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Freitag, 20. Juli 2018

Jenseits der linearen Zeit?

Unser alltägliches Zeitverständnis entsteht entweder aus Gewohnheiten, externen Vorgaben und subjektiven Eindrücken - oder es richtet sich nach den klassischen Ideen(vor)gebern im Umfeld der Religionen - hier nur zwei verkürzte Beispiele:
  • Eine sich beruhigend linear nach vorne bewegende Zeit, kennen wir aus dem Alten Testament , wo die Schöpfung der Welt den Beginn der Zeit markiert. Nein, unserer Zeit, denn "Welt" steht im A.T. allein für die Erde, in deren Sichtweite noch ein paar kleine und große Leuchtkörper aufgehängt werden: Sonne, Mond und nahe Sterne.
  • Das Zeitverständnis im Hinduismus ist im wesentlichen zyklisch: nach der Ruhenacht, die mehr als vier Millionen Menschenjahre dauert, schöpft Brahma eine neue Welt und alles beginnt von vorne.
    Vor allem aber glaubt der Hindu an die mehrmalige Wiederverkörperung (Reinkarnation). Jedes Lebewesen, ob Mensch oder Tier, sei dem dem Kreislauf der Wiedergeburten unterworfen. 
Nichts davon ist wirklich objektivierbar anhand naturwissenschaftlicher Kriterien. Insoweit entsteht die Frage:
Existiert Zeit überhaupt, also objektiv? Oder stellt sie lediglich ein menschengemachtes Konstrukt dar, durch das wir unser Leben und die in ihm enthaltenen Prozesse vereinfachen, d.h. koordinieren und strukturieren?

Träfe diese Annahme zu, so würde ohne/außerhalb von uns etwas wie Zeit nicht existieren.

Bekanntlich finden in der Natur aber zahllose zyklische Prozesse mit hoher Präzision statt, auf die wir bei der Festlegung von Bewegungs- und letztlich auch Zeitmaßstäben zurückgreifen. Die Dauer eines Tages, Monats, Jahres ist eben nicht willkürlich - wenngleich Messungenauigkeiten auftreten können.-

  • Ludwig Pohlmann und Uwe Niedersen, die Autoren der Abhandlung "Jenseits der linearen Zeit" wenden sich dieser Frage sowie der Unterscheidung zwischen einem linearen und einem nicht-linearen Zeitverständnis zu. 
Seit Isaac Newton verbreitete sich die Anschauung, wonach die Zeit eindeutig sei, das sie unabhängig vom Inhalt des Universums gleichmäßig ablaufe und das sie, da jede höhere Bewegung auf eine Summe mechanischer Bewegungen reduzierbar sei, das gesamte Geschehen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft determiniere.
Newton beschreibt das Phänomen der Zeit mit den folgenden Worten:
"Die absolute, wahre und mathematische Zeit verfließt an sich und vermöge ihrer Natur gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen äußeren Gegenstand. [...]  (Mathematische Prinzipien der Naturlehre; London 1687)
Darauf aufbauend die 'zeitgemäße' Wikipedia-Definition: "Die Zeit beschreibt die Abfolge von Ereignissen, hat also im Gegensatz zu anderen physikalischen Größen eine eindeutige, unumkehrbare Richtung."

Nachdem sich die Naturwissenschaft seit Newton grundlegend gewandelt hat bleibt es dennoch bei der festen Überzeugung "in unserem Innersten, ...dass es die linear fortschreitende Zeit Newtons gibt und das sie die eigentliche, die grundlegende Zeit ist, also der sichere Boden des absoluten zeitlichen Bezugssystems". 

Zugänge zur Kritik der linearen Zeit

Vier Ansätze werden von den Autoren benannt, um unsere herrschenden Zeit-Vorstellungen wenigstens kritisch zu hinterfragen, zu kritisieren:
(a) Geistesgeschichtlich: Die Beschreibung und Analyse der menschlichen Zeitvorstellungen im Laufe der schriftlichen Aufzeichnungen könne dazu beitragen, unsere heutigen Vorstellungen zu relativieren und auf ein menschliches Maß zu bringen.  

(b) Menschlich-subjektiv: Das subjektive Zeitempfindens weist eine große Vielfalt an Formen der Zeit auf. Jeder kennt die psychisch-individuelle Zeit, die so leicht durch situative und innere Veränderungen beeinflusst werden kann: Beim Zahnarzt dauern einzelne Minuten kreischenden Bohrens und Dröhnens garantiert länger als Stunden geselligen Beisammenseins mit lieben Menschen.


 (c) Biologisch-konstruktivistisch


(d) Selbstorganisationstheoretisch: Eine Kritik der Zeitvorstellungen, die auf Ergebnissen von Physik und Chemie aufbauen, muss zwangsläufig auf die neuen Erkenntnisse durch die Relativitätstheorie, die Quantentheorie und schließlich die Irreversible Thermodynamik bezugnehmen.  


Zeitempfinden als biologische Notwendigkeit

In einer Welt, in der burchstäblichen alles in Bewegung, d.h. Verändrungen unterworfen ist, finden wir uns nur zurecht, indem wir unser eigenes Verhalten mit den für uns relevanten Abläufen und Veränderungen der Umwelt koordinieren. Außerdem haben wir die Zyklen und Abläufe des eigenen Organismus - die Autoren sprechen treffender von unserem inneren Milieus - zu brücksichtigen. 

Wer mit einem geregelten Stuhlgang gesegtnet ist, wird diesen ohne groß nachzudenken in seiner persönlichen Tagesstruktur 'einplanen'. Das fällt allenfalls auf, wenn einmal Unregelmäßigkeiten auftreten und der gewohnte 'Termin' sich verzögert, gestört ist.

Diese Koordination mit inneren und äußeren Prozessen lässt einen inneren Zeitmaßstab entstehen. Dies treffe in untrschiedlichem Ausmaß auf sämtliche Lebewesen zu:
"Laubbäume müssen 'wissen', wann sie ihre Blätter abzuwerfen haben, bevor der erste Frost kommt."
Diese Fähigkeit zum antizipatorischen Verhalten findet eine natürliche Erklärung in der Evolutions-Biologie. Danach überleben im Zuge der natürlichen Selektion nur diejenigen biologischen Arten, welche durch Mutation rechtzeitig Eigenschaften erwarben, die sie befähigten, für sie relevante Gegebenheiten der Umwelt wahrzunehmen und darauf zu ihrem Nutzen zu reagieren.

 Auf diese Weise müsse die biologische Evolution im Zuge ansteigender Komplexität von Lebensformen auch die Entstehung eines Zeitempfindens begünstigt haben.  Die Existenz solcher interner biologischer Rhythmen ("biologischer Uhren)" wurde bei vielen höheren Tieren bschrieben. Zwar ist noch nicht im Einzelnen bekannt, wie diese  funktionieren.

Immerhin weiß man, dass es sowohl in der Biochemie, als auch in der Chemie der unbelebten Natur viele chemischen Reaktionen gibt, die nicht gleichförmig monoton, sondern periodisch ablaufen, Beispiel: die Belousov-Zhabotinsky- Reaktion. 
BZR in einem gerührten System mit Ferroin

Soweit also schon vom Metabolismus der Lebewesen her periodische Reaktionen vorhanden waren, konnten diese von der Evolution verwendet werden, sobald sie gebraucht wurden. Dadurch erlangte bzw. gestaltete sie mit der Zeit die Funktion einer "inneren Uhr".

"Das Zeitempfinden der Lebewesen wird nun auf diesen Taktgebern aufbauen, indem es die dazugehörigen Zeitintervalle als Maßstab an die wahrgenommenen äußeren Bewegungen anlegt."
Hieraus nun lässt sich eine biologische Zeit-Definition formulieren: "Zeit in diesem Sinne ist somit eine evolutionär begünstigte und genetisch fixierte Abstraktionsleistung der Lebewesen, die diese benötigen, um sich in ihrer veränderlichen Welt zurechtzufinden und komplizierte Bewegungen miteinander koordinieren zu können."

Dadurch erschließen sich der jeweiligen Spezies die von ihr benötigten Handlungsfelder wie Synchronisation und der Antizipation, welche mit wachsender Komplexität die Abstraktionen "Gegenwart" und "Zukunft" ermöglichen. Mit dem Gedächtnis kommt schließlich "Vergangenheit" hinzu.


Auch wir Menschen vollziehen diese Abstraktion (meist unbewusst oder vorbewusst), dabei profitieren wir von zuvor erbrachten und uns genetisch weitergegebenen Abstraktionsfähigkeiten. Als Produkt der Selektion weisen aber einen natürlichen Fehler auf: sie gelten nur für diejenige Umwelt, für die ökologische Nische, in der sie selektiert wurden. Unter veränderten Umweltbedingungen einer anderen Umgebung können sie plötzlich zu widersinnigen Reaktionen führen, die sowohl Individuen als auch die gesamte Spezies ins Verderben treiben.


[Exkurs...weil ich diesen Einzeller so faszinierend finde: Das Paramecium (Pantoffeltierchen) besitzt einen walzenförmigen Körper, der vollständig mit Wimpern (Cilien) bedeckt ist. Diese Wimpern bewerkstelligen die Fortbewegung und den Nahrungserwerb.
Zur Fortbewegung schlagen die Wimpern koordiniert nacheinander, so dass gewissermaßen Wellenbewegungen über den Körper laufen, die beim Vorwärtsschwimmen vorne beginnen. Möglich sind auch kompliziertere Manöver wie Drehungen und Rückwärtsbewegungen. Wie kaum ein anderer Einzeller kann Paramecium dank zahlreicher Sinne auf seine Umgebung reagieren.
Paramecien reagieren auf chemische Reize wie Salz- und Säurekonzentration, Temperatur, Licht, Schwerkraft und natürlich Berührung. Die Wimpern sorgen für einen flächendeckenden Tastsinn - und das ganz ohne Neuronen (Nervenleitbahnen) - es handelt sich schließlich um einen Einzeller! 
Trifft es beim Vorwärtsschwimmen auf ein Hindernis, so rudert das Pantoffentier ein Stück zurück, macht eine leichte Drehung und versucht erneut, vorwärts zu schwimmen. Das wird so lange wiederholt bis das Hindernis umschwommen ist. 
Auf der Suche nach Futter bewegt es sich stets in Richtung zunehmender Säurekonzentration im Wasser, da diese die Anwesenheit von 'schmackhaften' Bakterien anzeigt. Bringt man jedoch einen Tropfen einer starken Säure ins Wasser, so bewegt sich das Pantoffeltierchen in den sicheren Tod.]
In gleicher Weise passt das vom Menschen evolutionär erworbene Zeitempfinden nur auf die Bereiche, in denen es entstanden ist. Es versagt schon, sobald die inneren Uhr nur ein wenig durcheinander kommt: im Fieber, im Traum, in der Meditation und im Rausch (z.b. löst eine LSD-Psychose ein stark verändertes Zeitempfinden aus. 

