffend abzutun noch sie als beweisbar darzustellen.
Attribute wie ‘unmöglich’ und ‘wahrhaftig’ sind insoweit gleichermaßen unangemessen. Offensichtlich müssen wir uns derzeit damit zufrieden geben, dass die Menschheit noch nicht so weit ist, um diese Fragen definitiv zu beantworten. 

Nachdem die bereits vollzogenen Fortschritte auf technologischen und naturwissenschaftlichen Gebieten missbraucht und zum Schaden eines Teils der Menschen und der belebten Natur eingesetzt werden, dann bin ich darüber fast erleichtert.-


Persönlich halte ich einzelne kosmologische Aussagen der Veden freilich für plausibel; sie werfen keine unüberwindbaren Widersprüche auf und könnten sich möglicherweise als zutreffend erweisen.
Sollte es wirklich so sein, dass wir unsere subjektiv wahrgenommene Realität letztlich in einem ‘kollektiven Traum’ erleben (vgl. ‘Ist unsere Realität ein kollektiver Traum?’ , Dank an Guido für den empfohlenen Link in seinem letzten Kommentar), dann sehe ich keine grundsätzliche Veranlassung, warum in dieser formbar-subjektiven Wirklichkeit keine UFOs und interplanetarischen Begegnungen vorkommen sollten.
Andererseits unterliegt auch ‘diese’ Realität, soweit wir heute wissen, bestimmten Naturgesetzen und -konstanten, etwa der Lichtgeschwindigkeit als maximal erreichbare Geschwindigkeit. Damit stellt die Überwindung astronomischer Entfernungen in vertretbaren Zeiträumen (innerhalb einer aus vier Dimensionen bestehenden Welt) eine erhebliche Schwierigkeit dar dar. Das war auch vor 5500 Jahren so. Bis auf weiteres müssen spekulative Hyperräume, Dimensionssprünge oder die Einstein-Rosen-Brücke (‘Wurmlöcher’) als Erklärungsversuche herhalten.

Indessen steht Armin Risi auch den Berichten über neuzeitliche UFO- und Alien-Begegnungen mit einer Unvoreingenommenheit gegenüber, die ich selbst so nicht teile.
Ein Beispiel: “Der explosionsartige technologische Fortschritt der letzten fünfzig Jahre sei auf den Kontakt gewisser Menschen mit nicht-irdischen Interessengruppen zurückzuführen. Im Austausch gegen Technologie sei diesen erlaubt worden, sich am irdischen Gen-Material zu bedienen. Die Technologie, die dem Volk zur Verfügung gestellt wird, sei natürlich nur ein verächtlicher Bruchteil des gesamten Arsenals.”
Solche schlicht unbeweisbaren und m.E. unhaltbaren Behauptungen geht mir entschieden zu weit, zumal ohne Nennung von überprüfbaren Quellen, Orten und Zeitpunkten.


Von solchen Eskapaden enthält die genannte Abhandlung gleich mehrere: Thesen wie ‘Die Menschheit stammt von höheren Planeten’ muten als weit hergeholt an – andererseits wird die These der Panspermie auch unter Evolutionsbiologen diskutiert.

Gegenwartsbeispiel: ‘Secrets of the black world’ - Dokumentation über ‘Area 51’ und die Geheimniskrämerei in US-Militäranlagen -



Nachdem sich inzwischen so ziemlich alles 'glaubhaft' visualisieren lässt, erachte ich heutige Meldungen z.B. über angeblich außerirdische Technologien auf der Erde nicht als glaubhafter als die Aufzeichnungen der alten Inder.

Michael Hesemann hat den Versuch unternommen, die verfügbaren Aussagen, Videoaufnahmen und sonstige Quellen zu ordnen und sachlich zusammen zu stellen. Der so entstandene Film hebt sich von sonstigem UFO-Material immerhin dadurch ab, dass auf dramaturgische Elemente wie Musikuntermalung etc. fast verzichtet wurde. Allerdings ist der Film insgesamt etwas langatmig, vor allem wg. der Aneinanderreihung sehr ähnlicher Zeugenaussagen.
  • Der in einem Interview (für KLAS-TV) befragte Robert "Bob" Lazar (geb. 1959) ist in der ‘UFO-Szene’ kein Unbekannter. Der US-amerikanische Physiker erklärte, 1988 bis 1989 an einem Projekt an Studien über mutmaßlich außerirdischen Fluggeräte gearbeitet, die am am Papoose Lake in einem militärischen Sicherheitsbereich S-4 durchgeführt worden seien.
Seine Ausführungen erzeugten einiges mediales Interesse, immer wieder sei er mit Kritik und Widersprüchen konfrontiert. So wurde ihm vorgehalten, er kenne viele aktuelle, dem gängigen Wissensstand entsprechende physikalische Theorien nicht. Interessant ist Lazars Antwort auf die Frage, weshalb er mit dieser heiklen Thematik an die Öffentlichkeit gegangen sei: er habe sich schützen wollen und zugleich der Desinformationen von staatlicher Seite begegnen wollen.
Später verwies Bob Lazar auf Unterlagen, die ihm für seine wissenschaftliche Arbeit zur Verfügung gestellt worden seien. Unter anderem seien darin “Informationen über UFOs sowie Autopsiebilder von kleinen grauen Wesen mit großen unbehaarten Köpfen” enthalten gewesen. Klingt schön spektakulär, ist meiner Einschätzung nach aber ebenso wenig nachvollziehbar wie der Zugriff von Aliens auf menschliche Gene (s.o.). 


