Montag, 5. November 2012

Projektion menschlicher Gedanken auf das Göttliche?

Oder: Was in aller Welt ist Trigono-Morphismus?

L. Feuerbach wandte sich gegen jede Vorstellung von einem Weiterleben des Individuums nach dem biologischen Tod und interpretierte Religion als Projektion des Menschen.
Insbesondere kritisierte er die “kindisch-phantastische” christliche Mythologie, die sich jedes Ammenmärchen der Historie als Tatsache aufbinden lasse. Die Abwesenheit jeder Vernunft mache diese Religion zu einem Spielball der spekulativen Willkür.
Dem Unglauben nur sind die Glaubensgegenstände vernunftwidrig; aber wer sie einmal glaubt, der ist von ihrer Wahrheit überzeugt, dem gelten sie selbst für die höchste Vernunft.

Kommentare:

  1. Banalste Selbstverständlichkeiten

    (Silvio Gesell: Vorwort zur 5. Auflage der NWO, 1921) "Wenn wir einmal die Natürliche Wirtschaftsordnung erleben, dann braucht man sie nicht mehr in Büchern zu studieren, dann wird alles so klar, so selbstverständlich. Wie bald wird dann auch die Zeit kommen, wo man den Verfasser bemitleiden wird, nicht aber, wie es heute noch geschieht, weil er solch utopischen Wahngebilden nachstrebt, sondern weil er seine Zeit der Verbreitung einer Lehre widmete, die ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht."

    (Dietrich Bonhoeffer: "Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit", 1943) "Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurückläßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden - in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht.
    …Soviel ist sicher, daß sie (die Dummheit) nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. …Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen.
    …Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen."

    Wie viel Dummheit ist nötig, um weiterhin Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg in Kauf zu nehmen, anstatt die "banalsten Selbstverständlichkeiten" zu verstehen und schon seit einem Jahrhundert in allgemeinem Wohlstand auf kaum noch vorstellbarem technologischem Niveau, einer sauberen Umwelt und selbstverständlichem Weltfrieden zu leben? Drei Jahrtausende Religion:

    3 Verwandlungen

    AntwortenLöschen
  2. Vielen Dank für diesen Kommentar - mit dieser Kritik kann ich leben. Was 'dumm' ist, erweist sich ausschließlich im konkreten Kontext; nur dort kann der Nachweis der Untauglichkeit erbracht werden.

    "Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg" sind allesamt untauglich zur Gegenwarts- und Zukunftsbewältigung - doch wäre jede Reduzierung der hierfür ursächlichen Faktoren auf "Drei Jahrtausende Religion" eine m.E. unzulässige Verzerrung der relevanten Interessen und Motive.

    Wo so großer Aufwand darauf verwendet wird, vermeintliche Dummheit zu konstatieren, würde ich mir zugleich auch Differenzierung wünschen.

    Ist jeder religiöse, gläubige oder 'suchende' Mensch dumm, unabhängig von seiner Sozialisation und der Art und Weise, wie diese Lebensanschauung gelebt wird?

    Dummheit als Defekt, festgestellt per pauschaler Ferndiagnose und artikuliert in Form von Zitaten ?

    Geistige Unbeweglichkeit finde ich in nahezu allen Lagern vor - bei fundamentalistischen Frömmlern ebenso wie unter NWO-Befürwortern und -Gegnern. Sie tritt meist in engem Verbund mit Verallgemeinerung auf.

    AntwortenLöschen
  3. Das Abbildungsverbot (Gebot) ist für mich völlig zu kurz gegriffen, wenn dahinter allein ein Bildnisverbot gesehen wird. Menschen haben schon immer versucht etwas zu erklären, was ihnen offenbart wurde und wo sie anschließend versuchten mit eigenen Worten zu erklären, was sie erfahren haben. Zu dem Text "Du sollst dir kein Bildnis machen ..." gehört meiner Ansicht ein zweiter Text " aus 2. Mos.33.20 "Und sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht." Die Konsequenz aus diesem Text lautet, es ist schlechthin unmöglich, dass der Mensch seinen Gott je zu Gesicht bekommen kann. Er lebt aus Gott seinem Schöpfer, wenn er ihm visavis stehen wollte, dann würde es seinen Tod bedeuten. Er kann nicht außerhalb von Gott existieren oder bestehen. Um dieses Problem zu erklären wird genauso das Gleichnis vom Weinstock und der Rebe (Traube) verwendet. Sie hat nur ihre Lebenschance solange sie mit dem Weinstock verbunden ist. Wird sie abgetrennt stirbt oder verdorrt sie. Also der Mensch kann Gott erfahren (Moses, Abraham etc.) ihn aber nie sehen. Wenn wir Jesus in das Gedankenspiel bringen (das fleischgewordene Wort) dann könnte das Thema von neuer Perspektive besprochen werden.

    AntwortenLöschen
  4. Stimmt, wenn ausschließlich auf das Christentum Bezug genommen wird, dann lässt sich sehr viel mehr über das Bildnisverbot sagen.

    Die Religionskritik Feuerbachs wird - jedenfalls heute - auf etliche Religionen angewandt, die sich dem Übernatürlichen nicht verschließen. An diesem Punkt habe ich versucht anzusetzen: Feuerbachs Projektionsthese, die u.a. auch an vermenschlichenden Abbildern der jeweils verehrten Gottheit(en) festgemacht wird, mag als Beobachtung durchaus zutreffen.
    Im Katholizismus fällt mir hierzu auch die Marien- und Heiligenverehrung ein.

    Daraus auf die Nichtexistenz Gottes zu schließen, geht m.E. jedoch viel zu weit.

    AntwortenLöschen