Daraus erklären sich unsere prinzipiellen Schwierigkeiten, die neuen Zeitvorstellungen der Relativitätstheorie rational und gefühlsmäßig zu verstehen. Experimentell belegte Phänomene wie z.B. die Zeitverlangsamung bei (sehr hohen) Geschwindigkeiten, verlassen nun einmal die Grenzen unseres alltäglichen Erfahrungshorizontes und fällt es sehr schwer, sie sich vorzustellen

"Noch unvorstellbarer aber würde es für uns, wenn wir versuchten, uns in die Lage eines einzelnen Photons hineinzuversetzen: Da es sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, vergeht für das Photon die Zeit "unterwegs"...überhaupt nicht ."
Obwohl nach den Berechnungen von Gödel sogar "Zeitschleifen" prinzipiell möglich wären, gibt unser Gefühl nach wie vor der einfachen linearen Zeit den Vorzug, betrachten wir sie als die grundlegende Wirklichkeit.
Und täglich grüßt das Murmeltier... 
Eine Zeitschleife ist eine rekursive Verkettung der Zeit. Normalerweise folgt auf jeden Zeitpunkt der Gegenwart unumkehrbar ein Zeitpunkt in der Zukunft, d.h. alle Ereignisse passieren nacheinander und kausal – die Wirkung folgt der Ursache und nie umgekehrt. In einer Zeitschleife ist die Richtung des Zeitstrahls jedoch so gebogen, dass er sich mit einem Punkt in der Vergangenheit oder Zukunft kreuzt. Dadurch findet ein Sprung in der Zeit statt, der sich auf eine bestimmte Umgebung begrenzt.
Abgrenzung zur Science Fiction: 
Abgrenzung zur Science Fiction: Für Zeitreisen von Lebewesen gibt es bis heute kein physikalisches Modell.
Eine der wesentlichen Schlussfolgerungen bis hierhin: "Es gibt kein absolutes, kein ausgezeichnetes Bezugssystem der Zeit. Die Wahl einer Bewegung als Maß einer anderen ist nur durch außerwissenschaftliche Werturteile begründbar. Keiner dieser Zeitmaßstäbe hat an sich einen Vorzug vor den anderen."
Erst durch eine Wertfunktion, z.B. die des Überlebensvorteil einer biologischen Art, kann sich ein Zeitmaßstab gegenüber den 
möglichen anderen auszeichnen. Insofern ist auch die lineare physikalische Zeit eine menschliche Schöpfung.

Zeit und Selbstorganisation

Bei Selbstorganisationsvorgängen entstehen folglich auf einer jeweils höheren (z.B. der makroskopischen) Ebene qualitativ neue, relativ autonome Entitäten, welche neuen, eigenen Gesetzen gehorchen. Diese widersprechen zwar nicht den Gesetzen der konstituierenden Subsysteme (z.B. menschliche Individuen), aber sie werden auch nicht durch diese erschöpfend beschrieben. 

Was dies mit den Zeitvorstellungen zu tun haben kann? → Nach den o.a. Ausführungen zu biologischen Aspekten der Zeit kann man durchaus von einer Eigenzeit eines jeden Menschen sprechen, die sich aus inneren und äußeren Rhythmen resultiert und individuell verschieden ist. Bilden nun mehrere Menschen eine nicht nur formale Gruppe, die eine gemeinsame Aufgabe oder Funktion hat, so entsteht automatisch das Problem der Koordination der verschiedenen Eigenzeiten. 


Auf Grund der sich zwangsläufig einstellenden Wechselwirkung (die zudem im allgemeinen nichtlinear ist) zwischen den Individuen und deren Eigenzeit-Charakteristiken, bildet sich ein komplexes dynamisches System: aus dem unkoordinierten Wirrwarr der neu gegründeten Gruppe entsteht von selbst ein koordiniertes Handeln, sobald sich sich ein Ordnungsparameter herausgebildet hat. Dieser taktet und koordiniert die anderen Bewegungen mit seiner Bewegung.

Solch ein Koordinationsvorgang lasse sich gleichzeitig als "Zeitentstehungsvorgang" interpretieren:
"Aus dem Wirrwarr der vielen Eigenzeiten (die den Eigenbewegungen entsprechen), entsteht plötzlich...eine neue Zeit, die zur Bewegung des neu entstandenen Ordnungsparameters gehört und an die sich die vielen Eigenzeiten nun dynamisch...anpassen."
Diese Koordinationsform ist dynamisch: sie entsteht, wenn die Systembedingungen danach sind, und sie verschwindet wieder, sobald das System zerfällt oder ein neuer Ordnungsparameter (aufgrund veränderter Bedingungen) entsteht. 

Im Kontext der Gruppe ist es also wirklich sinnvoll zu sagen "Es begann eine neue Zeit" - es entstand eine qualitativ neue Bewegungsform, deren Ausdruck diese neue Zeit ist.

Anschaulicher wird dies durch einen Blick auf die Geschichte: Bedeutende Ereignisse, welche die gesamte weitere Entwicklung in eine neue Richtung lenkten, wurden zum Ausgangspunkt von Zeitrechnungen gemacht: die Gründung der Stadt Rom, Geburt Jesu, der Französische Revolutionskalender ab 1792 - oder die Unixzeit (zählt die Sekunden seit dem 1. Januar 1970, 0 Uhr UTC), mit Relevanz allein für die Gruppe der Unix-Anwender... kein Einzelfall: Unterschiedliche Gruppen haben ihre eigene Zeitrechnung → vgl: Die verschiedenen Kalender auf der Welt.

Erst nach einer hinreichend langen Zeit merkt man, dass eine neue Zeit begonnen hat. Eine Zeitenwende wird nicht sofort bemerkt hat, anfangs treten große Fluktuationen auf, welche die Situation unübersichtlich gestalten.  

Dieser Prozess sei durchaus objektivierbar - die Autoren sprechen von der objektiven Seite unserer Zeitkonstruktion:
"Diese neuen Taktgeber sind objektiv gegeben in Bezug auf alle anderen Systeme, die damit in Wechselwirkung stehen. So hat die Entstehung unseres Planetensystems neue Zeitmaßstäbe geschaffen (Tag, Mondzyklus, Jahr), welche durchaus energetisch und materiell für alle Prozesse, die danach auf der Erde abliefen, wirksam wurden."
Auch diese objektive Zeit sei immer relativ, da jede Eigenbewegung eines Systems Maßstab der Bewegungen der damit wechselwirkenden Systeme sein kann. → Vergleich mit der in der speziellen Relativitätstheorie: Die Zeitdilatation in sich gegeneinander bewegenden Bezugssystemen ist objektiv (messbar), aber es gibt kein absolutes Bezugssystem, denn sie wird in beiden gleichermaßen gemessen.

Bereits nach Aristoteles ist Zeit ohne Veränderung nicht möglich; er bemerkt also die Untrennbarkeit von Zeit und Bewegung. Das mechanisch-physikalische Weltbild der Neuzeit hat diese Sicht der Zeit wieder verstellt, da es von der Zerlegbarkeit ausgeht und dabei die Trennbarkeit von Zeit und Bewegung suggeriert.

"Wenn wir also die Zeit als abgeleitet von der Bewegung ansehen, so bestimmt sich eben nicht die Zeit durch die Zeit, sondern die Zeit durch eine als Maßstab genommene Bewegung."

Fazit?

Gelernt habe ich, dass eine Gruppe von Individuen (z.B. 'die Menschheit') sehr wohl in der Lage ist, ihre individuellen Eigenzeiten aufeinander abzustimmen und so eine 'neue Zeit' zu erschaffen. Dabei handelt sich aber nicht um etwas absolutes, sondern um einen temporären Konsens zum gemeinsamen Vorteil.
Jedoch suche ich immer noch nach einer hübsch griffigen, einleuchtenden Aussage. 

Wie wäre es mit:

"Es gibt keine Zeit. Es gab nie eine und es wird nie eine geben. [...]Die Gleichungen der Physik sagen uns nicht, welche Geschehnisse genau jetzt erscheinen – sie sind wie eine Karte ohne das 'Sie befinden sich hier'-Symbol." Quelle: revealthetruth.net/ )

Moment, sofern sich das Alter des Universums exakt bestimmen lässt, könnte darauf eine 'objektive Zeitrechnung aufgesetzt werden und wir befinden uns heute im Jahre 13.82x.xxx.xxx. A.B. (After Bigbang), oder? Doch so eine Zeitrechnung ab der mutmaßlichen Stunde Null gilt wiederum nur innerhalb dieses Systems. Sollte es weitere Universen und ein übergeordnetes Multiversum geben, hätte unser neue, umständliche Zeitrechnung dort überhaupt keine Relevanz.

Ob der unumkehrbare Zeitpfeil - eine Wirkung erfolgt ausnahmslos nach ihrer Ursache, also später...und ein Zurückgehen in der Zeit ist nicht möglich - dauerhaft bestand haben wird? Der Hinweis von Pohlmann und Niedersen auf Gödel und die prinzipielle Möglichkeit von Zeitschleifen weckt selbst daran Zweifel.

Quellen

  • Jenseits der linearen Zeit  von Ludwig Pohlmann (Berlin) und Uwe Niedersen. 
  • Was ist Zeit? - deutschlandfunk.de
  • Sonntag, 28. Oktober 2012

    Kann sich das Universum selbst erschaffen?

    “Wenn wir jedoch eine vollständige Theorie entdecken, dürfte sie nach einer gewissen Zeit ... für jedermann verständlich sein, nicht nur für eine Handvoll Spezialisten.
    Dann werden wir uns alle – Philosophen, Naturwissenschaftler und Laien – mit der Frage auseinandersetzen können, warum es uns und das Universum gibt. Wenn wir die Antwort auf diese Frage fänden, wäre das der endgültige Triumph der menschlichen Vernunft – denn dann würden wir Gottes Plan kennen.”