Geheimhaltung aus Furcht vor Massenpanik - auch heute noch?

Erkennbar groß sind die Schwierigkeiten auf journalistischer Seite, offizielle bzw. glaubhafte Bestätigungen für die Aussagen Lazars zu erhalten - wirklich nur infolge von Einschüchterungen durch US-Geheimdienste?

  • Daran krankt meiner Ansicht nach die gesamte "E.T.-Branche": Je weiter eine Meldung/Behauptung vom Mainstream-'Konsens' (=dem, was die als relevant erachteten Medien uns als Wahrheit vorsetzten, meist als als vorgekauter, leicht bekömmlicher Informations-häppchen-Brei) abweicht, um so eher sind Belege gefordert. Wenigstens aber eine plausible Indizienkette sowie nachprüfbare Quellenangaben. Behauptungen und Hörensagen reichen einfach nicht, um (z.B. mich) zu überzeugen.
Gelassenheit und eine gesunde Skepsis gegenüber Aussagen der Präastronautik sowie dem UFO-Phänomen sind jedenfalls angebracht; leider tummeln sich in diesem Umfeld viele Gestalten, die absichtlich Halb-/Unwahrheiten verbreiten, um persönlichen Nutzen daraus zu ziehen ...Profit, Anerkennung, öffentliche Aufmerksamkeit oder was auch immer. Auch unüberlegtes Abkupfern (einschließlich inhaltlicher und Rechtschreibfehler) fügt dem Forschungsgegenstand Paläo-SETI erheblichen Schaden zu.
  • Die angeblichen Abstürze von Aliens in New Mexico kommentierte der Kosmologen Prof. Harald Lesch so: "Wenn Außerirdische es schaffen, Milliarden von Lichtjahren zu überwinden um uns zu besuchen und dann nicht in der Lage sind, ein Raumschiff anständig im Orbit zu halten, will ich mit diesen Minderbemittelten nichts zu tun haben."
    Den einschlägigen Legenden zufolge kamen die UFO-Piloten mit Radaremissionen der US-Streitkräfte nicht zurecht, welche die sensible Steuerungstechnik ihrer Raumgleiter gestört habe. 
Festzustehen scheint: gerade die von staatlicher Seite verhängte Geheimhaltung begünstigt dieses ‘Feuchtbiotop von Lügen und Halbwahrheiten’ nur. Bestimmte Fakten der Bevölkerung erst zum geeigneten Zeitpunkt mitzuteilen, mag durchaus sinnvoll sein - sonst könnte im Einzelfall die öffentliche Ordnung zusammenbrechen.

Doch oft genug wird eine unterstellte Panikreaktion instrumentalisiert, um die Zurückhaltung wichtiger Informationen zu rechtfertigen. Das 'UFO-Thema' ist durch eine Vielzahl von Nachrichten, Dokumentationen und Filmproduktion jedoch längst im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert; eine in den 1950er Jahren vielleicht mit Recht befürchtete Massenpanik ist in der heutigen Zeit auszuschließen.

Citizen Hearing in Washington - Kommt das Ende der UFO-Geheimhaltung?   



Ein weiterer Effekt der restriktiven Informationspolitik: Unser persönlicher Wissensdrang bleibt unbefriedigt - das erzeugt nicht nur Frust, sondern führt zur Verselbständigung von Mythen (jeglicher Art) und einer beträchtlichen Eigendynamik : Sollten relevante UFO-Verschlusssachen nach 2025 wirklich offen gelegt werden, würde damit die Kontroversen kaum beigelegt – im Gegenteil: Das angeblich “grösste Geheimnis unserer Zeit” lässt sich nicht weg-rationalisieren. 

Und was bitte soll aus den Verfassern einschlägiger Bücher werden, vor allem nach 2012? Die Webseite ‘UFOs: Die spektakulärsten Schwindeleien’ befasst sich ausführlich mit Begebenheiten, die nach anfänglicher Verwirrung als Schwindel bzw. Manipulation entlarvt werden konnten.

Dann sind moderne UFO-Sichtungen und das Drum und Dran ausnahmslos Schwindel? 
Kaum, doch es würde mich wirklich nicht erstaunen, wenn sich die ‘Wahrheit’ in gänzlich anderer Weise darstellen würde, als wir Außenstehenden anhand der bruchstückhaften Informationslage vermuten können. 


