Samstag, 13. Oktober 2012

Ewige Hölle oder Allversöhnung?


“Höllenpredigten! Da schauert es uns. Und Gott sei Dank, es gibt sie ja auch kaum noch. Ich selbst kann mich nicht erinnern, jemals über die Hölle gepredigt zu haben.”
…heißt es hier in einer christlichen Predigt. Haben sich denn die großen Kirchen von ihrem einzigen Drohinstrument, das Aufklärung und Säkularisierung überstanden hat, verabschiedet?





Kommentare:

  1. Sehr interessanter Artikel! Ich würde die Geschichten und Bußpredigten und die Angstmache allerdings nicht nur der katholischen Kirche in die Schuhe schieben – die Protestanten sind, je nach Ausrichtung (Lutheraner, Calvinisten, Methodisten und so weiter und so fort) mindestens ebenso schlimm (gewesen). „Alles Üble, das die Bösen tun, wird verzeichnet.“ Ja, das denke ich auch; aber auch alles Gute wird verzeichnet! Und was ist überhaupt „übel, böse“? Sind es nicht Begriffe, die wir Menschen nach unserem eigenen Ermessen mit Bedeutung belegen? Sind sie nicht deshalb sehr variabel? Und gibt es in Gottes Plan so etwas wie das Üble, Böse überhaupt oder ist es im großen kosmischen Plan nur eine Erfahrung? Können wir "GOTT" überhaupt mit menschlichen Begriffen belegen?
    Nicht nur Matthäus hat bildhaft geschrieben. Die Orientalen lieben Gleichnisse und Bilder, das war zu biblischen Zeiten nicht anders als heute. Ich bin davon überzeugt, dass die Bibelschreiber vom Göttlichen inspiriert waren, aber sie schrieben für die Menschen ihrer Zeit und ihres Umfelds. Es ist ähnlich wie mit den Kreuzzügen: Im Verständnis der Menschen zu der damaligen Zeit waren sie richtig, gut und verständlich. Heute deuten wir sie anders.
    Die Bibel sagt, dass Gott uns nach seinem Bilde schuf. Als solches haben wir göttlichen Anteil in uns und auch die Verantwortung für alles, was wir tun, nimmt uns niemand ab. Alles hat Konsequenzen (das meinst Du wahrscheinlich mit dem „Prinzip von Saat und Ernte“ – nicht Gott „bestraft“uns, sondern wir selber tun das). Und natürlich sind diese Konsequenzen über den Tod hinaus wirksam (wobei der Tod meiner Ansicht nach nur der Übergang von einem Seinszustand in den anderen ist – kein Fegefeuer, keine Vorhölle und keine Hölle werden uns dort erwarten).
    Was aber ist „Allversöhnung“? Ich glaube, das wir uns zunächst mit uns selbst aussöhnen müssen – mit all dem, was wir als unsere Fehler und Schwächen ansehen. Friede muss im Selbst entstehen, bevor er nach außen hin sichtbar wird.
    ALLES (nicht nur das Üble, was auch immer das sein mag) wird in dem alles durchdringenden „Etwas“ verzeichnet, mit dem wir (Körper, Geist und Seele) verbunden sind.
    LG von
    Stefanie

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  2. Hallo Stefanie,
    vielen Dank für den interessanten Kommentar.
    Der Hinweis auf die übrigen Konfessionen ist wirklich angebracht, da stimme ich zu. Es ist nur so, dass ich in Bezug auf die RKK aus eigener Erfahrung sprechen kann.
    Auch ich glaube, dass wir über unser Tun eine Form der Rechtfertigung ablegen müssen - aber ganz ohne die Spitzfindigkeiten menschengemachter Projektionen.

    Allversöhnung ist freilich ein zusammenfassender begriff für eine ganze Reihe von Strömungen, nicht nur innerhalb der Gnosis.
    Deren kern bildet die Überzeugung, dass Gott auf (sehr lange Sicht) keines seiner Geschöpfe endgültig und für immer scheitern lässt.
    Insoweit gehe ich auch davon aus, dass eine Aussöhnung mit sich selbst den Grundstein legt.
    Nicht Gott hat sich von uns entfernt,sondern es ist wohl eher so, dass wir Menschen auf Abwege geraten sind - es sind unsere Entscheidungen, nicht seine.
    Und so wird er uns auch eine Rückkehr niemals aufzwingen - uns aber auch nicht von sich stoßen, wenn wir alle dazu bereit sind.

    Bis dahin tragen wir die Konsequenzen dessen, wozu wir selbst die Veranlassung geben...im guten wie im schlechten.

    Lieben Gruß
    George

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