    Steven Hawking - Schlußsatz von 'Eine kurze Geschichte der Zeit'
    Erstaunlich: im Gegensatz zu seiner heutigen Position scheute sich Hawking im Jahr 19881) noch nicht, von einem Plan Gottes zu sprechen.
    Der Umstand, dass Astronomen fast täglich neue Exoplaneten entdecken und die Anzahl potenziell bewohnbarer Planeten inzwischen mit “unzählige” angegeben wird, wirft ein neues Licht auf die Frage nach der Entstehung von Leben.

    Für Naturwissenschaftler, die ihrer Methodik folgend auf die Einbeziehung übernatürlicher Phänomene bei der Suche nach den Anfängen des Lebens verzichten (müssen), reicht ein “unwahrscheinlicher chemischer Zufall” als Modell für die Abiogenese oft aus. Natürlich sind sie bemüht, Einzelheiten über die Wirkungsweise dieses Zufallsgeschehens herauszufinden.


    Doch selbst wenn Leben sich als Zufallsergebnis erweisen sollte (was ich schon für ausgeschlossen halte), bleibt die Frage nach dem Anfang von Allem (=des Universums) bestehen. Als Leben entstand, waren die Bausteine (Atome, Moleküle usw.) und Umgebungsvariablen (ein bewohnbarer Planet oder Mond, Wärme-und Strahlungsquellen usw..) schon lange existent.

    Woher aber stammt die Materie, ohne die gemäß naturwissenschaftlicher Betrachtung auch kein Leben entstehen könnte? Noch so ein “unwahrscheinlicher Zufall”, versehen mit nebulösen Bezeichnungen wie Urknall oder "Anfangs-Singularität"?

    So hätten jene es gerne, die beinahe gewaltsam eine Schöpfung ohne Schöpfer aufzeigen wollen.

    Auf der Suche nach Erklärungen halte ich es für zweckmäßig, den Weg des verstandesmäßigen Ergründens bis an seine Grenzen zu verfolgen. An den Grenzen von Vernunft und Denken stoßen wir sicherlich auf Geheimnisse und Ungewissheiten; mit großer Wahrscheinlichkeit wird vernünftiges Denken von einem bestimmten Stadium an entweder durch irrationalen Glauben oder reinen Agnostizismus ersetzt werden.

    Diese Überlegungen fasst Stephen Hawking in seinem Buch ‘Der große Entwurf’ zusammen. Er geht dabei von der Annahme aus, dass das Universum sich selbst erschaffen konnte – genauer gesagt eine ungeheuer große Vielzahl von Universen, unter denen eines war, dass einen lebensfreundlichen Satz Naturgesetze und -konstanten besaß.

    Die Frage “Was war vor dem Urknall?” hat durchaus ihre Berechtigung, auch wenn der Mensch dieses Davor gegenwärtig noch nicht berechnen kann. Doch schon in der Antike konnten die alten Philosophen erörtern, ob ein Universum sich selbst erschaffen kann – aus dem Nichts sozusagen.


    Ursachen, Wirkungen und ein Universum aus dem Nichts?

    Wie erfolgreich unsere wissenschaftlichen Modelle auch sein mögen, stets enthalten sie gewisse Anfangsbedingungen. Beispielsweise setzt die Erklärung eines Phänomens im Rahmen der Physik die Gültigkeit der als gegeben angenommenen Naturgesetze voraus. Doch woher stammen diese Gesetze?

    Um die Struktur zu erkennen, nach der Alles – Kosmos, Natur, Mensch, Bewusstsein… – funktioniert, wird man nach ihrem Ursprung suchen. Der so gennannte ‘Urknall’ ist dabei nicht mehr als ein vorläufiger Offenbarungseid, also das Eingeständnis, dass die Naturwissenschaft mit ihren bisher verfügbaren Modellen und Berechnungsweisen nicht über diesen Punkt hinauskommt.
    Tatsächlich ist die Forschung noch nicht bis zu diesem Punkt vorgedrungen, sondern nur bis dicht davor…


    Der Versuch, das Universum anhand ‘früherer kosmischer Zeiten’ zu erklären, führe in eine Sackgasse, wie u.a. Paul Davies feststellt: Selbst wenn der gegenwärtige Zustand des Weltalls durch seinen Zustand vor einer Milliarde Jahren erklärt werden könnte, werde das unbeantwortete Geheimnis nur um eine Milliarde Jahre in die Vergangenheit verschoben:
    Dieser Zustand müsste durch einen noch früheren Zustand erklärt werden… und so weiter. Es bleibt bei dem Gedanken an eine ursprüngliche Ursache, die viele Menschen bis heute als wissenschaftlich nicht erklärbar, also übernatürlich erachten.
    Dieses kosmologische Argument wurde oft als Beweis für die Existenz Gottes angeführt. Dabei wurde stillschweigend vorausgesetzt, dass das Universum einen Anfang hatte.


    Fraglich ist, ob ein übernatürlicher Akt (“die erste aller Ursachen”) nötig ist, damit das Weltall beginnt. Alternativ müsste ein schon immer existierendes Universum sich zyklisch wiederholen…und zwar endlos (und wohl ohne substanziellen Fortschritt, der in umgekehrter Richtung einen Anfangspunkt bedingen würde). Oder es existiert ein Multiversum, dessen Gesamtsubstanz fortwährend neue Universen hervorbringt und alte Welten vergehen lässt wie zerplatzende Blasen auf einem Lava-See, nur 'um einiges' langsamer.


    Für Davies geht die absolute Zyklizität mit einem deutlichen Fatalismus einher, der sich besonders in dem hinduistische System sehr langer Zyklen zeige, aber auch in den Kosmologien der Babylonier, Ägypter und Maja.
    Dem stehe die jüdisch-christlichen Tradition gegenüber, nach der Gott die Welt zu einem bestimmten Augenblick willentlich erschaffen hat und diese sich seitdem entfaltet
    (einschließlich einem feurig brodelnden Strafort namens Hölle, warum nur wird dieser unerfreuliche Part bei solch wertenden Vergleichen so gerne geschlabbert?).
    “Diese Religionen sind deshalb durchdrungen von einem Gefühl für einen sinnvollen geschichtlichen Ablauf – Sündenfall, Bundesschluß, Fleischwerdung und Auferstehung, Wiederkehr –, der in krassem Gegensatz zur griechischen Vorstellung der ewigen Wiederkehr steht.”
    Der jüdisch-christliche Schöpfungsglauben etwa geht von einer vollständigen Trennung und Unabhängigkeit des Schöpfers von seiner Schöpfung (=Transzendenz) aus. Unklar bleibt die Motivation Gottes im A.T., aus der heraus er die Schöpfung in Gang setzte. Ebenso lassen die beiden ersten Verse im Buch Genesis Raum für die Annahme, dass dem Tohu wabohu (‘Irrsal und Wirrsal’) ein anderer, geordneter Zustand vorausgegangen sei.
    Ohne jetzt sehr weit in die theologischen Aspekte der Ursprungsfrage abzugleiten, teile ich die den Religionen gemeinsame Auffassung, dass Ursprung und Entwicklung von Allem ausdrücklich nicht (allein) dem Zufallsprinzip folgt, sondern einer bestimmten Ordnung und Zielgebung unterliegt.
    Am Vorhandensein der Makrovolution ist kaum mehr zu rütteln, doch damit werden die Ursprungsfragen mE nicht 'ohne Gott' beantwortet... diese ganze Ursuppenschleim-Thesen als Grundlage einer der biologischen Evolution vorgeschalteten chemischen Evolution halte ich für so phantastisch wie die SciFi-Bücher von Arthur C. Ckark (die übrigens auf diesen Thesen von der spontanen Urzeugung bei geeigneten Bedingungen zurückgreifen).


    Stephen Hawking hingegen erachtet spontane Erzeugung als Grund für das Universum als wahrscheinlich. Die Frage, was vor dem Urknall war, werde damit ebenso unsinnig wie die Frage, was südlich des Südpols liegt.
    Mir erscheint diese Sichtweise wie die eines Einzellers, der niemals die Begrenztheit z.B. des Aquariums erfassen wird, in welchem er sich aufhält. Was sich außerhalb dessen befindet, ist für eine Mikrobe auch nicht relevant, sie wird nie dort hingelangen. Weil sie einen begrenzten Teil des Ganzen aus ihrer Perspektive für das All(es-was-ist) hält, wird sie das Wesen von Allem niemals erfassen, weder räumlich noch zeitlich noch sonstwie.

    Uns Menschen, auch den Naturwissenschaftlern, ergeht es im Grunde doch nicht anders. Wir können nicht hinter die Grenzen des uns umgebenden Universums blicken. Resultierend sind alle menschlichen Schlussfolgerungen, Theorien und Modelle so perspektivisch begrenzt wie die des Einzellers – nur die Skala ist eine andere.

    Macht man sich diesen Umstand bewusst, gelangt man m.E. zwangsläufig zu der Erkenntnis: wir können die Frage nach dem Ursprung von allem weder beantworten noch zeitlich einordnen. Die Wissenschaftsgeschichte erweist sich folgerichtig als Geschichte von Irrtümern und Neubewertungen – ich vermag keine Anzeichen zu erkennen, dass die gegenwärtige Physik mit Einstein, Hubble und Hawking erstmals letztgültige, unverrückbare Wahrheiten gefunden hat.
    Hawking vertritt dagegen die Ansicht, dass Gott bei der Entstehung der Welt nicht beteiligt war. Sie habe sich nach den Gesetzen der Physik selbst erschaffen:
    “Weil es die Gesetze der Schwerkraft gibt, hat sich das Universum aus dem Nichts selbst geschaffen.”
    Wie wirkte sich die Schwerkraft auf das Nichts aus? Und Woher aber diese Gesetze stammen, verrät auch das ‘Genie unserer Zeit’ nicht. Lese ich Schlagzeilen wie “Hawking versetzt Gott den Gnadenstoß”, dann wachsen meine Bedenken, dass Selbstüberschätzung und Vermessenheit ein Grund dafür sein könnten, dass uns ‘wirkliche Wahrheiten’ weiterhin verborgen bleiben.
    Jedem bewussten Individuum bleiben persönliche Überzeugungen unbenommen, die letztlich erfahrungsbedingt sind. Meine Erfahrung und das wenige an erworbenem Wissen zeigen mir, dass nicht Nichts aus Nichts entsteht:
    “Setzt man die Logik und die bekannten Naturgesetze voraus, dann gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass im Universum aus Nichts etwas entstehen kann.” V. Dittmar
    ‘Übernatürliches’ war in der Vergangenheit oft das Resultat einer Projektion des Unverstandenen - der Erkenntnisgewinn der letzten 100 Jahre sollte uns inzwischen eigentlich davor bewahren, alles als ‘übernatürlich’ zu klassifizieren, was wir immer noch nicht verstanden haben. Ein stetiges Vermischen natürlicher und übernatürlicher Ursachen führt zu Verwirrung und Unsicherheit – auch wird man damit m.E. dem Schöpfer von Allem nicht gerecht, so es ihn denn gibt.
    Die Installation des Prinzips von Ursache und Wirkung legt nahe, dass keine Gottheit dann und wann in die Naturgesetze eingreift. Solche Eingriffe würden dieses ‘System’ an sich infrage stellen – und sie hätten den Beigeschmack von Willkür (auch wenn dies von strenggläubigen Menschen anders aufgefasst wird).


