Freitag, 25. September 2015

Höhlenforschung: Autarkes Biotop in der Movile-Höhle

In der Höhle Pestera Movile in Rumänien, die lange von der Außenwelt isoliert war, hat sich eine "Gemeinschaft urtümlicher Wesen" (SPON, 1996) entwickelt: Fingerdicke Biofilme aus Bakterien, Riesenegel und fleischfressende Insekten, die sich auf ihr düsteres Biotop spezialisiert haben.
Die Höhle von Movile am Südufer des Mangaliasees (Schwarzmeerküste) wurde 1986 von Cristian Lascu entdeckt. Sie bildete sich vor ca. 5 Millionen Jahren und ist seit mindestens 500.000 Jahren von der Oberfläche abgeschnitten. Die Höhlenatmosphäre enthält viel Schwefel und kaum Sauerstoff. Die Höhlenwände der Karsthöhle bestehen aus Lehm, welcher von einer 25 Meter dicken Kalkstein-Schicht  umschlossen ist. Der einzige Zugang zur Höhle ist eine schwefelhaltige Wasserader aus 400 Meter Tiefe.

"Hunderte Tausendfüßler mit einer fast durchsichtigen Haut"

Im Innern der Höhle besteht ein außergewöhnliches Ökosystem, das etwa "60 urzeitliche Tierarten" aufweist, die sich im Laufe der Zeit stark spezialisierten und beispielsweise Augen oder Farbpigmente in der Haut völlig zurückgebildet haben. 35 vorgefundene Arten waren noch unbekannt.
Die Überlebensfähigkeit dieses Systems wird durch Schwefelbakterien gewährleistet, die auf dem Wasser einen gallertartigen Überzug bilden. Auf dieser Masse bilden sich Pilze, welche anderen Lebewesen in der Höhle als Nahrung dienen.
Ähnliche Systeme sind seit den 1970er Jahren aus der Tiefsee bekannt - jedoch lassen sie sich in der Movile-Höhle aufgrund ihrer Zugänglichkeit wesentlich leichter untersuchen.

Das Besondere und Interessante an dieser Höhle ist also das Vorhandensein eines Biotops mit autarken Lebensformen. Dieser Mikrokosmos der Movile-Höhle basiert vermutlich auf Chemosynthese und könnte von daher Rückschlüsse über Lebensformen auf anderen Planeten ermöglichen.
Wie der abschließende Forschungsbericht darlegt, stellt das Höhlensystem aufgrund seiner Abgeschlossenheit ein "ideales Untersuchungs- und Demonstrationsobjekt zur Quantifizierung von Stoff- und Energieflüssen für extreaterrestrische Systeme wie der ISS oder Bodenstationen auf dem Mond oder dem Mars dar".
"Die Primärproduktion basiert vorwiegend auf der bakteriellen Oxidation geogenen Sulfids, jedochleisten wahrscheinlich auch die Methanoxidation sowie die Nitrifikation einen signifikanten Beitrag zur Energiebilanz."(1)

Dokumentation zur Movile-Höhle (ZDF)

Der Film bietet einen Überblick extremophiler Lebensformen in erschiedenen Biotopen. Leider wurde die ursprüngliche Dokumentation auf YT entfernt




Siehe auch:

  1. Untersuchung der Mikroflora in Movile Cave bei Mangalia, Rumänien (Abschlusbericht
  2. Im weiteren Sinne relevant / von Interesse:
    "Astrobiologie für Einsteiger" (von Kevin W. Plaxco Michael Groß):

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