Präastronautik erscheint glaubhafter

Erstaunlicherweise werden in früheren Zeiten beschriebene Kontakte zu nicht-irdischen Wesen nie als eine Sache geheimniskrämerischer Eliten und Geheimbünde dargestellt. Eher, so jedenfalls mein Eindruck, wusste damals 'jeder', dass es diese 'Halbgötter mit ihren Himmelsschiffen und Donnervögeln' gab.
Heute dagegen weiß niemand etwas Konkretes über Außerirdische – und wenn doch, darf er sein Wissen nicht mit allen Menschen teilen - ein Indiz dafür, dass große Teile der aktuell kursierenden UFO-Sachverhalte einer objektiven Überprüfung kaum standhalten dürften. Anders ausgedrückt: Falls vor mehr als fünftausend Jahren tatsächlich riesige Raumschiffe (‘fliegende Städte’) am Himmel zu sehen waren, dann hatten die Aliens keinen Grund, im Verborgenen zu agieren. Ihre Anwesenheit wäre unwiderlegbar und für alle Menschen der Region offensichtlich gewesen.
Weshalb sollten die gleichen überlegenen Intelligenzen heute anders vorgehen und nur mit wenigen Politikern, Geheimdienstlern sowie sog. Channeling-Experten vertrauliche Konversation treiben – mit dem Resultat, das ihre Anwesenheit weiterhin verschleiert bleibt?
Risi beantwortet diese Frage auf seine Weise: Er unterscheidet zwischen ‘guten’ uneigennützigen Aliens (‘Lichtwesen’) und ‘Wesen aus unteren (dunklen) Dimensionen – die seiner Auffassung nach beide das Geschehen auf der Erde beeinflussen – auf sehr unterschiedliche Weise:
“…die Lichtwesen2) sind sich über alle Vorgänge auf der Erde bewusst, aber sie halten sich im Hintergrund und respektieren den freien Willen ...
Die ersten Außerirdischen, die auftreten, werden also nicht die von „oben“, sondern die von „unten“ sein!”
Und weil diese Wesen ‘von unten’ sind, errichten sie auf der Erde ihre Stützpunkte errichten, tun sie das deshalb entweder unterirdisch oder unterseeisch…
Diese heikle Form von Gut-Schlecht-Wertigkeit könnte aber auch eine Ausprägung der für uns Menschen so typischen Projektion von Verantwortung auf ‘höhere’ Wesen darstellen. Denn, das sollte nicht vergessen werden, die Möglichkeit ihrer Existenz ist bei weitem nicht gleichbedeutend mit ihrer Anwesenheit auf oder nahe der Erde!
Es bleibt das Entfernungsproblem. Ob es grundsätzlich lösbar ist, werden wir erst klären können, wenn wir die Frage der Existenz weiterer Dimensionen beantwortet haben.
Kämen uns die Aliens dabei zuvor, indem sie einen unwiderlegbaren, öffentlichen Beweis ihrer Anwesenheit lieferten, würden sie wohl ein Umdenken in religiöser/spiritueller Hinsicht auslösen:
“Woher auch immer die nicht-irdischen Wesen stammen, sie bedeuten für den Menschen eine Konfrontation mit der Multidimensionalität des Kosmos, und diese Horizonterweiterung könnte das einseitige Weltbild der modernen Wissenschaften und Religionen ins Wanken bringen.”
Ob ‘sie’ der Menschheit nun helfend zur Seite stehen oder rücksichtslos-manipulativ eigene Ziele verfolgen oder ob beides parallel stattfindet, wie uns die Veden mitteilen -einstweilen gilt: all diese Argumente und Spekulationen ändern nichts an einer Tatsache: die Menschen sind für ihr Überleben selbst verantwortlich.


Anmerkungen:

1) Prä-Astronautik oder Paläo-SETI ist ein Sammelbegriff für Thesen, nach denen eine oder mehrere Außerirdische Intelligenzen die Menschheit in früheren Zeiten auf der Erde besucht haben. Von den Aliens sei eine entscheidende Beeinflussung der menschliche Zivilisation beeinflusst oder sie sogar erst geschaffen. Dabei werden oft die in nahezu allen Kulturen vorhandenen Überlieferungen von Begegnungen mit Göttern und anderen fabelhaften Wesen als Besuche außerirdischer Wesen gedeutet.

2) In der Abhandlung von Armin Risi verschwimmen die Konturen zwischen außerirdischen Wesen / höherdimensionalen Wesen / göttliche Wesen. Ein hochinteressanter Ansatz, wenn man den Gedanken zulässt, dass ‘Göttlichkeit’ zunächst eine von Menschen geschaffene Kategorie und Zuweisung bestimmter Attribute ist.
Das wirkliche, vollständige Wesen des ‘Göttlichen’ werden wir kaum je ergründen.