    Von der Kausalität mit vermeintlich absoluter Gewissheit auf einen Schöpfergott zu schließen, wäre gleichfalls inkonsequent und ’unlogisch’. Wir dürfen m.E. lediglich annehmen, dass es immer eine oder mehrere Ursachen gibt, die ihrerseits Kausalketten auslöst.-- 


    Nun möchte ich versuchen, mich der Frage nach dem Ursprung von allem von einer anderen Seite etwas mehr anzunähern. Beantworten kann ich sie natürlich nicht, aber das war ja wohl klar. 😉


    Die Natur der persönlichen Realität

    …ein Themenwechsel, der keiner ist. Die naturwissenschaftliche Sicht schließt von ‘außen nach innen’, d.h. der naturalistisch denkende Mensch betrachtet sich als Produkt der ihn umgebenden Welt.
    “Wir hegen eine mechanistische, deterministische Weltensicht, bestimmt und bestätigt durch uns umgebende Geschehnisse des Alltags.” S. Camejo

    Was aber, wenn es genau umgekehrt wäre, d.h. wenn die äußere Welt ‘in Wahrheit’ als das Produkt unseres Geistes entstünde?


    Alle Realitätsaspekte - Urknall, Universum, biologisches Leben und deren Ursprünge - ordnen sich dem Filterprinzip unter, durch das wir 'unsere' Wirklichkeit wahrnehmen bzw. projizieren. Wie also ist unsere persönlichen Realität beschaffen, wie kommt sie zustande?
    Ein objektives Erkennen scheint diesbezüglich ausgeschlossen, auch wenn ‘äußere’ Wirklichkeitselemente mit wissenschaftlicher Akkuratesse beschrieben werden können.


    Darüber hinaus kann es lediglich Wirklichkeitsmodelle geben, die eine unterschiedlich große Schnittmenge zu dem aufweisen, was jeder von uns als die eigene Wirklichkeit auffasst.


    Eines dieser Modelle,für mich persönlich wohl das plausibelste und am ersten kohärente Realitätsmodell2), wird von Jane Roberts in ihren Büchern über SETH dargelegt. Als Einstieg sei das Buch "Gespräche mit Seth- von der ewigen Gültigkeit der Seele" empfohlen.

    „Seth“ bezeichnet sich als „multidimensionaler Energiepersönlichkeitskern“, der die Folge menschlicher Inkarnationen durchlaufen habe und nun den Menschen von einer höhere Realität aus als Lehrer zur Verfügung stehe. Er, Seth, habe durch Jane Roberts als Medium mit anderen Menschen kommuniziert; er selbst sei nicht länger in der physischen Form zentriert. Im Gegensatz zu uns besitzt Seth keine physische Existenzform (d.h. keinen Körper) mehr, was er klar als Vorteil herausstellt. Doch auch wir Menschen seien nicht unser Körper, sondern komplexes Bewusstsein, das mittels mehrerer Körper verschiedene Erfahrung durchlaufe.


    Ob man 'Seth' als eigenständiges Individuum oder vielleicht doch eher als Selbst- Projektion der Autorin betrachtet, ist von untergeordneter Bedeutung. Ich halte beides für denkbar. 

    Von besonderem Interesse (für mich) ist dagegen die Beschaffenheit und Entstehung der persönlichen Realität, die 'Seth' als die seine beschreibt und von der er uns hoffnungsvoll ankündigt, jeder von uns befinde sich in einer Entwicklung, die uns auf seinen ‘Level’ führe. Laut Seth existiert eine Vielzahl von belebten Dimensionen (Parallelwelten?) nebeneinander:

    “Es gibt ebensowenig nur eine Dimension, die von nichtphysischem Bewusstsein bewohnt ist, wie es auf eurem Planeten nur ein Land gibt oder nur einen Planeten in eurem Sonnensystem."
    Wesentlich für das Verständnis von Seth’s Sichtweise ist der Ausgangspunkt, dass es keine objektive Realität gibt - außer der durch das Bewusstsein geschaffenen. Stets erzeuge das Bewusstsein die Form - und niemals umgekehrt.
    Somit lasse sich Realität sehr wohl als ein bildhaftes Produkt des eigenen Geistes auffassen. Auch die Quantenmechanik liefert Ansätze zumindest dafür, dass ein Beobachter seine Realität (mit-)gestaltet. Bei näherem Interesse einfach mal im Web nach Quantenmechanik und Doppelspalt-Experiment suchen...

    Falls wir Menschen unsere Realität tatsächlich selbst erschaffen, geschieht dies außerhalb dessen, was wir bewusst wahrnehmen und steuern. Wie das funktioniert? Seth liefert hierzu eine erstaunlich anschauliche Vorstellung:
    "Unsere Gedankenmuster bringen unsere subjektive Realität hervor, indem unsere die materielle Wirklichkeit um uns herum als ein vollkommenes Abbild unserer inneren Wünsche und Gedanken erzeugt wird, freilich auf einer unbewussten Ebene. Gegenstände existieren danach nicht unabhängig von uns, sondern sie sind die Manifestationen (d.h. Materialisierungen) unseres eigenen Selbst."
    Folglich ist es entgegen unserem üblichen Eindruck nicht die materielle Form, welche den Rahmen für Dauer und Beständigkeit vorgibt.
    Der menschliche, physische Leib werde in jedem Augenblick von uns selber geschaffen – als direktes Ergebnis unser inneren Vorstellung von uns selbst. Bleibt die Vorstellung unverändert, was bei den meisten Menschen der Fall ist, entstehe auch kein Impuls zur Veränderung der Körperlichkeit. 
     

    Wenn das wahr wäre…

    Es ist offensichtlich, wie sehr diese Sicht der Wirklichkeit von unserer alltäglichen Wahrnehmung divergiert, laut der wir in eine äußere Wirklichkeit hineingeboren wurden, die wir weitgehend so hinnehmen müssen, wie sie nun mal ist. Leid und Freude, Krankheit und Tod, vielleicht sogar 'Glück oder Pech' fassen wir als Konstanten unserer Realität auf, in der uns nur ein keiner Gestaltungsspielraum zu bleiben scheint.


    Die Konsequenzen wären weitreichend, würde sich herausstellen, dass Seth mit seiner Beschreibung der persönlichen Realität richtig liegt. In diesem Fall wären wir für alles, was uns widerfährt, in hohem Maße selbst verantwortlich.

    Die eingangs erörterten Fragen nach dem Ursprung der materiellen Welt ließen sich innerhalb dieses Paradigmas beantworten – wenn auch auf völlig unerwartete Weise: ‘Seth’ formt die Bilder 
    selbst (im schöpferischen Zusammenwirken mit anderen seiner Spezies), mit denen er sich jeweils zu umgeben wünscht - kann dies auch für uns Menschen zutreffen?
    Das Bewusstsein als Ausgangspunkt von Allem würde in unserem Falle jedenfalls nicht zutreffen: falls wir unsere Realität selbst erschaffen, geschieht dies außerhalb dessen, was wir bewusst wahrnehmen und steuern.

    Das schließt jedoch nicht aus, dass die gesamte von uns wahrgenommene Realität das Produkt eines Geistes ist – und genau hier kommt für mich persönlich wiederum Gott ins Spiel. Kann es sein, dass Gott – als Begriff eines schöpferischen und lehrenden Geistes – uns eine Sandbox zur Verfügung stellt, also Spielwiese, auf der wir lernen, reifen und uns weiterentwickeln sollen – bis wir vielleicht selbst imstande sind, unsere eigene Realität in unserem Bewusstsein entstehen zu lassen…?

    Siehe auch

    Mit den Ausführungen von Roberts bzw. ‘Seth’ habe ich mich an anderer Stelle etwas ausführlicher befasst:

    Anmerkungen

    1. 1988 ist jedenfalls das Auflagejahr meines Exemplars des o.a. Buches
    2. Auch die Intention, die Roberts bzw. Seths Ausführungen erkennbar zugrunde liegt, ist für mich mitentscheidend, weshalb ich sie in mancher Hinsicht für richtungsweisend erachte:
    "Ihr braucht daher den Tod nicht zu fürchten. Und ich, der ich mehr Tode gestorben bin, als mir zu erwähnen lieb ist, schreibe dieses Buch, um euch das zu sagen."

    Montag, 20. Februar 2012

    Stichwort: Raumzeit

    Einführung

    Dem Verständnis der besonderen Eigenschaften schwarzer Löcher kann man sich offenbar nur annähern, wenn man mit den Begriffen der 'Krümmung von Raum und Zeit' und der Gravitation (Schwerkraft) wenigstens im Ansatz vertraut ist. Schade eigentlich, dass ich Physik als erstes Schulfach abgewählt habe, nur weil ein paar Limes- und Integralsymbole an der Plastiktafel mir spontan zu einer Panikattacke und Pickeln verhalfen :-| 

    Formulierungen wie 'Masse krümmt den Raum' vermitteln mir kein anschauliches Bild  - denn Raum war für mich immer das unausgefüllte Innere eines Objektes beliebiger Größe...und dieses Innere stellte gewissermaßen das Potenzial dar, andere (kleinere) massehaltige Objekte aufzunehmen. Raum hatte in meiner beschränkten Vorstellung stets den Charakter eines Gefäßes. Und dieses Gefäß soll gekrümmt werden können ...hä?

