Dienstag, 4. Oktober 2016

"Weil es ums Ganze geht" - Vortrag von Hans Peter Dürr (2011)

"Wir erleben mehr, als wir begreifen können."

Zumindest haben wir die Fähigkeit, gegenwärtig noch Unerklärtes wahrzunehmen und auf uns einwirken zu lassen. Wir wir damit umgehen -als Individuen sowie als Zivilgesellschaft - obliegt unserer eigenen Verantwortung. Klingt zunächst wie eine Binsenweisheit, geradezu banal - doch die resultierende Schlussfolgerung mahnt zur Bescheidenheit: Unser Bewusstsein ist derzeit noch nicht hinreichend ausgeprägt, um die naturwissenschaftlichen und 'metaphysischen' Erkenntnisse in ihrer Gesamtheit zu begreifen und eine ihr angemessene Ethik zu entwickeln, geschweige denn anzuwenden.
Der Physiker Hans-Peter Dürr († 2014) macht anhand einer Vielzahl von Einzelbeispielen deutlich, wie sehr wir dazu neigen, die Natur zu analysieren (=in handliche, verstehbare Fragmente zu zerlegen) und uns mit einer Interpretation dieser Bildausschnitte zu begnügen. Zwar versucht die Naturwissenschaft, die gewonnenen Ausschnitte wieder zu einem vollständigen Bild zu integrieren, verkennt dabei aber etwas Wesentliches: Gerade die Beschäftigung mit Lebendigem lässt offensichtlich werden: ein lebendiger Organismus ist weit mehr als die Summe seiner Teile
Dürr setzt sich hingegen für eine ganzheitliche Betrachtungsweise ein: 
"...das Erstaunliche dabei ist, dass sich diese revolutionären Einsichten in den vergangenen bald hundert Jahren seit ihrer theoretischen Klärung kaum auf die anderen Wissenschaften ausgewirkt und nur ganz oberflächlich Eingang in das allgemeine Denken unserer Gesellschaft gefunden haben."
Welche 'revolutionären Einsichten' sind gemeint(1)?
  • Aus der Quantenphysik (Kopenhagener Deutung) wissen wir: Die in der Natur ablaufenden Vorgänge sind nicht nicht determiniert, d.h. nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagbar. 
  • Eine Zerlegung von Materie in immer kleinere Bestandteile muss scheitern, denn Materie sei ihrerseits nicht aus Materie aufgebaut: "Am Ende allen Zerteilens von Materie bleibt etwas, das mehr dem Geistigen ähnelt – ganzheitlich, offen, lebendig."



Wer schon einen oder mehrere Vorträge von Dürr gehört hat, wird vielen seiner Kernaussagen nochmals begegnen. 

Quellenangaben: 

  1. "Der Teil und das Ganze" - Rezension zum Buch 'Das Lebende lebendiger werden lassen" von Hans-Peter Dürr

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