    Facheute beschreiben Raum weniger verworren, nämlich so:
    Raum ermöglicht allen materiellen Objekten eine Ausdehnung, er selbst existiert als grundlegendes Ordnungsmodell, dies aber nur in Relation zu diesen Objekten. Ebenso spielen sich alle physikalischen Vorgänge im Raum ab, er ist somit eine Art „Behälter“ für Materie und Felder.
    In diesem Raum, darstellbar durch ein Koordinatensystem, lässt sich jeder beliebige Punkt eindeutig durch die Angabe bezeichnen, wie weit er nach rechts, nach vorn und nach oben von einem gewählten Bezugspunkt entfernt ist. Kennt man noch aus der Schule...diese Angaben sind die Koordinaten des Punktes, man braucht drei Koordinaten (x,y,z), um jeden Punkt eindeutig zu bezeichnen.

    Es sind also drei Richtungen (Dimensionen) vonnöten, daher ist der Raum dreidimensional. Die Koordinaten eines Punktes hängen vom Ort des Beobachters ab, d.h. welchen Bezugspunkt dieser Beobachter eingenommen hat. Und dann muss man sich noch einigen, welche Richtungen als rechts, vorn oder oben gewählt werden.
    3-dimensionales Koordinatensystem 
    Wollte man sich an so einem 'Punkt' verabreden, benötigt man neben dessen Ort noch eine weitere Dimension - die Zeit, zu der man zusammentreffen möchte. So lassen sich alle Ereignisse anhand dieser vier Dimensionen bezeichnen. Diese Menge aller (im Universum ablaufenden) Ereignisse wird als Raumzeit zusammengefasst.

    Stellt man sich ein beliebiges Ereignis als festgehalten auf einem Bild (mit Zeitangabe) vor, so kann man sich die gesamte Raumzeit als einen (ziemlich großen:) Stapel solcher Bilder vorstellen (so ähnlich wie ein Daumenkino):


    Damit hat vereinfacht die vierdimensionale Raumzeit erfasst, indem man Dreidimensionalität in eine Abfolge zweidimensionaler Teilansichten aufgeteilt hat. Die Zeit als vierte Dimension zeigt sich in der Geschwindigkeit des Durchblätterns.

    Im Hinterkopf behalten sollten man, dass die Raumzeit ein Ganzes ist - erst ein Beobachter zerlegt es in Schichten gleicher Zeit. Mit anderen Worten: Nicht allein die Ortsbestimmung (x,y,z-Koordinaten) eines Ereignisses, sondern auch auch dessen Zeit hängen vom Beobachter ab (sind relativ). Es gibt keine universale Zeit, die sich unabhängig vom Beobachter jedem Ereignis zuordnen lässt.


    Krümmung

    Soweit ich dies verstanden habe, wendet man Ergebnisse geometrischer Berechnungen auf Raum und Zeit an (d.h. anschauliche Vorstellungen von der Raumkrümmung existieren überhaupt nicht!):

    Zweidimensionale Betrachtung: In einer (nicht gekrümmten) Ebene beträgt Umfang eines Kreises gleich 2 mal Π (Pi=3,142...) mal dem Kreisradius. Auf einer 'unebenen' Fläche kann der Umfang größer oder kleiner sein. Die Abweichung ist ein Indikator für eine Krümmung (die sich somit auch berechnen lässt).

    Dreidimensionale Betrachtung: Betrachtet man einen Globus mit seinen Längengraden, erkennt man deren Krümmung (zumindest optisch). Es wird uns niemals gelingen, in kleines Rechteck aus der Oberfläche (einer beliebigen Kugel) herausschneiden und 'flach hinzulegen'. Vereinfacht könnte man sagen: Die Oberfläche einer Kugel ist eine 2-dimensionale Fläche, die gekrümmt im 3-dimensionalen Raum liegt.



    Entsprechende Vorstellungen verbergen sich hinter der Raumkrümmung. Allerdings sind unsere Sinne auf die Wahrnehmung maximal dreidimensionaler geometrischer Strukturen beschränkt. Man kann daher eine Raumkrümmung nicht sehen, man kann sie sich auch nicht vorstellen.


    Man unterscheidet bei der Krümmung zwischen der inneren und der äußeren Krümmung:
    Die innere Krümmung lässt sich anhand der Geometrie im gekrümmten Raum selbst darstellen. Die innere Krümmung kann positiv sein ("nach außen gewölbt" / konvex, wie eine Kugel) oder negativ ("nach innen gewölbt"/ konkav).
    Die äußere Krümmung kann nur festgestellt werden, indem die Lage des Raums im umgebenden, höherdimensionalen Raum, die so genannte Einbettung, betrachtet wird. Flächen mit äußerer Krümmung erhält man, indem man eine Blatt Papier (= eine Ebene) aufrollt, ohne es zu zerreisen oder verknittern. Auf solchen Flächen ändern sich die Gesetze der Geometrie nicht (Beispiel: Die Innenwinkelsumme eines aufs Papier gemalten Dreieck ändert sich nicht, wenn man das Papier aufrollt).
    Bezogen auf die Raumkrümmung stellt man sich den Raum als eine solche zweidimensionale Ebene vor:


    Diese zweidimensionale Beschreibung, also die Beschreibung ohne einen 3-dimensionalen Orientierungsrahmen zeigt danach die Charakteristik des Raumes.

    Raum und Masse(n)
    Der Zusammenhang zwischen Raum und Masse wird vielfach so beschrieben - wiederum am Beispiel eines zweidimensionalen Raumes:

    Als zweidimensionalen Fläche wird man ein großes Tuch straff gespannt. In dessen Mitte wird eine Masse, z. B. eine Kugel gelegt: Das Tuch (=der zweidimensionale Raum) beult sich nach unten. Je größer diese Masse ist, desto stärker ist diese Beule! Lässt man wir nun eine kleine Kugel auf diese Beule zurollen, dann können wir sehen, wie sie langsam in diese Loch hinein rollt. Jedes Objekt, das sich dieser Ausbeulung im Bereich der Masse nähert, 'fällt' dort hinein, sofern seine Geschwindigkeit nicht zu groß ist und seine eigene Masse nicht größer ist, als die der ersten Kugel.

    Einstein berechnete, das es in unserem dreidimensionalen Weltraum genauso ist: Im Bereich von großen Massen ist der dreidimensionale Raum gekrümmt und zwar in eine weitere (räumliche) Dimension, die für uns nicht mehr spürbar geschweige denn vorstellbar ist. Wir können nicht mit dem Finger auf sie zeigen oder sie sonst irgendwie wahrnehmen. Diese Raumkrümmung im Bereich großer Massen ist daher gleichbedeutend mit der Schwerkraft! Schwerkraft bezeichnet somit eine Verzerrung des Raumes im Bereich großer Massen!

    Einstein sagte außerdem voraus, dass auch Licht durch schwere Massen gekrümmt wird: Tatsächlich wird Licht im Bereich großer Massen durch die Raumkrümmung etwas abgelenkt; dieser Effekt wurde auch im Bereich der Sonne nachgewiesen. Dazu hat man während einer totalen Sonnenfinsternis die Positionen der Sterne genau vermessen und sie mit ihren vorher bekannten Positionen verglichen. Dabei ergab sich die von Einstein vorhergesagte, geringe Abweichung, !

    Höchste Zeit, das Feld den Profis zu überlassen:


    Das Geheimnis von Raum und Zeit
    (Eine Dokumentation über Einstein's Relativitätstheorie)




    Siehe auch:
    Anm.: Ich bin jedem Physiker für eine zutreffende(re) Erläuterung dieser Zusammenhänge dankbar, soweit sie denn auch anschaulich und verständlich ist. Im Web habe ich wenig vorgefunden...

    Sonntag, 5. Februar 2012

    Der Mönch von Heisterbach

    Eine Legende über die Relativität von Raum und Zeit

    Bereits um die Gründung von Kloster Heisterbach rankt sich eine Sage: Zisterzienser-Mönche, welche seit dem 12. Jhdt. auf dem Petersberg (der früher auch Stromberg genannt wurde) siedelten, erhielten vom  Kölner Erzbischof, um die Erlaubnis, sich ein anderes Zuhause zu suchen. Nach einigen Diskussionen machte sich Ratlosigkeit breit: wohin sollten sie gehen? Letztlich entschieden die Mönche, sich auf den Instinkt von 'Bruder Matthes' zu verlassen, das war ihr Esel ...weiterlesen.-

    Tatsächlich waren am 22. März 1189 auf Ersuchen des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg waren zwölf Mönche des Zisterzienserklosters Himmerod unter ihrem Abt Hermann auf den Petersberg gezogen. Vier Jahre später zogen sie ins Heisterbacher Tal, wo in den Jahren von 1203 bis 1237 die Abteikirche errichtet wurde. Informiert man sich auf der liebenswürdigen und interessanten Webseite "Rheindrache" eingehender, so erfährt man: die Abtei zählte zu den bedeutende Bauten der Spätromanik in Deutschland. 

    Eine weitaus bekanntere Legende (die Abtei von Heisterbach gab es immerhin wirklich) spiegelt möglicherweise eine Vorahnung der von Einstein beschriebenen die Relativität von Zeit (und Raum) wieder: Sie berichtet von einem in jenem Kloster Heisterbach lebenden Mönch, der sowohl seine Heilige Schrift sehr gut kannte als auch andere Wissenschaften betrieb, um Gottes Schöpfung zu erforschen. Hierbei sei er "in Zweifel und dadurch wiederum in große Unruhe" geraten. Seinem Abt blieb diese Veränderung nicht verborgen; eines Tages redete er dem Mönch ins Gewissen: Wissen mache noch längst nicht weise - und: 
    "Was nützte es dir denn, wenn du die ganze Welt begriffest und dabei Schaden littest an deiner Seele?" 
    Der verstörte Mönch betete um seinen Glauben, doch dieses "unwissende Vertrauen auf Gott, wollte sich nicht mehr einstellen. Etliche Bibelworte ließen ihn grübeln, insbesondere die Worte in einem Psalm: 
     „Tausend Jahre sind vor Gott wie ein Tag.”  
    Angestrengt sann er über das "Wesen der Zeit nach und wie sich dieses zu Gottes eigenem Wesen verhält". Gott aber habe den Mönch zugleich "in die Zeit- wie in die Ratlosigkeit geführt", als jener eines Tages einen Waldspaziergang unternahm und wie so oft über Zeit und Ewigkeit nachgrübelte...
    Einem seltsamen Vogel folgend verirrt er sich in dem Wald, setzt sich auf einen Baumstein und "schloss ruhig atmend die Augen, indes der Vogel jetzt über ihm in den Wipfeln verharrte und alle Freude der Welt auf ihn hernieder sang." 
    Dann schläft er ein.  
      Als er erwacht, begibt sich der Mönch leicht verwirrt, aber ausgeschlafen zurück in sein Kloster; doch dort hat sich einiges verändert: Er glaubt beinahe, in einer fremden Umgebung zu sein. Sogar einige bauliche Veränderungen fallen ihm auf. Niemand erkennt ihn, er ist um Jahrzehnte gealtert und hat schneeweißes Haar ...nun spürt er auch "eine sonderbare Müdigkeit in den Gliedern". In der Kirche erkennt er keinen seiner früheren Mitbrüder - und niemand kennt ihn. Voller Entsetzen platzt er mitten in ein gemeinschaftliches Gebet und fragt aufgeregt, wo denn die anderen seien...:
      
    "Dann erkundigte man sich, wie er heiße und woher er komme. Und man begriff ihn nicht, als er antwortete, dass er Ivo heiße und im gleichen Jahr hier zu Heisterbach ins Kloster eingetreten sei, als Engelbert von Berg Erzbischof von Köln wurde . „Das sind dreihundert Jahre her”, sagte ungläubig der Abt und machte dazu ein Gesicht, als meinte er, einem Verrückten gegenüberzustehen. Da aber trat ein weiterer Mönch hinzu und sprach: „Nanntest Du dich soeben nicht Ivo? In den Annalen unseres Klosters steht vermerkt, dass ein Mönch dieses Namens zu Engelberts Zeiten hier im Kloster lebte Er soll sehr gelehrt, doch ein Zweifler gewesen sein. Eines Tages verschwand er im Walde und kehrte nie mehr zurück.”
    Wie vom Blitz getroffen, stand da Ivo. Plötzlich begriff er alles. „Denn tausend Jahre sind dir wie ein Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache” erklang es in ihm Mit schimmernden Augen, aus denen Tränen rannen, blickte er die Brüder alle an. Dann begann er mit zitternder Stimme zu erzählen, wie er bei all seinem gelehrten Forschen zum Zweifler geworden war und wie Gott ihn in die Zeitlosigkeit geführt hatte, um ihn erst jetzt wieder daraus zurückkehren zu lassen. Pater Ivo brach vor dem Altar auf die Knie nieder und stammelte: „Ein Wunder hast Du, o Herr, an mir getan. Sei gepriesen in Ewigkeit!” Eine unsagbare Seligkeit erfüllte sein Herz. Und indem die anwesenden Mönche noch erstaunt auf ihn blickten und nicht wussten, was sie von alledem denken sollten, sank er plötzlich nach vorn auf sein Gesicht, streckte wie zum demütigen Gebet langsam die Arme aus - und verschied.-"


    Chorruine Kloster Heisterbach (Quelle: Wikimedia)
     

    Der Mönch von Heisterbach

    von Wolfgang Müller von Königswinter

    Ein junger Mönch des Klosters Heisterbach  
    Lustwandelt an des Gartens fernstem Ort. 
    Der Ewigkeit sinnt still und tief er nach  
    Und forscht dabei in Gottes heil'gem Wort.


    Er liest, was Petrus der Apostel sprach: 
    Dem Herren ist ein Tag wie tausend Jahr  
    Und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag.  
    Doch wie er sinnt, es wird ihm nimmer klar.


    Und er verliert sich zweifelnd in den Wald.  
    Was um ihn vorgeht, hört und sieht er nicht.  
    Erst wie die fromme Vesperglocke schallt,  
    Gemahnt es ihn der ernsten Klosterpflicht.

    Im Lauf erreichet er den Garten schnell;  
    Ein Unbekannter öffnet ihm das Tor.  
    Er stutzt - doch sieh, schon ist die Kirche hell  
    Und draus ertönt der Brüder lauter Chor.
    Nach seinem Stuhle eilend tritt er ein.  
    Doch wunderbar, ein andrer sitzet dort,  
    Er überblickt der Mönche lange Reih'n:  
    Nur Unbekannte findet er am Ort.

    Der Staunende wird angestaunt ringsum,  
    Man fragt nach Namen, fragt nach dem Begehr,  
    Er sagt's, da murmelt man durchs Heiligtum: 
    Dreihundert Jahre hieß so niemand mehr.
    Der letzte dieses Namens, tönt es laut, 
    Er war ein Zweifler und verschwand im Wald;  
    Man hat den Namen keinem mehr vertraut, 
    Er hört das Wort, es überläuft ihn kalt.
    Er nennt den Abt und nennt das Jahr.  
    Man nimmt das alte Klosterbuch zur Hand, 
    Da wird ein großes Gotteswunder klar:  
    Er ist's, der drei Jahrhunderte verschwand.
    Der Schrecken lähmt ihn, plötzlich graut sein Haar.  
    Er sinket hin, ihn tötet dieses Leid.  
    Und sterbend mahnt er seiner Brüder Schar:
       
    Gott ist erhaben über Ort und Zeit.  
    Was er verhüllt, macht nur ein Wunder klar. 
    Drum grübelt nicht, denkt meinem Schicksal nach.  
    Ich weiß, ihm ist ein Tag wie tausend Jahr,  
    Und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag.

    Samstag, 21. Mai 2011

    Erich von Däniken: "Tomy und ich"

    Ziemlich enttäuschende Schilderung einer Begegnung mit einem Außerirdischen

    Erich von Däniken ist ein Schweizer Schriftsteller auf dem Themengebiet Prä-Astronautik. Er wurde bekannt durch Bücher und Filme, die sich mit früheren Besuchen von Ausserirdischen auf der Erde beschäftigen. Seine Bücher wurden in 32 Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von 62 Millionen verkauften Exemplaren erreicht. 

    Die Hauptthese Dänikens, nach der Außerirdische die frühen Kulturen der Menschheit mehrfach besucht und beeinflusst haben und zum Teil als Gottheiten verehrt wurden (oder sich selbst als solche inszenierten), fasziniert mich nach wie vor. Dabei sind mir die Gegenargumente der Naturwissenschaft deutlich bewusst, etwa hinsichtlich der in sinnvollen Zeiträumen kaum überbrückbaren Entfernungen.

    In seinem Roman 'Tomy und der Planet der Lüge' berichtet Däniken 2006, er habe (bereits im Jahre 1987) Kontakt mit einem Außerirdischen gehabt, der vor seinen Augen einen menschlichen Körper materialisiert habe ("mein Ebenbild, nur 30 Jahre jünger").
    Der Titelzusatz "Planet der Lüge“ kommt nicht von ungefähr: Däniken nutzt die Schilderung dieser vierwöchigen Begegnung auch dazu, einen großen Teil der menschlichen Gesellschaft (mit wenigen Ausnahmen) als verlogen, unehrlich und falsch zu charakterisieren...'Tomy' sei entsetzt gewesen über die Falschheit und Verlogenheit vieler Menschen.

    "Der Planet ist wunderbar, ... Ihr Menschen seid grauenhaft."

    Wäre eine Welt voller Menschen mit schonungslosem Wahrheitswillen eine bessere? Schwer zu sagen. Auch mag man hinterfragen, wie ehrlich der an Buchverkäufen nach wie vor sehr interessierte Däniken zu sich selbst und zu anderen ist. Immerhin werden frühere Irrtümer von ihm selbst inzwischen freimütig eingeräumt. Für EvD-Kritiker ist das Buch über 'Tomy' der naheliegende Versuch, den Sensationscharakter seiner Sachbücher nun in Romanform nochmals zu steigern.-


    'Tomy' wird beschrieben als 'normalerweise körperlos', gewissermaßen eine intelligente Energieform, welche imstande sei, mit Materie zu interagieren und sie zu manipulieren. Wer einen menschlichen Körper materialisieren kann, ist auch in der Lage andere Menschen mit oder gegen deren Einverständnis zeitweilig zu 'übernehmen' ...eine Funktionalität, von der Tomy reichlich Gebrauch macht.

    (Warum er knapp 20 Jahre gewartet habe, der Öffentlichkeit von Tomy zu berichten, erklärt EvD so: Als Sachbuchautor habe er sich nicht seinen Kritikern durch seine 'so unglaubliche, phantastische Geschichte' ausliefern und der Lächerlichkeit preisgeben wollen. Inzwischen sei er aber 'steinalt' und das ganze Gerede sei ihm heute gleichgültig. Zudem, erfährt man zum Ende der Erzählung, sei Däniken von den schweizerischen Behörden zur Verschwiegenheit vergattert worden, für 20 Jahre.)

          Und weshalb gerade er, schon damals ein bekannter Bestsellerautor, auserwählt worden sei für diese Begegnung: Mitten in der Wüste habe er nachts den Sternenhimmel betrachtet und tiefe Sehnsucht verspürt, von einem Außerirdischen kontaktiert zu werden. Dieser Gedanke wurde wenig später von Tomy nahe dem Sternensystem Vega ge- und spontan erhört...Nun ja, wenn ein Außerirdischer eine derartige Kontaktaufnahme plante, würde er sicherlich jemand Aufgeschlossenes wählen.)

    Mich erinnert 'Tomy' stark an den gleichfalls multidimensional präsenten Seth aus den Büchern von Jane Roberts. (Vgl. Einführung in ihr deutschsprachig übersetztes Buch The Nature of Personal Reality). Die Wesenheit „Seth“, die mit Hilfe von Roberts Körper im Trancezustand kommuniziert, bezeichnet sich demnach selbst als „multidimensionaler Energiepersönlichkeitskern“, der mehrere Inkarnationen als durchlaufen habe sich nun in einer einer geistigen Welt höherer Realität befinde.   
    Anders als EvD hat Jane Roberts immer die Möglichkeit in Betracht gezogen, bei Seth handele es sich um die Personifizierung eines überbewussten Teils ihres normalen Selbst, entstamme also ihrem Unterbewusstsein.)  
    Die in mehr als 500 Sitzungen aufgezeichneten Ausführungen 'Seths' gehen sehr, sehr viel tiefer als Dänikens 'Erlebnisbericht', der in weiten Teilen die Merkmale eines James-Bond-Abenteuers aufweist. Beim Lesen dieser zwar spannenden, aber ach so 'irdischen' Schilderung wurde ich zunehmend ungeduldig. Zu viele Nebensächlichkeiten für einen Roman, dessen Protagonist eine außerirdische Intelligenz ist. 
    Ich bilde mir ein, dass ich ein vierwöchiges Zusammensein mit einem gutmütigen, mental und spirituell überlegenen Außerirdischen anders genutzt hätte - vor allem hätte ich Mühe darauf verwendet, mehr zu erfahren über die Ursprünge des Menschen, das Wesen und die (Un)Endlichkeit von Bewusstsein, Tod und Wiedergeburt und die Multidimensionalität unseres 'Persönlichkeitskerns'...
    Einige dieser Fragen werden zwar in EvD's Buch über Tomy thematisiert. Im Vordergrund stehen leider jedoch Geheimdienstattacken und als Unfall getarnte Mordversuche feindseliger Geheimdienste. Dafür hätte ein einziges Kapitel gereicht, halt als Rahmenstory. 

    Unpassend auch die langatmigen Beschreibungen von Freskenmalereien byzantinischen Charakters in der Tokali-Kilise-Kirche ...einschließich deren aus Tuffgestein geschlagenen Sitzbänke...seitenlang geht das. 
    In einem dem SciFi-Genre zuzuordnenden Roman über einen Außerirdischen auf der Erde interessieren mich die touristisch-archäologischen Eindrücke Dänikens eher am Rande!

    Dieser Aspekt des Abschweifens begründet einige Unsicherheit hinsichtlich der Wahrhaftigkeit von Dänikens Alien-Begegnung: Sich detaillierte Ausführungen einer imaginären (hochintelligenten und beinahe allwissenden) Alien-Persönlichkeit auszudenken, ist vergleichsweise mühselig - aber eine gewisse Seitenanzahl war wohl vom Verlag gefordert. Also wird drauf los fabuliert, was das Zeug hält... oder sind meine Erwartungen etwa überzogen?


    Immerhin erzählt der Erich seinen Mitreisenden lang und breit über alles, was er über Außerirdische herausgefunden habe - als ein solcher neben ihm sitzt: 
    "Schweigend hörte er (Tomy) zu, in seinem Gesichtsausdruck und um seine Lippen jenes undefinierbare Lächeln,das nicht zu durchschauen war..."
    Erst daraufhin wird EvD eines besseren belehrt, als Tomy ihn 'übernimmt',  sich mit seinem Bewusstsein vernetzt. Das Erlebte sei unbeschreiblich, selbst für einen Schriftsteller. Wie dem auch sei ... geschildert wird unter anderem 
    • ein unvorstellbar großes und präzises Wissen dieser Lebensform, wie es nur durch den Zugriff auf eine große Anzahl vernetzter Bewusstseinseinheiten denkbar sei,
    • Wogen von Glück, die mit menschlichen Sinnen nicht nachfühlbar sind,
    • körperlose Fortbewegung (unendliche Weiten und Geschwindigkeit), telepathische Kommunikation und Unverletzlichkeit gegenüber Temperaturen, Strahlung etc.
    • sinnliche Wahrnehmung (bildhafte Eindrücke, Musik, Gerüche) ohne den Gebrauch physischer Sinnesorgane, 
    • die visionshafte Beobachtung bizarrer Raumschiffe von unvorstellbaren Ausmaßen, 
    • ungeahnt große Zuneigung durch außerirdische Lebensformen, die alles andere als humanoid sind,

    • die 'absolute Relativität' von Raum und Zeit...
    Däniken erzählt auch von der Passage durch ein Schwarzes Loch (ohne Zeitverzug?) und dem Erkennen, dass alle Sonnensysteme, die von Schwarzen Löchern aufgesogen werden, an einem anderen Ort in Raum und Zeit ausgespuckt werden und dort einen neuen Urknall bewirken. "Somit es gibt nicht den einen Urknall, der zur Entstehung des Universums führte, sondern millionenfache Urknalle, die dauernd irgendwo im Universum ablaufen. Galaxien vergehen und entstehen ununterbrochen..."


    Multidimensionalität und Pantheismus

    All diese Eindrücke münden in eine zentrale Erkenntnis (wie man sie auch auf Webseiten und in Büchern belesener Esoteriker findet): 
    Wir alle sind universelle (nicht an eine bestimmtes Erscheinungsbild gebundene) Lebensformen, die jenseits von Raum und Zeit miteinander und untereinander verbunden sind und ungeachtet ihrer Individualität eine Einheit bilden. ('Alles ist mit Allem verbunden'). Jedes Individuum verfügt über Zugang zum Wissen und  zu den Erinnerungen aller universalen Lebensformen - lediglich in unserer körperlichen Lebensspanne ist dieser Zugang unterbunden oder zumindest stark eingeschränkt, weil wir sonst 'überschnappen würden'.
    Nun endlich (etwa im letzten Viertel des Buches) stellt Däniken einige der wirklich interessanten Fragen an Tomy und erhält folgende Antworten:
    • Reinkarnation sei eine Tatsache: allen Menschen, zu denen intensive Empfindungen wie Liebe oder Haß verspürt werden, sei man in einem früheren Leben begegnet.
      Jede Lebensform besitze ihren eigenen, unverwechselbaren Nukleus (Persönlichkeitskern - vergleiche Jane Roberts bzw. 'Seth'), der von Leben zu Leben weiterlaufe. Man sei gut beraten, für alle Menschen, durch die einem selbst Schlechtes widerfahren sei, zu beten und den "grandiosen Geist des Universums" um Vergebung für ihre Taten zu bitten.
    • Das gesamte Universum sei wie eine ineinander verschachtelte Holografie; alles sei mit allem verbunden,und die Zeit existiere nur für die Materie und die Schwingung aus ihr. Während jeder Mensch und jede andere bewusste Lebensform lediglich einen mikroskopischen Bestandteil eines ('unseres') Universums darstelle, umfasse Gott (der 'grandiose Geist der Schöpfung', der immer da gewesen sei und ewig existiere) die Gesamtheit aller jemals entstandenen Universen und somit und die immerwährende Schöpfung. 
    • "Gott existierte längst, als es uns zu geben begann." Dieser Gott besitzt freilich eine anderes Kaliber als jene für 'Gottheiten' gehaltene Aliens, die unsere Erde nach Erichs Auffassung mehrfach besucht hatten. Eine Übereinstimmung mit mosaischen Gottesvorstellungen bestehe nur in der Vorstellung von einem allmächtigen Schöpfer als Urheber von Allem was ist, ausgehen.
      Die Erbsünde und die Erschaffung (sowie die spätere Erlösung) einer 'mit Fehlern behafteten Menschheit' wird in dieser, dem außerirdischen Tomy zugeschriebenen Gottesvorstellung als unlogisch verneint, denn: "Hier verwechselt Ihr Ursache und Wirkung. Daß die Stammeltern eine Sünde begehen würden, mußte Gott in seiner Zeitlosigkeit von vornherein wissen."
    Angesichts des unendlichen Universums, das sich dauernd erneuert, stelle sich die Frage nach einem persönlichen Gott überhaupt nicht. "Diese Schöpfung ist nun mal da, wir und alles um uns herum sind Bestandteil der Schöpfung. An diese Stelle setzten wir den 'grandiosen Geist der Schöpfung' ".   
    [Diesen Terminus verwendet EvD auch außerhalb dieses Romangschehens relativ häufig. Und Tomys Ausführungen hätte sich ein mäßig gebildeter Leser mit ein wenig Rechercheaufwand selbst erarbeiten können. Nun finde ich den schriftstellerischen Ansatz, die eigene Weltsicht in einer fiktiven Rahmenhandlung zu verpacken nicht so schlecht - so hält man Leser bei der Stange und hilft ihnen über trockene, aber für notwendig erachtete Passagen hinweg. Bei dieser Gelegenheit lassen sich auch noch eigene Erfahrungen mit den lieben Mitmenschen ein- und abarbeiten. Dass EvD von diesen oft mies behandelt und (zu Unrecht) herabgewürdigt wurde, daran besteht kein Zweifel...seine Ufo-Recherchen und das gesamte Präastronautik-Thema passen bestimmten Kreisen so gar nicht in den Kram. Bei alledem sollte halt kein Zweifel aufkommen können, ob es bei dieser Rahmenhandlung sich um Fiktion oder eine persönlich-reale Erinnerung des Autors handelt..]
    Im Gegensatz zur christlichen Theologie und weit verbreitetem Volksglauben sei dieser grandiose Geist keinesfalls zuständig für menschliches Leid, Kriege und Naturkatastrophen - folglich sei es ein Fehler, das Phänomen 'Gott' mit einer Person zu identifizieren. Der 'grandiose Geist der Schöpfung' sei vielmehr der Ursprung von Allem in der Zeitlosigkeit des Universums.
    Inzwischen sollten Intellekt und Geschichtskenntnis uns befähigen, die Geschichte mit der Erbsünde und der Erlösung als unzutreffend zu erkennen. Doch bei vielen Menschen werde der Verstand vom Glauben überrumpelt, denn Glaube akzeptiert eine unbewiesene Gewissheit gegen jede Vernunft. So könne man sich leicht belügen und sich selbst einreden, im Reiche Gottes sei selbst das Unmögliche möglich.-
    (So ähnlich könnte es auch mit der Existenz von Aliens laufen, insoweit diese ebenfalls auf einer unbewiesenen Gewissheit beruht.)
    • Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie wird von Tomy dahingehend ergänzt bzw. präzisiert, dass um den Raum herum unendlich viele Dimensionen (also nicht nur 11 wie in der M-Theorie vorgeschlagen) existieren, die alle gleichzeitig vorhanden sind. Daher seien auch Zeitreisen möglich, ohne ein Paradoxon auszulösen - denn eine Zeitmaschine wechsele auf ihrer 'Reise' in einer andere Dimension:
    "Neben diesem Raum, in dem wir uns gerade unterhalten, liegen Trillionen anderer Räume, nur den Bruchteil eines Nano-Millimeters von uns entfernt. Dort existieren Menschen wir Ihr, sie diskutieren wir Ihr, sind aber dennoch nicht die genau gleichen. In der anderen Dimension könntest Du Deinen Urgroßvater umbringen, doch dieser Urgroßvater ist nicht derselbe Ur-großvater wie derjenige aus Deiner Dimension..."
    Im Universum existiert also eine unvorstellbar große Anzahl von Realitäten dicht nebeneinander, d.h. gleichzeitig. Ein Hologramm könne eine ungefähre Vorstellung davon vermitteln. 


    Wenn es sich gelohnt hat, dieses Buch zu lesen, dann allein wegen der Ausführungen in dieser Passage - ob diese Worte nun von einem Außerirdischen oder aus Dänikens eigener Gedankenwelt stammen. 
    Alsbald wird es wieder 'profan':

    Und der Erich hat doch Recht...

    Danikens präastronautische Thesen werden durch seinen einzigartigen Besucher bestätigt und präzisiert (keine wirkliche Überraschung): 16 Besuche in den vergangenen 500.000 Jahren - für zwei dieser Besuche könne man noch heute objektive Beweise finden. WO? Welcher Art?? Das würde mich am meisten interessieren.
    Die letztgültige, unwiderlegbare Evidenz der außerirdischen Kontakte und Einflüsse resultiere aus der heutigen Beschaffenheit des menschlichen Genoms.

    Damit bestätigt Tomy natürlich die These aus EvD-Büchern, unser Genom sei nicht bloß durch Evolution verändert worden, sondern in bedeutender Weise auch durch zielgerichtete Eingriffe von Außerirdischen. Diese sollen vor Jahrtausenden der DNA primitiver Hominiden ein Upgrade verpasst haben. Hinweise darauf fänden sich in vielen alten Mythen, den altindischen Veden sowie auch im A.T. - 'Götter schufen den Menschen ihrem Bilde nach'. Etwa im Jahr 2012 werde es den Genetikern wohl möglich sei, diese Manipulation nachzuweisen. (Zecharia Sitchen und seine 'menschliche Sklavenrasse' lassen grüßen...)


    Leider ist damit fürs erste Schluss mit Alien-Wissen und die Alle-Welt-verfolgt-uns-Story geht weiter. Rückkehr in die Schweiz und die Problematik, Tomy seiner Frau vorzustellen.


    Die Tomy zugeschriebene Bewertung unseres sozialen Systems trifft sicherlich zu: die menschliche Gesellschaft sei in einem System gefangen, das nicht erlaube, Dinge öffentlich auszusprechen, solange sie unvernünftig scheinen, d.h. solange die Zeit dafür noch nicht reif ist. (Auch dieser 'Zeitgeist der Verlogenheit' wird von Däniken in vielen Büchern und Filmen kritisiert.)
    Es existiere zwar eine gewisse Meinungsfreiheit - doch solange die Mehrheit (oder die Meinungsführer) einen Gedankengang nicht nachvollziehen können, besteht kein Interesse an neuen Erkenntnissen, welche im Widerspruch zum gängigen Wahrnehmungsfilter stehen. Wer dennoch die Kraft besitzt, das eigene, unkonventionelle Wissen öffentlich zu machen, landet sehr bald im Abseits - indem er der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Der Bezug liegt nahe:

    "UFOs haben gefälligst nicht zuexistieren und wer sich für sie stark macht, muß a priori ein Trottel sein." Dasselbe gelte für archäologische Funde, soweit diese der gängigen Geschichtsinterpretation widersprechen, welche nun mal keine Aliens in der Antike vorsieht.
    "Diese "Vernünftigen", wenn auch durch und durch pseudowissenschaftlich, hängen sich stets das Mäntelchen der Wissenschaftlichkeit um,bedienen sich der Methoden der Verunglimpfung und Ausgrenzung und beteuern bei jeder unpassenden Gelegenheit ihre Seriosität."
    Neues, vermeintlich unvernünftiges Wissen wird erst akzeptiert, wenn es unwiderlegbar geworden ist. Kollektive Verdrängung geht einher mit gelenkter Desinformation - Chancen zu einer Trendwende ergeben sich denkbar selten. Braucht es eine überlegene Intelligenz von außerhalb, um dies zu realisieren? 

    Die andere Seite der Medaille: Ein fortschrittlicher Wissenschaftler, als der EvD sich sieht, nimmt schon mal die Opferrolle ein und verwechselt berechtigte Kritik mit einer Verschwörung gegen ihn persönlich und sein vom Geiste der Aufklärung beseeltes Lebenswerk...


    Tomy's Abschied

    Während des gemeinsamen Aufenthaltes in der Schweiz habe Tomy insgesamt 34 'wichtige' Personen weltweit aufgesucht (mental 'übernommen')... allesamt Wissenschaftler, Politiker, Kleriker. Einige von ihnen seien nach telepathischen Experimenten erschrocken und hätten an ihrem Verstand gezweifelt. 
    Während sich im Laufe dieser unfreiwilligen Kontakte sein Menschenbild ('ein Haufen verlogener, scheinheiliger Rechthaber') bestätigt habe, habe Tomy bei den erwählten Exemplaren einen Sinneswandel herbeigeführt: 

    In den folgenden Jahren sei daraus eine intensive Korrespondenz mit Däniken hervor gegangen, die zur Gründung eines informellen Clubs "der nicht-lügenden Menschen" führte. 
    Eine weitere Wirkung dieser 'freundlichen Übernahmen': Wissenschaftler und Journalisten, nahmen den Erich endlich ernst und verteidigten sogar seine Ansichten sogar. Rückblickend habe er eine deutlich wohlwollendere Haltung in Gelehrten- und Journalistenkreisen erfahren. Schade, dass keine Namen genannt werden, ohne die es erneut bei einem subjektiven Eindruck bleibt. BundeskanzlerInnen und US-Präsidenten scheinen sich nicht darunter zu befinden, obwohl Politgrößen sich als Multiplikatoren bestens geeignet hätten...

    Tomy hält an seinem Fazit über das menschliche Wesen weiterhin fest:
    "Wir Menschen, so Tomy, mögen zwar auf unsere Weise interessant sein, doch insgesamt unehrlich. 
    'Ein Planet der Lüge, der mir jede Freude an diesen Wesen stiehlt. Immerhin habe ich auch wunderbare Menschen kennenlernen dürfen'."
    Die quälende Geheimdienststory findet ihr jähes Ende, als eine Agentin - die typisch unbelehrbar-böse Romanfigur -den Körper des Außerirdischen mit einem Elektroshocker tötet und dabei auch selbst ihr Ende findet. 
    Doch die Kommunikation zwischen Erich und Tomy wird erwartungsgemäß fortgesetzt: beide Individuen befinden sich einstweilen in Erichs Körper.
    Tomy's auf 'künstlichem' Wege materialisierter Körper zerfällt binnen weniger Stunden in seine chemischen Elemente - fast unspektakulär. 

    Der endgültige Abschied steht bevor - denn ein erneuter Besuch auf der Erde sei ausgeschlossen, wie der Außerirdische in einer Zwiesprache mit Erichs Bewusstsein erklärt: "Ich würde diesen Planeten unter den Myriaden von Sonnensystemen nie mehr finden. Denke an das holographische Universum." Ach so.

    Dass Tomy's 'Geist' (also seine eigentliche Erscheinungsform als intelligentes, körperloses Energiewesen) vom physischem Tod unbeeindruckt bleibt und weiterexistiert, könnte als Hinweis darauf verstanden werden, was uns Menschen erwarten mag, wenn wir sterben.
    Hier bestehen sicherlich Parallelen zu 'David Bowman' aus der ab 1968 verfilmten Trilogie 'Odyssee im Weltraum' (die Filme mit dem Supercomputer HAL9000 und den schwarzen Monolithen...) von Arthur Clarke, jedenfalls sind die Fähigkeiten und der Wissensvorsprung der späteren Energieform ("David Bowman ist ein Teil von dem, was ich jetzt bin") mit Tomy durchaus zu vergleichen.
    Aus dieser Analogie allein lässt sich natürlich nicht schließen, bei Dänikens Bericht handele es sich gleichfalls um eine aus der Ich-Position erzählten Science Fiction-Story. Beide Bücher weisen lediglich ähnliche Vorstellungen ihrer Verfasser über Gott, die Existenz von außerirdischen Lebensformen sowie dem Ursprung und Beschaffenheit des Universums auf.-

    Es liegt auf der Hand, dass vieles von Tomy's Ausführungen nicht völlig neu ist, nicht mal für mich. Inwieweit Erich von Däniken den Besuch von Tomy auf der Erde sowie dessen Auswirkungen - insbesondere auf das Leben des Bestsellerautors - als subjektive Erinnerung ehrlich wiedergegeben hat, vermag ich nicht zu beurteilen.
    Stellenweise schimmert durch, wie sehr Däniken sich durch seine tumben und verlogenen Zeitgenossen verletzt und gedemütigt sieht. Rechnet der Autor so mit seinen Kritikern und Gegnern ab - gestützt und projizierend auf die unempfindlichere Persönlichkeit eines Außerirdischen?

    Alles nur erfunden? Das sagt sich so leicht in der Absicht, persönliche Erlebnisse abzuwerten, die nun einmal nicht objektivierbar sind. Ein umstrittener Schriftsteller, der zeitlebens um Glaubwürdigkeit und Akzeptanz kämpft, bindet seine Ehefrau, seine Familie und seinen engsten Freundeskreis in eine erfundene Story ein? Viel Aufwand für eine Rechtfertigungs- und Vermarktungsstrategie, deren Bedarf nach millionenfach verkauften Büchern kaum mehr besteht.

    Belassen wir es dabei, dass die Wahrheit im Auge des menschlichen oder nicht-menschlichen Betrachters liegt.

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    Unser Leben gleicht der Reise
    Eines Wandrers in der Nacht;
    Jeder hat in seinem Gleise
    Etwas, das ihm Kummer macht.

    Aber unerwartet schwindet
    Vor uns Nacht und Dunkelheit,
    Und der Schwergedrückte findet
    Linderung in seinem Leid.

    Mutig, mutig, liebe Brüder,
    Gebt das bange Sorgen auf;
    Morgen steigt die Sonne wieder
    Freundlich an dem Himmel auf.
    Darum laßt uns weitergehen;
    Weichet nicht verzagt zurück!
    Hinter jenen fernen Höhen
    Wartet unser noch ein Glück.

    (Beresina-Lied v. Thomas Legler, 1782-1835)


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    Wen die grundsätzliche Vereinbarkeit von Relativitätstheorie und Zeitreisen im Detail interessiert, mag darüber bei Kurt Gödel nachlesen. Der Gödelsche Unvollständigkeitssatz Dessen Habilitationsarbeit 'Über formal unentscheidbare Sätze der Prinzipia Mathematica und verwandter Systeme', wird in diesem Kontext von EvD bzw. Tomy erwähnt.